Hans Conrad Peyer

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Hans Conrad Peyer (* 19. September 1922 in Schaffhausen; † 16. März 1994 in Zürich) war ein Schweizer Historiker.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Hans Conrad Peyer wurde als Sohn des in Schaffhausen geborenen Arztes Dr. med. Hans Hermann Peyer (1874– 21. Februar 1923) und der Hildegard Amsler (* 1895) geboren, die in zweiter Ehe 1926 dessen Bruder Bernhard Peyer (1885–1963) heiratete.[1] Dieser war Anatom und Paläontologe; das Paar hatte fünf weitere Kinder. Bernhard Peyer wurde 1943 Professor an der Universität Zürich.[2]

Hans Conrad Peyer studierte ab 1941 in Zürich und Genf Geschichte. In den Nachkriegsjahren 1946 und 1947 recherchierte er in oberitalienischen Archiven für seine durch Karl Meyer betreute Dissertation Zur Getreidepolitik oberitalienischer Städte im Mittelalter, die er 1948 abschloss und 1950 veröffentlichte. Danach wurde er bei Leo Santifaller und Alphons Lhotsky Mitarbeiter an der Wiener Abteilung der Monumenta Germaniae Historica (1949/50) und war mit der Edition der Urkunden Friedrichs I. betraut.

In Rom befreundete er sich 1950/51 mit Reinhard Elze, der später Direktor des Deutschen Historischen Instituts wurde, und mit Heinrich Schmidinger, der später dem Österreichischen Kulturinstitut (forum austriaco di cultura) in Rom vorstand.

Peyer ging nach der 1954 erfolgten Habilitation 1956 in den Archivdienst. 1964 bis 1969 leitete er das Staatsarchiv Zürich. 1963 wurde er Titularprofessor an der Universität Zürich, 1966 Extraordinarius mit dem Gebiet der älteren Schweizer Geschichte. Auch lehrte er in Bern als nebenamtlicher Extraordinarius von 1964 bis 1965 und er erhielt Rufe nach Münster und Frankfurt. 1969 wurde er an der Universität Zürich zum Ordinarius für Schweizer Geschichte und allgemeine Wirtschaft- und Sozialgeschichte bis 1750 berufen. 1982 bis 1984 war er zudem Dekan.

Peyer befasste sich weniger mit Methoden und Theorien als mit bis dahin nicht fassbaren historischen Vorgängen und Prozessen, vor allem der Mentalitäts- und Sozialgeschichte, wobei er sich von Fernand Braudels Vorstellung der „langen Wellen“ der historischen Entwicklung inspirieren ließ. Dabei arbeitete er unabhängig von der Größe des Themas äußerst intensiv mit den Quellen, wie sich schon in seiner Dissertation erwies oder in seinen Werken über Die Entstehung der Landesgrenze in der Vallée de Joux, über Friedrich Barbarossa, Monza und Aachen oder Das Archiv der Feste Baden (1982).

Die beiden wichtigsten thematischen Schwerpunkte waren auch in den folgenden Arbeiten die Verfassungs- und die Wirtschaftsgeschichte. So setzte er sich mit dem Bankgewerbe, der Entwicklung des internationalen Handels und der Märkte, hier vor allem mit der Wollproduktion und dem Textilgewerbe, der Viehhaltung und dem Pferdemarkt auseinander. Verfassungsrechtlichen Fragen berührte er in seiner Habilitation, vor allem aber mit Blick auf die Schweiz um 1500 (Aristokratisierung und Solddienst).

Daneben veröffentlichte er Beiträge zur Zürcher Stadtgeschichte, im Handbuch der Schweizer Geschichte (1972). Ein Überblickswerk schuf er mit der Verfassungsgeschichte der Alten Schweiz (1978). Ein Opus magnum stellt sein Werk über die Gastlichkeit im Mittelalter dar.

Peyer starb völlig überraschend einen „Sekundentod“.

Werke[Bearbeiten]

  • Zur Getreidepolitik oberitalienischer Städte im 13. Jahrhundert, Diss. Wien 1950.
  • Friedrich Barbarossa, Monza und Aachen, 1950/51.
  • Die Entstehung der Landesgrenze in der Vallée de Joux. Ein Beitrag zur Siedlungsgeschichte des Juras, 1951.
  • Stadt und Stadtpatron im mittelalterlichen Italien, 1955.
  • mit Alfred Schelling: Leinwandgewerbe und Fernhandel der Stadt St. Gallen. Von den Anfängen bis 1520. Unter Benützung der Vorarbeiten von Alfred Schelling und Hector Ammann, 1959.
  • Das Trecento. Italien im 14. Jahrhundert, 1960.
  • Die Zweimann-Aktiengesellschaft, 1963.
  • Von Handel und Bank im alten Zürich, 1968.
  • mit Emil Vogt, Ernst Meyer: Zürich von der Urzeit zum Mittelalter, 1971 (Zürich im Früh- und Hochmittelalter).
  • Verfassungsgeschichte der alten Schweiz, 1978.
  • mit Ludwig Schmugge, Roger Sablonier: Könige, Stadt und Kapital, 1982.
  • Handbuch der Schweizer Geschichte, 1972. (Völkerwanderung bis 14. Jahrhundert).
  • Das Archiv der Feste Baden, In: König, Stadt und Kapital, 1982
  • Gastfreundschaft, Taverne und Gasthaus im Mittelalter, 1983.
  • Gastfreundschaft und kommerzielle Gastlichkeit im Mittelalter, 1983.
  • Von der Gastfreundschaft zum Gasthaus, 1987.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Matrikeledition der Universität Zürich.
  2. Eintrag in Encyclopedia.com.