Glocke

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Dieser Artikel befasst sich mit der klingenden Glocke. Weiteres siehe: Glocke (Begriffsklärung). Siehe auch: Geläut (Begriffsklärung).
Glockenform, schematisch
Bronzeglocke aus der Barockzeit (Gussjahr: 1694)
Moderne Bronzeglocke (Gussjahr: 2005)
Glockengießer (1568)
Fertige Glockenform vor dem Eingraben
Vorbereitung zum Glockenguss, vom Glockenkern mit Rippenschablone bis zur Zierlehmschicht mit Inschrift
Glockenguss bei Petit & Gebr. Edelbrock am 5. September 2008

Mit Glocke wird im Allgemeinen ein selbsttönendes Musikinstrument (genauer Aufschlagidiophon) bezeichnet mit charakteristischer Hauben- oder Kelchform (nach unten offene Halbkugel, die sich zunächst konkav und dann konvex gewölbt nach unten erweitert). Eine Glocke ist meist ein Rotationskörper, das heißt, sie besitzt Rotationssymmetrie um ihre Mittelachse. Die Glocke wirkt so als der Schwingungsträger der Läuteanlage, zu der noch die Läutemaschine und der Glockenstuhl gehören. Die gesamte Läuteanlage befindet sich in der Glockenstube.

Begriffe[Bearbeiten]

Die häufigste Verwendung ist die als Kirchenglocke. Auch öffentliche Gebäude wie Rathäuser und Schulen haben oder hatten vornehmlich als Uhrglocken oder Alarmglocken genutzte Glocken. Dazu kommen Glocken der Mahnung und des Gedenkens.

Sind mehrere Glocken zu einem Instrument verbunden, so wird von einem Glockenspiel oder einem Geläut gesprochen. Ist es über einen Handspieltisch bespielbar und hat mindestens 23 Glocken (zwei Oktaven), wird es Carillon genannt.

Geschichte[Bearbeiten]

China[Bearbeiten]

Die ältesten Glocken (nao) stammen aus der Shang-Dynastie (etwa 1600–1027 v. Chr.). Sie wurden mit der Mündung nach oben montiert, besaßen keinen Klöppel und wurden von außen mit Schlägeln angeschlagen. Texte aus der Zhou-Dynastie (1027–221 v. Chr.) belegen, dass Glocken in China damals vor allem eine kultische Rolle spielten. Archäologische Funde zeigen, dass das Gebiet der östlichen Zhou von Luoyang ein wichtiges Bindeglied zwischen der Glockentradition der Shang-Zeit und ihrer Wiederbelebung in der mittleren Periode der Zhou-Dynastie darstellt.[1]

Europa[Bearbeiten]

Der erste bekannte Sakralbau, der am Giebel mit Glocken behängt wurde, war ein Jupitertempel in Rom.[2] Der Begriff Glocke wurde aus altirischen clocc ,Schelle, Glocke‘ entlehnt, während seit dem 4. Jahrhundert in der galloromanischen Gebiet die Glocke unter der lateinischen Bezeichnung sīgnum (woraus afrz. sein, okz. senh, bündrom. sain(s), zen(n)s ‚Kirchenglocke‘) zu verstehen ist (vgl. Caesarius von Arles, 470–542, und Gregor von Tours, gest. 592). Iroschottische Wandermönche verbreiteten im 6. Jahrhundert ihre kunstvollen Glocken im christlichen Gottesdienst in Europa, zunächst wahrscheinlich als Handschellen.

Die ersten Glocken wurden von Schmieden meist aus Eisenblech hergestellt und vernietet; vergl. dazu den Saufang als die älteste erhaltene Glocke Deutschlands aus dem 7.–9. Jahrhundert. Auch heute werden durch manche Kunstschmiede noch große und kleinere Glocken – meist aus einem Stück – im offenen Feuer gefertigt.

Seit dem 9. Jahrhundert wurden Kirchenglocken überwiegend mittels Bronzeguss hergestellt. Im 20. Jahrhundert wurden auch viele Glocken infolge der beiden Weltkriege aus Ersatz-Legierungen (z. B. Gussstahl) gegossen.

Im Mittelalter wurde es üblich, auf Klosterkirchen und später auch auf anderen Gotteshäusern Glocken in kleinen Dachreitern zu platzieren. Seit dem 10. und 11. Jahrhundert entstanden hohe, zum Tragen des Glockenstuhls errichtete Türme. Kirchtürme nahmen Jahrhunderte später auch die mechanischen Werke der Turmuhren auf.

In der Neuzeit verbreitete sich auch im europäischen Raum die säkulare Verwendung von Glocken schnell. Sie wurden auf Kriegerdenkmälern zum Gedenken an tote Soldaten angebracht, fanden in der NS-Zeit Platz auf Glockentürmen der NS-Ordensburgen, wurden aber später auch Mahner an die Opfer des Faschismus und gegen atomaren Terror.

Herstellung von Glocken[Bearbeiten]

Glocken werden meist durch Gießen in eine Form hergestellt. Es wird das Lehm-, Sand- und Zementformverfahren unterschieden. Das verwendete Gussmaterial heißt Glockenspeise und ist meist eine Zinnbronze aus 76–80 Prozent Kupfer und 20–24 Prozent Zinn.

Die meisten Gießereien verwenden nach wie vor das traditionelle Lehmformverfahren, ausgenommen für den Guss von Kleinstglocken. Dieses Verfahren wurde im 12. Jahrhundert entwickelt und von Friedrich Schiller in seinem bekannten Lied von der Glocke beschrieben. Es umfasst folgende Arbeitsschritte:[3]

  • Erster und entscheidender Schritt ist die Konstruktion der Schablone für die Glockenrippe: Der Glockengießer zeichnet das Profil der Glocke – den halben Querschnitt des Glockenkörpers mit seiner inneren und äußeren Kontur – auf ein Brett. Dadurch sind Ton und Klang der Glocke im Wesentlichen festgelegt. Zunächst wird die Kontur für die Innenseite der Glocke ausgeschnitten – die Schablone für die Innenseite der Glocke entsteht.
  • Dann beginnt der Aufbau der Gussform. Aus Lehmziegeln wird ein hohler Glockenkern gemauert und darüber an einer Achse drehbar die Schablone befestigt. In mehreren Schritten wird der Kern mit immer feinerem Lehm bestrichen, der mit Zusätzen vermengt sein kann. Die Schablone wird um den Kern gedreht, überschüssiger Lehm dadurch abgezogen, und eine glatte Oberfläche entsteht. Damit ist die Form für die Innenseite der Glocke fertig und muss noch austrocknen. Dafür wird der Kern von innen her aufgeheizt.
  • Im nächsten Schritt wird die falsche Glocke geformt. Diese besitzt bereits die Form der zu gießenden Glocke, besteht aber aus Lehm. Die Schablone wird entlang der äußeren Konturlinie ausgeschnitten. Auf den getrockneten Lehm der Innenform kommt zunächst ein Trennmittel (Talg, Fett, Graphit). Darüber kommt wieder in mehreren Schichten feiner Lehm, der wiederum mit der Schablone abgezogen und geglättet wird, bis er genau die Form der späteren Glocke hat. Nach dem Trocknen der falschen Glocke werden auf ihr alle Verzierungen und Schriften aus Wachs aufgebracht.
  • Über der falschen Glocke wird der äußere Teil der Form hergestellt, der Mantel. Die falsche Glocke mitsamt den angebrachten Wachsverzierungen wird wiederum mit einem Trennmittel eingestrichen. Darüber kommt zunächst feiner Lehm, dann immer gröbere und steifere Lehmschichten. Zusätzlich wird der Mantel durch Metallringe gehalten, die ihm größere Festigkeit verleihen. Auch der Mantel wird durch Erhitzung getrocknet.
  • Der Mantel wird von der falschen Glocke abgehoben, was durch die aufgetragene Trennschicht ermöglicht wird. Die Wachsverzierungen sind durch die Erhitzung beim Trocknen geschmolzen, haben aber ihren Abdruck im Mantel hinterlassen. Die falsche Glocke wird nun zerschlagen, auch sie löst sich wegen des Trennmittels vom Kern. Kern und Mantel werden nochmals gereinigt, danach wird der Mantel wieder auf den Kern gesetzt. Zwischen Kern und Mantel ist nun ein Hohlraum, den bisher die falsche Glocke eingenommen hat, und in den beim Guss das flüssige Metall einströmt.
  • Zum Guss wird die Grube, in der die Glockenformen stehen, komplett mit Erde verfüllt und diese ordentlich verdichtet, damit die Form den beim Gießen entstehenden Druck aushalten kann. Zuletzt wird die Krone mit dem Eingussloch und den Windpfeifen – durch sie entweichen beim Guss Luft und entstehende Gase – eingesetzt. An der Oberfläche der nun komplett gefüllten Gussgrube mauert man Kanäle, durch die flüssige Glockenspeise zu allen Formen strömen soll, denn meistens werden mehrere Glocken zugleich gegossen.
  • Schon Stunden vor dem Guss wird der Schmelzofen angeheizt, bis die flüssige Glockenspeise ca. 1100 °C erreicht. Der Guss wird meist mit folgender überlieferten Losung eingeleitet: „In Gottes Namen lasst’s rinnen, stoßt den Zapfen aus. Gott bewahr’ das Haus.“ Dann wird die flüssige Glockenspeise durch die vorbereiteten Kanäle und das Gussloch in die Form geleitet, bis diese komplett gefüllt ist. Durch die Windpfeifen entweichende Gase werden abgefackelt.
  • Nach einer Abkühlzeit von zumindest mehreren Tagen – bei größeren Glocken entsprechend länger – kann die Glocke aus der Form geholt werden; erst dann wird sichtbar, ob der Guss gelungen ist.

Als Termin für den Guss wird traditionell der symbolträchtige Freitagnachmittag um 15 Uhr – die Sterbestunde Jesu Christi – gewählt.

Kirchenglocken sind oft variantenreich verziert; sie zeigen beispielsweise ein figürliches Relief (Heiligenfigur oder Kreuzigungsgruppe). Viele Glocken sind seit dem Spätmittelalter inschriftlich datiert und mit dem Gießernamen versehen. Das Handwerk der Glockengießer ist relativ alt und benötigt sehr viel Erfahrung. Deshalb haben viele Glockengießereien eine sehr lange Tradition.

Glocken aus Ersatzlegierungen[Bearbeiten]

Gussstahlglocken[Bearbeiten]

St. Pankratius zu Burgdorf: Bochumer Gussstahlglocke in Moll-Sext-Rippe (Markenzeichen sind die vielen Zier-Stege) mit Tellerkrone und aufgeschweißter Inschrift

Die bedeutendste Gießerei für Gussstahlglocken und zugleich produktivste Glockengießerei weltweit war der Bochumer Verein in Bochum. Von 1851 bis 1970 wurden dort in industriellem Rahmen etwa 38.000 Glocken aus Gussstahl gegossen, davon etwa 18.000 Kirchenglocken[4] und etwa 20.000 Signalglocken. Die Glocken wurden in alle Welt exportiert, darunter so exponierte Exemplare wie die Friedensglocke von Hiroshima. Nachdem die größten Glockenverluste des Zweiten Weltkrieges bis Ende der 1960er Jahre behoben waren und die Nachfrage nach Gussstahlglocken erheblich schrumpfte, ließ der damalige Eigentümer Krupp die Produktion 1970 einstellen.

Gussstahlglocke vor dem Bochumer Rathaus

Gussstahlglocken waren zunächst eine fortschrittliche Erfindung des 19. Jahrhunderts. Nach den beiden Weltkriegen waren sie meist willkommener und preisgünstiger Ersatz für in den Weltkriegen zu Kriegszwecken beschlagnahmte Bronzeglocken.

Eine der größten und zugleich ältesten Gussstahlglocken des Bochumer Vereins hängt heute (nicht läutbar) als Denkmal vor dem Bochumer Rathaus. Sie wiegt etwa 15.000 kg und hat einen unteren Durchmesser von 313 cm. Sie wurde 1867 für die Pariser Weltausstellung gegossen. Die Kaiser-Ruprecht-Glocke (Nominal/Schlagton: es0) in der Stiftskirche in Neustadt an der Weinstraße ist mit etwa 14.000 kg und einem unteren Durchmesser von 321 cm die schwerste schwingend geläutete Gussstahlglocke der Welt und die zweitgrößte Glocke Deutschlands nach der St. Petersglocke im Kölner Dom.

In der Produktionszeit der Bochumer Gussstahlglocken wurden viele verschiedene Rippentypen verwandt. Bis zum Jahre 1937 wurden die meisten Glocken in einer Moll-Sext-Rippe, auch Sextrippe (der Unterton der Glocke steht zum Schlagton im Verhältnis einer kleinen Sexte, der dritte Teilton ist eine Moll-Terz), gegossen. Die daraufhin in Moll-Oktav-Rippe, auch Oktavrippe, (der Unterton der Glocke steht zum Schlagton im Verhältnis einer Oktave, der dritte Teilton ist eine Moll-Terz) gegossenen Glocken weisen einen erheblichen Klangfehler auf: Ihr Schlagton ist im Abstand einer Sekunde aufwärts verdoppelt und verursacht beim Anschlagen eine unangenehme Dissonanz; im Nachhinein wird diese Rippe Moll-Oktav-Rippe mit Sekund-Schlagton, kurz Sekund-Schlagton-Rippe, genannt. Aufgrund des entstandenen Drucks der Fachwelt wurde ab 1948 eine Versuchsreihe von zwölf Moll-Oktav-Rippen (Versuchs-Rippen) entwickelt, von denen zunächst die extrem schwer konstruierte V-12-Rippe ausgewählt wurde; sie musste fortan fast ausschließlich an verkröpften Jochen (siehe #Aufhängung und Läuten) läuten. Endgültig einigte man sich auf die Moll-Oktav-Rippe V7. Um 1957 wurde eine Dur-Oktav-Rippe (der Unterton der Glocke steht zum Schlagton im Verhältnis einer Oktave, der dritte Teilton ist diesmal eine Dur-Terz) mit erstaunlich guter Resonanz entwickelt und als Patent angemeldet. Ein Beispiel hierfür ist die große c1-Glocke der St.-Gottfried-Kirche zu Münster. Daraufhin wurden die verschiedenen Rippentypen auch innerhalb eines Geläutes kombiniert. So ergab sich beispielsweise beim vierstimmigen Geläut für die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul zu Lage (Lippe) folgende Anwendung: Die große es1-Glocke wurde in Dur-Oktav-, die beiden mittleren Glocken g1 und b1 in Moll-Oktav-(V7) und die kleine c2-Glocke in Moll-Sext-Rippe gegossen.[5]

Bedingt durch die vor allem in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg oft unzureichende Klangqualität und die zu großen Dimensionen der Glocken, was mancherorts den Glockenturm stark belastet hat, sind viele dieser Stahlglocken in den vergangenen Jahren wieder durch Bronzeglocken ersetzt worden.

Stahlglocken besitzen als Aufhängung im Gegensatz zu Bronzeglocken eine Tellerkrone. Um bessere Klangergebnisse beim Läuten zu erzielen, werden die Klöppel meistens mit Bronzebacken oder -puffern versehen. Zier- und Inschriften wurden nicht eingegossen, sondern nachträglich aufgeschweißt.

Neben dem Bochumer Verein haben noch folgende Firmen, die meisten davon in der Zwischenkriegszeit, Gussstahlglocken hergestellt:

Eisenhartgussglocken[Bearbeiten]

Durch Korrosion zerstörte Eisenglocke

Die bekanntesten Glockengießereien, die Eisenhartgussglocken herstellten, waren Schilling & Lattermann in Apolda und Morgenröthe-Rautenkranz sowie J. F. Weule aus Bockenem, beziehungsweise die mit der Glockengießerei Ulrich aus Apolda gegründete Firma Ulrich & Weule. Beide stellten ab 1918 Eisenhartgussglocken her, die preisgünstiger waren als Bronzeglocken. Aufgrund des sehr spröden Materials und der hohen Anfälligkeit für Rostansatz (mit vier Prozent hohem Kohlenstoffanteil[6]) sind diese Glocken von nur kurzer Lebensdauer (maximal 100 Jahre[7]). Eisenhartgussglocken rosten von innen nach außen; der Zerfallsprozess ist nicht durch Lackieren der Glocke aufzuhalten. Werden Eisenhartgussglocken mit den Proportionen einer tongleichen Bronzeglocke verglichen, so fallen Durchmesser und Gewicht relativ hoch aus. Eisenhartgussglocken haben keine Krone. Während Ulrich & Weule-Glocken überwiegend an geraden Jochen schwingen, läuten Glocken von Schilling & Lattermann fast immer an gekröpften Jochen. Dies führt zu enormen Klangeinbußen bei den ohnehin klangschwächeren Eisenhartgussglocken. Aufgrund der unsicheren Lebensdauer werden seit den 1990er Jahren viele dieser Glocken, vor allem in Ostdeutschland, gegen neue aus Bronze ausgetauscht. Die größte noch läutende Eisenglocke der Firma Schilling & Lattermann ist die Lutherglocke der Lutherkirche in Erfurt von 1927 (as0, 5470 kg),[8] die der Firma Ulrich & Weule ist die Christ-König-Glocke (b0, 4.500 kg)[9] in St. Bonifatius zu Frankfurt-Sachsenhausen.

Sonderbronzeglocken[Bearbeiten]

Die Briloner Glockengießerei Albert Junker begann ab 1930 mit dem Guss von Sonderbronzeglocken, die aus einer zinnfreien Silizium-Legierung mit ca. 92 Prozent Kupfer bestehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Schließung der Gießerei 1955 wurden etwa 3000 Glocken aus Sonderbronze gegossen, die teils vom Klang her mit Bronzeglocken vergleichbar, teils von mangelhafter Qualität (kurzatmiger Nachklang) waren. Zu den besten Geläuten zählen das neunstimmige Großgeläut (1948, auf gis0) für die Stiftskirche zu Baden-Baden und das sechsstimmige Geläut (1954, auf cis1) der Pauluskirche in Ludwigshafen-Friesenheim.[10]

Euphonglocken[Bearbeiten]

Euphonglocken sind aus einer Kupfer-Zink-Legierung hergestellt worden. Die einzige Gießerei, die diese Glocken goss, war die des Carl Czudnochowsky aus Erding. Diese Gießerei blieb bis zum Jahre 1971 bestehen. Die drei größten Euphonglocken sind die Hosanna (fis0, 5250 kg) der Erzabtei Sankt Ottilien, die Salvatorglocke (fis0, 5650 kg) der Pfarrkirche Maria Hilf in München-Au und die Festtagsglocke (f0, 6080 kg) der Pfarrkirche Heilig Kreuz in Lachen SZ (Schweiz).

Weißbronzeglocken[Bearbeiten]

Die Glockengießerei Benjamin Grüninger aus Villingen goss Weißbronzeglocken aus einer Aluminiumlegierung. Diese Glocken weisen wegen des extrem weichen Metalls eine sehr starke Abnutzung auf. Klanglich gesehen – praktisch kein Nachhall, sehr trockener, dumpfer Klang – dürften diese Ersatzglocken zu den schlechtesten ihrer Art zählen und sind somit schon frühzeitig durch Bronzeglocken ersetzt worden.

Zinkglocken[Bearbeiten]

Glocken aus Zink wurden in den späten Kriegsjahren des Zweiten Weltkrieges aus einer Kupfer-Zink-Legierung hergestellt (Junker/ Brilon und Petit & Gebr. Edelbrock/Gescher). Sie haben normalerweise keine Krone und sind im Resonanzverhalten äußerst matt, dumpf und kurzatmig. Ihre Masse beträgt zwischen 20 und 300 kg.

Klangschwierigkeit der Ersatzwerkstoffe[Bearbeiten]

Die Ersatzmaterialien haben gegenüber der Glockenbronze andere Eigenschaften, die sich nachteilig auf den Klang auswirken. Die meisten weisen eine höhere Schallgeschwindigkeit auf und haben daher eine geringere Abklingdauer. Durch die höhere Porosität einiger Werkstoffe ist die Dämpfung größer, was sich ebenfalls negativ auf den Abklingvorgang auswirkt. Auch der Elastizitätsmodul spielt eine Rolle. Bei Gussstahl ist er erheblich höher als bei Bronze, wodurch der Klöppel einen kürzeren Kontakt mit der Glocke hat und der Anschlag härter klingt.

Historische Glockenformen[Bearbeiten]

Moderne Bienenkorbglocke aus Bronze mit Hauptton bei 1133 Hertz
Hauptartikel: Glockenrippe

Die Form einer Glocke (ohne Krone) wird durch ihren Querschnitt beschrieben; wegen ihrer Rotationssymmetrie reicht dazu die Angabe einer Querschnittshälfte, die man auch Rippe nennt. Die Rippenform ist für jede Glocke ton- und klangbestimmend und i.d.R. Betriebsgeheimnis jeder Glockengießerei.

Die gotische Dreiklang-Rippe ist die verbreitetste Form. Bis dahin war aber ein weiter Weg. Viele mittelalterliche Glocken hatten keinen ausgeprägten unteren Teil, Wolm genannt, sondern die Form eines Bienenkorbes. Solche Bienenkorbglocken sind auch heute noch erhalten. Die im Jahre 1038 in dünner Bienenkorb-Rippe gegossene Lullusglocke in der Stiftsruine Bad Hersfeld ist die älteste datierte und gegossene Glocke Deutschlands. Die größte Bienenkorbglocke ist die 3600 kg schwere Kunigundenglocke (Nominal/Schlagton: um cis1) im Bamberger Dom. Die meisten Glocken dieser Art waren aber kleiner, bis etwa 120 kg.

Im 12. Jahrhundert entwickelte sich die Zuckerhut-Rippe. Der obere Teil der Glocke, Flanke genannt, ist dabei relativ schlank, während der Wolm weit auslädt. Einige Exemplare dieses Glockentyps sind noch vorhanden. Im Münster zu Konstanz hängt das Totenglöckchen, das ca. um 1200 gegossen wurde. Sie erklingt in cis3, bei einem Durchmesser von 55 cm. In der Bergkapelle in Büsingen hängt auch eine Zuckerhutglocke. Das wohl klangschönste Exemplar ist das Totenglöckchen im Überlinger Münster. Es wiegt 90 kg, hat 56 cm Durchmesser und den Ton c3.

Um das Jahr 1200 entwickelte sich die gotische Dreiklang-Rippe, bei der der Durchmesser im oberen Teil wieder weiter ist als bei der Zuckerhut-Rippe. Jene zeigte erstmals das bis heute übliche Klangbild und ist Vorbild für heutige Rippenformen. Es fanden auch die spätere französische Rippe und die Barockrippe eine große Verbreitung.

Glockenteile [Bearbeiten]

Benennung der Glockenteile

Körper[Bearbeiten]

Der Körper der Glocke umfasst drei formgebende Hauptteile.

  1. Schlagring (kurz auch Schlag genannt), das ist weit unten am Körper der dickste Teil der Glocke, an den der Klöppel anschlägt; der äußerste Rand der Glocke ist die Schärfe; der Schärfendurchmesser ist die zumeist größte Abmessung der Glocke; die Öffnung selbst heißt Glockenmund.
  2. Mantel (aufgrund seiner nach innen gewölbten Form auch Schweifung genannt), der über dem Schlag mit dem so genannten Wolm (Kranz) beginnt, in die steilere Flanke übergeht und an der Schulter endet.
  3. Haube, die aus einer Wölbung (Hals oder Unterplatte) und der ebenen Platte (auch Oberplatte oder Kronenplatte genannt) besteht.

Krone[Bearbeiten]

Auf der Platte sitzt die Krone. Sie besteht manchmal aus einem Mittelbogen, an den sich mehrere (zumeist sechs) Henkel anlehnen können; Kronenhenkel können auch radial angeordnet sein. Die Krone der Glocke wird durch starke eiserne Bänder mit dem Glockenjoch verbunden.

Joch[Bearbeiten]

Das Joch wiederum, mit dem sich die Glocke in Bewegung setzt, kann gerade, leicht gekröpft bis zur Platte, moderat gekröpft bis zum Haubenansatz oder stark gekröpft bis zum Schwerpunkt der Glocke ausgelegt sein. Am Joch ist ein Hebel oder ein Läutrad zur Kraftübertragung montiert.

Klöppel[Bearbeiten]

Glockenklöppel im Münster St. Georg zu Dinkelsbühl

Der Klöppel besteht aus dem flachen Blatt, an dem er aufgehängt wird, dem langen Schaft, dem Ballen (auch Kugel genannt, jedoch mitunter etwas dicker als hoch) und dem Vorhang (auch Schwungzapfen oder Vorschwung genannt). Die genaue Abstimmung des Klöppels spielt eine wichtige Rolle für die Qualität des Klanges der Glocke.

Die Größe des Ballens (in der Regel gelten 53 der Schlagringstärke als angemessen) hat Einfluss auf das Klangverhältnis von Prinzipal- zu Mixturtönen, weil die Berührungsdauer des Klöppels an der Glocke von der Masse des Ballens abhängig ist. Der Schwerpunkt des Klöppels liegt meist am oberen Rand des Ballens, die Anschlagstelle muss genau die dickste Stelle des Schlagringes sein. Auch die Dimensionen des Vorhangs beeinflussen den Klang.

Der Klöppel wird aus weichem Eisen hergestellt, beispielsweise aus ungehärtetem Einsatzstahl C15. Durch zu hartes Material wird die Glocke durch Schwächung des Schlagrings an der Anschlagstelle langfristig geschädigt. Daher muss die Härte eines neuen Klöppels geringer sein als die Härte der Glocke. Der Klöppel wird mit einer mehrlagigen Lederschlaufe an der Klöppelachse oder am Hangeisen aufgehängt, und zwar so, dass er genau im rechten Winkel zum Joch schwingt. Der Anschlagpunkt des Klöppels an den Schlagring sollte mit dem Stoßmittelpunkt des Klöppels zusammenfallen, um eine Beschädigung der Aufhängung zu vermeiden.

Aufhängung[Bearbeiten]

Joch (links) im Münster St. Georg in Dinkelsbühl

Die Glocke hängt traditionell in einem Glockenstuhl aus Holz, der üblicherweise in einem Turm untergebracht oder an einer erhöhten Stelle aufgestellt ist. Die beim Schwingen auftretenden Kräfte werden von ihm aufgenommen und an das umgebende Gebäude weitergegeben. Die Glocke ist an ihrer Krone mit Eisenbändern am drehbar gelagerten so genannten Joch (hölzerner/stählerner Tragbalken) befestigt. Der Klöppel aus weichem Eisen oder Stahl ist freischwingend mit einem breiten Lederriemen an der Klöppelöse in der Glocke befestigt und schlägt auf den Schlagring der Glocke. Durch die Masse des Klöppels und insbesondere durch sein Trägheitsmoment, aber auch durch die Läutehöhe wird die Stärke des Anschlages bestimmt. Abweichend von dieser traditionellen Form der Aufhängung haben sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts vielerorts Stahlglockenstühle und Stahljoche durchgesetzt. Viele Stahlglockenstühle und Stahljoche werden wieder durch hölzerne ersetzt, da sich die moderne Form als nachteilig für das Gebäude erwiesen hat und das Klangverhalten der Glocken teilweise erheblich einschränkt.[11] Durch Korrosion besteht in einigen Fällen Absturzgefahr, so beispielsweise im Ulmer Münster. Hier wurden die Glocken stillgelegt, um den durch Korrosion angegriffenen Glockenstuhl sanieren zu können.

Gekröpfte Aufhängung einer Gussstahlglocke

Die Belastung des Glockenstuhls oder des gesamten Turmes kann sich durch die Aufhängung an gekröpften (auch: gestelzten) Jochen dezimieren. Das Joch ist dabei nicht gerade, sondern U-förmig gebogen. Hierdurch schwingt die Glocke um die tiefergelegene Achse näher an ihrem Schwerpunkt und schlägt somit schneller an (die Zahl der Anschläge je Minute erhöht sich). Eine sehr starke Kröpfung hingegen verlangsamt die Glocke; der Dopplereffekt wird ebenso stark verringert und das Läuten wirkt weniger lebendig.

Läuten[Bearbeiten]

Per Hand wird eine Glocke über ein am Joch befestigtes Seilrad oder -hebel geläutet. Gelegentlich wurde am Joch statt des Seilrades oder -hebels ein querliegendes Brett befestigt, das durch Fußtritte einer über der Glocke stehenden Person in Gang gehalten wurde. Zu sehen ist dies noch an den historischen Glocken in der Neuwerkkirche in Goslar, der Betglocke der Lemgoer Nicolaikirche, an der Tuba Dei[12] aus dem Jahr 1500 (Toruń, Johanneskirche) und an dem Emmanuel (Paris, Notre-Dame).

Das erste bekannte motorisch angetriebene Geläut wurde im Jahr 1898 vom Bochumer Verein in der Georgenkirche (Berlin-Mitte) realisiert,[13] etwa 1908 wurde der gemeinsame Antrieb der Glocken durch einzelne Antriebe ersetzt und es kamen auch Schaltwerke hinzu, die das Läuten einzelner Glocken bzw. von Glockenengruppen ermöglichten. Abgezählte Glockenschläge werden dagegen mit einem sogenannten „Schlagwerk“ erzeugt, bei dem die Glocke mit einem Hammer angeschlagen wird.[14] Heute werden die meisten Glocken motorisch geläutet. Die Läutemaschine ist der Antrieb der Glocke. Ein Elektromotor mit elektronischer oder elektromechanischer Steuerung bringt über einen Ketten- oder Riemenantrieb und das am Glockenjoch befestigte Seilrad die Glocke zum Schwingen. Im Bereich der Ruhelage der Glocke wird der Motor abwechselnd in die eine oder andere Drehrichtung kurz eingeschaltet, wodurch sich die Glocke nach und nach bis zum gewünschten Läutewinkel aufschaukelt. Seit neuerer Zeit werden für den Glockenantrieb auch Linearmotoren benutzt.

Die Frequenz der Anschläge (gemessen in Anschläge je Minute) ist von der Masse der Glocke und des Joches, deren Schwerpunkt, dessen Abstand zur Lagerachse und dem Läutewinkel abhängig. Schäden an Glockentürmen werden mitunter durch Resonanzen hervorgerufen, die sich aus der Nähe der Läutefrequenz einer Glocke zur Eigenfrequenz des Turmes ergeben und die zu Turmschwankungen von mehreren Millimetern führen. Oft wird in solchen Fällen das Joch mit zusätzlichem Gewicht versehen (man spricht dann von einem „überschweren“ Joch), um die Glocke zu verlangsamen.

Glocke und Klöppel bilden ein Doppelpendel. Das Läuten muss daher auch für den korrekten Anschlag des Klöppels eingerichtet werden. Das ist aus folgendem Grund nicht sehr kritisch: Je später der Klöppel nach der Umkehr der Glocke an deren Schlagring (dickste Stelle der Glocke) stößt, desto mehr Energie übernimmt er dabei. Ist das mehr als der Energieverlust beim Stoß, so bewegt sich der Klöppel schneller auf die Gegenseite und nimmt dort wieder weniger Energie auf. Damit diese Rückkopplung funktioniert, muss die natürliche (stoßfreie) Pendelfrequenz des Klöppels etwas geringer sein als die der Glocke, sodass die Phase der Glockenschwingung jene des Klöppels vor sich her treibt. Sind die Frequenzen zu verschieden, dann übernimmt der Klöppel zu Beginn zu wenig Energie aus dem Schwingen der Glocke, so dass diese heftig schwingen muss, um überhaupt einen ersten Schlag zu tun. Im Fall zu kleiner Differenzfrequenz schwingt der Klöppel phasengleich zur Glocke und die Glocke bleibt stumm.

Schlagglocke[Bearbeiten]

Typische Schlagglocke von 1831 aus dem Doberaner Münster
Die Lullusglocke. Beispiel für eine traditionelle Glockenaufhängung mit Seilzug
Schlagwerk mit Klöppel

Starr aufgehängte Glocken, die durch einen Hammer von außen an den Schlagring angeschlagen werden, heißen Schlagglocken und sind oft in einer „verkürzten“ Rippe gegossen worden. Solche Glocken dienen häufig dem Uhrschlag oder finden ihre Verwendung in Carillons/Glockenspielen. Eine besondere Läuteart ist das Beiern (vgl. Läuteordnung). Hierbei werden nur die Läuteglocken rhythmisch, dynamisch und melodisch verschieden angeschlagen.

Glockenstube[Bearbeiten]

Der Raum, in dem die Glocken hängen, die Glockenstube, verfügt über Schallöffnungen. Diese sind häufig mit Holzjalousien abgedeckt, damit einerseits die Glocken und die Läutemaschine vor der Witterung geschützt sind und sich andererseits der Klang der Glocken in der Glockenstube sammeln und gezielt in die Ferne geleitet werden kann.

Klangverhalten[Bearbeiten]

Entlang des Umfangs treten stehende Wellen mit ganzzahligem Verhältnis Umfang/Wellenlänge auf. Es gibt mehrere Eigenfrequenzen.
Hauptartikel: Klang (Glocke)

Glocken haben einen charakteristischen Klang. Weil Glocken mit verlorener Form gegossen werden, ist jede Glocke ein Unikat und hat einen individuellen Klang. Der Klang einer Glocke ist hauptsächlich von ihrer geometrischen Form – ihrer „Rippe“ – und von der Metalllegierung abhängig. Er besteht aus einer Anzahl von Teiltönen und meist einem Schlagton. Die Teiltöne sind reale Töne und physikalisch messbar, der Schlagton ist ein virtueller Ton und nicht direkt messbar. Er stellt als Residualton ein psychoakustisches Phänomen dar, entsteht also im Gehirn.

Der Schlagton bewirkt die subjektiv empfundene Tonhöhe einer Glocke und ist daher im deutschen Sprachraum ihr Nennton (Nominal). Außerdem dient er als Bezugston für die einzelnen Teiltöne, die durch ihren Intervallabstand zum Schlagton angegeben werden. Die fünf tiefsten Teiltöne (Unterton, Prime, Terz, Quinte, Oktave) werden Prinzipaltöne genannt, die höheren Teiltöne Mixturtöne. Die Prinzipaltöne haben in der Regel stärkere Amplituden und höhere Abklingdauern als die Mixturtöne und sind daher für den Klang von fundamentaler Bedeutung.

Wenn Glocken aus demselben Metall bestehen und zueinander geometrisch ähnlich, also maßstäbliche Vergrößerungen oder Verkleinerungen sind, dann verhalten sich ihre Frequenzen zueinander umgekehrt wie ihre Durchmesser. Eine Halbierung des Durchmessers erhöht den Ton um eine Oktave und verringert die Masse auf ein Achtel. Dieser Zusammenhang war bereits im Mittelalter bekannt.

Glocken als Mahnmal: Marienkirche (Lübeck)

Geläutedisposition[Bearbeiten]

Im Mittelalter wurden Glocken in der Regel nicht aufeinander abgestimmt, da jede nur einzeln verwendet wurde und deshalb nicht mit den übrigen Glocken harmonieren musste. Geläute, die über Jahrhunderte gewachsen sind und oftmals eine weder harmonische noch melodische Disposition aufweisen, sind geprägt durch ihre besondere Individualität sowohl in Bezug auf den Klang jeder einzelnen Glocke als auch des Vollgeläutes.

Seit der Spätgotik werden Glocken aufeinander abgestimmt und besonders nach 1945 in immer wieder vorkommenden Motiven disponiert. Den neueren Geläuten mangelt es oft an Individualität. So existieren viele Dreiergeläute auf dem ,Te-Deum‘, sowie auf dem ,Gloria‘-Motiv.

Verschiedene Kombinationen für abgestimmte Geläute.
ges b des es c e g a c d e as b c g b c f g b f g b c e g a c h d e fis g

Je nach vorhandenen Schlagtönen der Glocken ergeben sich bestimmte Kombinationen, fälschlicherweise Motive genannt (Motive sind metrisch und rhythmisch festgelegt), die meist nach den Anfangstönen alter Choräle oder liturgischer Lieder benannt sind. Je nach Anlass werden eher harmonische oder dissonante Motive ausgewählt. Hier einige Beispiele:

Motivbildung: kleine Terz, große Sekunde

(Schlagtöne hier: fis1 – a1 – h1)

Te Deum
Motivbildung: große Sekunde, kleine Terz

(Schlagtöne hier: h1 – cis2 – e2)

Gloria
Motivbildung: zwei große Sekunden

(Schlagtöne hier: a1 – h1 – cis2)

Paternoster
Motivbildung: große Terz, kleine Terz, große Sekunde

(Schlagtöne hier: a1 – cis2 – e2 – fis2)

kath.: Salve Regina;
ev.: Wachet auf
Motivbildung: große Sekunde, kleine Terz, große Sekunde

(Schlagtöne hier: a1 – h1 – d2 – e2)

Christ ist erstanden

Typische Läutemotive bzw. -Melodien sind z.B.:[15]

  • Ad te levavi animam meam
  • Beuroner Geläutemotiv
  • Christ ist erstanden
  • Deinem Heiland, deinem Lehrer
  • Dir Gott im Himmel Preis und Ehr
  • Doppeltes Gloria-Motiv
  • Doppeltes Te Deum Motiv
  • Freu dich, du Himmelskönigin
  • Gloria-Motiv
  • O Heiland, reiß die Himmel auf
  • Österliches Halleluja
  • Pater noster
  • Resurréxi
  • Salve regina
  • Te Deum laudamus
  • Te Deum und Gloria
  • Te Deum-Motiv

Glocken-Inschriften[Bearbeiten]

Beispiel für Inschriften auf einer Glocke: an der Schulter das Gussjahr und der Gießer, auf der Flanke die Widmung, am Wolm das Gießerzeichen

Inschriften des deutschen Sprachraumes in Mittelalter und Früher Neuzeit lassen sich neuerdings auch online entschlüsseln - mit Hilfe des Projekts Deutsche Inschriften Online. Das ist ein interakademisches, unter www.inschriften.net erreichbares Kooperationsprojekt verschiedener Akademien und Institutionen, die zu diesem Zweck ihre Kompetenzen gebündelt haben.[16]

Details[Bearbeiten]

Die Inschriften der Glocken beinhalten den Namen des Gießers und das Gussjahr der Glocke. Bei frühen mittelalterlichen Glocken können Gussjahr, Name des Gießers oder beide Angaben fehlen (anonyme Gießer). Aufgrund der Zier oder Form ist es teilweise möglich, die Glocke einem bestimmten Gießer zuzuschreiben. Beim Fehlen des Gussjahres kann die Glocke nach Form und Klangstruktur einem Jahrhundert oder genauer zugeordnet werden. Das Gussjahr kann in Form eines Chronogramms vorliegen.

Beispiele[Bearbeiten]

  • „LAVDO DEVM VERVM. PLEBEM VOCO. CONGREGO CLERVM. DEFVNCTOS PLORO. PESTVM FVGO. FESTA DECORO“ (deutsch: „Den wahren Gott lobe ich. Ich rufe das Volk. Ich versammle den Klerus. Ich beweine die Toten. Die Seuche verjage ich. Die Feste ziere ich!“)
  • „O REX GLORIAE VENI CVM PACE“ (deutsch: „O, König der Herrlichkeit komme in Frieden.“)
  • „AVE MARIA GRATIA PLENA DOMINVS TECVM“ (deutsch: „Gegrüßt seist Du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit Dir.“)
  • „O LAND, LAND, LAND HOERE DES HERRN WORT!“
  • „HEILIGE… / HEILIGER… BITTE FÜR UNS!“
  • „EHRE SEI GOTT IN DER HOEHE / FRIEDE AUF ERDEN / DEN MENSCHEN EIN WOHLGEFALLEN.“
  • Besonders bekannt wurde die Glockeninschrift der Schaffhauser Münsterglocke, die Friedrich Schiller als Motto für sein Lied von der Glocke wählte
    „VIVOS VOCO, MORTUOS PLANGO, FULGURA FRANGO“ (deutsch: „Die Lebenden ruf’ ich. Die Toten beklag’ ich. Die Blitze brech’ ich.“)
Bahnhofsglocke der Hessischen Ludwigsbahn in Zweitverwendung auf dem Friedhof in Pfungstadt[17]

Glocken-Ritzzeichnungen[Bearbeiten]

Ritzzeichnungen aus dem 14. und 15. Jahrhundert auf zwei Glocken der Kirche Panitzsch

Eine besondere Art des mittelalterlichen Kunstschaffens ist nahezu in Vergessenheit geraten: Glocken-Ritzzeichnungen. Seitenverkehrt in die Gussform der Glocke geritzt, hoben sie sich nach dem Guss sicht- und spürbar vom Glockenkörper ab – sie waren zu ihrer Zeit weit verbreitet. Derartige Zeichnungen, die man mit einem Griffel in das Lehmmantel-Innere der zu gießenden Glocke trieb bzw. kerbte, traten nach Entfernung der Gussform als meist scharfkantige, leicht bewegt wirkende Grate „halbreliefartig“ in Erscheinung, weshalb sie mitunter auch fälschlich als Fadenreliefs bezeichnet wurden.

Die Zahl solcher einzigartigen Glockenritzungen ist wegen Einschmelzungen und Zerstörungen von Glocken in Kriegszeiten stark gesunken. Die wenigen erhalten gebliebenen Relief-Abreibungen haben somit einen hohen dokumentarischen Wert: Sie vermitteln auch die religiöse Gedankenwelt, die zu diesen Werken anregte. In den Kirchtürmen jahrhundertelang nur wenigen Menschen zugänglich, zeugen diese Glocken-Ritzzeichnungen von der Kunstfertigkeit und der meist impulsiven Frische ihrer Schöpfer.[18][19] Als eines der wenigen überlieferten und auch kunsthistorisch untersuchten Beispiele für Ritzzeichnungen stehen zwei mittelalterliche Glocken der Kirche Panitzsch in der Nähe von Leipzig.[20]

Glocken-Restaurierung[Bearbeiten]

Die Sanierung und Restaurierung von Glocken sowie das Schweißen von Rissen im Glockenkörper sind aufwändig und kompliziert – sie erfordern umfangreiches Wissen und Erfahrungen handwerklicher, technischer, musikalischer und historischer Art.

Funktionen und Namen[Bearbeiten]

Funktionen[Bearbeiten]

Glocken sind entweder ausdrücklich in der Inschrift einem Heiligen oder einem Anlass (beispielsweise Maria Gloriosa im Erfurter Dom) gewidmet oder werden im Volksmund so benannt (etwa Große Susanne im Freiberger Dom). Bei der Läuteordnung soll der Name der Glocke berücksichtigt werden, wie etwa für das Patrozinium der Pfarrkirche oder die Feiertage für den namensgebenden Heiligen. Aber auch die aufgegossene Inschrift, wie „die Toten geleit’ ich“ (Totenglocke), spielt eine entscheidende Rolle. Zum täglichen Angelusgebet erklingt in katholischen Pfarreien meist die Marien- oder Angelusglocke. Bis ins späte Mittelalter wurden die Glocken nur solistisch geläutet. Jede Glocke hatte ihre spezielle Funktion, ihren Anlass, zu dem sie zu erklingen hatte. Auf eine harmonische oder melodische Abstimmung bei einem Zuguss wurde nicht geachtet. Einige Glockenbezeichnungen und Funktionen (wie die Armsünderglocke) gibt es heutzutage nicht mehr. Inschriften oder Zusätze wie ,vivos voco, fulgura frango‘ belegen, dass Glocken aber auch profane Aufgaben zugedacht wurden, beispielsweise die Abwehr von Blitz und Unwetter.

In der Neuzeit wurden Glocken dann auch zu rein profanen Zwecken eingesetzt, etwa als Schul- oder Bahnhofsglocke. Sie dienten dazu ein größeres Publikum über ein eintretendes Ereignis zu unterrichten, etwa den Beginn des Unterrichtes oder die Abfahrt eines Zuges.

Name/Bezeichnung
(historische) Funktion
Beispiel (Schlagton)
Apostolica Apostelglocke; bezeichnet die Apostelfeste Magdeburger Dom (b°)
Dominica (lat. die dem Herrn Geweihte) Sonntagsglocke; bezeichnet die Sonntage Ulmer Münster (b°)
Evangelistenglocke läutet während der Verlesung des Evangeliums; trägt oft die Namen der vier Evangelisten Abtei Münsterschwarzach (b′)
Feuer- oder Brandglocke warnt bei Brandgefahr; in Zürich früher zur Sicherung der Herdfeuer St. Lamberti (Münster)
Gloriosa (lat. die Ruhmvolle) Festtagsglocke; meist tontiefste Glocke eines Geläuts. Bezeichnet die Hochfeste. Erfurter Dom (e°)
Hosanna Gloriosa; kann als zweite Festtagsglocke fungieren Erzabtei Sankt Ottilien (fis°)
Marktglocke ruft zur Eröffnung und zum Schluss des Marktes Herrenberger Stiftskirche (es″)
Mettenglocke ruft zur Frühmette Kölner Dom (h′)
Messglocke ruft zur Messe Münster St. Georg Dinkelsbühl
Osanna Gloriosa; kann als zweite Festtagsglocke fungieren; Eucharistieglocke Dom zu Halberstadt (b°)
Predigtglocke ruft zum Predigtgottesdienst Berner Münster (h°)
Prim-, Terz-, Sext-, Nonglocke ruft zu den Stundengebeten St.-Nikolaus-Kathedrale
zu Fribourg
(as′)
Rats-/Ratsherrenglocke ruft zur Versammlung der Ratsherren, Bürgermeister Marienkirche zu Stendal

Münster St. Georg Dinkelsbühl

Schiedglocke verkündet Verschied eines Gemeindemitglieds Herrenberger Stiftskirche (c″)
Schulglocke läutet zum Schulbeginn Georgskirche in Schlitz (c″′)
Sturmglocke warnt bei schweren Unwettern
(vgl. Glockeninschriften „fulgura frango“: Die Blitze brech′ ich oder „alle bösen Wetter vertreibe ich“)
Limburger Dom (g′)
Stürmerin warnt bei schweren Unwettern Münster St. Georg Dinkelsbühl (es′)
Susanna Gloriosa; kann als zweite Festtagsglocke fungieren. „Susanna“ ist eine Personifikation von Hosianna. Münchner Frauenkirche (a°)
Vesperglocke ruft zur Vesper/Abendandacht Braunschweiger Dom (es″)
Wachtglocke Armeseelenglocke Greifswalder Marienkirche
Wetterglocke Sturmglocke Markusmünster
in Reichenau-Mittelzell
(g′)
Zeichen- oder Ruferglocke besorgt ein/mehrere Vorläuten zum Gottesdienst St. Peter in Zürich (c′)
Zwölfuhr-, Elfuhr-, Neunuhrglocke etc. Mittagsläuten erinnert an den Sieg der ungarischen Heere über die Türken im Jahr 1456 St. Peter zu München (a′)

Volkstümliche Glockennamen[Bearbeiten]

Die volkstümlichen Bezeichnungen können aus ihrem Gebrauch (wie Pestglocke), aber auch aus Form (wie Langhals) oder Stifternamen (wie Winklerin) herrühren.

Name/Bezeichnung
Herkunft des Namens
Funktion
Beispiel
Armeseelenglocke die „Armen Seelen“/Verirrten sollen den Weg finden läutet nachts zur Orientierung, vor dem Schließen der Stadttore Bamberger Dom (fis2)
Arm(e)sünderglocke Hinrichtung der „Armen Sünder“ läutet zur Hinrichtung Berner Münster (cis1)
Bier- oder Weinglocke Funktion mahnt zum Schließen der Kneipen und Wirtshäuser, Beenden des Umtrunkes Bad Hersfelder
Stadtkirche
(a1)
Bierringerin Funktion → Bierglocke mahnt zur Schließung der Bierstuben Stephansdom zu Wien
Blutglocke Funktion → Armsünderglocke/Juridica[21] erklingt zur Hinrichtung ehem. Dreikönigenglocke Juridica, Kölner Dom
Dicker Pitter oder
Decker Pitter[22][23]
Pitter ist Kölsch für Peter und bezieht sich auf den Kirchpatron des Doms, Simon Petrus, und die Inschrift; Dicker bezieht sich auf die Größe Hochfestglocke St. Petersglocke, Kölner Dom
Dicke Susanne einer der Läutemeister verglich das Ziehen der Glocke
mit dem Tanzen mit seiner gewichtigen Gattin Susanne[24]
Festglocke Grosse Glocke, Berner Münster
Dunna tiefer Klang (Onomatopoesie)[25] Hochfestglocke Halberstädter Dom
Dammerich tiefer Klang („dammern“) der Vorgängerglocke Festglocke Wetzlarer Dom
Faule Anna läutet nie solistisch; nur mit den übrigen Glocken[26] St. Marien (Stendal)
Fressglocke rief die Bauern und ihre Angestellte zum Essen ~Mittagsglocke im Salzburger Land
Große und Kleine Schelle heller Klang St. Johannis (Lüneburg)
Guldenglocke zum (außerregulären) Läuten der Glocke wurde eine
Sonderzahlung von 1 Gulden angesetzt
Herrenberger Stiftskirche
Hallerin Stiftername Festglocke Dom zu Eichstätt
Klag Funktion (beklagen der Toten) Sterbeglocke Dom zu Eichstätt
Langhals Form Chorglocken für die Stundengebete Halberstädter Dom
Lumpenglocke Läuten für die Zecher („Lumpen“) läutet zum Beginn der Sperrstunde St. Gangolf (Trier)
Pestglocke Funktion („Pestum Daemonemque fugo“) läutet bei Pestgefahr
Pillenglocke St. Michael zu Bernkastel-Kues
Pummerin tiefer, wuchtiger Klang (etwa pommern, pummern), jeweils die Größte im Geläut Hochfestglocke Stephansdom zu Wien
Spitälerin St. Nikolaus zu Überlingen
Schandglocke Funktion erklingt zur Ausweisung von Verbrechern
Schlafglocke Funktion als Abendglocke erklingt zur Nachtruhe Bamberger Dom
Schreier rauer Klang Vincentia, St. Severi zu Erfurt
Spätzlesglocke läutet, wenn es Zeit für das Spätzle-Wasser ist erklingt eine Stunde vor Mittag, 11 Uhr Hosanna, Freiburger Münster
Verirrtenglocke läutet für die Verirrten Armeseelenglocke St. Blasius zu Fulda (g1)
Winklerin vermutliche Stifterin Marienglocke Frauenkirche (München)
Zügenglocke der Sterbende liegt in den letzten Zügen läutet zum Ableben Schweiz/Österreich
Zwölferin Funktion als Tageszeitenglocke Mittagsglocke um 12 Uhr St. Peter (München)

Läuteordnung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Läuteordnung

Die Läuteordnung bestimmt, wann welche Glocke wie lange und zu welchem Zeitpunkt läuten darf. Darin drücken sich einige Ziele von Kirchenglocken aus, die Gemeinde zum Gottesdienst aufzurufen, zum Geleit der Verstorbenen oder zum persönlichen Gebet. Dies spiegelt bereits die mittelalterliche Glockeninschrift wider: „Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango“ – die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, Blitze breche ich. Der letzte Abschnitt macht deutlich, dass man den Kirchenglocken verschiedene Schutzwirkungen zuschrieb, insbesondere den Schutz vor Unwetter. Auch profane Läutedienste, wie das Läuten zur Hinrichtung („Armesünderläuten“) oder zur Eröffnung des Marktes, gehörten dazu.

Große und bedeutende Glocken[Bearbeiten]

Glocke Gebäude Ort Land Gewicht * Bemerkung
Big Ben Palace of Westminster London Vereinigtes Königreich 000000000013500.000000000013.500 größte der fünf Glocken des berühmten Uhrturms,
Schlagton: es0
Buchenwaldglocke KZ Buchenwald bei Weimar Deutschland 000000000007500.00000000007.500 im Glockenturm der Gedenkstätte des Konzentrationslagers bei Weimar,
gegossen vom VEB Apoldaer Glockengießerei, Glockengießermeister Franz Schilling, Glockenzier mit Stacheldraht-Relief von Waldemar Grzimek 1958
Campanone (Valadier) Petersdom Rom Italien 000000000008950.00000000008.950 größte Glocke im Petersdom, wird nur zu besonderen Anlässen geläutet, wie nach dem päpstlichen Segen Urbi et Orbi an Weihnachten und Ostern,
Schlagton e0 +3/16
Emmanuel Notre Dame Paris Frankreich 000000000013000.000000000013.000 größte Glocke der Kirche und eine der bedeutsamsten Glocken Europas,
1685 von den drei lothringischen Wandergießern Chapelle, Gillot und Moreau gegossen,
Schlagton: fis0
Festtagsglocke Sophienkathedrale Weliki Nowgorod Russland 000000000026000.000000000026.000 im 17. Jahrhundert gegossen
Freiheitsglocke Rathaus Schöneberg Berlin Deutschland 000000000010206.000000000010.206 ist jeden Sonntag im Deutschlandradio zu hören,
Schlagton: e0
Gloriosa Erfurter Dom Erfurt Deutschland 000000000011450.000000000011.450 1497 durch Gerhard van Wou aus Kampen gegossen,
Durchmesser: 2580 mm, Schlagton: e0 +4/16
Gloriosa Kaiserdom St. Bartholomäus Frankfurt Deutschland 000000000011950.000000000011.950 1877 durch J. G. Grosse aus Dresden nach dem Vorbild der Erfurter Gloriosa gegossen,
Durchmesser: 2590 mm, Schlagton: e0 +1/16
Hosanna Freiburger Münster Freiburg im Breisgau Deutschland 000000000003290.00000000003.290 gegossen 1258, Schlagton: e1 ; eine der ältesten erhaltenen Glocken dieser Größe.[27]
Jubiläumsglocke Alter Peter München Deutschland 000000000007000.00000000007.000 1958 von Karl Czudnochowsky gegossen,
läutet im Vollgeläut die hohen Festtage ein und erinnert jeden Sonntagabend um 18 Uhr an die Toten der Stadt
Schlagton: f0
Kreuzglocke Dresdner Kreuzkirche Dresden Deutschland 000000000011511.000000000011.511 1899 von Franz Schilling (Apolda) nach dem Vorbild der Erfurter Gloriosa gegossen,
Durchmesser: 2583 mm, Schlagton: e0 +5/16
Le Bourdon Straßburger Münster Straßburg Frankreich 000000000008500.00000000008.500 1427 von Hans Gremp gegossen,
Durchmesser: 2220 mm, Schlagton: as0 +6/16
zählt zu den klangschönsten Glocken des 15. Jahrhunderts in Europa
Liberty Bell Liberty Bell Center Philadelphia Vereinigte Staaten 000000000000900.0000000000900 gilt als internationales Symbol von Freiheit und wurde geläutet, als die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung in der Stadt verkündet wurde
Lullusglocke Stiftskirche Bad Hersfeld Bad Hersfeld Deutschland 000000000001000.00000000001.000 die älteste datierte Glocke Deutschlands (von 1038)
Maria Dolens (Campana dei Caduti) frei hängend auf dem Hügel von Miravalle Rovereto Italien 000000000023000.000000000023.000 Schlagton: H.
Millenniumsglocke Millennium Monument tower Newport (Kentucky) Vereinigte Staaten 000000000033000.000000000033.000 Schlagton: A.
Mingun-Glocke eigenes Glockenhaus nördlich von Sagaing Myanmar 000000000090000.000000000090.000 schwerste frei hängende Glocke der Welt
Munotglöckchen Festung Munot Schaffhausen Schweiz 000000000000420.0000000000420 die letzte von Hand geläutete Alarmglocke der Schweiz, vermutlich gar Europas, Schlagton: g1
Ojikicho ('Haung Ton') Myōshin-ji Kyōto Japan Expression-Fehler: Unerkanntes Satzzeichen „?“Expression-Fehler: Unerkanntes Satzzeichen „?“? wurde 698 gegossen und gilt als die älteste Glocke Japans, Nationalschatz,
wird aufgrund eines feinen Risses heute nicht mehr angeschlagen
Pretiosa Kölner Dom Köln Deutschland 000000000010000.000000000010.000 war zu ihrer Entstehungszeit die größte läutbare Glocke des christlichen Abendlandes und zählt heute zu den klangvollsten Glocken des Mittelalters,
Durchmesser 2400 mm, Schlagton/Nominal: g0 +1/16
Pummerin Stephansdom Wien Österreich 000000000020130.000000000020.130 (+ Klöppel: 613 kg),
Durchmesser: 3140 mm, Schlagton: c0 +8/16
1711 gegossen (18.317 kg, inkl. Klöppel, Joch und sonstiger Armaturen 22.512 kg; Nominal H), 1945 zerstört, 1951 aus dem Material der alten Pummerin neu gegossen
Rolandglocke Belfried von Gent Gent Belgien 000000000006070.00000000006.070 niederländisch: Rolandglocke = Klokke Roeland, 1660 gegossen
Salvator-Glocke Salzburger Dom Salzburg Österreich 000000000014256.000000000014.256 die zweitgrößte Glocke Österreichs,
wurde 1961 gegossen,
Schlagton: es0.
Santísimo Sacramento Santuario de San Pascual Baylón Villarreal
Provinz Castellón
Spanien 000000000002100.00000000002.100 größte Überschlagglocke der Welt, wurde 1998 von der Glockengießerei Eijsbouts in den Niederlanden gegossen, Teil eines Carillon
Savoyarde Sacre Coeur Paris Frankreich 000000000018835.000000000018.835 größte Glocke Frankreichs, 1895 von Paccard gegossen,
Schlagton: cis0
St. Petersglocke Kölner Dom Köln Deutschland 000000000024000.000000000024.000 (+ Klöppel: ca. 650 kg)
auf Kölsch und von den Kölnern „Decker Pitter“ oder „Dicker Pitter“ genannt, 1923 von Ulrich, Apolda gegossen, größte freischwingend läutbare Kirchenglocke der Welt,
Durchmesser: 3210 mm, Schlagton: c0 −5/16.[28][22][23][29]
Schwörglocke Ulmer Münster Ulm Deutschland 000000000003500.00000000003.500 im 14. Jahrhundert gegossen,
Durchmesser 1640 mm, Schlagton: c1
Tokinosumika-Glocke Ferienort Tokinosumika Gotemba Japan 000000000036250.000000000036.250 die größte schwingend (am gekröpften Joch) läutbare Glocke der Welt.
Durchmesser: 3820 mm, Höhe: 3720 mm. Schlagton: Gis
Walbecker Glocke Stiftskirche Walbeck Walbeck Deutschland 000000000000100.0000000000100 wahrscheinlich im späteren 11. Jahrhundert gegossen und damit eine der ältesten noch existenten Glocken Deutschlands
Zarenglocke Moskauer Kreml Moskau Russland 000000000202000.0000000000202.000 1733 bis 1735 von Iwan Motorin und seinem Sohn Michail gegossen,
wurde nie geläutet
? Chion-in Kyōto Japan 000000000074000.000000000074.000 schwerste Tempelglocke Japans.

* kursive Gewichtsangaben sind nur gerundete Werte

Glocken in Mythologie und Brauchtum[Bearbeiten]

Tintinnabulum (Süditalien, 1. Jahrhundert v. Chr.)

Mythologisch stehen Glocken für die Kommunikation mit übersinnlichen Wesen (Gottheiten oder Geister). Aus vorchristlicher und vorislamischer Zeit sind Skulpturen von Göttinnen in Glockenform erhalten.

Im 2. Buch Mose wird den Priestern des Jahwe geboten, sich mit Glocken zu schmücken. Im Buch Jesaja wird den Frauen dasselbe verboten.

Im tibetischen Buddhismus werden zur Symbolisierung des Übergangs zwischen den Welten, aber auch ganz weltlich zum Anzeigen der Gebetszeiten, heilige Glocken (ghanta) geläutet. Japanische Tempelglocken hängen häufig in eigenen Behausungen und werden von einem entsprechend großen Stück Holz (Baumstamm) von außen angeschlagen.

Auch im Christentum zeigt das Glockengeläut die Zeit zum Gebet an. Des Weiteren sollen sie die Ankunft des heiligen Geistes verkünden. Das Geläut von Kirchenglocken soll zudem Dämonen erschrecken und zum Flüchten bringen, wie Durandus im 14. Jahrhundert schrieb. Aus diesem Grund schmückten sich auch die Menschen in Europa – insbesondere die Kinder – mit Glöckchen: um böse Geister und den bösen Blick abzuwehren. Auf dieselben Ursprünge gehen viele Bräuche im Alpenraum zurück, wie beispielsweise das Ausläuten des alten und Einläuten des neuen Jahres.

Nicht zu vergessen ist das so genannte Wetterläuten, mit dem Geister und Dämonen ferngehalten werden sollten.

Europäisches Brauchtum, bei dem Glocken eine wichtige Rolle spielen, sind unter anderem

Siehe auch: Trycheln

Regelmäßige Rundfunksendungen[Bearbeiten]

Das samstägliche Magazin Zwischenhalt des Schweizer Senders Radio SRF 1 enthält die Rubrik Glocken der Heimat. Darin stellt der Glockenfachmann Stefan Mittl jeweils ein Geläut vor. Mittl zeichnet seit 1984 die Klänge von Kirchenglocken auf, darunter bereits praktisch alle der Deutschschweiz. Der Sender hat eine Auswahl auf inzwischen vier CDs unter dem Titel Glocken der Heimat herausgebracht. In der Sendung Morgenmelodie des deutschen Radiosenders SWR 4 (nicht zu verwechseln mit der Sendung Morgenläuten desselben Senders) stellt Glockenexperte Sebastian Schritt, Glockensachverständiger und Campanologe, sonn- und feiertags in der Rubrik Glockengeschichten jeweils ein Geläut aus dem gesamten Sendegebiet vor, das die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg umfasst. Der Radiosender Bayern 1 stellt ebenfalls jeden Sonntag mit dem Zwölfuhrläuten ein Geläut aus Bayern vor, wobei zumeist keine Informationen über die Glocken genannt werden. Jeden Sonntag um 11.59 Uhr überträgt das überregionale Deutschlandradio Kultur das Läuten der Freiheitsglocke im Rathaus Berlin-Schöneberg.

In Österreich senden die regionalen Radioprogramme des Österreichischen Rundfunks in den meisten Bundesländern täglich um 12.00 Uhr das Mittagsgeläute einer österreichischen Kirche. Die Kirche wird dabei kurz vorgestellt, manchmal auch die Glocken selbst. Weiters wird zum Jahreswechsel auf allen Radio- und Fernsehsendern des Österreichischen Rundfunks das Geläute der Pummerin des Wiener Stephansdoms übertragen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Glocken. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 7, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien 1885–1892, S. 437.
  • Alain Corbin: Die Sprache der Glocken. Ländliche Gefühlskultur und symbolische Ordnung in Frankreich des 19. Jahrhunderts. Fischer, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-10-010210-X.
  • Winfried Ellerhorst: Handbuch der Glockenkunde. Verlag der Martinus-Buchhandlung, Weingarten 1957, DNB 451094077 (Liste berühmter Glocken).
  • Manfred Hofmann: Die Apoldaer Glockengießerei - Alte und neue Geheimnisse. Weimar 2014, ISBN 978-3-86160-415-0[30] - mit umfangreichem Allgemeinteil über Glocken[31]
  • Kurt Kramer: Die Glocke. Eine Kulturgeschichte. Matthias-Grünewald-Verlag, Ostfildern 2007, ISBN 3-7867-8597-X.
  • Kurt Kramer (Bearb./Hrsg.): Glocken in Geschichte und Gegenwart. Beiträge zur Glockenkunde. Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen. Badenia-Verlag, Karlsruhe
  • André Lehr: Beiaardkunst in de Lage Landen. Tielt 1991, ISBN 90-209-1910-5 (engl. Ausgabe: The Art Of The Carillon In The Low Countries).
  • Anton Lübke: Uhren, Glocken, Glockenspiele. Müllerverlag, Villingen 1980, ISBN 3-920662-03-2.
  • Heinrich Otte: Glockenkunde. Weigel, Leipzig 1858, Online in der Google-Buchsuche; 2. Auflage. Leipzig 1884 Internet Archive, Reprint der 2. Auflage: BiblioBazaar, LLC, 2009, ISBN 978-1-113-03030-6.
  • Eckart Roloff: Glocken: Die Artillerie der Geistlichkeit, Ausrufezeichen für allerlei. In: Eckart Roloff: Göttliche Geistesblitze. Pfarrer und Priester als Erfinder und Entdecker. Verlag Wiley-VCH, Weinheim 2010, ISBN 978-3-527-32578-8, S. 40–45.
  • Friedrich Schiller: Das Lied von der Glocke.
  • Fritz Schilling[32] / Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen, Landeskirchenrat (Hg.): Unsere Glocken - Thüringer Glockenbuch. Gabe der Thüringer Kirche an das Thüringer Volk. Gewidmet dem „Thüringer Glockengießermeister Dipl.-Ing. Franz Schilling in Apolda in Dankbarkeit für seine Arbeit zum Besten unserer Gemeinden“. Jena 1954, 128 Seiten[33]
  • Margarete Schilling: Glocken. Gestalt, Klang und Zier. Verlag der Kunst, Dresden 1988, ISBN 3-364-00041-7.
  • Margarete Schilling: Glocken und Glockenspiele. Greifenverlag, Rudolstadt 1982, DNB 830104771.
  • Ingrid Strasser: Irisches im Althochdeutschen? In: Heinz Löwe (Hrsg.): Die Iren in Europa. Teilband 1, Klett-Cotta, 1982, ISBN 3-12-915470-1, S. 399–422. (Dieser Aufsatz untersucht ausführlich die Herkunft des althochdeutschen Wortes glocka aus der altirischen Sprache.)
  • Jörg Wernisch: Untersuchungen an Kirchenglocken unter besonderer Berücksichtigung des Klangverhaltens, der Konstruktion und der Werkstoffeinflüsse. Dissertation. TU Wien, 2004. (Volltext)
  • Literaturliste des Deutschen Glockenmuseums (PDF; 1,2 MB).

Über Glocken-Ritzzeichnungen[Bearbeiten]

  • Cornelius Gurlitt: Thomaskirche. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 17. Heft: Stadt Leipzig (I. Theil). C. C. Meinhold, Dresden 1895, S. 58.
  • Cornelius Gurlitt: Panitzsch. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 16. Heft: Amtshauptmannschaft Leipzig (Leipzig Land). C. C. Meinhold, Dresden 1894, S. 89.
  • Kurt Hübner: Die mittelalterlichen Glockenritzungen. Berlin 1968 (Publikation der Reihe Schriften zur Kunstgeschichte, Heft 12)
  • Ingrid Schulze: Ritzzeichnungen von Laienhand – Zeichnungen mittelalterlicher Bildhauer und Maler? Figürliche Glockenritz-Zeichnungen vom späten 13. Jahrhundert bis zur Zeit um 1500 in Mittel- und Norddeutschland. Leipzig 2006, ISBN 978-3-939404-95-8.

Tonträger[Bearbeiten]

  • Kurt Kramer: Glocken und Geläute in Europa. Deutscher Kunstverlag, München 1988, ISBN 3-422-06016-2 (CD mit Textheft).
  • Kurt Kramer (Hrsg.): Die deutschen Glockenlandschaften. Deutscher Kunstverlag, München 1989/1990.

DVD[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Glocken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Glocke – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Glocke – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Glyn Daniel (Hrsg.): Enzyklopädie der Archäologie. Erweiterte deutsche Ausgabe hrsg. von Joachim Rehork. Lübbe, Bergisch Gladbach 1980, ISBN 3-7857-0236-1, S. 176.
  2. Sueton: Divus Augustus 91.2: Cum dedicatam in Capitolio aedem Tonanti Iovi assidue frequentaret, somniavit queri Capitolinum Iovem cultores sibi abduci seque respondisse Tonantem pro ianitore ei appositum; idque mox tintinnabulis fastigium aedis redimiit, quod ea fere ianus dependebant. („In dem Zeitraum, in dem er einen dem Jupiter Tonans auf dem Kapitol geweihten Tempel oft aufsuchte, träumte er: Der Kapitolinische Jupiter beklage sich darüber, daß ihm die Verehrer entzogen würden, und er [Augustus] habe zur Antwort gegeben, Jupiter Tonans sei ihm lediglich als Türhüter beigegeben worden; aus diesem Grunde ließ er [Augustus] später den Giebel des Tempels mit Glocken schmücken, weil diese gewöhnlich an den Türen hingen.“)
  3. Hans-Gerd Rincker: Der Glockenguss. In: Kurt Kramer (Bearb./Hrsg.): Glocken in Geschichte und Gegenwart. Beiträge zur Glockenkunde. Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen. Band 1. Badenia-Verlag, Karlsruhe 1986.
  4. Sebastian Schritt, Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation, Glocken und Geläute. Vorläufiges Gesamtverzeichnis für den Bereich der Bundesrepublik Deutschland mit einem Anhang der bedeutendsten Auslandsgeläute. Trier 2007.
  5. Geläut der kath. Pfarrkirche St. Peter und Paul zu Lage/Lippe (YouTube, Videosequenz 00:45, 29. Juni 2008)
  6. Hubert Foersch: Limburger Glockenbuch. S. 1071.
  7. Sonderglocken
  8. Sebastian Schritt: Die Geläuteanlage der Lutherkirche zu Erfurt. Eine Gutachtliche Stellungnahme. Manuskript, Trier 1997.
  9. Hubert Foersch: Limburger Glockenbuch. S. 215.
  10. Hubert Foersch: Limburger Glockenbuch. S. 1074.
  11. http://www.wamsiedler.de/glockenkunde/aufhangung/
  12. Die Tuba Dei – eine berühmte Großglocke im polnischen Toruń
  13. Schrey: Die elektrisch geläuteten Glocken der Georgenkirche in Berlin. In: Centralblatt der Bauverwaltung, Berlin, 19. Februar 1898, XVIII. Jahrgang, Nr. 8, S. 91 f. online (Abgerufen am 13. März 2012; PDF; 1,6 MB)
  14. N. N.: Glockenläutewerke. In: Centralblatt der Bauverwaltung, Berlin 12. März 1924, 44. Jahrgang, Nr. 11, S. 86 f. online (Abgerufen am 13. März 2012; PDF; 1,4 MB)
  15. Vgl. die Auflistung von Melodien für das Bistum Köln
  16. http://www.inschriften.net
  17. Heiner, Die Stadtillustrierte von Darmstadt, August 2008, S. 11 und 16.
  18. Ingrid Schulze: Ritzzeichnungen von Laienhand – Zeichnungen mittelalterlicher Bildhauer und Maler? Figürliche Glockenritz-Zeichnungen vom späten 13. Jahrhundert bis zur Zeit um 1500 in Mittel- und Norddeutschland. Leipzig 2006, ISBN 978-3-939404-95-8
  19. Kurt Hübner: Die mittelalterlichen Glockenritzungen, Berlin 1968. http://d-nb.info/457036214
  20. Ingrid Schulze: Die Ritzzeichnungen auf den mittelalterlichen Kirchenglocken zu Panitzsch. In: Holger Zürch: Höhenkur für den Hohepriester – Die Kirche zu Panitzsch und ihre umfassende Renovierung im Jahr 2006. Leipzig 2006, ISBN 978-3-86703-217-9, S. 113–128
  21. Martin Seidler: Die Kölner Domglocken. CD mit ausführlichem Beiheft, 2. Auflage. Verlag Kölner Dom, Köln 2000.
  22. a b Neuer Klöppel für den "Dicken Pitter"
  23. a b Ein neuer Klöppel für den "dicken Pitter": Wissenschaftler wollen Klang wieder herzustellen WDR 26. März 2013, 21.00 - 21.45 Uhr
  24. Matthias Walter: Berner Münsterglocken, S. 11.
  25. Claus Peter: Der Dom zu Halberstadt – Geläuteinventarisation und Quellenstudium. In: Kurt Kramer: Glocken in Geschichte und Gegenwart, Bd. 2. Badenia, Karlsruhe 1997, S. 326.
  26. Bärbel Hornemann: Förderverein Glocken St. Marien e. V. Stendal
  27. Freiburger Münster: Münster Unserer Lieben Frau: Die Glocken
  28. domradio am 06.01.2011: Der stumme Gigant
  29. Der neue Klöppel für die Petersglocke ist da Das kölsche Comeback des Jahres
  30. http://d-nb.info/1036702596
  31. Inhaltsverzeichnis
  32. Superintendent in Sonneberg-Oberlind
  33. http://d-nb.info/454355548
  34. http://d-nb.info/1036702596