Benutzer:Ziko/BA-Bilder

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Die Bilder aus dem Bundesarchiv

"Zeitungsphotograf bei der Arbeit", 1928. Solche Fotos aus dem Bundesarchiv erinnern daran, wie das vorliegende Foto selbst entstanden ist, durch die Fotografen und Apparate seiner Zeit.

Geschenke verpflichten - die Bilderspende des Bundesarchivs vom Dezember 2008 lassen das Herz jeden Wikipedianers höher schlagen, doch sie bedeutet auch Arbeit. Hunderttausend Fotos aus der (nicht nur) deutschen Geschichte warten auf eine Kategorisierung, teilweise Bearbeitung und überhaupt eine Einordnung. Manche Bilder und Beschreibungen müssen mit besonders spitzen Fingern angefasst werden.

Eine große Anzahl der hochgeladenen Bilder entstammt den beiden Diktaturen in Deutschland. Das Wort "Bundesarchiv" wirkt geradezu befremdlich bei Propaganda-Fotos, die die Judenpolitik des Dritten Reiches oder die wirtschaftliche Stärke der DDR hochloben. Wie ist damit umzugehen, und woher kommt dieses Übergewicht? Machen nur böse Menschen Fotos?

Verfügbarkeit[Bearbeiten]

Bekanntermaßen dürfen nur solche Bilder in die Wikipedia bzw. die Wikimedia Commons hochgeladen werden, die einer "freien Lizenz" entsprechen können. Der Fotograf muss seine Einwilligung zu einer freien Lizenz gegeben haben oder mehr als siebzig Jahre tot sein. Dann ist das Urheberrecht erloschen. Oder aber der Fotograf hat im Auftrag anderer fotografiert, dann haben die Auftraggeber die Rechte.

Hat also der Staat fotografieren und sich die Rechte geben lassen, dann kann auch der Staat über eine freie Lizenz entscheiden. In den Vereinigten Staaten gilt, dass alles, was Angestellte des Staates in ihrer Arbeitszeit produzieren, gemeinfrei ist. Schließlich hat der Steuerzahler bereits gezahlt, lautet der dahinterliegende Gedanke. Soweit ist man in Deutschland noch lange nicht.

Es ist wohl kein Zufall, dass ausgerechnet Diktaturen besonders gern Fotografien selbst herstellen lassen und dies nicht einfach dem freien Markt überlassen. Sie wollen bestimmen, welches Bild der Leser oder Zuschauer vom Land bekommt. Die Bilder stellen sie auch gerne zur Verfügung.

Lügen alle Bilder?[Bearbeiten]

Abermals: Bilder im zeitlichen Kontext. Führer der "Propagandakompanie" betrachten Bilder, die ihrem Auftrag entsprechen müssen (1939).

Diktaturen gegenüber muss man misstrauisch sein. Sie lügen gerne mit Bildern. Das bleibt wahr, doch es wäre falsch zu glauben, dass jedes kleine bisschen, das eine Diktatur veröffentlicht, irgendwie unwahr sein müsse. Umgekehrt haben auch demokratische Regierungen, Unternehmen, Vereine oder Privatpersonen die Neigung, sich selbst in einem möglichst guten Licht darzustellen.

Angenommen, Fotos von einer Tagungsstätte sind überliefert. Welche Absicht hatte der Fotograf und was sind die Folgen?

  • Fotos für eine Werbebroschüre sollen zeigen, was für Möglichkeiten die Stätte denjenigen gibt, die sie mieten. Man sieht die Tagungsräume und, wenn es Übernachtungsgelegenheiten gibt, Schlafräume. Gezeigt werden natürlich lieber die schöneren als die hässlicheren Räume.
  • Ein Teilnehmer, der an einer Tagung teilgenommen hat, geht mit anderen Absichten vor. Während der Tagung selbst lässt er die Kamera wahrscheinlich in der Tasche, aber er macht in den Pausen Fotos von befreundeten Teilnehmern oder fotografiert den schönen Garten.
  • Fotos, die für eine Versicherung gemacht werden, zeigen wiederum das zu deren Zwecken relevante: Brandtüren, Fluchtwege, Einbruchssicherungen oder auch elektrische und sanitäre Anlagen.

Alles, was für diese Fotografen nicht relevant war, wurde nicht fotografiert und ging für die Nachwelt verloren.

Quellenkunde für Bilder[Bearbeiten]

Aus Sicht eines Historikers sind Bilder Quellen wie auch Texte oder Gegenstände. Sie sind erstens einer Quellenkritik zu unterziehen (dazu gehört die Echtheitsfrage), zweitens zu beschreiben bzw. zu kommentieren und drittens in einen größeren Zusammenhang einzuordnen. Die Schritte gehen teilweise ineinander über.

Wie auch bei Texten muss bedacht werden, dass längst nicht alle jemals gemachten Fotos überliefert sind. Bereits der Fotograf, der seine Ausbeute begutachtet, selektiert Fotos, und zwar nach Kriterien, die nicht unbedingt denen des späteren Historikers entsprechen. Dann selektiert vielleicht ein Auftraggeber oder ein Bildredakteur. Umso mehr sind die erhalten gebliebenen Fotos nur ein Ausschnitt der Wirklichkeit. Wenn jemand mit Fotos lügen will, dann geht es nicht einmal so sehr darum was er zeigt, sondern darum, was er nicht zeigt. Überhaupt - selbst der objektivste Fotograf könnte niemals "alles" zeigen, ein Bild ist immer nur ein Ausschnitt von Raum und Zeit.

Die Bilder aus dem Bundesarchiv kann man etwa in folgende Gruppen einsortieren:

  • Propagandabilder, die eine bestimmte ideologische Denkweise unterstützen sollen (Juden sind schmutzig, die DDR-Menschen sind glückliche Werktätige, weil die Produktionsmittel "ihnen" gehören);
  • Bilder zu Repräsentationszwecken zeigen beispielsweise Politiker bei ihrer Arbeit;
  • Dokumentarische Bilder, die Ereignisse und Zustände beschreiben, was sich mit anderen Absichten vermischen kann (sehen wir einfach nur Bilder aus einer Blindenschule, oder sollen die Bilder nicht auch zeigen, wie vorbildhaft die Gesellschaft mit Blinden umgeht?);
  • Boulevardeske oder gefällige Bilder, die dem Betrachter ein Schmunzeln abverlangen;
  • Journalistische Bilder, vor allem solche eines "kritischen", "engagierten" oder "investigativen" Journalismus, die Misstände aufzeigen oder zumindest die leicht übersehenen Ränder der Gesellschaft dokumentieren;
  • Künstlerische Bilder, die nicht nur etwas abbilden, sondern darüber hinaus ästhetischen Forderungen entgegenkommen.

Besonders die beiden letztgenannten Gruppen sind äußerst selten; dies hat mit der oben genannten Verfügbarkeit zu tun. Journalisten und Künstler arbeiten oft selbstständig oder für einen privatwirtschaftlichen Verlag, es ist unwahrscheinlich, dass ihre Bilder mit den entsprechenden Rechten vorzeitig ins Bundesarchiv kommen.

Originalbeschreibungen[Bearbeiten]

Zum Wert einer Fotosammlung trägt eine gute Dokumentation wesentlich bei. Mit einem bloßen Foto, ohne Datum, ohne Angaben zum Ort oder zu den gezeigten Personen, kann man kaum etwas anfangen. Darum sollten Fotografen darauf bedacht sein, ihre Bilder am besten schon selbst zu "beschriften" bzw. mit den wichtigsten Informationen zu versehen. Archivare, die Fotosammlungen übernehmen, können unter günstigen Umständen den Fotografen oder Zeitzeugen kontaktieren. Wenn dies nicht mehr geht, sind die bereits gemachten Angaben umso wertvoller. Daher übernehmen die Archivare diese Angaben, auch wenn sie grundsätzlich dafür offen sind, dass die Angaben falsch oder tendenziös sein können.

In den Wikimedia Commons wird von "Originalbeschreibungen" gesprochen. Oftmals ist jedoch nicht bekannt, wer genau die Beschreibung vorgenommen hat, der Fotograf, ein Fotoredakteur oder später ein Archivar. Falls kein konkreter Hinweis vorhanden ist, kann man teilweise Vermutungen anstellen. Ein allgemeinerer Begriff wäre "historische Beschreibung". Für die Richtigkeit oder Angemessenheit der Beschreibungen kann das Bundesarchiv also ebenso wenig eine Garantie abgeben wie die Wikimedia Commons.

Bei der BA-Bilderspende kommt folgender Fall häufiger vor: Die DDR hat Bilder aus früheren Zeiten übernommen und ihnen einen DDR-typischen Kommentar gegeben. Die Wortwahl ("Faschisten") und auch der Verweis auf ADN (DDR-Nachrichtenagentur) und Zentralbild sind deutliche Zeichen. Teilweise sind in der Vorlage bei Commons Originalbeschreibung und spätere Zusätze nicht eindeutig voneinander getrennt.

Bilder und Wikipedia[Bearbeiten]

Siehe auch: Artikel illustrieren, Richtlinien Geschichte

In der Wikipedia dient ein Bild weniger als historische Quelle, aus der (neue) Erkenntnisse gewonnen wird, sondern als Illustration, als Veranschaulichung für das, das hauptsächlich durch den Text erklärt wird.

Die Originalbeschreibungen des Bundesarchivs sind oftmals wenig geeignet, um sie als Bilduntertitel in einem Wikipedia-Artikel zu verwenden: unenzyklopädisch, zu lang, ungenau, nicht neutral. Eine Lösung ist es, die Originalbeschreibung in Anführungszeichen zu übernehmen. Gerade bei politisch problematischen Beschreibungen neigt man jedoch zu einer alternativen Beschreibung.

Kommentierte Galerie[Bearbeiten]


"Tsingtau, Deutsches Konsulat, 1867"
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Tsingtau, Deutsches Konsulat / China, Tsingtau / Deutsches Konsulat"
  • Kommentar: Die Einordnung in das Jahr 1867 verblüfft, denn dort flattert eindeutig eine Hakenkreuzflagge. Das Bild müsste also in die Zeit von 1933 oder später verortet werden, falls es nicht verfälscht wurde. Eine Information des Bundesarchivs am Bildrand lautet: "1867/1914", gemeint ist mit 1867, dass das Bild einer Epoche (Norddeutscher Bund, Deutsches Reich bis zum Krieg) zugeordnet wurde. Solche Falschbeschreibungen einer zeitlichen Kategorie wegen kommen häufiger vor.



"Deutsch-Ostafrika, Suahelischöne", 1906
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Suahelischöne (Halbakt)"
  • Kommentar: Der sogenannte ethnografische Akt ist ein gängiges Thema in der Bildgeschichte sowie in einer sich als kritisch verstehenden Kololonialgeschichte. Aktfotos, die Europäer aus wohl eindeutigen Motiven angefertigt haben, wurden mit dem Vorwand des Wissenschaftlichen gerechtfertigt. Bei allen Bedenken gegenüber diesen Fotografien sollte man nicht vergessen, dass auch europäische Frauen (oft in sozial prekärer Lage) zu Aktmodellen wurden, der Vorwurf der rassistischen Ausbeutung müsste also gesondert begründet werden.



"Hamburg, Kaiser Wilhelm II. im Tierpark Hagenbeck", 1909
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Hamburg, Kaiser Wilhelm II. im Tierpark Hagenbeck / 1909. Kaiser Wilhelm II. im Gespräch mit den Aethiopiern bei Carl Hagenbeck in Hamburg. 12183-09 / [Äthiopier im Tierpark Hagenbeck]"
  • Kommentar: Zwei weitere bekannte bildhistorische Themen auf einem Bild: die umstrittenen "Völkerschauen", bei denen Einheimische aus südlichen Gefilden in Zoos gezeigt wurden, und Kaiser Wilhelm II. mit seinem verkrüppelten linken Arm, was er auf Bildern so gut wie möglich verheimlichen wollte.



"Russland, Hinrichtung von Arbeitern", 1918
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Russland, Hinrichtung von Arbeitern / Zentralbild/Tass 28.3.1967 I. Weltkrieg 1914-1918 / Hinrichtung von Arbeitern aus Jekaterinoslawsk durch österreich-ungarische Soldaten im April 1918."
  • Kommentar: Die DDR-Bildbeschreibung, womöglich für einen aktuellen Anlass 1967 angefertigt, ist wenig aussagekräftig. Allein für den Umstand, "Arbeiter" zu sein, dürfte niemand hingerichtet worden sein. Gerade hier wäre wichtig zu erfahren, wer warum (zur Abschreckung? zur privaten Dokumentation eines außergewöhnlichen Erlebnisses?) fotografiert hat.



"Mit gefälltem Bajonett gegen einen Greis", Ruhrbesetzung 1923
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Mit gefälltem Bajonett gegen einen Greis. / Diese Aufnahme wurde im Jahre 1923 also "mitten im Frieden" in einer Stadt an der Ruhr gemacht. Mit brutalster Gewalt gingen damals die Franzosen gegen die wehr- und waffenlose Zivilbevölkerung vor. Sie schonten niemanden, der ihnen nicht zu Willen war."
  • Kommentar: Die emotionalisierende, empörte Beschreibung stammt eindeutig aus einer späteren Zeit, womöglich der des Nationalsozialismus ("im Jahre 1923", "damals").



"Sanitäter auf Skiern mit Sendestation", 1924
    • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Sanitäter auf Skiern mit Sendestation / Ein Radio-Enthusiast. Ein Enthusiast auf Schneeschuhen mit einem Radio-Apparat und Rahmen-Antenne ausgerüstet, um bei seinen Ski-Touren nicht den Genuss des Radios zu vermissen (Versand-Text 1931). / [Versand-Text vom 17. Januar 1924: Radio im Dienste zur Rettung von verünglückten Bergtouristen. / Der mit Radio-Sender und Aufnahme-Station ausgestattete Sanitäter auf Skiern bei einem Patrouillengang nach Verunglückten ausschauend, um dann mit Hilfe der Sendestation weitere Helfer von einer Baude, welche mit Aufnahmestation ausgerüstet ist, herbeizurufen.]"
  • Kommentar: Im wahrscheinlichen Entstehungsjahr 1924 wurde das Bild mit der Erklärung versandt, es handele sich um einen Rettungssanitäter mit Sender, mit dem er Hilfe herbeiholen kann. 1931 hieß es, der Mann höre beim Ski-Fahren gerne Radio. Ein dokumentarisches Bild erhält einen boulevardesken Zweck.



"Reichstagswahl, Wilhelm Marx vor Wahllokal", Mai 1924
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Zur Reichstagswahl am 4. Mai 1924. Der deutsche Reichskanzler Marx wählt. Reichskanzler (X) beim Anstehen vor seinem Wahllokal."
  • Kommentar: Das Bild wurde anlässlich einer Ausstellung über die Weimarer Kanzler verwendet. Bernd Braun schrieb dazu: "Eine Ausstellung wie diese kann aber nicht nur allgemein den Kanzlern das Gesicht zurückgeben, sie kann zum Beispiel auch Unterschiede in der politischen Kultur zu derjenigen der Bundesrepublik Deutschland aufzeigen. So sieht man auf einem Foto Reichskanzler Wilhelm Marx, wie er sich geduldig in eine Schlange von Wählern vor einem Wahllokal einreiht, dies wäre heute alleine schon aus Sicherheitsgründen undenkbar. Apropos Sicherheit, man sieht auf diesen Fotos keine Bodyguards, die Sicherheitsmaßnhamen sind aus heutiger Sicht geradezu naiv."[1]



"Benito Mussolini bei einer Ansprache", 1929
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Die grossen Uebungen der italienischen Faszosten-Meliz im Dolomitengebirge! / Mussolini, der Führer der Faszisten bei einer Ansprache."
  • Mussolini zeigte sich gern als körperlich starker Führer, beim Sport, auf dem Motorrad oder zu Pferde. Der Eindruck wird jedoch empfindlich abgeschwächt, wenn ein Helfer nötig ist, der das Pferd an der Kandare hält. Bei einem martialischeren Bild von 1942, auf dem Mussolini hoch zu Ross ein Schwert erhebt, wurde der Pferdehalter folgerichtig wegretuschiert.[2]



Marga von Etzdorf, 1932
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Marga von Etzdorf tödlich verunglückt. Die ausgezeichnete junge Sportfliegerin Marga von Etzdorf, die am Sonnabend, dem 27. Mai zu einem Fernflug nach Australien gestartet war, ist bei der Landung auf dem französischen Militärflugplatz von Mouslinich in der Nähe von Aleppo tödlich verunglückt. Marga von E., die erst 26 Jahre alt war, meldete sich mit 20 Jahren zur Fliegerei und bestand bald darauf die Prüfung als Flugzeugführerin. 1930 machte sie einen grossen Rundflug über den Balkan und im Dezember 1930 ihren ersten Fernflug ohne Begleiter nach den Kanarischen Inseln, Spanien und Nordafrika. Im August 1931 führte Marga v. E. einen Fernflug von Berlin nach Tokio in 11 Tagen durch - eine vorbildliche Leistung. Marga von E. besass das Goldene Sportflieger-Abzeichen des Deutschen Luftsportverbandes und den Ehrenbecher des Aero-Clubs Deutschland. Mit ihr ist eine ebenso talentierte und mutige Pilotin wie ein sympathischer Mensch dahingegangen. 26435-32 / [Porträt Marga von Etzdorf]"
  • Kommentar: Das Bild von 1932 ging offensichtlich (noch einmal) heraus, als von Etzdorf 1933 starb. Dem Wikipedia-Artikel zufolge hat sie sich aus Enttäuschung über eine Flugleistung umgebracht. Die Beschreibung hingegen spricht aus Gründen der Pietät (und des öffentlichen Bildes einer populären Heldin) davon, sie sei verunglückt.



"München, Judenverfolgung, Michael Siegel"
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "München, Judenverfolgung, Michael Siegel / ADN-ZB/Archiv Deutschland unter dem faschistischen Terrorregime 1933-1945 Weltweit als Dokument der Schande für die Nazi-Schergen wurde dieses Foto vom März 1933. ein jüdischer Anwalt, der noch auf die Polizei als Hüterin von Recht und Ordnung vertraut hatte, wird von SA-Rowdys, die als Hilfspolizisten fungierten, über den Stachus in München getrieben. Der Mann, den das Bild zeigt, der Münchner Rechtsanwalt Dr. Michael Siegel, einer der ersten Opfer des braunen Terror-Regimes, war einer der wenigen, der es überlebte, obwohl er bis in die Kriegszeit hinein in Deutschland ausharrte. Er ist am 15. März 1983 im 97. Lebensjahr in Lima (Peru) gestorben. Foto: Heinrich Sanden / [München.- Kahlgeschorener, barfüßiger jüdischer Rechtsanwalt Dr. Michael Siegel unter SS-Bewachung mit einem Schild ("Ich werde mich nie mehr bei der Polizei beschweren") über den Stachus laufend; vgl. Bild 146-1971-006-02]
  • Kommentar: Der ADN-Text verwendet eine emotionalisierende und im Sinne der DDR politisierende Sprache. Er leistet Einordnung und liefert Zusatzinformationen (so sie stimmen). Eine bessere Bildbeschreibung liefert der Alternativtext unbekannter Herkunft, der darüber informiert, was zu sehen ist und auch die Uniformen (SS statt SA) richtig deutet.



"Berlin, Junge Mädchen bei Vorbereitungen zum Ball", 1934
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Berlin 1934 / Beginn der Ballsaison: Junge Mädchen suchen Stoffreste."
  • Kommentar: Ein wohl gestelltes, boulevardeskes Bild. Es bleibt fraglich, inwieweit es sinnvoll in der Wikipedia verwendet werden kann.



"Posen, Beseitigung einer hebräischen Inschrift", ohne Datum (1939-1944)
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Titel: Posen, Beseitigung einer hebräischen Inschrift / Beschreibung: Wartheland, / Niederländische Bauhandwerker bereiten im Warthegau den Einsatz ihrer Berufskameraden vor. Zu diesem Zweck wird ein Haus in Posen in der Schuhmacherstr[aße] in Ordnung gebracht. Die Inschrift der ehemaligen Bewohner wird beseitigt."
  • Kommentar: Ein an sich unspektakuläres und doch vielsagendes Bild. Es geht um mehr als die Beseitigung einer Aufschrift.



"Russland, "Unternehmen Barbarossa", Rast", 1941
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Russland, "Unternehmen Barbarossa", Rast / An der Sowjet-Front: Sehr oft ist die Bevölkerung nicht im geringsten feindlich eingestellt. Hier brachte diese Frau unseren Soldaten eine Erfrischung. (Bialowiece). PK-Götze-Scherl Bilderdienst 6451-41 "Fr." OKW Juni 1941 / [Rußland-Feldzug.- "Unternehmen Barbarossa". Deutsche Soldaten bei Rast mit Frau; PK 689]
  • Kommentar: Es wird sich wahrscheinlich nie mit Sicherheit ermitteln lassen, was der Hintergrund dieses Bildes ist. Jedenfalls wird hier mit der Handlung einer Einzelperson, deren Motive unbekannt sind, eine allgemeine Aussage im Sinne der Propaganda gemacht: Die deutschen Soldaten kommen nach Russland als willkommene Befreier, sollen die Deutschen in der Heimat glauben.



"Polen, Ghetto Warschau, Schlosserei", 1941
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Titel: Polen, Ghetto Warschau, Schlosserei / Zusatz: Polen, Warschauer Ghetto.- Jude (mit Armbinde mit Judenstern) bei Arbeit in einer Schlosserei, Feilen eines Werkstücks; PK 689"
  • Kommentar: Ein harmlos wirkendes Bild, wohl kaum aber ohne propagandistische Absicht aufgenommen oder zumindest verbreitet: Im Ghetto geht es den Juden gut und sie sind (endlich) fleißig.



"Kreta, Kondomari, Erschießung von Zivilisten", 1941
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Titel: Kreta, Kondomari, Erschießung von Zivilisten / Zusatz: Griechenland, Kreta, Kondomari.- Ermordung von griechischen Zivilisten (Männer) durch deutsche Fallschirmjäger; PK 690"
  • Kommentar: Eine wirklich besondere Bilderserie. Die Bilder haben zwar eine Nummer der Propaganda-Kompanie, der Fotograf Franz Peter Weixler hat hier allerdings auf eigene Initiative fotografiert. Der griechische Ort Kondomari wurde 1941, bei der deutschen Besetzung Kretas, von einer Fallschirmjägereinheit heimgesucht. Mindestens 23 männliche Einwohner Kondomaris wurden ermordet. Der Wikipedia-Artikel verweist auf den erschütternden Bericht Weixlers nach dem Krieg.



"Paris, Jüdische Frauen mit Stern", 1942
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Paris, Jüdische Frauen mit Stern / ADN-ZB II. Weltkrieg 1939-45 Frankreich unter der Besetzung der faschistischen deutschen Truppen, Anfang Juni 1942. Ab 1. Juni 1942 werden auch in Frankreich die Juden gezwungen, den gelben Stern zu tragen. UBz.: zwei jüdische Frauen in Paris. / 3627-42"
  • Kommentar: Ein solches Bild dürfte wenig dazu geeignet gewesen sein, in der Auslandspropaganda Sympathie für "die deutsche Sache" zu wecken. Möglicherweise geht es um die Dokumentation eines von den Auftraggebern des Fotografen erwünschten Zustandes. Das Ziel des Judensterns war unter anderem der, die so Gekennzeichneten zu demütigen (vergleiche auch das Bild oben des Rechtsanwaltes aus dem Jahre 1933). Dies gibt einer heutigen Verwendung des Bildes eine Problematik mit, der am ehesten durch einen aufklärerischen Zweck zu begegnen ist.



"SU, Zwangsarbeiter vor der Abfahrt", 1942
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "SU, Zwangsarbeiter vor der Abfahrt / ADN-Zentralbild-Archiv II.Weltkrieg 1939 -45 In den von den faschistischen deutschen Wehrmacht besetzten Gebiet in der Ukraine, Mai 1942. Die Zivilbevölkerung in Artemowsk [Artjomowsk] muß sich in dem von der deutschen Zivilverwaltung eingerichteten Arbeitsamt melden, um bei Tauglichkeit als Zwangsarbeiter in der deutschen Rüstungsindustrie eingesetzt zu werden. UBz.: den Abschied der gemusterten Mädchen von Ihren Angehörigen vor ihrem Abtransport nach Deutschland. 3314-42 / Scherl Bilderdienst Ukrainische Arbeitskräfte fahren nach Deutschland. "Natjas" Abschied von der Mutter. Tränen bleiben nicht aus, doch mit dem gedanken an das Neue, das sie erwartet, verschwinden diese Augenblicke der Schwere rasch. Bald sind sie in den schönen deutschen Städten und dörfern und können sich dort geborgen fühlen. PK: Knödler, Mai 42 / 3314-42"
  • Kommentar: Der DDR-Text ist überraschend zurückhaltend und neutral gehalten. Der ursprüngliche Text verherrlicht die Zwangsarbeit geradezu plump.



"Volksgerichtshof, Ulrich von Hassell", 1944
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Volksgerichtshof, Ulrich von Hassell / Prozeß 20. Juli 1944 / [v. Hassell, Ulrich; im Hintergrund: Wirmer, Joseph (ganz rechts) sitzend neben Hassell: Offizialverteidiger Weimann] / Abgebildete Personen: / Hassell, Ulrich von: Botschafter in Italien, Prozess 20. Juli 1944, Deutschland (PND 118708988) / Wirmer, Josef: Prozeß 20. Juli 1944, Deutschland (PND 11881818X)"
  • Kommentar: Den Nationalsozialisten ging es darum, die Angeklagten des 20. Juli vorzuführen und zu demütigen. Ehrenzeichen und teilweise sogar Gürtel wurden ihnen weggenommen. Die Haltung der Angeklagten jedoch machten diese Absicht zunichte, und die Propaganda zog es vor, vom hergestellten Material wenig Gebrauch zu machen.



"Borna, Vertriebene", 1950
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "ADN-ZB Illner-18.10.1950-Gemeine Brandstiftung zur Sabotage der Volkswahlen. Verbrecherische Elemente, die im Dienst der angloamerikanischen Imperialisten stehen, haben in der Nacht zum Wahlsonntag in der Gemeinde Borna, Kreis Oschatz, die Stallungen von 12 Neubauern in Brand gesteckt. Einwohner und Feuerwehr konnten das Vieh retten und eine weitere Ausbreitung des Brandes verhindern. Der Schaden beläuft sich auf 50.000 DM. Umfangreiche Hilfsmaßnahmen wurden sofort eingeleitet. Sie trugen dazu bei, daß am Wahlmorgen alle Wahlberechtigten ihre Stimmen den Kandidaten der Nationalen Front gaben. UBz: Frau Kretschmar, Umsiedlerin aus Schlesien, sagte: "Wir hatten unser Soll über 100 Prozent erfüllt. Nun haben uns die Verbrecher unsere Nahrung und die für Vieh verbrannt. Man hätte den Mut verloren, aber es hat gleich eine so tatkräftige Hilsaktion eingesetzt, so daß wir Geschädigten selber mitgerissen werden"."
  • Kommentar: Der Titel macht neugierig, da die DDR ungern von den Vertriebenen sprach. Hier ist allerdings etwas ganz anderes gemeint. Ob das hier Beschriebene tatsächlich so stattgefunden hat, müsste recherchiert werden. Sabotage durch den Westen ist von den Kommunisten immer gern behauptet worden, um Missstände oder Unglücke zu erklären. Zu beachten sind die ausdrücklichen Hinweise auf das erfüllte Plansoll und den Wahlgang.



"Schenkenberg, Zootechniker der LPG", 1959
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: Zentralbild Weiß Vgt-Schä 17.1.1959 LPG Schenkenberg - achtfacher Millionär Auf große Erfolge kann die LPG " 7.Oktober" (Typ III) in Schenkenberg, Kreis Delitzsch, zurückblicken. Die Genossenschaft, die heute bei 327 Mitgliedern und 1337 ha Landwirtschaftliche Nutzfläche einen Vermögenswert von acht Millionen Mark aufzuweisen hat, wurde 1952 von 14 Bauern mit 58 ha Landwirtschaftliche Nutzfläche gegründet. Laufend stieg der Wert der Arbeitseinheiten. Betrug er 1953 real nur 97 Pfennige, so waren es 1957 bereits 6,63 Mark und für das vergangene Jahr wurden 9.- Mark errechnet, wovon 8.-Mark zur Auszahlung kommen. UBz: Der Zootechniker der LPG, Diplomlandwirt Walter Riedel, sagte: "Sobald der Kosebruchteich genug gefroren ist, beginnen wir Schilf zu schneiden, um noch bis zum Frühjahr 5 Schweinipilze zu errichten. Damit schaffen wir Platz für weitere 100 Schweine".
  • Kommentar: Hiermit wird ein nicht mehr bestehender Beruf dokumentiert, der Zootechniker, der sich mit Tierhaltung beschäftigt. Das Bild mitsamt Text macht den Eindruck, dass es mit der Landwirtschaft in der DDR zum Besten stand, tatsächlich gab es gerade in jener Zeit eine Kollektivierungswelle mit Produktionsniedergang, viele Bauern flüchteten in den Westen.



"Nord-Ostsee-Kanaltunnel bei Rendsburg", 1962
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Originalbeschreibung im Bundesarchiv: / Titel: Nord-Ostsee-Kanaltunnel bei Rendsburg / Beschreibung: Kieler Woche 1962 / Kanaltunnel bei Rendsburg / 21.-22.6.1962 / Zusatz: Bei Rendsburg.- vierspurige Straße unter Nord-Ostsee-Kanal"
  • Kommentar: In den 1950er- bis 1970er Jahren waren die Menschen noch stolzer auf Bauprojekte als später. Daher haben solche Ansichten sogar ihren Weg auf Postkarten gefunden, auch von Brücken und Hochhaussiedlungen. Das Bild zeigt übrigens eine nach damaligen Vorstellungen äußerst belebte Straße.



"Berlin, Brandenburger Tor, Siegessäule", 1968
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Berlin, Brandenburger Tor, Siegessäule / ADN-ZB Mittelstädt ste-Schm 30.7.1968 Berlin: Pulsierendes Leben am Brandenburger Tor. Tausende Touristen aus Nah und Fern prominieren durch die Straße "Unter den Linden", um sich das bekannteste Wahrzeichen der Hauptstadt, das Brandenburger Tor, anzusehen."
  • Kommentar: Die DDR war darum bemüht, sich auch als mondän zu zeigen, worauf die Originalbeschreibung verweist. Interessanterweise erwähnt der Titel die Siegessäule, obwohl diese sich im Westteil Berlins befand. Die Mauer hingegen ist auf diesem wie auf ähnlichen Fotos nicht zu sehen.



"Torgau, 'Frottee-Zwerge' in Kinderkrippe", 1976
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "ADN-ZB/Raphael/22.11.76 / Bez. Leipzig: / Es gelang der Fotoreporterin nicht, jeden dieser kleinen Frotte-Zwerge zu einem freundlichen Gesicht zu bewegen. Beim täglichen Planschen im krippeneigenen Schwimmbad sind die Mienen jedoch vorwiegend freundlich bis begeister. Damit sich niemand erkältet, haben die Krippenerzieherinnern die praktischen Umhänge genäht. Vom 16. Lebensmonat an gehen die Kleinen mit ihren Betreuerinnen in das im Keller gelegene Schwimm- und Planschbecken, das eine Wassertemperatur von 27 Grad hat. Auch der Kindergarten, der sich im selben Gebäude wie die Krippe in Torgau befindet, nutzt die ideale Badegelegenheit.

/ II. Text / ADN-Zentralbild/DDR / 5.7.78 / Ein WORLD PRESS FOTO für üble Anti-Sowjet-Hetze mißbraucht / Badefreuden für die Jüngsten - ein FOTO, aufgenommen von der ADN-Fotoreporterin Waltraud Raphael und am 22.11.1976 der internationalen Presse zur Verfügung gestellt. Auf der WORLD PRESS PHOTO-Ausstellung 1976 erhielt das Bild einen 2. Preis in der Kategorie "Das schöne Foto". Von der BRD-Monatszeitschrift "STIMME DER MÄRTYRER" wurde es jedoch als ein 'aus einem sowjetischen Kinder-KZ geschmuggeltes Bild' auf der Titelseite der Juni-Ausgabe 1978 veröffentlicht. [siehe Bild 183-T0624-015]"

  • Kommentar: 1978 verwendete eine bundesdeutsche christliche Organisation ein Bild aus der DDR, um auf die Unterdrückung im Osten aufmerksam zu machen. Tatsächlich handelte es sich um eine harmlose Aufnahme aus einer Kinderkrippe, wie die ADN im zweiten Text völlig richtig beanstandete. Stimme der Märtyrer hatte das Bild nur ausschnittsweise ohne Betreuerinnen gezeigt und behauptet: "Kinder in Häftlingskleidung. Ein aus einem Sowjet-KZ in der UdSSR geschmuggeltes Bild. Die Kinder wurden in einem Häftlingslager geboren und wachsen dort auf, bis die Eltern einmal entlassen werden."[3]



"Carstens mit Hund im Park", 1982
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Titel: Villa Hammerschmidt, Carstens mit Hund im Park / Beschreibung: Bundespräsident Karl Carstens mit Hund Ben"
  • Kommentar: Vom ästhetischen Gesichtspunkt her ist dieses Bild den meisten anderen Politikerporträts vorzuziehen, da es viel lebendiger und frischer wirkt als eine Schreibtischszene oder ein offizieller Empfang. Bildredakteure für "seriöse" Werke hingegen könnten es als zu wohlwollend empfinden, da ein Hundefreund automatisch zusätzliche Sympathien gewinnt.



"VEB Robotron Elektronik Dresden, Computer EC 2655M", 1985
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "ADN-ZB Häßler 11.2.85 Dresden: Der VEB Robotron Elektronik Dresden produziert seit rund 15 Jahren elektronische Datenverarbeitungsgeräte. Rechner vom Typ R 21, EC 2640 und EC 2156 bewähren sich im In- und Ausland. Hauptabnehmer von Erzeugnissen des Elektronik-Großbetriebes ist die Sowjetunion. Im ersten Monat dieses Jahres wurden acht Rechner des Typs EC 2655 in die Sowjetunion expordiert. Prüffeldingenieur Claudia Uhlemann beim Test einer Baugruppe für die Rechner EC 2655 M."
  • Kommentar: Es war gerade der IT-Sektor, auf dem der Rückstand der DDR gegenüber der westlichen Wirtschaft manifest wurde. Dennoch - wer würde beim Anblick eines solchen Bildes tatsächlich erkennen, dass es sich um eine Aufnahme aus Dresden und nicht aus der Bundesrepublik handelt?



"Hubertusstock, Honecker, Lafontaine", 1988
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Titel: Hubertusstock, Honecker, Lafontaine / Beschreibung: ADN-ZB/Franke/18.8.88/Berlin: Honecker/Lafontaine / Der Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Erich Honecker, empfing im Jagdschloss Hubertusstock am Werbellinsee den Ministerpräsidenten des Saarlandes und stellvertretenden Vorsitzenden der SPD, Oskar Lafontaine, zu einem Gespräch."
  • Kommentar: Farbfotos sind unter den Bildern des Bundesarchivs eher selten. Bei den DDR-Fotos sind es auffallend oft (aber nicht immer oder ausschließlich) Bilder mit Westbezug oder eventueller Westverwendung, wie von internationalen Stars wie Katarina Witt oder Westpolitikern. Wahrscheinlich wurde auch an eine mögliche Verwendung für ein Cover gedacht.



"Würzburg, Residenz", 1988
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Titel: Würzburg, Residenz / Beschreibung: Juni 1988

Würzburg / Führung einer Besuchergruppe durch die Residenz"

  • Kommentar: Viele Foto-Anfänger bemühen sich, Gebäude oder Kunstwerke ohne "störende" Menschen aufzunehmen. Tatsächlich aber sind Menschen oft ein Plus, denn durch modische Eigenheiten wie Kleidung und Frisuren sind sie zeitgebunden (dasselbe gilt für Autos). Schon nach ein, zwei Jahrzehnten hat das Bild historischen Wert. Hinzu kommt, dass die Menschen die alte Kultur bewundern und so eine Beziehung der Bildinhalte zustande kommt. Die Zeitgebundenheit hat allerdings in der Wikipedia den Nachteil, dass der Leser das Bild als nicht aktuell empfindet. In der Bildunterschrift sollte eine Zeitangabe erfolgen.



"Katzhütte, Mülldeponie, Trabant", 1990
  • Originalbeschreibung im Bundesarchiv: "Katzhütte, Mülldeponie, Trabant / ADN-Ralph Hirschberger 22.8.90 Bez. Suhl-Müll-Mit dem Trabi hinaus ins Grüne! Naturnahe Plast-Entsorgung auf einer (zugegebenermaßen) offiziellen Mülldeponie mitten im Thüringer Wald bei Katzhütte. Ein schönes Ende."
  • Kommentar: Nur ein knappes Jahr zuvor wäre ein solches Foto undenkbar gewesen. Einerseits, weil man in der DDR so nicht mit einem wertvollen Gefährt umgegangen wäre, andererseits, weil es niemals von der ADN gezeigt worden wäre. Das Motiv macht den Unterschied zwischen einer Diktatur mit seiner Schere in den Köpfen und einer Demokratie mit ihrem Freiraum für wirklichen Journalismus deutlich.


Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Bernd Braun: "Die Reichskanzler der Weimarer Republik. Zwölf Lebensläufe in Bildern." Rede bei der Ausstellungseröffnung. In: Mitteilungen aus dem Bundesarchiv, Heft /2004, 12. Jg., S. .
  2. Jürgen Reiche: Macht der Bilder. In: Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Bilder, die lügen, Bouvier Verlag, Bonn 1998, S. 8-17, hier S. 12.
  3. Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Bilder, die lügen, Bouvier Verlag, Bonn 1998, S. 69.