Franco Marini

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Politiker; der gleichnamige Regisseur wird unter Franco Marini (Regisseur) dargestellt.
Franco Marini

Franco Marini (* 9. April 1933 in San Pio delle Camere, Provinz L’Aquila) ist ein italienischer Politiker des Partito Democratico (PD) und Gewerkschafter. Von April 2006 bis April 2008 amtierte er in der 15. Legislaturperiode als Präsident des italienischen Senats.

Am 18. April 2013 kandidierte er in zwei Wahlgängen für das Amt des italienischen Staatspräsidenten (Nachfolge von Giorgio Napolitano); in beiden erreichte er nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit. [1]

Politische Karriere[Bearbeiten]

Marini wuchs als ältester Sohn einer kinderreichen Familie in bescheidenen Lebensverhältnissen auf, studierte nach dem Abitur Jura und leistete seinen Wehrdienst bei den Alpini ab. 1950 trat er in die Democrazia Cristiana ein. Zugleich wurde er für die Katholische Aktion und die christliche Arbeiterbewegung ACLI (Associazioni Cristiane dei Lavoratori Italiani) aktiv und begann während seiner Studienzeit eine Karriere im christlichen Gewerkschaftsbund CISL (Confederazione Italiana Sindacati Lavoratori). Sein politischer Mentor und Ziehvater Giulio Pastore verschaffte ihm 1963 eine Anstellung in der Bildungsabteilung des Ministeriums für süditalienische Angelegenheiten. 1965 wurde er in den Vorstand der Gewerkschaft der öffentlichen Angestellten gewählt. In den 1970er-Jahren stieg er zum stellvertretenden Vorsitzenden der CISL auf, deren Vorsitz er 1985 übernahm.

Nach dem Tod von Carlo Donat Cattin erbte er 1991 dessen Führungsfunktion in den Forze nuove, einer linken, sozialpolitisch ausgerichteten Strömung innerhalb der Democrazia Cristiana. Im April desselben Jahres gab er den Gewerkschaftsvorsitz ab und wechselte als Arbeitsminister in das siebte Kabinett Andreottis. Im April 1992 wurde er mit dem besten Wahlergebnis für seine Partei in die Abgeordnetenkammer gewählt und wechselte 1994 – nach Auflösung der Democrazia Cristiana – zum Partito Popolare Italiano, dessen Vorsitzender er von 1997 bis 1999 war. In dieser Funktion sprach er sich im Gegensatz zu Romano Prodi gegen eine Parteienfusion innerhalb des Mitte-links-Bündnisses L’Ulivo aus. 1999 wurde er ins Europäische Parlament gewählt, wo er bis 2004 in außen- und sicherheitspolitischen Fragen tätig war.

2002 beteiligte er sich an der Bildung der christdemokratischen Sammlungspartei La Margherita – Democrazia è Libertà und wurde deren organisatorischer Leiter. Als mehr zur Mitte orientierter („zentristischer“) Politiker stand er dem Zusammenschluss der Margherita mit den Linksdemokraten zum Partito Democratico 2007 zunächst skeptisch gegenüber, stellte sich ihm aber nicht in den Weg.

Bei den Parlamentswahlen im April 2006 wurde er für das Mitte-links-Bündnis L’Unione in den Senat gewählt und kandidierte dort gegen den von der Rechten aufgestellten Giulio Andreotti um das Amt des Senatspräsidenten. Erst im dritten Wahlgang konnte er sich am 29. April 2006 mit 165 gegen 156 Stimmen durchsetzen und bekleidete seitdem genau zwei Jahre lang das zweithöchste Staatsamt Italiens.

Nach dem vorläufigen Rücktritt Romano Prodis am 21. Februar 2007 wurde sein Name für das Amt des Ministerpräsidenten in einer Übergangsregierung mehrfach ins Spiel gebracht, kam wenige Tage später durch die neuerliche Bestätigung der Regierung Prodi aber wieder vom Tisch. Einen entsprechenden Vorschlag des ehemaligen Ministerpräsidenten und Senators Lamberto Dini im November 2007 wies Marini selber zurück.

Am 30. Januar 2008 wurde Marini nach dem erneuten Rücktritt Prodis von Staatspräsident Giorgio Napolitano mit der Bildung einer Übergangsregierung beauftragt, die als Hauptziel eine parteiübergreifende Aushandlung institutioneller und wahlrechtlicher Reformen verfolgen sollte.[2] Wegen der Uneinigkeit der beiden politischen Lager und dem Beharren der Oppositionsparteien auf sofortigen Neuwahlen blieben Marinis Bemühungen jedoch ohne Erfolg. Am 4. Februar 2008 gab er sein Mandat zur Regierungsbildung wieder zurück.[3]

Am 17. April 2013 wurde er von der PD, der PDL und der Scelta Civica (SC) zum Kandidaten für das Amt des Staatspräsidenten der Italienischen Republik ernannt, verfehlte jedoch im Parlament die nötige Mehrheit.

Quellen[Bearbeiten]

  1. sueddeutsche.de: Ein Kompromiss, der spaltet
  2. Incarico esplorativo a Marini La Repubblica, 30. Januar 2008
  3. Marini: «Ho rimesso l'incarico a Napolitano» ANSA, 4. Februar 2008

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Franco Marini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Franco Marini – Quellen und Volltexte (italienisch)