Horst Herrmann

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Horst Herrmann (* 1. August 1940 in Schruns, heute Österreich) ist ein ehemaliger Priester der römisch-katholischen Kirche, deutscher Kirchenrechtler und Kirchenkritiker, Soziologe und Schriftsteller sowie Entwickler der Mandatssteuer zur Kirchenfinanzierung.

Werdegang[Bearbeiten]

Horst Herrmann, im vorarlbergischen Schruns geboren, wuchs im württembergischen Tuttlingen auf. Nach dem Besuch zweier humanistischer Gymnasien studierte er katholische Theologie und Rechtswissenschaft in Tübingen und München.

1964 wurde Herrmann in Stuttgart-Bad Cannstatt zum Priester geweiht. In Bonn promovierte er 1967 zum Dr. theol., habilitierte sich nach einem zweijährigen Aufenthalt am Vatikan 1970 in Bonn für das Fach Kirchenrecht und wurde 1970 zum ord. Professor für katholisches Kirchenrecht an die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster berufen. Nach Auseinandersetzungen um seine Forschung und Lehre wurde ihm 1975 die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen. Dies war der erste Fall dieser Art in der Bundesrepublik Deutschland. Nach jahrelangen weiteren Streitigkeiten (erstes und einziges so genanntes Lehrbeanstandungsverfahren der Deutschen Bischofskonferenz) und der kirchenoffiziellen Verurteilung (auch durch die römische Glaubenskongregation) wegen Abweichung (vor allem in Sachen „Stiftung der katholischen Kirche durch Jesus von Nazareth“) trat er 1981 aus der Kirche aus, wechselte in den Fachbereich Sozialwissenschaften und hatte an der Universität Münster bis zu seiner Emeritierung 2005 einen Lehrstuhl für Soziologie inne. Dort forschte er in von ihm geprägten Richtungen wie der feministisch-infantistischen Väterforschung („Paternologie“) sowie der Soziologie der Partnerschaft („Synontologie“) und der Foltermentalitäten und -methoden („Trochologie“).

Horst Herrmann ist seit 1977 Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Außerdem war er Herausgeber der im Münchner Goldmann Verlag erschienenen „Bibliothek des Querdenkens“. Unter dem Pseudonym Peter Simon veröffentlichte er zwei Kriminalromane, die im Umfeld des Vatikans spielen. Von ihm als Publizist liegen zahlreiche Bücher und Beiträge zu religions- und patriarchatskritischen Themen vor, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Stellung unehelicher Kinder nach kanonischem Recht. Grüner, Amsterdam 1971
  • Der priesterliche Dienst IV. Kirchenrechtliche Aspekte der heutigen Problematik. Herder (QD 49), Freiburg im Breisgau 1972
  • Ehe und Recht. Versuch einer kritischen Darstellung. Herder (QD 58), Freiburg im Breisgau 1972
  • Kleines Wörterbuch des Kirchenrechts. Für Studium und Praxis. Herder, Freiburg im Breisgau 1972
  • Ein unmoralisches Verhältnis. Bemerkungen eines Betroffenen zur Lage von Staat und Kirche in der Bundesrepublik Deutschland. Patmos, Düsseldorf 1974
  • Die sieben Todsünden der Kirche. Mit einem Nachwort von Heinrich Böll. Bertelsmann, München 1976
  • Savonarola. Der Ketzer von San Marco. Bertelsmann, München 1977
  • Ketzer in Deutschland. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1978
  • Martin Luther. Eine Biographie. Bertelsmann, München 1983
    • 3. Aufl. als: Martin Luther. Ketzer und Reformator, Mönch und Ehemann. Orbis-Verlag, München, 1999, ISBN 3-572-10044-5
    • 4. Aufl. als: Martin Luther – Eine Biographie. Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin, 2003, ISBN 3-7466-1933-5
  • Vaterliebe. Ich will ja nur dein Bestes. Rowohlt, Reinbek 1989
  • Die Angst der Männer vor den Frauen. Konkret, Hamburg 1989
  • Die Kirche und unser Geld. Daten – Tatsachen – Hintergründe. Rasch und Röhring, Hamburg 1990
  • Der Anti-Katechismus. 200 Gründe gegen die Kirchen und für die Welt (mit Karlheinz Deschner). Rasch und Röhring, Hamburg 1991
  • Kirchenfürsten. Zwischen Hirtenwort und Schäferstündchen. Rasch und Röhring, Hamburg 1992
  • Kirchenaustritt – ja oder nein? Argumente für Unentschlossene. Rasch und Röhring, Hamburg 1992
  • Die Caritas-Legende. Wie die Kirchen die Nächstenliebe vermarkten. Rasch und Röhring, Hamburg 1993
  • Passion der Grausamkeit. 2000 Jahre Folter im Namen Gottes. Bertelsmann, München 1994
  • Was ich denke. Goldmann, München 1994
  • Johannes Paul II. beim Wort genommen. Eine kritische Antwort auf den Papst. Goldmann, München 1995
  • Thomas Müntzer heute. Versuch über einen Verdrängten. Klemm und Oelschläger, Ulm 1995, ISBN 3-9802739-7-0
  • Sex und Folter in der Kirche. 2000 Jahre Folter im Namen Gottes. Orbis, München 1998
  • Liebesbeziehungen – Lebensentwürfe. Eine Soziologie der Partnerschaft. Telos, Münster 2001, ISBN 3-933060-03-6
  • Begehren, was man verachtet. Männer haben Angst vor Frauen. Telos, Münster 2003, ISBN 3-933060-09-5
  • Kirche, Klerus, Kapital. Hintergründe einer deutschen Allianz. LIT, Münster 2003, ISBN 3-8258-6862-1
  • Lexikon der kuriosesten Reliquien. Vom Atem Jesu bis zum Zahn Mohammeds. Rütten & Loening, Berlin 2003, ISBN 3-352-00644-X
  • Die Heiligen Väter. Päpste und ihre Kinder. Aufbau TB, Berlin 2004, ISBN 3-7466-8110-3
  • Die Folter. Eine Enzyklopädie des Grauens. Eichborn, Frankfurt 2004, ISBN 3-8218-3951-1
  • Nero. Eine Biographie. Aufbau TB, Berlin 2005, ISBN 3-7466-1777-4
  • Johannes Paul II. Wahrer Mensch und wahrer Papst. Aufbau TB, Berlin 2005, ISBN 3-351-02605-6
  • Benedikt XVI. Der neue Papst aus Deutschland. Aufbau TB, Berlin 2005, ISBN 3-7466-2210-7
  • Agnostizismus. Freies Denken für Dummies. Wiley-VCH, Weinheim 2008, ISBN 978-3-527-70426-2
  • Allgemeinbildung für Dummies (gemeinsam mit Winfried Göpfert). Wiley-VCH, Weinheim 2010, ISBN 978-3-527-70512-2
  • Philosophie der Aufklärung für Dummies. Wiley-VCH, Weinheim 2012, ISBN 978-3-527-70705-8

Unter dem Pseudonym „Peter Simon“ sind erschienen:

  • Der Papst, die Prophezeiung und das Nest der Waschbären. Roman. Rütten & Loening, Berlin 1996
  • Im Vatikan ist die Hölle los. Roman. Rütten & Loening, Berlin 1998

Literatur[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Laudatio zur Verleihung des Mächler-Preises