Jørgen Sonne

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Jørgen Jacobsen Sonne (* 15. Oktober 1925 in Kopenhagen) ist ein dänischer Lyriker und Autor. Er ist als Übersetzer vor allem französischer Lyrik bekannt.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Jørgen Sonne unterrichtete Geschichte und Englisch an Gymnasien. Er debütierte als Lyriker 1950 mit Korte digte (Kurzgedichte) mit Zeit- und bitteren Liebesgedichten. In der 1954 bei Gyldendal erschienenen Lyriksammlung Italiensk suite überwiegen dunkle Krisenstimmungen, doch gibt es darin auch ruhige Gedichte, zum Beispiel über das Altarbild „Anbetung der Hirten“ in den Uffizien. Eine Zwischenbilanz seines Lebens zieht er 1960 in Midtvejs (Auf halben Weg).

Eines seiner besten Werke ist der mit raffinierter Ironie gespickte Gedichtband Krese (Kreise). Im Mittelteil stehen Museumsgedichte, in denen Sonne seltene Gegenstände als Anlass nimmt, gedanklich in andere Zeiten abzuschweifen, um so jeweils zwei Themen in Vergangenheit und Gegenwart zu behandeln. In seinen Werken beschreibt er in der Tradition des Surrealismus und mit eigenwilligem, phantastischen Realismus in dissonanten Bildern Gewalt und Opfer, Kultur, Erotik, Nähe und Ferne sowie urzeitlich-apokalyptische Landschaften.

„Jørgen Sonne schleift seine Gedichte kristallartig zu, unangefochten von Modeströmungen und Tagesereignissen. Mit artistischer Raffinesse kann er eine Nuance Vergil oder Villon injizieren, überhaupt setzt er bei seinem Leser ein intensives Miterleben voraus.“

– Nordische Literaturgeschichte[1]

In den letzten Jahren veröffentlichte er vermehrt Essays, Kritiken und kurze lyrische Prosa.

Jørgen Sonne übersetzte vor allem französische Dichter, so zum Beispiel Baudelaire, Lautréamont, Mallarmé, Nerval und Rimbaud. Jørgen Sonne lebt in Glumsø.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Sonne erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 1976 die Emil Aarestrup Medaille und den Großen Preis der Dänischen Akademie, 1988 den Schwedisch-Dänischen Humanistikpreis und 1995 den Dänischen Übersetzerpreis; im Jahr 2000 wurde ihm die Ehrendoktorwürde in Philosophie verliehen.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Dänische Originalausgaben[Bearbeiten]

Lyrik[Bearbeiten]

  • 1950: Korte digte
  • 1954: Italiensk suite
  • 1960: Midtvejs
  • 1963: Krese
  • 1976: Huset. Idyller
  • 1980: Nærvær. Suite på rejsen

Prosa[Bearbeiten]

  • 1973: Horisonter. Introduktioner og essays. (Essays)
  • 1979: Deruda. 25 år gennem Danmark. (Essays)
  • 1983: Natten i Rom. (Roman)
  • 1987: Mysteriespillene. (Drama)
  • 1994: Fra jul til jul. Mulige erindringer. Halvtreds år i kongeriget. (Memoiren)
  • 2006: Emil Aarestrup - prosa og person. (Literaturwissenschaft)

Deutschsprachige Ausgaben[Bearbeiten]

  • Gedichte. 1950–1992. Aus dem Dänischen von Hanns Grössel. Wunderhorn, Heidelberg 1996, ISBN 3-88423-107-3
  • Eine Auswahl seiner Gedichte erschien in: Mein Gesicht ist ein Körper. Neue Posie aus Dänemark. Edition die horen, Bremerhaven 1989, ISBN 3-88314-914-4

Literatur[Bearbeiten]

  • Mogens Brøndsted: Jørgen Sonne. In: Nordische Literaturgeschichte. Band II. Fink, München 1984, ISBN 3-7705-2105-6.
  • Per Olsen, Søren Schou (Hrsg.): Denne Sonne. Festkrift til Jørgen Sonne. Munksgaard/Rosinante, Kopenhagen 1995, ISBN 87-16-14277-2.
  • Orla Pedersen: Jørgen Sonne. In: Dansk digtere i det 20. århundrede. IV. 1982

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nordische Literaturgeschichte. Band II. München 1984, Seite 595