Gottfried Weber

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt den Musiker Gottfried Weber. Zum General siehe Gottfried Weber (General).
Gottfried Weber

Jacob Gottfried Weber (* 1. März 1779 in Freinsheim, Pfalz; † 21. September 1839 in Bad Kreuznach) war ein deutscher Musiktheoretiker, Komponist und Jurist.

Leben[Bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten]

Mit 12 Jahren kam Weber nach schulischer Vorbildung durch den Ortsgeistlichen seines Geburtsortes im Zuge der Wirren der französischen Revolution zum Großvater nach Mannheim. Nachdem er 1796 das dortige Gymnasium abgeschlossen hatte, begann er mit dem Jurastudium. Nach 2 Semestern in Heidelberg unterbrach er das Studium für einen Verwandtenbesuch in Wien und ein anschließendes "année de stage" bei einem angesehenem Mannheimer Rechtsanwalt. Dann nahm er das Jurastudium für weitere 2 Semester wieder auf. Ab April 1800 studierte Weber für 3 Semester in Göttingen. Nach der Praktikantenzeit am Reichskammergericht in Wetzlar legte Weber 1802 seine Schlussprüfung in Heidelberg ab. Er arbeitete als Advokat am Hofgericht in Mannheim und trat dort 1805 in den Staatsdienst ein.

Musikalische Entwicklung[Bearbeiten]

Er wurde schon früh auf der Flöte und dem Cello praktisch ausgebildet, aber seine fehlende theoretisch-musikalische Ausbildung weckte in ihm das Bedürfnis, diese nachzuholen. Er studierte die Systeme von Kirnberger, Marpurg, Vogler und Knecht. Er stellte sogar ein eigenes Tonsystem auf: Versuch einer geordneten Theorie der Tonsetzkunst. Hier führt er zum ersten Mal (deutsche) Buchstaben zur Akkordbezeichnung ein (die lateinischen bedeuteten einzelne Töne), und zwar große Buchstaben für den Dur-, kleine Buchstaben für den Mollakkord. Auch bezeichnete Weber die Dreiklänge und die Septimenakkorde auf den Stufen der Tonleiter durch große und kleine (römische) Zahlen, was von Friedrich Schneider übernommen wurde und Allgemeingültigkeit erlangte. Hugo Riemanns Funktionsbezeichnung basiert ebenfalls auf Webers Stufenzahlen. Webers Bezeichnungssystem widerspricht vielfach den theoretischen Erklärungen.

Stationen seines Lebens[Bearbeiten]

Die Stationen seines hauptberuflichen juristischen Lebensganges waren auch Stätten seines musikalischen Wirkens. Weber war 1802-1814 Fiskalprokurator in Mannheim und für die Stadt Mannheim bis heute bedeutsam ist die Errichtung der musikalischen Vereinigung Conservatorium (später Museum), die Restauration der Kirchenmusik in der Jesuitenkirche, die Leitung der Liebhaberkonzerte, die Zusammenarbeit mit dem neuen Nationaltheater und die Gründung eines Vokal- und Instrumentalquartetts auf dem hausmusikalischen Sektor. Seine Freundschaft mit Carl Maria von Weber, der 1810 auf der Flucht in Gottfried Webers Mannheimer Haus Aufnahme fand, dauerte ein Leben lang. Während seiner beruflichen Tätigkeit in Mainz von 1814-1818 als Richter am Tribunal arbeitete Weber am dortigen Museum, wirkte im leitenden Intendanz-Ausschuss des Theaters mit und veröffentlichte seine Kompositionen und theoretischen Werke im Verlag Schott. In Mainz trat er der Freimaurerloge "Les amis réunis" bei. Als Generalstaatsprokurator in Darmstadt von 1819 bis 1839 komponierte Weber wegen beruflicher Überlastung kaum. Seine große Schaffenskraft zeigt sich aber in seiner weiteren Beschäftigung der theoretischen Durchdringung, der kritischen Arbeit, der Gründung der Zeitschrift Cäcilia, die Planung eines Lexikons und einer Ästhetik der Musik. Hier wurde er 1832 in Anerkennung seiner Verdienste bei der Abfassung des neuen Zivil- und Kriminalrechts zum Großherzoglichen Generalstaatsprokurator ernannt. Weber starb in Bad Kreuznach auf einer Besuchsreise bei seinem Schwager am 21. September 1839 überraschend im Alter von 60 Jahren.

Bedeutung[Bearbeiten]

Die musikalischen Verdienste, welche auch Hugo Riemann würdigte, liegen bei Jacob Gottfried Weber vor allem auf dem theoretischen Gebiet. Er war der erste, der die Stufenbezeichnungen (I, II, III, usw.) durchgehend systematisierte und mit allgemeinen Prinzipien harmonischer Verläufe verschränkte. Die Stufenharmonik Heinrich Schenkers ist mittelbar von Weber beeinflusst. Obwohl Weber im mittelrheinischen Raum einer der ersten war, die zum durchkomponierten Lied übergingen, ist seine Stellung im frühromantischen Musikschaffen weniger bekannt. Er schrieb im Bereich der Kirchenmusik Messen mit Orchester, die er aber aus dem liturgischen Rahmen zu lösen versuchte. Besonders hervorzuheben sind seine Beiträge zur Instrumentenkunde, wie die Konstruktion einer Doppelposaune (Posaune mit doppeltem Zug). In dem von Weber angefangenen Streit um die Echtheit des Requiems von Mozart vertrat er die Auffassung, dass man zwischen Mozart und Süßmayr differenzieren müsse.

Werk[Bearbeiten]

Die Entstehungsdaten aller Werke liegen zwischen 1803 und 1814, die Editionsdaten zwischen 1806 und 1828.

Kompositionen[Bearbeiten]

  • Thema con variazioni für Gitarre, Violoncello oder Flöte, op.1, Leipzig, Breitkopf&Härtel, 2.Auflage Mainz Schott
  • ein Werk gleicher Besetzung, op.2, Paris, Richault, unauffindbar
  • nicht zu ermitteln op.3-14
  • Sonate per il Cembalo op.15, dedicata al suo amico C.M.v.Weber, Bonn, Simrock
  • Zwölf vierstimmige Gesänge für Sopran, Alt, Tenor, Bass, op.16, 3 Hefte, Augsburg, Johann Carl Gombart (Abbé Vogler gewidmet)
  • Zwölf Gesänge für 1 Singstimme mit Begleitung vom Klavier oder Gitarre, op.17, Bonn, Simrock (der Königin von Bayern gewidmet)
  • Te deum, Deutschlands siegreichen Heeren gewidmet op.18, Offenbach, André
  • Gesänge von Goethe, Jean Paul und anderen für eine Singstimme und Klavier und Gitarre, op.19, Bonn, Simrock
  • Triumphmarsch für volle Feldmusik F oder Es op.20, Mainz, Schott
  • Leier und Schwert, Gesänge mit Klavier oder Gitarre, op.21, 4 Hefte, Bonn, Simrock
  • geistliche Kinderlieder für Sopran und Alt, op.22, Leipzig, Hofmeister
  • 4 Gesänge für 1 und 2 tiefe Singstimmen mit Klavier oder Gitarre, op.23, Leipzig, Hofmeister
  • Requiem für Männerstimme, den Manen der Sieger bei Leipzig und Belle-Alliance geweihet, op.24, Offenbach, André
  • Lieder von Schiller, Goethe und andere für eine Singstimme mit Gitarre oder Klavier, op.25, Augsburg, Gombart
  • Trio Nr.1 für Violine, Viola und Violoncello, op.26, Augsburg, Gombart
  • Missa I F für Chor und Solostimme mit Begleitung von Violine, Altviolen, Bass, obligatorisch Orgel, Trompete und Pauken, op.27, Mainz, Schott
  • Missa II G für Singstimme mit Begleitung von Violine, Altviolen, Bass, Oboe, Fagott, "willkürlich" Flöte und Posaune, op.28, Bonn, Simrock
  • Liederkranz für eine oder mehrere Singstimmen, mit und ohne Begleitung von Gitarre oder Klavier, op.31, Mainz, Schott
  • 3 Ständchen für eine Singstimme mit Klavier oder Gitarre, op.32, Leipzig, Peters
  • Missa III e für Chor und Solostimme, begleitet von Violine, Altviolen, Bass, Flöte, Oboe oder Klarinette, Fagott, Horn und Orgel, op.33, Leipzig, Probst
  • Gesänge für eine Singstimme mit Gitarre oder Pianoforte, op.34, Leipzig, Peters
  • Gesänge für vier Männerstimmen ohne Begleitung, op.35, Berlin, Schlesinger
  • Liebe, Lust und Leiden für eine Singstimme mit Gitarre oder Pianoforte, op.36, Mainz, Schott
  • Thema aus dem Freischütz mit Variationen für Flöte mit Gitarre ad libitum, op.37, Bonn, Simrock
  • Barcarole venétienne variée für Flöte mit Gitarre, op.38, Bonn, Simrock
  • Etude de Flûte en dix variations mit Gitarre ad libitum über ein norwegisches Thema, op.39, Bonn, Simrock
  • Festgesang für Männerstimme und allgemeinen Chor, op.40, Mainz, Schott
  • Mehrstimmige Gesänge für große Singveranstaltungen und kleinere Zirkel, op.41, 4 Hefte, Mainz, Schott
  • Tafellieder für zwei und drei Männerstimmen mit Chor und Gitarre oder Pianoforte, op.42, Mainz, Schott
  • Alexandrina, Neujahrsgeschenk für Freunde des Gesangs, Sologesang von ein bis zweistimmigen Liedern mit Begleitung des Pianoforte oder der Gitarre, op.43, Darmstadt, Alisky

Dokumentarisch belegbar sind noch folgende Werke:

  • Deukalion, Melodram
  • Kain und Abel, Melodram
  • Kantate zum Empfange Ludewigs I. im Museum zu Mainz, Kantate
  • Kantate zum Empfange unserer liebenswürdigen Frau Großherzogin, Kantate
  • Französische Kantate, Kantate
  • 1 Streichquartett
  • 13 Einzellieder und 20 neu entdeckte Lieder
  • 1 Triumphmarsch D zur Schlussszene der Oper Tancred von G. Rossini

Schriften[Bearbeiten]

  • Theoretische Schriften
    • Versuch einer geordneten Theorie der Tonsetzkunst
      • 1. Auflage in 3 Bänden, Mainz 1817 bis 1821
      • 2. Auflage in 4 Bänden, 1824 (Digitalisat Bd. 1, Bd. 2, Bd. 3, Bd. 4)
      • 3. Auflage 1830-1832
      • englische Übersetzung in 2 Bänden von J. F. Warner, 1846
      • französische Übersetzung von G. Kastner, 1837
      • dänische Übersetzung, holländische Übersetzung
      • Die Generalbaß-Lehre zum Selbstunterricht (erweiterter Auszug aus Bd. 4), Mainz: Schott 1833, englische Übersetzung von J. F. Warner, Boston 1842
    • Allgemeine Musiklehre zum Selbstunterricht für Lehrer und Lernende, Darmstadt: Leske 1822, 2. Auflage/1825 und 3.Auflage/1831 Mainz: Schott, holländische Übersetzung Leiden 1829
    • Über chronometrische Tempobezeichnung, welche ohne Chronometermaschine überall sogleich verstanden und angewendet werden kann, Mainz 1817, Schott
  • Musikwissenschaftliche Schriften

Literatur[Bearbeiten]

chronologisch

  • Johann August Ritter von EisenhartWeber, Gottfried. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 41, Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 303–305.
  • W. Altmann: Aus Gottfried Webers brieflichen Nachlass. 1908–1909
  • W. Serauky: Die musikalische Nachahmungsästhetik im Zeitraum von 1750-1850. Münster 1929
  • A. Fleury: Die Musikzeitschrift „Cäcilia“ (1824-48). Dissertation, Universität Frankfurt/Main 1953
  • A. Lemke: Jacob Gottfried Weber. Leben und Werk. Ein Beitrag zur Musikgeschichte des mittelrheinischen Raumes. Mainz 1968
  • L. U. Abraham: Die allgemeine Musiklehre von Gottfried Weber im Lichte heutiger Didaktik. Festschrift für Arno Volk. Köln 1974

Weblinks[Bearbeiten]