David Katz

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Dieser Artikel behandelt den deutschen Experimental-Psychologen David Katz, für den deutsch-ungarischen Mathematiker siehe David Friesenhausen.

David Katz (* 1. Oktober 1884 in Kassel; † 2. Februar 1953 in Stockholm) war ein deutscher Experimental-Psychologe.

Leben[Bearbeiten]

David Katz wurde am 1. Oktober 1884 in Kassel geboren, wo er bereits in seiner Schulzeit ein erstes Büchlein (zur Latein-Nachhilfe) publizierte. 1902 begann er ein Lehramtsstudium mathematisch-naturwissenschaftlicher Fächer an der Universität Göttingen, wechselte dann zur Psychologie und wurde Schüler von Prof. Georg Elias Müller. 1906 wurde er aufgrund einer Arbeit aus der Psychologie zum Zeiterleben (die Dissertation erschien 1907) mit den Prüfungsfächern Psychologie, Physik und Philosophie zum Doktor promoviert (Prüfer hier: Prof. Edmund Husserl).

Ab 1907 war David Katz Assistent bei Prof. G. E. Müller in Göttingen und beschäftigt sich mit Themen aus der Entwicklungspsychologie, der Sozialpsychologie (besonders der Tier-Sozialpsychologie) und der Pädagogischen Psychologie. 1911 habilitierte er in Psychologie mit einer bis heute stark beachteten Arbeit zur Farbwahrnehmung, die von Müller und Husserl begutachtet wurde. Von 1914 bis 1918 nahm Katz als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil. 1918 wurde ihm eine Tätigkeit an der Technischen Hochschule Hannover zu psychologischen Aspekten des Prothesenbaus übertragen. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde er 1918 zum Apl. Professor an der Universität Göttingen ernannt.

1919 erhielt David Katz einen Ruf an die Universität Rostock auf eine Professur, die anlässlich der 500-Jahr-Feier der Gründung der Universität neugeschaffen wurde. Im gleichen Jahr heiratete er die Psychologin Rosa Katz, geborene Heine, 1920 und 1922 wurden die Söhne Theodor und Gregor geboren.

Forschungsschwerpunkte von David Katz in Rostock waren vor allem die Wahrnehmungspsychologie (Tastsinn, Vibrationssinn, Farbwahrnehmung), die Bedürfnispsychologie (Hunger und Appetit), die Sprachentwicklung (zusammen mit seiner Frau), die Pädagogische Psychologie und die (Tier-)Sozialpsychologie. Zu diesen Themen betreute er bis 1933 21 Dissertationen, darunter die des Norwegers Thorleif Schjelderup-Ebbe. Der Zusammenarbeit von Katz und Schjelderup-Ebbe, die bereits in Göttingen begonnen hatte, entsprang der Begriff der „Hackordnung“. Katz betrieb damals in Rostock die einzige deutsche psychologische Tierstation, wobei vor allem lern- und tier-sozialpsychologische Versuche mit Hühnern, aber auch Wahrnehmungsexperimente zum Hören oder Riechen mit Hunden durchgeführt wurden. Daneben engagierte sich Katz für die Lehrerbildung, produzierte Lehrfilme und verfasste zusammen mit seiner Frau einen Erziehungsratgeber. In seiner Rostocker Zeit fungierte Katz auch als Herausgeber der Zeitschrift für Psychologie, weiter arbeitete er im Vorstand der Gesellschaft für Psychologie bis 1933 und im Vorstand der Internationalen Gesellschaft für Psychologie mit.

1923 erhielt Katz einen Ruf an die Handelshochschule Mannheim, wurde in der Folge in Rostock zum ordentlichen Professor ernannt, wobei der Erhalt des Ordinariats mit der Gründung des Psychologischen Instituts verbunden war. 1928 wurde in Rostock eine Tagung der deutschen Wahrnehmungs- und Gestaltpsychologen organisiert, an der neben Katz und seiner Frau als Gastgeber Fritz Heider, Kurt Lewin, Heinz Werner, Wolfgang Köhler, Albert Michotte, Edgar Rubin und Max Wertheimer teilnahmen. 1929 hielt sich Katz im Rahmen einer Gastprofessur in Maine (USA) auf.

1933 wurde David Katz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten von der akademischen Welt ausgeschlossen und beurlaubt. Vorausgegangen war eine Kampagne der NS-Studentenschaft und des Niederdeutschen Beobachters gegen ihn und seine Frau. 1934 erfolgte die Versetzung in den endgültigen Ruhestand. Ab 1933 hielt sich David Katz in England auf. Vortragstätigkeit, Publikationen, diverse Forschungsaufträge und schließlich tierpsychologische Experimente im Londoner Zoo (bei Cyril Burt) bestimmten sein Leben. Die Ausreise nach England war ihm 1933 zunächst verweigert und erst genehmigt worden, nachdem sich unter anderem Prodekan Schüssler von der Philosophischen Fakultät für Katz eingesetzt hatte. Prof. Schüssler ging 1934 an das Herder-Institut in Riga, um – so das Biographische Lexikon zur Geschichtswissenschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz – drohenden Sanktionen lokaler NS-Instanzen wegen der Hilfeleistung für einen jüdischen Kollegen zu entgehen. Erst nach Sicherung der wirtschaftlichen Lage und Klärung der weiteren Schulbildung für die Söhne konnte Katz seine Familie im Jahr 1935 nach England nachholen.

1937 erhielt David Katz einen Ruf auf die erste schwedische Professur für Psychologie an der Universität Stockholm, wo er in den folgenden Jahren sich vor allem mit Themen der Pädagogischen Psychologie, der Intelligenzdiagnostik und der Gestaltpsychologie befasste. Daneben publizierte er eine Reihe von Lehrbüchern und entwickelte einen Skriptochronographen, ein Gerät zur Aufzeichnung von Handbewegungen bei Schreiben, wofür er ein Patent erhielt. 1951 fungierte David Katz als Ausrichter des 13. Internationalen Kongresses für Psychologie an der Universität Stockholm. 1952 wurde er in die Bayerische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Im selben Jahr erhielt er, bereits im Ruhestand, eine Honorarprofessur an der Universität Hamburg. Kurz nach seiner Rückkehr aus Hamburg verstarb David Katz am 2. Februar 1953 in Stockholm.

Schriften[Bearbeiten]

  • Psychologie und mathematischer Unterricht. In: Felix Klein (Hrsg.): Abhandlungen über den mathematischen Unterricht in Deutschland. Band 3, H. 8, IV. Leipzig 1913.
  • Der Aufbau der Tastwelt Leipzig 1925.
  • mit Rosa Katz: Gespräche mit Kindern. Berlin 1928 (ins Englische und Schwedische übersetzt).
  • Der Aufbau der Farbwelt. Leipzig 1930 (ins Englische übersetzt).
  • Animals and Man. London 1937 (ins Deutsche, Schwedische, Spanische und Japanische übersetzt).
  • Gestaltpsychologie. Basel 1944 (ins Englische, Schwedische, Spanische, Italienische, Finnische und Französische übersetzt).
  • Individualtest för intelligensundersökning. 2 år 6 mån. till 6 år. Stockholm 1950.
  • (Hrsg.): Handbuch der Psychologie. Basel 1951 (erstmals 1950 auf Schwedisch erschienen, ferner ins Englische, Spanische, Finnische und Italienische übersetzt. Mehrere Neuauflagen postum mit Rosa Katz als Mitherausgeberin).
  • Autobiography. In: H. S. Langfeld, E. G. Boring, H. Werner, M. Yerkes (Hrsg.): A History of Psychology in Autobiography. Band 4. Worcester (Mass) 1952, S. 189–211.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Arnold: Katz, David. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 332 f. (Digitalisat).
  • Michael Buddrus, Sigrid Fritzlar: Die Professoren der Universität Rostock im Dritten Reich. Ein biographisches Lexikon, Saur, München 2007, ISBN 978-3-598-11775-6, S. 217-219.
  • Heinz Grassel: Zur Entwicklung der Psychologie an der Universität Rostock. Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Rostock. Gesellschafts- und Sprachwissenschaftliche Reihe 20, Rostock 1971, S. 155–163.
  • Christoph Perleth: Katz, David. In: S. Pettke (Hrsg.): Biographisches Lexikon für Mecklenburg. Band 4. Rostock, Lübeck 2004, S. 111–117.
  • Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 13, Saur, München 2005, S. 292–296
  • Stefan Volke: Leitphänomene und Begriffsfigur - Über David Katz' Unterscheidung von Oberflächen- und Flächenfarbe. In: Steffen Kluck/Stefan Volke (Hrsg.): Näher dran? Zur Phänomenologie des Wahrnehmens, Freiburg/München 2012, S. 82-103.

Weblinks[Bearbeiten]