Heiratsalter

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Das Heiratsalter ist das Lebensalter, in dem die Eheschließung erfolgt. Hierfür ist der Zeitpunkt der ersten Eheschließung maßgeblich. Neben der formalen Eheschließung gibt es in manchen Gesellschaften Formen informeller, eheähnlicher Kohabitation die in statistischen Bestimmungen des Heiratsalters nicht immer erfassbar sind. Grundsätzlich schwankt das durchschnittliche Heiratsalter, je nach Gesellschaft und historischem Kontext, bei Frauen zwischen 15 und 50 Jahren.[1] Faktoren, die das Heiratsalter zu beeinflussen scheinen, sind z.B. Erwartungen der Neolokalität (Neugründung von Haushalten bei Eheschließung) die an werdende Eheleute gestellt werden.[2] Ab welchem Alter Ehen geschlossen werden dürfen ist meistens Gegenstand nationaler Gesetzgebung; Ehen unter einer bestimmten Altersgrenze gelten in vielen Gesellschaften als tabuisiert.

Historischer Kontext[Bearbeiten]

Ehe und Familienbildung sind im hohen Grade kulturell abhängig; es gibt entsprechend kein „normales“ Heiratsalter. Für die Zeit seitdem es statistische Erhebungen zu Eheschließungen gibt (ab ca. 1700–1900) stellte John Hajnal Unterschiede im Heiratsalter zwischen Ost- und Westeuropa fest, die er als Heiratsmuster („European marriage patterns“) mit Haushaltsbildung in Verbindung brachte.[3] Wo für Osteuropa ein niedriges Heiratsalter galt (Ø 20–22), gab es jenseits der sog. Hajnal-Linie in Westeuropa ein wesentliche höheres Erstheiratsalter von Ø > 30 Jahren.[4] Das höhere Alter wird in diesem Fall mit der neolokalen Haushaltsbildung in Verbindung gebracht, die in Westeuropa bei der Eheschließung weit verbreitet war.[5] Neben dieser kulturvergleichenden Perspektive sind ebenso zeitliche Schwankungen im Heiratsalter feststellbar.

Tabelle: Erstheiratsalter für drei Dörfer 1700-1899 in Oberbayern und Schwaben
Anhausen (Gde. Diedorf, Lkr. Augsburg), Gabelbach (Gde. Zusmarshausen, Lkr. Augsburg) und Kreuth (Lkr. Miesbach), 1700-1899.[6]

Periode Männer Frauen
1700–1749 28,4 27,7
1750–1799 30,5 28,9
1800–1824 30,3 29,3
1825–1849 33,7 30,9
1850–1874 33,3 30,4
1875–1899 32,1 28,1

Durch diese Tabelle wird deutlich, dass ein frühes Heiratsalter nicht etwa ein „natürlicher“ status quo vor dem 20. Jhd. war, auch nicht für eine ländlich-agrarwirtschaftliche geprägte Bevölkerung, sondern je nach historisch-kulturellem Kontext es hier erhebliche Unterschiede gab.

Das Heiratsalter in Deutschland[Bearbeiten]

In Gesellschaften mit freier Partnerwahl galt bis in die 1970er Jahre: Je höher der soziale Status eines Mannes, desto größer ist durchschnittlich bei Erst-Ehen beider Partner der Altersabstand zwischen ihnen (das heißt desto relativ jünger ist die Frau). Seit den 1970er Jahren investieren Frauen zunehmend Zeit in ihre Ausbildung. Gut ausgebildete Männer heiraten heute in der Regel gut ausgebildete Frauen, die dann auch schon etwas älter sind.

Die Hälfte aller Akademiker heiratete vor 1900 im Alter von über 30 Jahren Frauen um die 20. Bei der bäuerlichen Bevölkerung Sachsens betrug der Altersabstand 5 Jahre bzw. 3 Jahre bei den Häuslern und das mittlere Heiratsalter für die Männer 27 Jahre. Einzelfälle von Männern, die erst mit 50 und Frauen, die mit 40 Jahren zum ersten Mal heirateten und noch Kinder hatten, hat es immer gegeben. Bei Männern waren Heiraten unter 18 Jahren extrem selten; jedoch wurden z. B. in Sachsen im 18. Jahrhundert rund 2 % aller Bauerntöchter bereits mit 14 und 15 Jahren verheiratet. Die Annahme, dass früher oft vor dem 18. Lebensjahr geheiratet wurde, ist demnach schlicht falsch. Die Praxis der Ehe zwischen Jugendlichen beschränkt sich weitgehend auf politisch motivierte Ehen in adeligen Kreisen.

Bei Zweit- und Mehrfachehen wegen Verwitwung, in der neueren Zeit auch nach Ehescheidung, sind sehr große Altersunterschiede der Partner nicht selten.

In vielen Fällen war die wirtschaftliche Selbständigkeit des Mannes die Voraussetzung zur Eheschließung. In bäuerlichen Familien lässt sich sehr oft ein direkter Zusammenhang zwischen der Übernahme eines Gutshofs bzw. dem im Gerichtshandelsbuch eingetragenem Erbkauf und der Heirat, wenige Wochen zuvor oder danach, feststellen. Für das Erlangen dieser wirtschaftlichen Selbständigkeit waren, auch in der nicht-bäuerlichen Bevölkerung, Erbverpflichtungen auch von Seiten der Braut bzw. des Schwiegervaters wichtig.

Für die praktische Genealogie ist ein Grundwissen über das wahrscheinliche Heiratsalter und seine statistischen Verteilungen unerlässlich. Ahnenlisten sind dabei eine vorzügliche Quelle, um statistische Verteilungen des Heiratsalters zu ermitteln.

Seit Mitte der 1970er Jahre hat sich in Mitteleuropa das durchschnittliche Heiratsalter für Ledige bei beiden Geschlechtern stark erhöht. In Deutschland lag es 2009 bei 33,1 Jahren (Männer) bzw. 30,2 Jahren (Frauen). Zwischen 2006 bis 2009 konnte eine Steigung des Heiratsalters von 5 bis 16 Wochen pro Jahr festgestellt werden.[7]

Das Heiratsalter in anderen Ländern[Bearbeiten]

Österreich[Bearbeiten]

2008 heirateten Frauen durchschnittlich mit 28,9 Jahren, Männer mit 31,7 Jahren.[8]

Schweiz[Bearbeiten]

2008 heirateten Frauen durchschnittlich mit 29,1 Jahren, Männer mit 31,4 Jahren.[9]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

In den Vereinigten Staaten hatte das Heiratsalter seinen Tiefststand im Zeitraum von 1950 bis 1970: Frauen heirateten in diesen Jahren mit durchschnittlich 20,3 Jahren, Männer mit 22,8 Jahren (Erstheirat). Das Heiratsalter ist seitdem laufend gestiegen. Im Jahr 2007 haben Amerikanerinnen mit durchschnittlich 26 Jahren und Amerikaner mit 27,7 Jahren erstmals geheiratet.[10]

Schweden[Bearbeiten]

Das Durchschnittsalter bei der ersten Hochzeit betrug 2010 in Schweden für Frauen 32,9 Jahre und für Männer 35,5 Jahre. Bei beiden Geschlechtern war damit das Heiratsalter 0,4 Jahre höher als im Vorjahr. Der Trend, dass die Schweden immer später heiraten, besteht seit mehreren Jahren.[11]

Spanien[Bearbeiten]

In Spanien ist derzeit das gesetzliche Mindestalter zum Heiraten 16 Jahre. Solche Minderjährigen können untereinander oder mit einem Erwachsenen die Ehe schließen, wenn sie eine gerichtliche Erlaubnis hierzu erhalten.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Nave-Herz, Rosemarie (2003). Einführung in die Familiensoziologie.
  2. Coale/Watkins (1977): Decline of Fertility.
  3. [1]
  4. ebenda.
  5. ebenda.
  6. John Knodel, Demographic transitions in German villages, in: Coale/Wakins, Decline of fertility, 352
  7. [2]
  8. Mean age at first marriage by sex. UNECE Statistical Database. Abgerufen am 3. Juni 2011.
  9. Mean age at first marriage by sex. UNECE Statistical Database. Abgerufen am 3. Juni 2011.
  10. Median Age at First Marriage, 1890–2007
  11. PDF bei www.scb.se

Literatur[Bearbeiten]

  • Adelheid von Nell: Die Entwicklung der generativen Strukturen bürgerlicher und bäuerlicher Familien von 1750 bis zur Gegenwart. Bochum 1974.