Bus Rapid Transit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Busway)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Metrobussystem in Istanbul

Der aus dem Englischen stammende Begriff Bus Rapid Transit (kurz BRT, auch Busway) steht für eine Reihe von öffentlichen Transportsystemen, die durch infrastruktur- wie auch fahrplantechnische Verbesserungen versuchen, einen höheren Qualitätsstandard als normale Buslinien zu erreichen. Die Bus-Rapid-Transit-Systeme können hierbei unterschiedliche Ansätze haben, wenn auch viele Verbesserungen von der Mehrzahl der Systeme genutzt werden. Ziel der Verbesserungen ist, sich dem Qualitätsstandard von Schienennahverkehrssystemen anzunähern, dabei aber die Kostenvorteile des straßengebundenen Verkehrsmittels Bus zu nutzen. Dabei kann sich vor allem eine höhere Gewinnschöpfung als beim schienengebundenen Verkehr ergeben.

Der Begriff Busway wird hauptsächlich in Amerika verwendet. In Europa wurden seit langem (1950er Jahre) Schnellbus-Verbindungen eingerichtet, bei denen durch das gezielte Auslassen von Haltestellen ein Fahrzeitvorteil erreicht wird. Eine Bevorrechtigung gegenüber dem zunehmend den ÖPNV behindernden Individualverkehr wird durch Einrichtung von Busspuren erreicht. Seit den 1980er Jahren wird eine weitere Beschleunigung durch weitere Maßnahmen wie Ampelvorrangschaltung und Busschleusen in Zusammenhang mit Rechnergestützten Betriebsleitsystemen (RBL) erreicht. Sogenannte „Metrobus“-Linien dienen in erster Linie der Vermarktung der Hauptbuslinien ohne spezielle weitere Technik. Maßnahmen wie Echtzeit-Abfahrzeitangaben an den Haltestellen werden bevorzugt an stark nachgefragten Haltestellen dieser Linien installiert, dienen aber auch den anderen Linien.

Geschichte[Bearbeiten]

Pionier der Buswaysysteme ist die Stadt Runcorn in England, die in den 1950er Jahren dieses moderne Nahverkehrskonzept erstellte und in den 1960er Jahren umgesetzt hat. Es zeichnete sich durch eine Hochstraße aus, auf der die Busse in ein Einkaufszentrum hineinfuhren, das hierdurch in eine Fußgängerzone umgewandelt werden konnte.

Die Stadt Curitiba (Brasilien) kann für sich beanspruchen, dieses Konzept als erstes (1968) flächendeckend in einer Großstadt umgesetzt zu haben, bzw. wurde es dort quasi „neu erfunden“ und laufend verbessert. Die Erfolge damit ließen die Schnellbusse und die Verkehrsplanung von Curitiba zum Vorbildsystem für andere Großstädte werden.

Bus-Rapid-Transit-Systeme finden sich mittlerweile auf der ganzen Welt, besonders konsequente Umsetzungen wurden so auch in Adelaide, Brisbane, Bogotá , Ottawa, Jakarta und Istanbul durchgeführt.

Beschreibung weiterer Bus-Rapid-Transit-Systeme[Bearbeiten]

Bogota[Bearbeiten]

Seit November 2000 besitzt Bogota ein Bus Rapid Transit-System (siehe TransMilenio). Dieses besitzt heute eine Länge von 84 km und umfasst 114 Haltestellen. Täglich werden hier 1,4 Millionen Fahrgäste befördert. Pro Stunde verkehren hier in Spitzenzeiten 57 Busse.

Istanbul[Bearbeiten]

Hauptartikel: Metrobus Istanbul
Die Metrobüs-Linien Istanbuls (in orange)

In Istanbul wurde im September 2007 ein Bus-Rapid-Transit-System mit eigenen Fahrspuren eingerichtet, das den Namen Metrobüs trägt. Auf großen Teilen der Strecke, die halbkreisförmig um die eigentliche Stadt herumführt, befinden sich diese Fahrspuren in der Mitte von mehrspurigen Kraftfahrstraßen und werden wegen der, für die Fahrgäste über Treppen und teilweise Aufzüge kreuzungsfrei erreichbaren Mittelbahnsteige, dort im Linksverkehr betrieben.

Das System hat 2012 eine Länge von 41,5 km und besitzt 34 Haltestellen, soll aber weiterhin verlängert werden. Das Verkehrsunternehmen İETT setzt insgesamt 250 Mercedes-Benz CapaCity-Großraumgelenkbusse, 50 VDL Phileas Doppelgelenkbusse und einigen Mercedes-Benz Citaro Gelenkbussen auf dem Metrobüs-System ein. Werktags fahren 600.000 Fahrgäste mit diesen Bussen, in Spitzenzeiten sind es 30.000 pro Stunde und Richtung. Tagsüber besteht auf dem am stärksten belasteten Streckenabschnitt eine Taktfrequenz von 45–60 Sekunden, während der Stoßzeiten beträgt der durchschnittliche Abstand zwischen zwei Bussen 20–25 Sekunden. Es verkehren dann 80 Busse pro Stunde auf diesen Linien, was zwangsläufig zu Pulkbildungen führt. Durch die Länge der Haltestellen können mehrere Busse gleichzeitig abgefertigt werden. So kommt es, dass auch bei Pulks von vier Gelenkbussen der letzte Bus noch vollständig besetzt ist.

Durch den relativ großen Haltestellenabstand (durchschnittlich knapp 1,28 km) und zügiger Beschleunigung der Fahrzeuge liegt die Reisegeschwindigkeit bei 40 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit wurde von ursprünglich 80 km/h aus Sicherheitsgründen und zur Verringerung des Verschleißes der stark strapazierten Busse auf 70 km/h reduziert. Die Laufleistung der CapaCity-Busse liegt je nach Kurs bei bis zu 800 km pro Tag. Die Phileas-Doppelgelenkbusse werden nur während der Spitzenzeiten eingesetzt, da es technische Probleme wegen der ständigen Überbeanspruchung und Überbesetzung (220–300 Fahrgäste pro Bus) sowie der Überlastung an den vorhandenen langen Steigungen auf der Strecke gibt.[1]

Nantes[Bearbeiten]

Im November 2006 wurde unter dem Namen "Busway" ein 7 km langes Bus-Rapid-Transit-System in Nantes eingeführt. Dieses umfasst 15 Haltestellen und befördert täglich 26.500 Fahrgäste.

Santiago de Chile[Bearbeiten]

Santiago de Chile besitzt ein 60 km langes Bus-Rapid-Transit-System. Insgesamt umfasst es 326 Routen mit 10.000 km Linienlänge.

Vilnius[Bearbeiten]

Litauische Hauptstadt Vilnius besitzt ein Bus-Rapid-Transit-System mit Schnellbussen. Insgesamt umfasst es 6 Routen mit 164 km Linienlänge. Die Erweiterung ist geplant.[2]

Merkmale von Bus-Rapid-Transit-Systemen[Bearbeiten]

Metrobussystem in Seattle

Diese verfügen zumeist über:

  • vom restlichen Verkehr abgetrennte, gesonderte Busspuren (diese können abschnittsweise auch als Hochstraßen oder im Tunnel ausgeführt sein)
  • Gelenkbusse mit einer großen Zahl von Türen zum schnelleren Fahrgastwechsel
  • einen dichten Fahrplantakt mit Fahrzeugabständen von wenigen Minuten den ganzen Tag über
  • Ticketverkauf außerhalb des Fahrzeugs bereits an den Haltestellen
  • Haltestellenanlagen mit niveaugleichem Einstieg in die Busse (Niederflurfahrzeuge oder Hochflureinstiege)
  • Ampelvorrangschaltungen bzw. Voranmeldung an Ampelanlagen (LSA-Bevorrechtigung)
  • speziell gegenüber dem Individualverkehr abgesicherte Kreuzungsbereiche und Straßeneinmündungen (Busschleusen)
  • Elektronische Fahrtsteuerungseinrichtungen für einen höheren Reisekomfort
  • im Innenstadtbereich eigene Busstraßen, die möglichst direkt durch die Einkaufsbereiche führen

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bus rapid transit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wege zum Erfolg. In: Omnibusspiegel, Heft 12-4, S. 10–14, 34. Jahrgang, Verlag Dieter Hanke, Bonn 2012, ISSN 0724-7664
  2. Vilniaus metro ir tramvajaus kovoje nugalėjo trečias žaidėjas (Lietuvos rytas)