Cornwalliser Nelkenapfel

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Cornwalliser Nelkenapfel
Cornish gillyflower.jpg
Art Kulturapfel (Malus domestica)
Herkunft Truro, Cornwall
Züchter Unbekannt
Züchtungsjahr 1800
Markteinführung 1813
Abstammung

Zufallssämling

Liste von Apfelsorten

Der Cornwalliser Nelkenapfel, auch Cornish Gilliflower oder Cornish Gillyflower, Red Gilliflower, Calville d' Angleterre oder Nelkenapfel ist eine Sorte des Kulturapfels (Malus domestica). Der in einem Garten in Cornwall entdeckte Zufallssämling eignet sich zur Lagerhaltung und hat ein intensives blumiges Aroma.[1] Der Calville[2] eignet sich deshalb vor allem als Tafelapfel.

Obwohl der Apfel vergleichsweise anspruchslos im Anbau ist, und sich seit 200 Jahren als Liebhaberapfel hält, wurde der Nelkenapfel nie im kommerziellen Maßstab angebaut. Grund hierfür ist vor allem die geringe Menge an Früchten, die ein Baum trägt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Früchte sind vergleichsweise groß, und rotgefärbt auf einem grünen Untergrund.[3] Ihre Form ist konisch und deutlich ausgeprägt gerippt,[4] dabei in der Längsachse fast symmetrisch.[5] Das Fruchtfleisch selbst ist cremefarben[3] und fest.[4] Erst nach längerer Lagerung wird das Fruchtfleisch mürber, und damit einfacher zu essen. Die Schale des Apfels ist glatt und nur schwach berostet. Auch hat sie nur wenige bräunliche Punkte.[5]

Die Früchte wachsen an den Spitzen der Zweige. Der Baum ist diploid und eignet sich deshalb zum bestäuben anderer Bäume. Er blüht in Europa mittel bis spät.[3] Die Blätter sind klein, oval und schmal. Auf der Oberseite sind sie dunkel- auf der Unterseite hellgrün.[2]

Die Ernte ist spät in der Saison, und findet in Österreich in der zweiten Öktoberhälfte statt.[6] Dabei tragen die Bäume nur wenige Äpfel.[4] Die Apfelbäume sind im Vergleich zu anderen Sorten mittelgroß bis kein, und tragen nur mäßig Früchte.[2]

Die Genussreife des Apfels im Frischlager liegt in Deutschland zwischen Dezember und März.[5] Es handelt sich damit um einen klassischen Winterapfel, der sein volles Aroma erst ab Weihnachten erreicht.[1] Das Fruchtfleisch ist süß und aromatisch, sein auffallender Geruch erinnert an Blüten. Vor allem aufgrund seines Aromas beschreibt Hogg ihn 1860 als „einen der besten Äpfel.“[7] Die Royal Horticultural Society drückte sich 1842 im Katalog der Pflanzen in ihrem Garten ähnlich aus: Trägt schlecht. Aber der beste aller Äpfel."[8]

Name und Herkunft[Bearbeiten]

Der englische Name Cornish Gilliflower stammt laut Robert Hogg aus einer Verballhornung des französischen Worts girofle – der Landnelke – an deren Duft der frisch aufgeschnittete Apfel erinnert.[3] Der deutsche Name wiederum ist eine direkte Übersetzung davon.

Wann der Apfel genau gezüchtet wurde, ist unbekannt. In Cornwall züchteten die Bauern gewohnheitsmäßig Sämlinge, die sie dann in die Hecken ihrer Farmen integrierten. Äpfel, die sich im Geschmack besonders bewährten, wurden weitergegeben und vermehrt. Sie verließen jedoch nur selten ihren lokalen Herkunftsort in Cornwall. Der Cornwalliser Nelkenapfel war einer der wenigen Äpfel, die durch ihren intensiven Geschmack auch außerhalb Cornwalls bekannt wurden.[9]

Über Truro in Cornwall hinaus wurde er 1813 bekannt, als Sir Christopher Hawkins ihn entdeckte, und an die Royal Horticultural Society schickte. In seinem Begleitbrief teilte er mit, dass der Apfel vor 10 oder 15 Jahren in Cornwall gefunden wurde. Der July flower apple, wie er damals hieß, hat einen sehr auffallenden angenehmen Duft. Insbesondere lobte Hawkins aber den Geschmack der Frucht.[10] Diese empfahl den Apfel ihren Mitgliedern und zeichnete Hawkins mit einer Silbermedaille für seine Bemühungen aus.

Der Apfel verbreitete sich schnell, so dass die Royal Horticultural Society bereits 1826 Nachricht vom Anbau im elsässischen Bollwiller unter dem Namen Calville d' Angleterre erhielt.[11] In Deutschland galt er noch 1841 als „neue Sorte.“[2]

Vom Cornwalliser Nelkenapfel stammt vermutlich die Sorte Cornish Pine ab, die sich durch einen ähnlichen Geschmack auszeichnet, wie der Nelkenapfel.[12]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b Philip McMillan Browse: Heligan: Fruit, Flowers and Herbs Alison Hodge Publishers, 2005 ISBN 0906720400 S. 83
  2. a b c d Johann Georg Dittrich: Systematisches Handbuch der Obstkunde, nebst Anleitung zur Obstbaumzucht und zweckmässiger benutzung des obstes, Dritter Band Jena 1841 Vorschau auf Google Books
  3. a b c d Cornish Gilliflower, orangpippin.com
  4. a b c John Thomas: American Fruit Culturist Applewood Books, 2009 ISBN 1429013303 S. 458
  5. a b c Th. Engelbrecht: Deutschlands Apfelsorten (PDF; 253 kB), Braunschweig 1889
  6. Empfehlenswerte Obstsorten Oberösterreichs (PDF; 88 kB)
  7. Robert Hogg: The Fruit Manual: Containing the Descriptions and Synonymes of the Fruits and Fruit Trees Commonly Met with in the Gardens and Orchards of Great Britain, with Selected Lists of Those Most Worthy of Cultivation, 1860 reprint Cambridge University Press, 2011 ISBN 1108039456
  8. Royal Horticultural Society: A Catalogue of the Fruits Cultivated in the Garden of the Horticultural Society of London, London 1842 Vorschau auf Google Books
  9. Philip McMillan Browse: Heligan: Fruit, Flowers and Herbs Alison Hodge Publishers, 2005 ISBN 0906720400 S. 77
  10. Christopher Stocks: Forgotten Fruits: The stories behind Britain's traditional fruit and vegetables, Random House, 2009 ISBN 1409061973
  11. John Lindley: Pomologia Britannica: Or, Figures and Descriptions of the Most Important Varieties of Fruit Cultivated in Great Britain, Volume 3 1841; Eintrag Cornish Gilliflower Vorschau auf Google Books
  12. Joan Morgan: The New Book Of Apples Ebury Publishing, 2013 ISBN 1448177367, Eintrag Cornish Pine