Blaubauch-Höschenkolibri

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Blaubauch-Höschenkolibri
Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Kolibris (Trochilidae)
Gattung: Wollhöschen (Eriocnemis)
Art: Blaubauch-Höschenkolibri
Wissenschaftlicher Name
Eriocnemis mirabilis
Meyer de Schauensee, 1967

Der Blaubauch-Höschenkolibri (Eriocnemis mirabilis), auch als Buntes Wollhöschen bezeichnet, ist eine seltene Kolibriart aus der Gattung der Wollhöschen. Er ist endemisch in der Region von Cauca in Kolumbien.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Blaubauch-Höschenkolibri erreicht eine Länge von 8 Zentimetern. Das Männchen ist an der Oberseite schillernd dunkelgrün. Die Stirn ist smaragdgrün. Hinter den Augen verläuft ein weißer Fleck. Der Schwanz ist an der Oberseite dunkel bronzeoliv und an der Unterseite gelboliv gefärbt. Kehle und Halsseiten sind schillernd blaugrün. Der Bauch ist violett und zeigt rötliche Tupfen. Die Unterschwanzdecken sind rubin und golden schimmernd. An den Beinen sind weiße dunige Federbüschel. Bei den Weibchen sind Oberseite und Flanken dunkelgrün. Die Mitte der Kehle und die Brust sind weiß und durch grüne Flecken charakterisiert. Die Unterseite ist rötlichbronze mit weißen Flecken. Der Schwanz ist bronzegrün mit blauschwarzen Säumen und weißen Flecken auf den Unterschwanzdecken.

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Blaubauch-Höschenkolibri ist nur aus der Umgebung des Cerro Charguayaco nordöstlich des Cerro Munchique am Westabhang der südwestlichen Anden bei Cauca in Kolumbien bekannt. Hier hat der Kolibri ein stark begrenztes Brutgebiet von 3 km² in einer Höhenlage zwischen 2220 und 2240 m.

Lebensweise[Bearbeiten]

Über die Lebensweise der Art ist bisher nur wenig bekannt. Bisherigen Studien zufolge bevorzugt der Blaubauch-Höschenkolibri die Baumebenen feuchter Bergwälder vom Unterholz bis in etwa 5 m Höhe. In seinem Verbreitungsgebiet kommen mehrere andere Kolibri-Arten vor, mit denen er in Nahrungskonkurrenz steht. Seine Nahrung besteht aus den Früchten der Lulo-Pflanze sowie aus dem Nektar von Gattungen wie Thibaudia, Besleria und Disterigma. Vermutlich besetzt der Blaubauch-Höschenkolibri innerhalb seines bereits sehr kleinen Verbreitungsgebietes eine sehr enge ökologische Nische.[1]

Das Gelege besteht aus ein bis zwei Eiern, die 14 bis 15 Tage bebrütet werden.

Status[Bearbeiten]

Der Blaubauch-Höschenkolibri ist sehr selten. Die Organisation BirdLife International geht derzeit von einem Bestand von unter 250 Exemplaren aus und stuft deshalb die Art in die Kategorie „vom Aussterben bedroht“ ein. Der Blaubauch-Höschenkolibri war zwischen 1967 und 1997 nur durch vier Exemplare bekannt, die 1967 von John Dunning und Kjell von Sneidern gefangen und fotografiert wurden.[2] 1997 wurde die Art in der terra typica wiederentdeckt. In den 1970er-Jahren basierte die lokale Wirtschaft in der Provinz Cauca auf der Lulofrucht-Ernte. In den 1980er-Jahren fielen die Lulo-Pflanzen jedoch einer Pilzinfektion zum Opfer und das Gebiet wurde stark gerodet. Der Cerro Charguayaco und der Cerro Munchique sind Teil des Munchique-Nationalparks. Eine Wiederanpflanzung von Lulopflanzen wird von der Naturschutzbehörde unterstützt, um den Blaubauch-Höschenkolibri vor der Ausrottung zu bewahren.

Unterarten[Bearbeiten]

Verbreitungsgebiet des Blaubauch-Höschenkolibris

Im Moment sind keine Unterarten des Blaubauch-Höschenkolibri bekannt. Er gilt als monotypisch.[3]

Etymologie und Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Rodolphe Meyer de Schauensee beschrieb den Blaubauch-Höschenkolibri unter dem heutigen Namen Eriocnemis mirabilis. Als Fundort nannte er Charguayaco im Departamento de Cauca in Kolumbien.[2] »Eriocnemis« ist ein griechisches Wortgebilde aus »erion εριον« für »Wolle« und »knēmis κνημίς« für »Manschette, Beinschiene«.[4] Das Artepitheton »Mirabilis« ist das lateinische Wort für »bewundernswert, wunderbar«.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • B. Campbell: Das große Vogelbuch. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 1976, ISBN 3-8001-7025-6.
  • Dominic Couzens: Seltene Vögel – Überlebenskünstler, Evolutionsverlierer und Verschollene. Haupt Verlag, Bern 2011, ISBN 978-3-258-07629-4.
  • J. del Hoyo, A. Elliot, J. Sargatal (Hrsg.): Handbook of the Birds of the World. Volume 5: Barn-Owls to Hummingbirds. Lynx Edicions, 1999, ISBN 84-87334-25-3.
  •  Luis Augusto Mazariegos Hurtado, Paul George William Salaman: Rediscovery of the Colourful Puffleg Eriocnemis mirabilis. In: Cotinga. Bd. 99, 1999, S. 34–38 (online (PDF-Datei; 91 kB), abgerufen am 2. Juli 2014).
  •  James A. Jobling: A Dictionary of Scientific Bird Names. Oxford University Press, Oxford 1991, ISBN 978-0-19-854634-4.
  •  Rodolphe Meyer de Schauensee: Eriocnemis mirabilis a new species of hummingbird from Colombia. In: Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia. Nr. 402, 1967, S. 1–2 (online, abgerufen am 2. Juli 2014).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Blaubauch-Höschenkolibri – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Couzens, S. 78.
  2. a b Rodolphe Meyer de Schauensee, S. 1
  3. IOC World Bird List Hummingbirds
  4. James A. Jobling S. 148
  5. James A. Jobling S. 256