Dickbettverfahren

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Als Dickbettverfahren wird das Ansetzen bzw. Verlegen keramischer Fliesen und Platten, sowie Beton-, Natur- und Kunststeinplatten in der Fachsprache bezeichnet, bei einer Schichtdicke von 10–20 mm Mindestmörtelstärke an Wandflächen und 20–30 mm bei Fußbodenbelägen.

Dickbett kennzeichnet die Auftragsstärke des verwendeten Ansetz- und Verlegemörtels. Bei dünneren als den obengenannten Mörtelstärken spricht man von Mittel- und Dünnbettverfahren. An senkrechten Flächen (z. B. Wandflächen) spricht man vom Ansetzen, auf waagerechten Flächen (z. B. Fußböden) vom Verlegen der Materialien. Die Dickbettverlegung ist die ältere Verlegemethode. Die Mittelbettverlegung ist eine spezifische Klebetechnik vorwiegend für Bodenflächen. Durch die besondere Art der Zusammensetzung des pulverförmigen Klebers (u.a. gröbere Zuschlagstoffe, spannungsfreies Abbinden bis zu im Mittel 20 mm Auftragsstärke) können u. a. größere Unebenheiten im Untergrund ausgeglichen werden. Große Plattenformate können ohne größere Hohlstellen zwischen Kleberbett und Fliesenrückseite sicher verlegt werden.

Mörtelarten[Bearbeiten]

Bei der Dickbettverlegung wird der Mörtel aus dem Zuschlagsstoff Sand und dem Bindemittel Zement auf der Baustelle manuell hergestellt. Beim Mittel- und Dünnbettverfahren wird industriell hergestellter Mörtel verwendet, welcher meist in Pulverform in Säcken geliefert wird.

Verbindung der Materialien[Bearbeiten]

Beim Dickbettverfahren zieht der im Anmachwasser des Mörtels vorhandene Zement gemeinsam mit dem Wasser in die Kapillaren des Untergrundes und des Verlegematerials ein (Kohäsion). Beim Erstarren des im Zementwasser enthaltenen Zementes gehen die Materialien somit eine feste, kraftschlüssige Verbindung ein.

Bei der Mittel- und Dünnbettverlegung verbinden sich die Materialien durch Kleben (Adhäsion). Bei hydraulisch erhärtenden Dünnbettklebern geschieht dies z. B. durch die natürliche Klebekraft des Zementes, unterstützt durch die in den Dünnbettmörteln enthaltenen Additive. Quarzsande dienen als Füllstoff des Dünnbettmörtels.

Verlegung[Bearbeiten]

Die Fliesen werden einzeln mit Mörtel an die Wand angerieben und angeklopft, bzw. am Boden in Bahnen oder einem mit der Setzlatte vorgezogenen Mörtelbett einzeln eingelegt/eingeklopft. Vorhandene Unebenheiten im Untergrund können auf diese Weise ausgeglichen werden. Bei größeren Unebenheiten ist vor dem Verlegen an Wandflächen ein rau abgezogener Ausgleichsputz bzw. an Bodenflächen ein Ausgleichsestrich aufzubringen.

Verlegematerial[Bearbeiten]

Für die Dickbettverlegung eignen sich vorwiegend Materialien mit hoher Wasseraufnahmefähigkeit.

Unter anderem um die Haltbarkeit von Belägen aus Materialien mit niedriger Wasseraufnahmefähigkeit (Feinsteinzeugfliesen, Glas, Kunststoffe, Material mit sehr glatter Rückseite) zu erreichen bzw. zu verbessern, wurde das Mittel- und Dünnbettverfahren entwickelt. Dieses Verfahren lässt ein zeitsparendes Verlegen und die Verwendung moderner großformatiger Materialien zu.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Ulrich Niemer: Praxis-Handbuch Fliesen. Material, Planung, Konstruktion, Verarbeitung. Köln: Rudolf-Müller-Verlag 2003. ISBN 3481019211
  • Gerhard Büchner, Joachim Krause, Karlheinz Stephan: Fliesenlegerarbeiten. Köln: Rudolf-Müller-Verlag 1990 ISBN 3788073233
  • Günter Dinort: Fachtechnologie mit Baustoffkunde für Fliesen-, Platten- und Mosaikleger. Köln: Rudolf-Müller-Verlag 2001 ISBN 3481010311
  • Frick/Knöll/Neumann/Weinbrenner: Baukonstruktionslehre Teil 1. B. G. Teubner: Stuttgart 1992. S. 431, S. 433 f. ISBN 3519252503