Die zwölf Geschworenen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für weitere Bedeutungen siehe Die 12 Geschworenen.
Filmdaten
Deutscher Titel Die zwölf Geschworenen
Originaltitel 12 Angry Men
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1957
Länge 96 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Sidney Lumet
Drehbuch Reginald Rose
Produktion Henry Fonda,
Reginald Rose
Musik Kenyon Hopkins
Kamera Boris Kaufman
Schnitt Carl Lerner
Besetzung
Synchronisation

Die zwölf Geschworenen (Originaltitel: 12 Angry Men) ist das Spielfilmdebüt des US-amerikanischen Regisseurs Sidney Lumet aus dem Jahr 1957. Der Gerichtsfilm im Stil eines Kammerspiels ist eine Kinoadaption des gleichnamigen Fernsehspiels von Reginald Rose, das am 20. September 1954 ebenfalls unter der Regie Lumets im Rahmen der Fernsehserie Studio One ausgestrahlt wurde.

Der Film in seiner Original-Kinofassung von 1957 gilt bei Soziologen und Psychologen bis heute als ein Musterbeispiel zur Anschauung von Rollenverhalten, Gruppenverhalten und gruppendynamischen Prozessen.

Handlung[Bearbeiten]

Am Ende eines Mordprozesses, in dem ein achtzehnjähriger Puerto-Ricaner aus den Slums des Mordes an seinem Vater beschuldigt wird, ziehen sich nach sechs Verhandlungstagen die zwölf Geschworenen in das Geschworenenzimmer (englisch: jury room) des Gerichts zurück, um über das Urteil zu beraten, das einstimmig gefällt werden muss. Der Schuldspruch gegen den Angeklagten scheint besonders aufgrund zweier eindeutiger Zeugenaussagen eine klare Angelegenheit zu sein, die keine lange Beratung erfordert, doch in der ersten Abstimmung stimmt der Geschworene Nr. 8 als einziger der zwölf Geschworenen für nicht schuldig, während die elf anderen den jungen Mann für schuldig erklären.

Der Geschworene Nr. 8 kann nicht sagen, ob der Angeklagte unschuldig ist − er kann aber auch keine eindeutige Schuld beim mutmaßlichen Mörder erkennen. Dem Angeklagten droht im Falle des Schuldspruchs die Hinrichtung durch den elektrischen Stuhl. Einige Geschworene sind aus jeweils unterschiedlichen Motiven an einer raschen Beendigung der Beratung interessiert und drängen deshalb auf einen schnellen Schuldspruch. Gegen ihren Protest rekonstruiert im weiteren Verlauf der Beratung der Geschworene Nr. 8 – zunehmend unterstützt von denjenigen, die sich nach und nach auf seine Seite schlagen – den angeblichen Tathergang und deckt Ungereimtheiten in der Beweisführung der Staatsanwaltschaft auf.

Es gelingt ihm in hitzigen Auseinandersetzungen, die Argumente und die Vorurteile der Mitgeschworenen zu entkräften und sie wegen begründeter Zweifel vom Schuldspruch abzubringen. Als auch die zweite belastende Zeugenaussage in Frage gestellt werden muss, steht das Votum elf zu eins für „unschuldig“, und nur noch der aufbrausende und befangene Geschworene Nr. 3, der unter der langjährigen Trennung von seinem eigenen 22-jährigen Sohn leidet und seinen Hass auf den Angeklagten projiziert, ist von der Schuld des Angeklagten überzeugt. Er bricht jedoch letztlich unter dem Druck der elf anderen Geschworenen zusammen und schließt sich dem Freispruch des Angeklagten an.

Die Geschworenen[Bearbeiten]

[1]

Nr. 1 (Martin Balsam) ist ein nicht sehr erfolgreicher Co-Trainer einer Footballmannschaft aus einer Highschool in Queens und Vorsitzender der Jury. Unsicher und um Ordnung bemüht, versucht er die Diskussion zu leiten, was ihm aber immer weniger gelingt. Eigentlich möchte er den Vorsitz gar nicht haben. Mit seiner eigenen Meinung zu dem Fall hält er sich aber zurück und erscheint auch sonst nicht unsympathisch. Als er merkt, dass die Stimmung zugunsten des Angeklagten umkippt, schließt er sich zögernd der neuen Mehrheit an und ist fast peinlich berührt, dass er seine Meinung geändert hat.

Nr. 2 (John Fiedler), der freundliche kleine Bankbeamte, ist anfangs sehr unsicher und zugleich aufgeregt, zumal er zum ersten Mal in einer Jury sitzt. Er versucht zu begründen, warum er den Angeklagten für schuldig hält, kann es aber nicht schlüssig erklären. Dennoch findet er die Diskussion interessant und nimmt, wenn auch meist passiv, regen Anteil. Im Laufe der Diskussion taut er mehr und mehr auf, liefert einen wichtigen Beitrag, als es um den Einsatz der Tatwaffe geht, und setzt sich gegen Angriffe tapfer zur Wehr.

Nr. 3 (Lee J. Cobb), ein grobschlächtiger, aufbrausender Mann, hat sich mit harter Arbeit eine kleine Firma aufgebaut. Seinen Sohn wollte er ebenso mit Härte zum Mann erziehen. Seit dieser die Hand gegen ihn erhoben hat, hat er keinen Kontakt mehr zu ihm. Seine Wut und Enttäuschung über seinen Sohn projiziert er auf den Angeklagten und will ihn dafür verurteilt sehen. Deshalb sieht er in Juror Nr. 8, der von Anfang an Zweifel an der Schuld des Angeklagten hegt, seinen Feind. Als dieser die versteckten Motive von Nr. 3 offenlegt, kommt es zur vehementen Konfrontation, die ihn zum ersten Male in die Defensive drängt. Mehr und mehr bringt er die anderen gegen sich auf, auch weil er sich durch seine impulsive und polternde Art oft inhaltlich widerspricht. Er knickt ein, als er am Ende allein dasteht und erkennt, dass er aus tiefer Verletzung über den Konflikt mit seinem Sohn beinahe ein Menschenleben geopfert hätte.

Nr. 4 (E. G. Marshall) ist als Börsenmakler ein kühl analytisch und objektiv denkender Charakter, der sich keine Emotionen erlaubt und sich stets unter Kontrolle hat. Trotz der schwülen Hitze im Raum schwitzt er zunächst nicht einmal. Disziplinlosigkeit ist ihm zuwider, und er verabscheut die Emotionsausbrüche anderer Geschworener, wie zum Beispiel die von Nr. 3 und Nr. 10, auch wenn er, wie sie, fest von der Schuld des Angeklagten überzeugt ist. Er versucht mit sachlichen Argumenten zu überzeugen und genießt eine gewisse Autorität bei den anderen Juroren. Ein bisher übersehenes Detail löst schließlich auch in ihm begründete Zweifel aus, woraufhin er konsequent sein Votum ändert.

Nr. 5 (Jack Klugman) ist, wie der Angeklagte, in den New Yorker Slums groß geworden. Er reagiert sehr empfindlich auf Vorurteile, die im Laufe der Diskussion auftauchen. Besonders von Nr. 10, der ihm direkt gegenüber sitzt, fühlt er sich persönlich angegriffen. Nr. 5 gewinnt mehr und mehr Selbstvertrauen und bringt seine Erfahrungen aus den Slums in die Diskussion mit ein. Als es um die Tatwaffe – ein Springmesser – geht, ist er der einzige, der weiß, wie damit umgegangen wird, und kann zeigen, warum es unwahrscheinlich ist, dass der Junge seinen Vater erstochen hat.

Nr. 6 (Ed Binns) ist ein einfacher Maler und Bauarbeiter ohne intellektuellen Hintergrund, dafür aber mit klaren moralischen Grundsätzen. Dies wird deutlich in seinem Respekt vor dem Alter des greisen Jurors Nr. 9. Er verschafft ihm Gehör, als der etwas sagen will, und als Nr. 3 den alten Mann hart attackiert, wird er von Nr. 6 scharf zurechtgewiesen. Sonst hält er sich in der Diskussion eher zurück. Er glaubt zunächst auch an die Schuld des Angeklagten, lässt sich aber überzeugen, dass es begründete Zweifel gibt.

Nr. 7 (Jack Warden) schlägt sich als Handelsvertreter für Marmelade mit flotten Sprüchen und kleinen Witzen durchs Leben. Ob der Angeklagte schuldig ist oder nicht, interessiert ihn nicht. Wichtiger ist ihm, dass die Sache schnell über die Bühne geht, weil er das Baseballspiel der New York Yankees am Abend auf keinen Fall verpassen will. Deshalb stimmt er für schuldig. Als er merkt, dass die Stimmung umschwenkt, ändert er sein Votum auf „nicht schuldig“, um die Sache zu beschleunigen. Damit zieht er sich aber den Zorn der Geschworenen beider Lager zu.

Nr. 8 (Henry Fonda), von Beruf Architekt, hält die Schuld des Angeklagten nicht für zweifelsfrei bewiesen. Deshalb stimmt er als Einziger von Anfang an für „nicht schuldig“, auch wenn er es für möglich hält, dass der Angeklagte die Tat begangen haben könnte. Aber nur so kann er die anderen dazu bringen, den gesamten Fall Punkt für Punkt durchzugehen. Immer mehr Ungereimtheiten fallen ihm und den anderen auf. Besonders die Aussage des 75-jährigen Hauptbelastungszeugen, der durch einen erlittenen Schlaganfall in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist, stellt er in Frage. Er kann durch geschickte und überzeugende Argumentation die anderen nach und nach dazu bringen, ihre Sicht auf den Fall zu ändern, und erreicht am Ende sein Ziel.

Nr. 9 (Joseph Sweeney) ist ein ruhiger älterer Herr mit gesundheitlichen Problemen, der zuerst auch für „schuldig“ stimmt, dann aber Nr. 8 nach dessen ersten Ausführungen als erster folgt. Er will eine so wichtige Entscheidung wie einen Schuldspruch nicht unüberlegt treffen und seinen Sitznachbarn unterstützen. Deshalb ändert er als erster sein Votum, auch wenn er zunächst noch glaubt, dass der Angeklagte wahrscheinlich schuldig ist. Für das aggressive Auftreten einiger Juroren hat er kein Verständnis. Er stützt sich vor allem auf seine lange Lebenserfahrung und gute Menschenkenntnis. So kann er vor allem die Glaubwürdigkeit der Zeugen ins Wanken bringen, indem er ihre Persönlichkeit, ihr Äußeres und ihre Motive analysiert. Als scharfer Beobachter fällt ihm das entscheidende Detail an der Hauptbelastungszeugin auf, das den endgültigen Durchbruch zu einem Freispruch bringt.

Nr. 10 (Ed Begley), Betreiber mehrerer Tankstellen, ist ein cholerischer Rassist, der mit seinen Vorurteilen nicht hinter dem Berg hält. Für ihn ist der Angeklagte allein wegen seiner puerto-ricanischen Herkunft schuldig. Deshalb interessieren ihn Tatsachen nur, solange sie die Schuld des Angeklagten zu beweisen scheinen. Als daran mehr und mehr Zweifel aufkommen, gerät er mit seinen Ausfällen so in Rage, dass sich die anderen angewidert von ihm abwenden. Nr. 4 weist ihn schließlich eiskalt und scharf zurecht und verbietet ihm, noch einmal seinen Mund aufzumachen. Schockiert bricht er innerlich zusammen, setzt sich abseits der Gruppe in eine Ecke und leistet bei der nächsten Abstimmung keinen Widerstand mehr.

Nr. 11 (George Voskovec), Einwanderer aus Europa, ist ein disziplinierter Uhrmacher, der stolz darauf ist, jetzt Amerikaner zu sein, auch wenn er noch mit starkem Akzent spricht und ihm manchmal die Worte fehlen. Er macht sich Notizen und beobachtet das Geschehen genau. Ihm fallen dabei einige Widersprüche auf. Er weiß die Vorteile einer freien Gesellschaft und eines fairen Justizsystems zu schätzen. Er ermahnt die erhitzten Gemüter zur Ruhe. Der aufrechte, betont freundliche, manchmal aber auch unbeabsichtigt schulmeisterliche Mann bringt vor allem Nr. 7 und Nr. 10 gegen sich auf. Als Nr. 7 sein Votum auf „nicht schuldig“ ändert, nur weil er hofft, dass es so schneller geht, hat Nr. 11 kein Verständnis für diese Leichtfertigkeit.

Nr. 12 (Robert Webber) ist von Beruf Werbetexter und ein oberflächlicher Opportunist. Konflikte liegen ihm nicht, die scharfen Auseinandersetzungen sind ihm zuwider. Während der Diskussionen malt er gelangweilt Skizzen. Er kennt aus seinem Berufsleben eher kreative Arbeitsprozesse und kann mit den Auseinandersetzungen hier nur wenig anfangen. Er ist ein Mann der Schlagworte und flapsigen Redensarten. Inhaltlich kann er nicht viel beitragen. Als er sich mit der Mehrheit weiß, ist er noch sehr selbstsicher. Als die Stimmung jedoch umkippt und er merkt, dass er sich jetzt entscheiden muss, wird er zunehmend unsicher und schwankend. Als einziger Juror ändert er dreimal sein Votum.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Die zwölf Geschworenen basiert auf dem gleichnamigen Fernsehspiel von Reginald Rose, das am 20. September 1954 im Rahmen der Fernsehserie Studio One ausgestrahlt wurde. Von der ursprünglichen Besetzung, die aus Norman Fell, John Beal, Franchot Tone, Walter Abel, Lee Philips, Bart Burns, Paul Hartman, Robert Cummings, Joseph Sweeney, Edward Arnold, George Voskovec und Will West bestand, gehörten nur Joseph Sweeney (Geschworener Nr. 9) als zerbrechlich wirkender alter Mann und George Voskovec (Geschworener Nr. 11) als eingewanderter Uhrmacher zur Besetzung der Kinoadaption. Um eine klaustrophobische Stimmung zu erzeugen, verwendete Regisseur Sidney Lumet Objektive mit einer langen Brennweite, wodurch die Darsteller stärker mit dem Bildhintergrund verschmelzen. Aufgrund der intensiven Proben über zwei volle Wochen konnte der Film in nur 21 Tagen abgedreht werden.

Rezeption[Bearbeiten]

Das von Hauptdarsteller Henry Fonda und Drehbuchautor Reginald Rose produzierte Justizdrama gewann zwar die Gunst der Kritiker und zahlreiche Filmpreise, doch an den Kinokassen war Sidney Lumets Debütfilm kein Erfolg beschieden. Der auf 340.000 US-Dollar (heute: 2.925.000 US-Dollar) geschätzte Film spielte noch nicht einmal die Produktionskosten wieder ein. Die zwölf Geschworenen gilt heute als Filmklassiker und begründete Sidney Lumets erfolgreiche Regiekarriere, die er mit Werken wie der Krimiadaption Mord im Orient-Express (1974) oder der Mediensatire Network (1976) untermauerte. 1982 führte Lumet Regie in The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, einem weiteren Gerichtsdrama mit Paul Newman, in dem auch wieder Jack Warden mitwirkte.

Bühnenfassungen[Bearbeiten]

Reginald Rose verfasste mehrere Bühnenfassungen des Stücks. 1964 wurde es von Leo Genn und Kenneth Wagg auf die Bühne des Londoner Queen’s Theatre gebracht. 1996 inszenierte Harold Pinter das Stück am Comedy Theatre in London und im Jahre 2004 präsentierte das Roundabout Theatre in New York eine Broadway-Inszenierung, die es auf 328 Vorstellungen brachte.

Eine deutsche Adaption brachte das Landestheater Coburg im Mai 2009 im Rahmen der Bayerischen Theatertage auf die Bühne. In dieser Inszenierung nahmen die Zuschauer auf der Bühne rund um den Tisch der Geschworenen Platz.

Gegenüber der Theaterfassung ist die Handlung des Films an einigen Stellen gekürzt. Im Theaterstück machen sich die Geschworenen Gedanken darüber, wer den Vater des Angeklagten umgebracht haben könnte, wenn es nicht der Angeklagte war. Dabei wird deutlich, dass der Vater ein brutaler Schläger und Säufer war, der mit vielen Menschen im Streit lag und selbst einiges auf dem Kerbholz hatte. Außerdem diskutieren die Geschworenen ein psychologisches Gutachten, das im Zuge der Ermittlungen erstellt wurde und dem Angeklagten eine Persönlichkeit attestiert, die angeblich eine potentielle Fähigkeit zu morden nahelegt.

Deutsche Fassung[Bearbeiten]

Die deutsche Synchronfassung entstand 1957 bei der Ultrasynchron Vohrer & Wolf OHG in Berlin.[2][3]

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Geschworener Nr. 1 Martin Balsam Rainer Brandt
Geschworener Nr. 2 John Fiedler Hugo Schrader
Geschworener Nr. 3 Lee J. Cobb Wolf Martini
Geschworener Nr. 4 E. G. Marshall Friedrich Schoenfelder
Geschworener Nr. 5 Jack Klugman Axel Monje
Geschworener Nr. 6 Edward Binns Arnold Marquis
Geschworener Nr. 7 Jack Warden Horst Niendorf
Geschworener Nr. 8 Henry Fonda Ernst Wilhelm Borchert
Geschworener Nr. 9 Joseph Sweeney Walter Suessenguth
Geschworener Nr. 10 Ed Begley Werner Lieven
Geschworener Nr. 11 George Voskovec Bernhard Wicki
Geschworener Nr. 12 Robert Webber Gert Günther Hoffmann

Die Nummer 11 spricht in der deutschen Synchronfassung mit Schweizer Akzent. Im englischen Original ist es ein osteuropäischer Akzent.

Eine Audiodeskription wurde 2013 von Arte produziert.[4]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  • Über viele Jahre war nur der Verbleib der Filmrollen über die erste Hälfte des Fernsehspiels bekannt, das als Vorlage für den Spielfilm diente und im Rahmen der Serie Studio One ausgestrahlt wurde. Sie befanden sich seit 1976 im Besitz des Museum of Television and Radio. Im Jahre 2003 wurde eine komplette 16-mm-Filmfassung des Fernsehspiels entdeckt, die sich im Besitz von Samuel Liebowitz, einem ehemaligen Staatsanwalt und Richter, befand. Heute befindet sich diese komplette Fassung ebenfalls im Besitz des Museum of Television and Radio.
  • Nicht eine Frau fand sich in der Schauspielbesetzung von Die zwölf Geschworenen wieder, und nur eine, die spätere Kurzfilm-Regisseurin Faith Hubley, wirkte als Script Supervisor bei der Produktion mit.
  • Henry Fonda wurde vom Filmstudio United Artists gefragt, ob er Interesse an dem Film hätte. Im Nachhinein übernahm Henry Fonda neben der Rolle als Schauspieler auch den Produzentenposten, eine Position, die ihn sehr frustrierte, und er schlüpfte, abgesehen von der zwei Jahre später entstandenen Fernsehserie The Deputy, nie wieder in die Produzentenrolle.
  • Henry Fonda mochte es nicht, einen Film anzusehen, bei dem er mitwirkte. So sah er sich im Schnittraum nicht den gesamten Film an, entgegnete aber Sidney Lumet, als er den Raum verließ: „Sidney, er ist großartig“ („Sidney, it’s magnificent.“).
  • Im Geschworenenzimmer werden die Charaktere nur durch ihre Nummern identifiziert, in deren Reihenfolge sie um den Tisch sitzen. Nur zwei Charaktere geben ihren Familiennamen preis. In einem Epilog treffen sich Henry Fonda (Geschworener Nr. 8) und Joseph Sweeney (Geschworener Nr. 9) an den Stufen des Gerichtsgebäudes und verlieren ihre Anonymität, indem sich Sweeney als McCardle und Fonda als Davis vorstellen. Der Geschworene Nr. 6 nennt nur in der deutschen Synchronisation seinen Namen „James Heeley“. Im Original zeigt er auf einer Liste auf einen Namen und sagt zum Justizbeamten „Dieser Name ist es“.
  • Ein Hauptbelastungsargument der Staatsanwaltschaft war die Tatwaffe – ein Springmesser mit einer auffälligen Verzierung. Aufgrund von Zeugenaussagen war klar, dass der Angeklagte genau so ein Messer hatte, das er aber nach seiner Festnahme nicht vorweisen konnte, da er es nach seiner Aussage kurz vorher verloren hatte. Die Anklage argumentierte, dass dieses Messer ein Einzelstück war und ein anderer Täter deshalb nicht infrage komme. Geschworener Nr. 8, der offenbar schon während des Prozesses Zweifel an der Schuld des Angeklagten entwickelt hatte, fand und kaufte allerdings ein Springmesser des gleichen Modells mit der gleichen Verzierung wie die Tatwaffe in einem einschlägigen Geschäft und brachte dieses zur Beratung ins Geschworenenzimmer mit, um das Argument der Anklage („Einzelstück“) zu entkräften. Dabei verstieß er gegen mehrere Gesetze – das Mitführen eines solchen Springmessers ist generell illegal, das Mitbringen eines (auch ansonsten legalen) Messers in ein Gerichtsgebäude ist verboten, und auch prozessrechtlich war dies nicht erlaubt, weil Geschworenen eigene Ermittlungen nicht gestattet sind.
  • Laut IMDb nennt Geschworener Nr. 4, gefragt, welche Filme er sich in der vergangenen Woche angesehen habe, die beiden Titel The Scarlet Hour (1956) und The Amazing Mrs. Holliday (1943). Tatsächlich nennt er im englischen Original die fiktiven Filmtitel The Scarlet Circle und The Amazing Mrs. Bainbridge, die es beide laut IMDb nicht gibt. In der deutschen Synchronfassung wird daraus Der rote Kreis (1929) und Die verblüffende Mrs. Bainbridge.
  • Die Zeichentrickserie Die Simpsons spielt in einer Szene auf den Film an. In der Folge Bart packt aus (Staffel 5) stimmt Homer als einziger Geschworener für unschuldig.
  • Bei der Fernsehserie Malcolm mittendrin ist in der Folge Verschworene Geschworene (Staffel 3, Folge 20), in welcher mit humoristischer Art auf dem Film verwiesen wird, die Protagonistin Louis ebenfalls in eine Geschworenenjury berufen worden. Dabei übernimmt sie zuerst die Position des Geschworenen Nr. 8, um sich aber dann, aufgrund ihres persönlichen Konfliktes mit ihrem ältesten Sohn, schlussendlich in der Rolle des Geschworenen Nr. 3 wiederzufinden.
  • In der Top-250-Liste der IMDb rangiert Die zwölf Geschworenen auf Platz 8 mit einer Bewertung von 8,9 (von 10).

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Die zwölf Geschworenen wurde bei der Academy Award-Verleihung 1958 für drei Oscars nominiert, darunter für den besten Film und die beste Regie, konnte sich aber seinerzeit nicht gegen David Leans Kriegsdrama Die Brücke am Kwai durchsetzen, das in sieben Kategorien ausgezeichnet wurde, unter anderem auch als bester Film des Jahres und David Lean als bester Regisseur. Henry Fonda wurde mit dem British Film Academy Award im gleichen Jahr als bester ausländischer Darsteller geehrt. Sidney Lumet gewann 1957 auf der Berlinale unter anderem den Goldenen Bären für den besten Film.

Oscar 1958[Bearbeiten]

Nominiert in den Kategorien

  • Bester Film
  • Beste Regie
  • Bestes adaptiertes Drehbuch

British Film Academy Awards 1958[Bearbeiten]

  • Bester ausländischer Darsteller (Henry Fonda)
  • nominiert als bester Film

Golden Globe Awards 1958[Bearbeiten]

Nominiert in den Kategorien

  • Bester Film – Drama
  • Beste Regie
  • Bester Hauptdarsteller – Drama (Henry Fonda)
  • Bester Nebendarsteller (Lee J. Cobb)

Auszeichnungen vom American Film Institute[Bearbeiten]

  • 2007 schaffte es der Film in der Liste der 100 besten Filme aller Zeiten auf Rang 87, während er in der gleichnamigen Liste von 1998 nicht erwähnt wurde.
  • Die von Henry Fonda verkörperte Rolle des Geschworenen Nr. 8 erreichte Platz 28 in der Liste der 50 bedeutendsten Kinohelden aller Zeiten
  • 2008 erreichte der Film in der Top-10-Liste der besten Gerichtsdramen aller Zeiten Rang 2.

Weitere[Bearbeiten]

Berlinale 1957

Blue Ribbon Awards 1960

  • Bester ausländischer Film

Bodil 1960

  • Bester amerikanischer Film

Directors Guild of America Award 1958

  • nominiert für die beste Regie

Edgar Allan Poe Award 1958

  • Bester Film

Étoile de Cristal 1958

  • Prix International als bester ausländischer Film

Sindacato Nazionale Giornalisti Cinematografici Italiani 1958

  • Bester Regisseur für einen ausländischen Film

Jussi 1958

  • Bester ausländischer Darsteller (Henry Fonda)

Kinema Junpo Awards 1960

  • Bester ausländischer Film

Internationales Filmfestival von Locarno 1957

  • Spezialpreis

PGA Golden Laurel Awards 1997

  • PGA Hall of Fame – Motion Pictures

Writers Guild of America 1958

  • Bestes geschriebenes amerikanisches Drama

National Film Registry

Im August 2008 erschien eine Liste im US-amerikanischen American Bar Association Journal über die besten Justizfilme aller Zeiten. Die zwölf Geschworenen wurde auf Platz zwei gewählt.[5]

Kritiken[Bearbeiten]

  • „Sidney Lumets Erstlingsfilm verleiht dem Geschehen durch die Begrenzung des Ortes und der Personen eine große Dichte und Spannung. Die Wahrheitsfindung entsteht aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Menschentypen, Ideologien und Interessen - ein Modellfall "demokratischer" Aufklärungsarbeit. Hervorragend besetzt, gespielt und fotografiert.“Lexikon des Internationalen Films
  • „Regisseur Sidney Lumet und Autor Reginald Rose kommen vom Fernsehen, das diesen Film sehr heilsam beeinflußt: Auf engem Raum wie im Television-Studio, ohne Rückblenden und ohne Kamera-Koketterien gelang ein hochbewegtes, klug bemessenes, in jeder Einzelheit begründetes, in fast jeder Einstellung beredtes Schauspiel.“Der Spiegel, 1957[6]
  • „Spannender, humorvoller, vom ersten bis zum letzten Meter von hohem menschlichen Verantwortungsbewußtsein getragener Film.“Filmbeobachter
  • „Klaustrophobische Atmosphäre, glänzende Akteure, geschickte Kameraführung und Schnitt.“ (Wertung: 3 Sterne = sehr gut)  Adolf Heinzlmeier, Berndt Schulz: Lexikon „Filme im Fernsehen“. Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 971 (Erweiterte Neuausgabe).
  • Dies ist ein Film, in dem die Spannung aus persönlichen Konflikten, Dialog und Körpersprache entsteht, nicht aus Bewegung; […] wobei Logik, Emotionen und Vorurteile aufeinandertreffen und versuchen die Oberhand zu bekommen. Roger Ebert[7]

Weitere Fassungen[Bearbeiten]

1963 entstand ein westdeutscher Fernsehfilm unter dem Titel Die Zwölf Geschworenen unter der Regie von Günter Gräwert. Es spielten Mario Adorf (Nr. 7), Lukas Ammann (Nr. 12), Herbert Bötticher (Nr. 2), Ernst Fritz Fürbringer (Nr. 4), Heini Göbel (Nr. 1), Robert Graf (Nr. 8), Siegfried Lowitz (Nr. 3), Walter Rilla (Nr. 9), Karl-Georg Saebisch (Nr. 10), Josef Schaper (Nr. 11), Wolfgang Weiser (Nr. 5) und Ralf Wolter (Nr. 6).

1997 drehte William Friedkin mit Die 12 Geschworenen eine weitere Fernsehfassung. Hier sind Jack Lemmon und George C. Scott in den Rollen von Henry Fonda und Lee J. Cobb zu sehen.

2007 entstand mit 12 eine russische Variation von Lumets Film, in dem Regisseur Nikita Michalkow einen jungen Tschetschenen als Vatermörder einführte.

DVD-Veröffentlichung[Bearbeiten]

  • Die 12 Geschworenen. MGM Home Entertainment 2001

Literatur[Bearbeiten]

  • Reginald Rose: Die zwölf Geschworenen (Originaltitel: Twelve Angry Men). Für die deutsche Bühne dramatisiert von Horst Budjuhn. Reclam, Stuttgart 1996, 104 S., ISBN 3-15-007821-0
  • Reginald Rose: Twelve Angry Men, A play. Samuel French LTD, London, 1955 , 62 S., (engl.), ISBN 0-573-04012-5
  • Reginald Rose: Twelve Angry Men. A Play in Three Acts. Stage version by Sherman L. Sergel; adapted from the television show of the same name initially presented on Studio One, CBS-TV. Dramatic Pub. Co., Chicago 1955 (engl. Ausgabe)
  • Carsten Tritt: Einen auf die Zwölf in Schnitt # 57, 01/2010, S. 68

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reginald Rose: Twelve Angry Men, A play. Samuel French LTD, London, 1955 , 62 S., (engl.), ISBN 0-573-04012-5
  2.  Thomas Bräutigam: Lexikon der Film- und Fernsehsynchronisation. Mehr als 2000 Filme und Serien mit ihren deutschen Synchronsprechern etc. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-289-X, S. 411.
  3. Die zwölf Geschworenen, Eintrag in der Synchrondatenbank von Arne Kaul; abgerufen am 15. September 2007
  4. Die zwölf Geschworenen in der Hörfilm Datenbank des Hörfilm e.V.
  5. The 25 Greatest Legal Movies - Magazine. ABA Journal. 1. August 2008. Abgerufen am 22. August 2011.
  6. Die zwölf Geschworenen (USA). In: Der Spiegel, 21. August 1957. Abgerufen am 3. Oktober 2013.
  7. Roger Ebert: 12 Angry Men (1957). In: rogerebert.com. 29. September 2002, abgerufen am 14. August 2012 (englisch): „This is a film where tension comes from personality conflict, dialogue and body language, not action; […] where logic, emotion and prejudice struggle to control the field.“