Felix Platter

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Dieser Artikel behandelt den Basler Arzt. Zum gleichnamigen jüngeren Basler Arzt siehe Felix Platter (Arzt, 1605).
Hans Bock: Felix Platter mit exotischen Pflanzen und antiken Ruinen (1584)

Felix Platter (* 28. Oktober 1536 in Basel; † 28. Juli 1614 ebenda) war ein Schweizer Mediziner und autobiographischer Schriftsteller.

Biografie und Rezeption[Bearbeiten]

Felix Platters Eltern waren Thomas Platter der Ältere, Buchdrucker und Lehrer in Basel, und Anna Dietschi. Felix Platter hatte drei Schwestern, die älter waren als er. Felix Platter wuchs im protestantischen Glauben Zwingli’scher Prägung auf. Felix Platter hatte aus der zweiten Ehe seines Vaters sechs Halbgeschwister. Felix Platter heiratete 1557 Margarete Jeckelmann; die Ehe blieb kinderlos.

Platter studierte von 1552 bis 1557 Medizin in Montpellier bei Guillaume Rondelet und wirkte danach als Arzt in Basel. 1571 wurde er zum Stadtarzt und Professor der Universität Basel ernannt, deren Rektor und Dekan er mehrfach war. Er war berühmt als Kunst-, Musikinstrumenten-, Präparate- und Gesteinssammler. Montaigne liess es sich auf seiner Reise nach Italien 1580 nicht entgehen, sein Herbarium zu besichtigen.

Platter war ein Pionier der pathologischen Anatomie und einer der Begründer der Gerichtsmedizin. Unter dem Einfluss der Optik fand er 1583 heraus, dass die Linse des Auges zur Fokussierung des Bildes auf dem Augenhintergrund dient und belegte seine Theorie mit deutlichen pathologischen Fällen. In seinem dreibändigen Lehrbuch Praxeos medicae opus (1602–1608) gab Platter einen Gesamtüberblick der klinischen Medizin. Im Pestbericht über die Basler Pestepidemie von 1610 und 1611 zeigt er sich als wegweisender Epidemiologe. Die Observationes von 1614 bieten eine Sammlung von Krankengeschichten.

Daneben stellte er in Basel eine Systematik der Geistesstörungen vor, die auf genauen klinisch-psychopathologischen Beobachtungen basierte. Darin beschrieb er Zwangs- und Wahnsymptome, Hypochondrie, Melancholie, Delir, Trunksucht, Eifersucht und Symptome der "Verblödung". Dabei wurden Einzelsymptome dargestellt, die dann zu Syndromen zusammengefasst wurden.

In seinem kulturhistorisch bedeutenden Tagebuch, das erst 1840 publiziert wurde, berichtet er über seine Jugendzeit, sein Leben als Student in Frankreich und die erste Zeit in Basel bis 1561. Diese autobiographische Schrift bildet die Grundlage für drei psychobiographische Studien zu Felix Platter, die insbesondere die problematische Vater-Sohn-Beziehung in den Mittelpunkt gestellt haben.[1]

In Basel wurde ein Spital nach Felix Platter benannt: das Felix Platter-Spital. Es befindet sich nahe der französischen Grenze Burgfelden.

Werke[Bearbeiten]

  • Felix Platter: Observationes: Krankheitsbeobachtungen in drei Büchern. 1. Buch: funktionelle Störungen des Sinnes und der Bewegung. Übers. v. Günther Goldschmidt. Bearb. u. hrsg. v. Heinrich Buess. Bern, Stuttgart: Huber 1963.
  • Felix Platter: Tagebuch (Lebensbeschreibung) 1536-1567. Hrsg. v. Valentin Lötscher. Basel; Stuttgart: Schwabe 1976.

Literatur[Bearbeiten]

  • Casimir Bumiller: Die "Selbstananalyse" des Arztes Feilix Platter. In: Ralph Frenken; Martin Rheinheimer (Hrsg.): Die Psychohistorie des Erlebens. (= Psychohistorische Forschungen, Band 2), Kiel 2000, 303-324.
  • Ralph Frenken: Kindheit und Autobiographie vom 14. bis 17. Jahrhundert: Psychohistorische Rekonstruktionen. 2 Bände. (= Psychohistorische Forschungen. Band 1/1 u. 1/2). Oetker-Voges, Kiel 1999, 487-537.
  • Katharina Huber: Felix Platters „Observationes“. Studien zur frühneuzeitlichen Gesundheitswesen in Basel. Schwabe, Basel 2003, ISBN 3-7965-2022-7 (zugl. Dissertation, Universität Basel 2003)
  • Stephan Pastenaci: Erzählform und Persönlichkeitsdarstellung in deutschsprachigen Autobiographien des 16. Jahrhunderts: ein Beitrag zur historischen Psychologie. WVT Wissenschaftlicher Verlag Trier, Trier 1993, 225-242
  • Stephan Pastenaci: Platter, Felix. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 518 f. (Digitalisat).
  • Theo R. Payk: Psychopathologie. Vom Symptom zur Diagnose. Springer, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-35451-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Felix Platter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pastenaci, Erzählform und Persönlichkeitsdarstellung..., S. 232 ff; Frenken, Kindheit und Autobiographie...,S. 517 ff; Bumiller, Die Selbstanalyse..., S. 311 ff.