Brunnenstraße

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Brunnenstraße
Wappen
Straße in Berlin
Brunnenstraße
Ehemaliges Warenhaus Jandorf, Brunnenstraße 19–21
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte,
Gesundbrunnen
Anschlussstraßen Rosenthaler Straße (südlich),
Badstraße (nördlich)
Querstraßen (Auswahl)
Invalidenstraße,
Bernauer Straße
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr, ÖPNV
Technische Daten
Straßenlänge rd. 2300 Meter

Die Brunnenstraße ist eine Straße in den Berliner Ortsteilen Mitte und Gesundbrunnen des Bezirks Mitte. Sie erhielt ihren Namen nach dem Gesundbrunnen, einer früheren Heilquelle, und stellt eine wichtige Verbindung zwischen dem östlichen Stadtzentrum und den nördlichen Berliner Bezirken dar. In ihrem Verlauf verkehrt die Linie U8 der Berliner U-Bahn.

Verlauf[Bearbeiten]

Die Brunnenstraße beginnt am Rosenthaler Platz vor dem ehemaligen Rosenthaler Tor als Verlängerung der Rosenthaler Straße. Sie verläuft von dort aus nordnordwestlich, kreuzt die Invalidenstraße und die Bernauer Straße und durchquert dann das Brunnenviertel. Die Bernauer Straße stellt die ehemalige Bezirksgrenze zwischen Mitte und Wedding dar. Hier verlief zwischen 1961 und 1989 die Berliner Mauer. Deren Verlauf ist heute durch eine doppelte Pflastersteinreihe markiert. Auf der Straßenbrücke am S- und U-Bahnhof Gesundbrunnen geht die Brunnenstraße in die Badstraße über.

Lage im Stadtraum[Bearbeiten]

Die Brunnenstraße ist eine der sieben nach Norden und Osten führenden radialen Ausfallstraßen, die vom historischen Zentrum der Stadt, also im Wesentlichen vom Alexanderplatz, ausgehen. Diese sind, im Uhrzeigersinn:

Geschichte[Bearbeiten]

Das 1896/97 von Franz Schwechten entworfene „Beamtentor“ der AEG an der Brunnenstraße.
Wohnhaus mit Fassadengestaltung von
Jean-Remy von Matt
Entwohntes Projekt in der Brunnenstraße 183, 2010

Die Straße wurde 1752 auf Befehl Friedrichs II. unter dem Namen Straße von Rosenthal angelegt. Neben der Verbindung zwischen Berlin und dem späteren Ortsteil Rosenthal diente sie auch der Erschließung einer Heilquelle, die ab 1758 als Friedrichsgesundbrunnen bekannt wurde – daher auch der spätere Name des Ortsteils. Die Straße erhielt 1801 auf Wunsch der Anwohner die offizielle Bezeichnung Brunnenstraße. Das Heilbad als Namenspate für die Straße, ab 1809 als Luisenbad bezeichnet, existiert seit 1882 nicht mehr. Beim Bau der städtischen Kanalisation wurde die Quelle versehentlich angestochen. Einige Gebäude, so beispielsweise in der Badstraße 38/39, sind allerdings noch erhalten.

Ab den 1870er Jahren passierte eine Straßenbahn die Straße auf ganzer Länge. 1930 folgte die Linie D (heute: U8) der Berliner U-Bahn. Der Straßenbahnverkehr wurde dennoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg eingestellt (bis auf die Strecke zwischen Rosenthaler Platz und Invalidenstraße).

An der Ackerstraße befand sich ursprünglich der Berliner Richtplatz mit einem Galgen. Das Areal zwischen Acker-, Feld-, Hussiten- und Hermsdorfer Straße (heute: Max-Urich-Straße), auf dem sich vorher die Weddingsche Maschinenfabrik von Wilhelm Wedding befand, erwarb 1887 die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft und baute dort 1888–1890 nach Plänen des Architekten Franz Schwechten und des Baumeisters Paul Tropp einen fünfgeschossigen, umschließenden Gebäudekomplex für das Apparatewerk Ackerstraße. Die ehemalige Weddingsche Maschinenfabrik steht heute unter Denkmalschutz.

Nördlich der Voltastraße zwischen Brunnen- und Hussitenstraße befand sich der erste Berliner Vieh- und Schlachthof. Die AEG kaufte 1894 auch dieses Gelände für das neue Werk Brunnenstraße, an der nach Plänen von Paul Tropp das „Beamtentor“ entstand, das im Stil des Historismus 1896/97 von Franz Schwechten überarbeitet wurde. Dieser plante gemeinsam mit Peter Behrens auch die Fabrikgebäude, die ebenfalls teilweise unter Denkmalschutz stehen.

Im Jahr 1904 eröffnete Adolf Jandorf ein Warenhaus an der Ecke zur Veteranenstraße, das später in Warenhaus am Weinberg umbenannt wurde. Während der DDR-Zeit war hier das „Modeinstitut der DDR“ beheimatet. Nach der deutschen Wiedervereinigung war hier kurzfristig eine Bank untergebracht, heute steht das Haus leer.

Am 13. August 1961 wurde die Straße auf Grund des Baus der Berliner Mauer in Höhe der Bernauer Straße unterbrochen. Auch die in Ost-Berlin liegenden U-Bahnhöfe der Linie U8 zwischen Voltastraße und Moritzplatz wurden geschlossen, sodass die U-Bahnen ohne Halt vom Wedding nach Kreuzberg durchfuhren. In der unmittelbaren Folge des Mauerbaus kam es im Bereich der Bernauer Straße zu vielen Fluchtversuchen aus den auf der Südseite angrenzenden Wohnhäusern und durch Abwasserkanäle und selbstgegrabene Fluchttunnel im lehmigen Untergrund der Bernauer Straße. Auf West-Berliner Seite wurde im Schatten des dreiseitig abgeriegelten Gebietes südlich des Bahnhofs Gesundbrunnen auf Initiative des damaligen Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt das damals größte zusammenhängende Sanierungsgebiet Deutschlands festgelegt. Aufgrund der Kahlschlagsanierung wurden die meisten Bewohner in Umsetzwohnungen im Märkischen Viertel verdrängt.

Seit der Wende ist Gesundbrunnen über die Brunnenstraße wieder an die historische Mitte Berlins angebunden. Eine doppelte Pflastersteinreihe erinnert heute an den Standort der Berliner Mauer. Die beiden an der Brunnenstraße gelegenen „GeisterbahnhöfeRosenthaler Platz und Bernauer Straße der Linie U8 gehörten zu den ersten U-Bahnhöfen in Berlin-Mitte, die nach der Wende wiedereröffnet wurden. In der Brunnenstraße und in umliegenden Straßen haben sich eine Vielzahl an Kunst-Galerien angesiedelt, sodass die Brunnenstraße in der Kunstszene zu einem Begriff wurde. In jüngster Zeit entwickelt sich insbesondere die südliche Hälfte der Brunnenstraße im Bereich des Sanierungsgebiets Rosenthaler Vorstadt zu einem bei Galeristen und insbesondere bei jüngeren Familien beliebten Wohngebiet.[1]

Hausprojekte in der Brunnenstraße[Bearbeiten]

In der Brunnenstraße 183 befand sich ein Hausprojekt mit rund 35 Bewohnern, die dort in einem Kunst- und Kulturprojekt gemeinschaftlich lebten und arbeiteten. Im Haus Nr. 183 befanden sich die Kneipe Ballast der Republik sowie der Giftladen, ein mit dem Umweltpreis der Stadt ausgezeichnetes nichtkommerzielles Projekt, bei dem nicht mehr benötigte Gebrauchsgegenstände abgegeben und durch andere bei Bedarf mitgenommen werden konnten (Umsonstladen). Am 26. Mai 2009 wurden dem Hausprojekt und dem Giftladen Räumungsbescheide zugestellt. Das Haus Nr. 183 wurde am 24. November 2009 geräumt.[2]

Baudenkmale[Bearbeiten]

  • U-Bahnhof Bernauer Straße
  • Nr. 19–21, Warenhaus am Weinberg
  • Nr. 33, ehemalige Synagoge Beth Zion auf dem Hinterhof: 1910 erbaut, Privatsynagoge der Beth-Zion-Gemeinde. Die Inneneinrichtung wurde 1938 von Nationalsozialisten zerstört. Das Gebäude wird heute als Lehr- und Betsaal einer Talmud-Thora-Schule genutzt.
  • Nr. 34, Mietshaus: Wohnungstüren und Treppengeländer aus der Bauzeit (Mitte 19. Jahrhundert) sind noch fast vollständig erhalten.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Straße wird auf der gesamten Länge von der Linie U8 der Berliner U-Bahn unterfahren. Die Straßenbahn-Linie M8 verkehrt zwischen Rosenthaler Platz und Invalidenstraße auf der Brunnenstraße, ebenso wie abschnittsweise die Bus-Linie 247. Seit 2006 wird die Straße von der Straßenbahn-Linie M10 an der Bernauer Straße gekreuzt. Am nördlichen Ende besteht zudem Anschluss zur S-Bahn sowie seit 2006 auch zum Fern- und Regionalverkehr.

Filme[Bearbeiten]

  • Die Brunnenstraße von Ost nach West. Dokumentarfilm, Deutschland, 2008, 43:30 Min., Buch und Regie: Lutz Rentner und Otto Sperlich, Produktion: rbb, Reihe: Berliner Ecken und Kanten, Erstausstrahlung: 5. November 2008, Filminformationen.

Volkstümliches[Bearbeiten]

Für die Bekanntheit der Brunnenstraße steht u. a. folgender Spottvers:

„In de Brunnenstraße is'n Ding passiert,
Da hat 'ne Zicke mit 'ne Jans poussiert.“[3]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brunnenstraße (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ausdehnung der Mitte: Stadtumstrukturierung findet auch nördlich der Torstraße statt – MieterEcho 319/Dezember 2006
  2. Plutonia Plarre, Jan Monhaupt: Hausprojekt in Berlin-Mitte geräumt. In: die tageszeitung, 24. November 2009.
  3. Hans Ostwald: Der Urberliner. Neue Folge. Paul Franke Verlag, Berlin 1928, S. 278

52.53388888888913.398333333333Koordinaten: 52° 32′ 2″ N, 13° 23′ 54″ O