Jaša Tomić

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Denkmal für Jaša Tomić am Beginn der Fußgängerzone in Novi Sad.

Jaša Tomić (Serb. Kyrillisch: Јаша Томић) (* 23. Oktober 1856 in Vršac; † 22. Oktober 1922 in Novi Sad) war ein serbischer Politiker, Publizist, Journalist und Literat.

Leben[Bearbeiten]

Jaša Tomić wurde in der Familie eines serbisch-orthodoxen Christen geboren. Seit 1849 gehörte seine Geburtsstadt Vršac zur Woiwodschaft Serbien und Banat von Temeschwar. Die Eltern waren Handelsleute, denen es hier gut ging. Tomić konnte nach der Grundschule in Vršac weiterbildende Schulen in Timișoara und Kecskemét besuchen. Am Herzegowina-Aufstand im Jahr 1876 nahm er als Freiwilliger teil.[1] Nach dessen Niederschlagung ging er nach Wien und Prag und studierte zunächst Medizin, wechselte dann jedoch an die Fakultät für Philosophie und Philologie. Im Anschluss ging Tomić in den noch von der Habsburger Monarchie kontrollierten Landesteil Vojvodina und übernahm Aufgaben in der Politik. Mit den Zielen des Sozialismus und eines freien Serbien hatte er sich inzwischen vertraut gemacht und wurde ein gemäßigter Anhänger dieser Ideen.[2]

Tomić gab die Zeitschriften Srpsko kolo und Zastava heraus und war Gründer der Volksfreidenker-Partei (Narodna slobodoumna stranka). Im Jahr 1889 erstach er im Ort Novi Sad Miša Dimitrijević, einen Mann, der in seinem Branik Magazin mehrfach die Ehre seiner Frau verletzt hatte. Dafür wurde er zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. In seiner Haftzeit hatte Tomić die politischen Ziele in Bezug auf die serbische nationale Befreiung nicht aufgegeben. Er hatte sich umfassend mit politischen aber auch mit wirtschaftlichen Fragen befasst. Die von ihm gegründete Partei hieß seit dem Jahr 1891 Radikale Partei (Radikalna stranka), in der er sich nach seiner Freilassung wieder engagierte. Im Jahr 1918 wurde Tomić zum Präsidenten des Serbischen Nationalrates in Novi Sad gewählt. Unter seiner Leitung beschloss die Große Volksversammlung am 25. November 1918 die Abspaltung der Gebiete Banat, Batschka und Baranja aus dem Königreich Ungarn und ihre Vereinigung mit dem Königreich Serbien. Seine persönlichen Aktivitäten musste er aufgrund zunehmender gesundheitlicher Probleme einschränken. So hatte er schon beizeiten begonnen, programmatische Ideen niederzuschreiben und zu veröffentlichen. Nach seinem frühen Tod wurde er auf dem Friedhof Uspensko groblje bei Novi Sad beigesetzt.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1876: Der Serbisch-Türkische Krieg 1876 [Srpsko-turski rat 1876] (unter dem Pseudonym Milutin Spasić)
  • 1879: ein Gedichtband, von A. Pajević veröffentlicht
  • 1884: ein Pamphlet über den Serbischen Nationalen Befreiungskampf und das Wirken der Parteien
  • 1886: Die Ursachen der Kriminalität
  • 1886: Arbeiter brauchen Politik [Treba li narodu politika]
  • 1889: Fünfhundert Jahre danach: Ein Blick auf die Schlacht von Kosovo und der Fall des Serbischen Königreichs [Posle petstotina godina: razmatranja o Kosovskoj bitci i propasti carstva srpskog]
  • 1896: Roman Die Nazarener [Nazareni][3]
  • 1897: Das Bauernproletariat Ungarns (Studie)[4]
  • 1901: Die Programme der Radikalen und der Liberalen Partei [Program radikalne i program liberalne stranke]
  • 1904: Brauchen wir Sozialisten?[Hoćemo li u socijaliste]
  • 1905: Wahlen und die Rechte der Minderheiten [Izbor i pravo manjine]
  • 1905: An der Wende [Na prelomu]
  • 1905: Vor der Entscheidung[5]
  • 1907: Ich will mein Recht [Tražim svoja prava]
  • 1908: Die Schlacht um Kosovo. Die große Auswanderung der Serben [Boj na Kosovu, Seoba Srba]
  • 1908: Das neue Kloster-Dekret [Nova manastirska uredba]
  • 1909: Die Frau und ihre Rechte [Žena i njeno pravo]
  • 1910: Vergangene und gegenwärtige Geschichte [Nesavremena i savremena istorija]
  • 1910: An der Schwelle einer neuen Ära in Ungarn [Na pragu novog doba u Ugarskoj]
  • 1919: Mit wem und wohin gehen wir? [S kim ćemo i kuda ćemo]
  • 1919: Höchste Zeit um zu verstehen [Krajnje vreme da se razumemo]
  • 1919: Scheidung – Theaterstück in fünf Aufzügen [Razvod braka, pozorišna igra u 5 činova]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Andrej Mitrović: , Snippet-Ansicht mit Information über Tomićs Mitwirkung im Aufstand; 2007 Purdue University Press
  2. Nicholas J. Miller: Between Nation and State: Serbian Politics in Croatia Before the First World War Snippet-Ansicht auf books.google.de; Kurze Biografie (englisch). 1998 University of Pittsburgh Pre
  3. Bojan Aleksov: Religious Dissent between the Modern and the National: Nazarenes in Hungary and Serbia 1850-1914, Snippet-Ansicht mit dem Hinweis auf den Roman Nazareni von Tomic; 2006 Verlag von Harrassowitz; ISBN 978-3-447-05397-6.
  4. Das Bauernproletariat Ungarns: eine Studie auf books.google.de
  5. Vor der Entscheidung auf books.google.de