Dave Grossman

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Dave Grossmann (* 1956) ist ein amerikanischer Autor, der über psychologische Aspekte bei der Tötung von Menschen schreibt und darüber Vorträge hält.

Leben[Bearbeiten]

Grossman war bis 1998 Dozent für Militärpsychologie und Offizier an der US-Militärakademie in West Point.[1]

Als Autor wurde Grossman in den USA durch sein Buch ”On Killing. The Psychological Cost of Learning to Kill in War and Society.” (Deutsch: Über das Töten: Der psychologische Preis für das Erlernen des Tötens im Krieg und in der Gesellschaft) von 1995 bekannt. Grossman beschäftigt sich in dem Buch mit verschiedenen Experimenten des US-Militärs, bei denen unter anderem versucht wurde, mittels Konditionierung die Hemmschwelle zu Tötungshandlungen bei Soldaten herunterzusetzen. Er überträgt dabei verschiedene Beobachtungen auf Phänomene in den modernen Massenmedien und hält deren Auswirkung auf Kinder für verheerend. So kritisiert er beispielsweise Horrorfilme und behauptet, dass Kinder sich die darin agierenden Serienmörder wie Freddy Krueger zum Vorbild nehmen würden.[2] Im Bereich der Computerspiele hält er vor allem die in Spielhallen verbreiteten Lightgun-Schießspiele für gewaltfördernd (violence enabling), da sie mit Schießtrainings-Methoden beim Militär und bei der Polizei vergleichbar seien.[3] Später weitet er seine Kritik auch auf das Genre der Ego-Shooter aus.

Grossman nennt seine Thesen, nach denen eine natürliche Hemmung zu töten durch Konditionierung herabgesetzt werden kann, „Killologie“. In der Wissenschaft werden seine Publikationen nicht rezipiert.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst gründete Grossman die "Killology Research Group", heute umbenannt in "Warrior Science Group",[4] in der die These, dass gewalthaltige Computerspiele (in der deutschen Debatte auch als „Killerspiele“ bezeichnet) zu gewalttätigem Verhalten führen können, untersucht werden soll. Sein zusammen mit der Erziehungsberaterin Gloria DeGaetano geschriebene Buch: „Wer hat unseren Kindern das Töten beigebracht?“ fand im deutschsprachigen Raum im Zusammenhang mit der Kontroverse um Zusammenhänge zwischen Gewaltspielen und Tötungsbereitschaft breite Rezeption in den Medien.[5][6][7][8] Kritiker halten Grossmann vor, dass seine Thesen wissenschaftlich nicht belegt sind[9] und dass er die Sachverhalte undifferenziert und unzulässig verallgemeinernd darstellt.[10][11]

Publikationen[Bearbeiten]

  • Dave Grossman: On Killing. The Psychological Cost of Learning to Kill in War and Society. B&T, Little, Brown Book Group, 1996, ISBN 978-0-316-33011-4
  • Dave Grossman, Loren W. Christensen: On Combat: The Psychology and Physiology of Deadly Conflict in War and Peace. Warrior Science Publications, 2008, ISBN 0-9649205-4-9
  • Gloria DeGaetano, Dave Grossman: Wer hat unseren Kindern das Töten beigebracht? Freies Geistesleben Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 978-3-7725-2225-3

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biografie von Dave Grossman (engl.)
  2. Dave Grossman: On Killing. The Psychological Cost of Learning to Kill in War and Society. Boston 1995, S. 303. Vgl. auch 308ff.
  3. Dave Grossman: On Killing. The Psychological Cost of Learning to Kill in War and Society. Boston 1995, S. 315.
  4. Neue und alte Webseite von Grossman (engl.)
  5. Interview mit Lt. Colonel Dave Grossman für ”DIE ZEIT” Gewalt ist lernbar (PDF) (Version vom 5. November 2005 im Internet Archive)
  6. Focus:Amokläufer Blutrausch im Idyll
  7. Wiener Zeitung: Wie aus Kindern Killer werden
  8. Bild: Tessin: Blut-Amok ohne Motiv
  9. Arne Birkenstock: Machen Computerspiele aggressiv? (Version vom 28. Juni 2007 im Internet Archive)
  10. Thomas Hausmanninger: Review: Wer hat unseren Kindern das Töten beigebracht? Ein Aufruf gegen Gewalt in Fernsehen, Film und Computerspielen. (PDF; 39 kB)
  11. Rezension von Andrea Rothe: Gute Absicht, schlechte Ausführung