Felix Landau

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Felix Landau (* 21. Mai 1910 in Wien; † 20. April 1983, (beerdigt auf Hernalser Friedhof)) war ein österreichischer SS-Hauptscharführer und als Mitglied eines SS-Einsatzkommandos Beteiligter an der Vernichtung der Juden in Galizien. Sein Tagebuch stellt ein einzigartiges Zeugnis über seine Beteiligung an den Verbrechertaten des Holocaust dar. Er war ein Bewunderer und Schützer von Bruno Schulz.

„Landau“ ist der Name seines jüdischen Stiefvaters.

Politischer Werdegang[Bearbeiten]

Bereits 1925 trat Landau der Hitlerjugend bei und wurde wegen aktiver Mitgliederanwerbung eines katholischen Lehrlingsinternates verwiesen. Er machte eine Ausbildung zum Möbeltischler.[1] Im März 1930 trat er dem Bundesheer bei, aus dem er im Juni 1933 jedoch wieder ausgeschlossen wurde, weil er seit März 1931 aktives Mitglied der NSDAP war. 1934 nahm er an der Ermordung des Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß („Juliputsch“ der österreichischen Nationalsozialisten) teil und kam dafür bis 1937 ins Gefängnis. Nach seiner Flucht vor einer weiteren Verhaftung wegen erneuter NS-Aktivitäten ins Deutsche Reich wurde er für seine Beteiligung mit dem Blutorden ausgezeichnet. Nach dem „Anschluss“ ging er nach Österreich zurück und war als Beamter der Gestapo in der Tschechoslowakei und ab Ende 1939 in Polen beim KdS in Radom tätig. Dort traf er die Schreibkraft Gertrude, an die er später Liebesbriefe schrieb.

Tätigkeit beim SS-Einsatzkommando[Bearbeiten]

Im Juni 1941 meldete er sich freiwillig zum SS-Einsatzkommando in Lemberg, das in Galizien im Gebiet von Drohobycz Tausende Juden bestialisch ermordete. Bis Mai 1943 war er für die Organisation von „Judenarbeit“ verantwortlich. Ab Juli 1941 führte er ein Tagebuch, in dem er seine eigenen Gräueltaten im Holocaust detailliert dokumentierte, eingestreut darin Liebesbriefe an seine Geliebte. Das Tagebuch wurde „in erster Linie für eine spätere Vorlage an die Geliebte Gertrude S. geschrieben“ und sollte „Aufschluss über mehr oder weniger rühmliche Tätigkeiten des Angeklagten während seiner räumlichen Trennung von der Geliebten geben“, so urteilte das Schwurgericht Stuttgart 1962.[2] Eine Abschrift des Tagebuches befindet sich im Bundesarchiv, Bestand B 162 (Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg), Nr. 21164. 1963 wurde es im Auftrag der Stadt Ramat Gan (Israel) von Tuviah Friedman unter dem Titel „Tagebuch des SS-Hauptscharführers F. Landau über seine Tätigkeit in Drohobycz, 1941 - 44“ erstmals im deutschen Original und in hebräischer Übersetzung publiziert.[3]

Im Tagebucheintrag vom 22. Juli 1941 in Drohobycz schrieb Landau:

„Morgens kamen nicht meine bestellten Arbeiter. Als ich nebenan zum Judenkomité gehen wollte, kam gerade ein Mitarbeiter von diesem an und ersuchte mich um Unterstützung, da sich die Juden weigerten, hier zu arbeiten. Na, ich aber hinüber. Als mich diese Arschlöcher sahen, rannten alle nach allen Himmelsrichtungen auseinander. Schade, ich hatte keine Pistole bei mir, sonst hätte ich einige über den Haufen geschossen. Ich ging nun zum Judenrat und eröffnete ihm, daß, wenn nicht in einer Stunde 100 Juden angetreten seien, dann würde ich mir 100 Juden aussuchen, und zwar nicht zum Arbeiten, sondern zum Erschießen. Kaum 30 Minuten später kamen 100 Juden an und außerdem noch 17 Mann für diejenigen, die erst geflüchtet waren.

Ich meldete den Vorfall und verlangte gleichzeitig, daß man die Geflüchteten, also die Arbeitsverweigerer erschießen müsse. Dies geschah auch genau 12 Stunden später. 20 Juden wurden umgelegt.“

Im Eintrag vom 2. August 1941 heißt es weiter:

„Seitdem ich ihm (dem Ältestenrat) die 20 Juden wegen Arbeitsverweigerung wegschießen ließ, klappt der Laden da.“[4]

Dieser Mord war Gegenstand des Stuttgarter Verfahrens gegen Felix Landau.

Ende 1941 lebte Landau bereits zusammen mit Gertrude in einer fürstlichen Villa und heiratete sie 1943 (wieder geschieden 1946), nachdem im Jahr zuvor seine erste Ehe geschieden wurde. 1943 kehrte er nach Wien zurück und tat im Referat „Vergehen gegen das Heimtückegesetz“ bei der Gestapoleitstelle Wien Dienst.

Sein Bezug zu Bruno Schulz[Bearbeiten]

Landau schätzte den Künstler Bruno Schulz, schützte ihn und versorgte ihn mit zusätzlichem Essen (zumindest für eine Zeit lang). Als Gegenzug verlangte er von ihm, Wandgemälde über Märchen der Brüder Grimm im Kinderzimmer seines Sohnes zu malen. Im November 1942 tötete Landau den Leibzahnarzt seines Kollegen Karl Günther. Als Rache erschoss Günther den Juden Schulz und sagte: „Du tötetest meinen Juden – ich tötete deinen.“

Nach dem Krieg[Bearbeiten]

Im gleichen Jahr wurde Landau in Linz von einem ehemaligen Arbeiter wiedererkannt. Landau wurde von den Amerikanern inhaftiert, konnte jedoch im August 1947 vom Haftlager Glasenbach fliehen. Unter dem Namen Rudolf Jaschke startete er in Bayern ein Unternehmen für Innenausstattung. 1959 wurde er erneut von ehemaligen Überlebenden der Massaker erkannt und in der Folge verhaftet. Im März 1962 wurde Felix Landau zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. 1973 wurde er begnadigt.[5]

Zitate bezüglich seiner Persönlichkeit aus dem Stuttgarter Strafverfahren[Bearbeiten]

  • bezüglich der oben zitierten Ermordung von 20 Juden: „Der Angeklagte wollte bei seinem ganzen Handeln nicht eine fremde Tat fördern, sondern eigene Interessen, nämlich die Herausstellung seiner persönlichen Macht und die maßlose Einschüchterung der jüdischen Arbeiter verfolgen und erreichen.“[6]
  • „Der Zeuge B. hat glaubhaft ausgesagt, daß der Angeklagte für die jüdische Bevölkerung ein Schrecken der Stadt gewesen war, und zwar in besonderem Maße, bis er reichlich von Luxus umgeben und gesättigt war. Die Zeugen, G., M., B. und Z. haben übereinstimmend glaubhaft ausgesagt, daß der Angeklagte aus nichtigen Gründen jüdische Arbeiter brutal niederschlug und mit den Stiefeln trat. Dies schloß nicht aus, daß der Angeklagte mit solchen Juden menschlichen Kontakt nahm, von denen er persönliche Vorteile empfing. […] Tagebucheintrag vom 22. Juli 1941. Er schrieb hier über die Vernehmung eines Ukrainers:

‚In einem Zimmer bekam er zur Einleitung von mir eine kleine Sonderbehandlung! Nach dem ersten Schlag spritzte bereits das Blut. Erst versuchte er es mit dem Leugnen, nach dem 4. Schlag gab er das jedoch auf.‘“[7]

  • „Der Zeuge hat weiter glaubhaft ausgesagt, daß der Angeklagte allgemein sehr überheblich und geltungssüchtig war.“[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Kempowski: Das Echolot. Barbarossa '41. Ein kollektives Tagebuch. btb Verlag, 4. Auflage, 2004. Die Einträge sind augenscheinlich Tagebuchaufzeichnungen und / oder Briefe an einen unbekannten Adressaten (u. a. S. 243–245)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ernst Klee, Willi Dreßen, Volker Rieß: „Once again I’ve got to play general to the jews.“ From the war diary of Blutordensträger Felix Landau. In: Omer Bartov (Hg.): The Holocaust. Origins, Implementation, Aftermath. Routledge, London 2000. ISBN 0-415-15035-3. S. 185-203. Darin die biographische Notiz S. 202-203.
  2. S. 32/22.
  3. Spätere Publikationen (in Auszügen) u.a. in:
    • Ernst Klee, Willi Dressen, Volker Rieß (Hg.): „Schöne Zeiten“. Judenmord aus der Sicht der Täter und Gaffer. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1988. ISBN 3-10-039304-X
    • Bert Hoppe, Hildrun Glass (Bearbeiter): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933 - 1945. Bd. 7: Sowjetunion mit annektierten Gebieten. Teil 1: Besetzte sowjetische Gebiete unter deutscher Militärverwaltung, Baltikum und Transnistrien. Oldenbourg Verlag, München 2011. ISBN 978-3-486-58911-5.
  4. S. 13f, Urteil des Schwurgerichts Stuttgart in der Strafsache gegen Felix Landau 1962.
  5. Bert Hoppe, Hildrun Glass (Bearbeiter): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933 - 1945. Bd. 7: Sowjetunion mit annektierten Gebieten. Teil 1: Besetzte sowjetische Gebiete unter deutscher Militärverwaltung, Baltikum und Transnistrien. Oldenbourg Verlag, München 2011. ISBN 978-3-486-58911-5. S. 155.
  6. S. 12, Urteil des Schwurgerichts Stuttgart in der Strafsache gegen Felix Landau 1962.
  7. S. 18, Urteil des Schwurgerichts Stuttgart in der Strafsache gegen Felix Landau 1962.
  8. S. 21, Urteil des Schwurgerichts Stuttgart in der Strafsache gegen Felix Landau 1962.