Chororapithecus abyssinicus

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Chororapithecus abyssinicus
Zeitliches Auftreten
Miozän
10,5 bis 10 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Unterordnung: Trockennasenprimaten (Haplorrhini)
Teilordnung: Affen (Anthropoidea)
Altweltaffen (Catarrhini)
Überfamilie: Menschenartige (Hominoidea)
Gattung: Chororapithecus
Art: Chororapithecus abyssinicus
Wissenschaftlicher Name
Chororapithecus abyssinicus
Suwa et al., 2007

Chororapithecus abyssinicus ist ein fossiler Menschenaffe aus dem Miozän, dessen Überreste zwischen 2005 und 2007 im Gebiet des Großen Afrikanischen Grabenbruchs in der Afar-Region ausgegraben wurden. Chororapithecus abyssinicus wurde von seinen Entdeckern als „überzeugender Kandidat für eine Mitgliedschaft im Taxon der modernen Gorillas“ bezeichnet,[1] das heißt, als der älteste derzeit bekannte Vorfahre der Gorillas.

Als weniger wahrscheinlich, aber nicht völlig ausgeschlossen, bezeichnen die Erstbeschreiber der japanisch-äthiopischen Forschergruppe, dass Chororapithecus abyssinicus eine unabhängige Parallelentwicklung zu den Gorillas durchlaufen habe oder ein Seitenast in der Stammesgeschichte dieser rezenten Arten sei.

Typusexemplar ist ein rechter oberer Molar (M2) mit der Inventarbezeichnung CHO-BT 4. Ergänzend wurden zur Einordnung der neuen Art ein Eckzahn und weitere sieben Molaren herangezogen, darunter zwei Bruchstücke. Diese Zähne weisen eine dem modernen Westlichen Gorilla (Gorilla gorilla) vergleichbare Größe und weitere Merkmale besonders der Kauflächen auf, die als Verwandtschaft mit den Gorillas interpretiert werden können. Die Zähne stammen von mindestens drei, möglicherweise aber auch von sechs oder mehr Individuen.[2]

Die auf der Grundlage dieser neun Zähne im August 2007 in der Fachzeitschrift Nature wissenschaftlich erstbeschriebene Art Chororapithecus abyssinicus wurde benannt nach der Chorora-Formation,[3] aus der das Fossil geborgen wurde, dem griechischen Wort πίθηκος (altgriechisch ausgesprochen píthēkos: „Affe“ ) sowie nach Abessinien, dem früheren Landesnamen von Äthiopien. Aufgrund der Zahnbefunde wurde die Art der Überfamilie der Menschenartigen (Hominoidea) zugeordnet. Chororapithecus abyssinicus ist zugleich die Typusart der Gattung Chororapithecus.

Die relativ dicke Schmelzschicht der aufgefundenen Zähne wird als Anzeichen einer ausgeprägt herbivoren Lebensweise gedeutet. Dies passt – der Erstbeschreibung zufolge – zu anderen Fossilfunden in den Chorora-Schichten, in denen zahlreiche frühe Verwandte unserer Pferde (Hipparion-Arten) gefunden wurden, deren Zähne ebenfalls auf eine harte, kieselsäure-haltige Nahrung hinweisen, wie sie heute beispielsweise in locker bewaldeten Savannen anzutreffen ist.

Bis zu diesen Funden war die Trennung der Abstammungslinien von Gorilla und Mensch anhand von Schätzungen zur Häufigkeit von Mutationen („Molekulare Uhr“) auf die Zeit vor ungefähr acht Millionen Jahren datiert worden. Aus den Fundumständen von Chororapithecus abyssinicus kann nun aber abgeleitet werden, dass diese Trennung möglicherweise mindestens zwei Millionen Jahre früher stattgefunden hat. Erstbeschreiber Gen Suwo von der Universität Tokyo wurde in Nature zitiert, dass die Trennung frühestens vor 10 bis 11 Millionen Jahren stattgefunden habe.[4] Michel Brunet, der Erstbeschreiber von Sahelanthropus tchadensis, wies in New Scientist darauf hin, dass eine deutlich frühere Trennung der Abstammungslinien als bisher vermutet auch gut verträglich sei mit dem Alter von Sahelanthropus (sieben Millionen Jahre), der als ältester bekannter Fund einer zum Menschen führenden Abstammungslinie gelte.[5]

Primaten von ähnlichem erdgeschichtlichen Alter sind Dryopithecus, Nakalipithecus, Oreopithecus und Pliopithecus.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gen Suwa, Reiko T. Kono, Shigehiro Katoh, Berhane Asfaw, Yonas Beyene: A new species of great ape from the late Miocene epoch in Ethiopia. In: Nature. Band 448, 2007, S. 921–924, doi:10.1038/nature06113.
  2. New Scientist. Band 195, 25. August 2007, S. 12.
  3. Der Name dieser geologischen Formation ist abgeleitet vom Dorf Chorora, das ungefähr acht Kilometer südlich der als Beticha locality benannten Fundstelle liegt.
  4. wörtlich: „greater than 10 to 11 million years ago“; zitiert in: Rex Dalton: Oldest gorilla ages our joint ancestor. In: Nature. Band 448, 2007, S. 844–845, doi:10.1038/448844a
  5. wörtlich: „The earlier date for the start of the gorilla lineage would also fit with the age of the earliest known remains from the lineage leading to humans, found in Chad and dated about seven million years old, Brunet says.“ In: New Scientist. Band 195, 25. August 2007, S. 12.