Jakob Joseph Frank

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Jakob Frank)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Jakob Frank

Jakob ben Lejba (hebr.: יעקב פרנק, eigentlich Jankiew Lejbowicz) (* 1726[1]in Korolówka[2], Podolien, Polen-Litauen; † 10. Dezember 1791 in Offenbach am Main)

1759 in Warschau römisch-katholisch auf den Namen Jakob Joseph Frank [3] getauft, war es Frank, der in Polen-Litauen als einer der Ersten versuchte, die Tore der Schtetls zu öffnen, innerhalb welchen die Juden infolge ihres Lebens in der Diaspora noch in ungünstigen, mittelalterlichen Verhältnissen harrten und sich vor der modernen Welt verschlossen. Anders als in Westeuropa, wo zur selben Zeit unter Moses Mendelssohn eine Öffnung zur modernen Welt durch die Aufklärung einsetzte, bediente sich Frank des jüdischen Messianismus, um ungebildete, leichtgläubige osteuropäische Juden hinter sich zu scharen, sie mit der Autorität des wiedergeborenen Messias von der angeblichen Sinnlosigkeit des Talmuds zu überzeugen, die mit ihm verbundene Tora-Treue als Ursache ihrer schlechten Lebensverhältnisse zu benennen und schließlich die Konversion zum Christentum als nötige Stufe zu proklamieren. Vom polnischen König August III. als Dank für den Übertritt zum Katholizismus in die Szlachta geadelt, entfaltete sein Kontra-Talmudismus oder auch Frankismus bis weit ins 20.Jahrhundert hinein in ganz Europa große Wirkung. Jakob Frank ist eine der einflussreichsten Figuren in der Geschichte des Judentums, die sich vollständig vom Land Israel lossagte.[4]

Historischer Hintergrund[Bearbeiten]

Jan Feliks Piwarski:
Jüdische Kaufleute in Warschau, 1841

Viele Juden des Großfürstentum Litauens arbeiteten als kleine Geschäftsleute, Wirte und Steuereinzieher und nahmen deshalb eine profitable Mittelstellung im System der Leibeigenschaft zwischen der „polnischen Adelsnation“[5] und der bäuerlichen Bevölkerung ein. Verbunden mit ihrer religiösen, sprachlichen und kulturellen Abgesondertheit führte dies zu offenen Feindseligkeiten seitens der Ruthenier. Der Chmelnyzkyj-Aufstand des ukrainischen Kosakenhetmans Bohdan Chmelnyzkyj richtete sich einerseits gegen den polnischen Adel und den Klerus, andererseits gegen die jüdische Bevölkerung, von denen bei den Judenpogromen etwa 100.000 umgebracht wurden. Verstärkte antisemitische Verfolgungen und Pogrome landesweit ebneten im 17. und 18. Jahrhundert den Boden für kabbalistisch-mystische, messianische Erwartungen, die in der Person Schabbtai Zvis verkörpert wurden. Die Hochblüte des 16. Jahrhunderts war unwiederbringlich vorbei. Die talmudische Gelehrsamkeit bestand zwar weiterhin, beschränkte sich jedoch immer mehr auf einen aristokratischen Kreis von Rabbinern und wohlhabenden Gemeindemitgliedern. Auf der anderen Seite gaben sich die ungebildeten Massen mehr und mehr einem Aberglauben hin, der von folkloristischen Überlieferungen geprägt war. Zahlreiche moralistische Bücher mit populärem Mystizismus, wie zum Beispiel Kav haJaschar („Die gerade Linie“), wurden zu dieser Zeit ins Jiddische übersetzt.

Auf der Grundlage des wachsenden Aberglaubens und messianischer Erwartungen wuchs seit 1750 in der Woiwodschaft Podolien und Woiwodschaft Wolhynien auch die Bewegung des osteuropäischen Chassidismus, deren Begründer Rabbiner Israel ben Elieser war. Es entstand die Figur des Zaddik, ein Rechtsschaffener, der aufgrund seiner Lebensführung als Vorbild für alle Juden dient und einen eigenen chassidischen Hofstaat errichten darf, in dem er als Herrscher das Leben seiner Anhänger bestimmt. Diese Lebensweise hat sich in den heutigen chassidischen Gemeinden der USA und Israel bewahrt. Die intime Beziehung zwischen Zaddik und den Volksmassen wurde zur Grundlage des chassidischen Lebens in Osteuropa.

Es hatte zudem in Spanien der sabbatianische Philosoph Abraham Miguel Cardozo zur Unterstützung der Messianität Schabbtai Zvis die Notwendigkeit der Apostasie für den Messias vorgezeichnet, der die Macht haben müsse, auch gegen Gottes Gebote verstoßen zu können, z. B. durch Konversion zu einer anderen Religion.[6] . Als Jakob Frank um 1740 sein messianisches Erlösungswerk entwickelte, waren jedoch längst nicht mehr nur der inzwischen verstorbene Messias Zvi zum Islam konvertiert, sondern auch viele dessen Anhänger, darunter Baruchia Russo (1676-1726), der in Saloniki alle kryptojüdischen Sabbatianer in der Dönme zusammenhielt.

Die frankistischen Quellen bezeichnen Schabbtai Zvi als der Erste, Baruchia Russo als der Zweite und Jakob Frank als der Dritte, was erklärt, dass Frank sich durch die Lehre von der Seelenwanderung selbst im Rahmen einer Trinität des wiedergeborenen Messias wahrnahm und daher vieles seiner sabbatianischen Vorgänger in den Frankismus übernahm, angepasst auf die realen Möglichkeiten seinerzeit.

Herkunft und frühes Leben[Bearbeiten]

Frank sah sich als idealen Prostak [7] voller Kraft und Potenz, der im Gegensatz zum kopflastigen Gelehrten lieber handelt anstatt zu diskutieren. Er war schon als Kind schlau, durchtrieben, gewitzt, rücksichtslos, brutal und skrupellos, jemand, der eher gefürchtet und respektiert denn geliebt werden will und geliebt nur von jenen, die ihm völlig ergeben blinden Gehorsam leisten.

Seine Mutter Rachel Hirschl aus Rzeszów, Polen-Litauen wird in der Literatur nur erwähnt. Sein Vater Jehuda Lejb, Hilfslehrer mit jüdisch-traditionellen Verhaltensweisen, stand im Verdacht, Kontakt zu sabbatianischen Kreisen zu pflegen, weshalb er oft von der jüdischen Gemeinde verstoßen und mit der Familie zur Flucht veranlasst wurde. Frank wuchs in Czernowitz, Fürstentum Moldau auf, bis er mit der Familie vor den Kosaken nach Snjatyn, Faraon und Romani fliehen und schließlich als 13-jähriger mit ihr nach Bukarest, Fürstentum Walachei übersiedeln musste.

Sehr früh begann er gegen die autoritären Erziehungsgewohnheiten des Vaters zu rebellieren, übertrat wild-anarchistisch die jüdischen Speisegesetze und soll Haupt bei einer Bande bei Diebstählen und Überfällen gewesen sein. Als Heranwachsender prahlte er mit seiner männlichen Potenz, seiner Gerissenheit, und lebte bereits einen radikalen Antinomismus, der die bedingslose Abrechnung mit der traditionellen ostjüdischen Welt war, in der er aufwuchs. Jahrzehnte bevor die Haskala und der moderne Zionismus Wege aus dem Ghetto wiesen, zog Frank damit einen krassen Schlussstrich unter diese jüdische Daseinsform. Sie war für ihn sinnlos geworden. Seine Eltern gaben ihn in Bukarest zur kaufmännischen Lehre, die er aber wegen zu schwerer Arbeit beim Wiegen abbrach[8]. Dafür begab er sich in Bukarest in die Hände des Rabbi Lejb, durch den er mit sabbatianischen Lehren in Berührung kam. Rabbi Lejb war Franks erster Lehrer, auf dessen Rat Frank zwischen 1750-52 in Smyrna, Osmanisches Reich bei Rabbi Issachar aus Podhajce studierte. Hier wurde Frank tiefer mit sabbatianischen Ideen vertraut, wie dem Buch Sohar, welches das bedeutendste Schriftwerk der Kabbala ist, entstanden bei den sephardischen Juden im Spanien des 13. Jahrhunderts, die nach ihrer Flucht 1513 größtenteils ins Osmanische Reich geflohen waren.

Seine Frau Chana Frank, Tochter des Händlers Jehuda Lev Tuvia, lernte er über seine sabbatianischen Kontakte kennen und heiratete sie 1752 in Nikopol (Bulgarien), Osmanisches Reich.

Eva Frank (1774), Tochter

Nach der Hochzeit ging er nach Saloniki, mitten ins Herz des Sabbatianismus, dem Zentrum der Dönme. Hier erkannte Frank, dass die alten Wege des Sabbatianismus nichts für ihn waren, er sich aber mit dem aktiven Sabbatianismus auseinandersetzen muss, wenn er erfolgreich sein will. So stellte sich Frank zunächst in die sabbatianische Tradition der Dönme.[9] Aufgrund der Erscheinung des Heiligen Geistes in Saloniki präsentierte Frank sich später als "Auserwählter". In seinem Buch der Worte des Herrn hielt er fest, bei seinem zweiten Aufenthalt in der Stadt den "Befehl" bekommen zu haben, ähnlich wie Schabbtai Zvi befremdliche Taten zu vollziehen. Eine dieser seltsamen Taten war durch psychologische Tricks "täglich" Menschen unterschiedlichen Glaubens jeweils den Akt eines anderen Glaubens vollziehen zu lassen (z. B. dass ein Jude sich bekreuzigt, ein Moslem die Namen des "Ersten" und "Zweiten" ausspricht). Er genoss die Macht, andere dazu bringen zu können, ihr Gesetz zu übertreten. Der bedeutendste seiner Streiche in Saloniki soll Franks Abbruch eines jüdischen Gottesdienstes gewesen sein, als er sich vor 1.200 Gemeindemitgliedern mit nacktem Hintern auf die für Juden heilige Thorarolle setzte. Frank berief sich dabei auf das spanische Buch Sohar, das zwischen einer exilischen Thora der Schöpfung und einer Thora der Emanationswelt unterscheidet, die nun in messianischer Zeit offenbart würde. Eine Befolgung dieser messianischen Lehre bedeutet in seinem antinomistischen Denken, dass sich die totale Verehrung der "alten" Thora nun in eine totale Verachtung wandeln müsse. Die Dönme unterstützte Franks brutale, rücksichtslose Gestalt nicht und hoffte, dass er Saloniki bald wieder verlässt. Die jüdischen Gemeinden Salonikis reagierten auf die Provokationen Franks sogar mit Mordversuchen. Unter Lebensgefahr entkam Frank schließlich aus Saloniki.

Im Oktober 1754 wurde in Nikopol (Bulgarien), Osmanisches Reich seine Tochter Rachel Eva Frank geboren. Ein Jahr später ging Frank als sabbatianischer Missionar zurück in die polnisch-litauische Woiwodschaft Podolien, wo er seine Führerschaft begann.

Vision und Aufbruch - Die Kontra-Talmudisten[Bearbeiten]

„Als ich in das erste Zimmer hinein ging, gab man mir eine Rose als Zeichen, damit ich mit ihr in das zweite gehen konnte und so weiter von einem ins andere. Es gab unzählige dieser Zimmer und im letzten von ihnen sah ich den Ersten, […]. Dieser fragte mich sofort: ,Bist du der weise Jakob? Ich hörte, dass Du tapfer und mutigen Herzens bist. Bis zu dieser Grenze bin ICH gegangen, aber von hier aus habe ich keine Macht weiter fortzuschreiten. Wenn du willst, stärke ich dich und Gott möge Dir helfen. Denn sehr viele Vorfahren haben diese Last auf sich genommen, sind diesen Weg gegangen und sind gefallen. In diesem Moment zeigte er mir durch das Fenster des Zimmers einen Abgrund, der wie ein schwarzes Meer war, verborgen durch ungewöhnliche Dunkelheit. Und jenseits des Abgrunds sah ich einen Berg, dessen Höhe die Wolken zu berühren schien.“

Jakob Frank: Buch der Worte des Herrn, §1

Während des Studiums der Kabbala in Saloniki gelangte Frank von einer mystischen Verstehensebene zur nächsten und sah sich schließlich am Ort der Sefirot, an dem er im Geiste Schabbtai Zvi begegnet. Dieser hätte ihm seine Machtlosigkeit und die Gefahren des Weges erklärt, auf dem schon so viele Vorfahren gescheitert seien. Man müsse wie Schabbtai Zvi in den dunklen Teil des Kosmos hinabsteigen, der ohne göttliches Licht ist. Das Symbol der frankistischen Lehre ist die Jakobsleiter, die in Franks Vorstellungen wie ein "V" aufgebaut ist. Zunächst führt der Weg steil nach unten in den Abgrund, dann aber soll er endlos hinauf zum Leben führen.[10] Es wird vermutet, dass seine sabbatianischen Kontakte Issachar, Mordechai und Nachman ihn darin bestärkten, der wiedergeborene Messias zu sein. Dennoch war auch Franks Machthunger Hintergrund seines Handelns und sein Wunsch, das kärgliche Leben eines polnischen Ghettojuden und Vagabunden hinter sich zu lassen.

Ab 1755 sammelte er in Lanckoron die bis dahin zerstreuten Sabbatianer Podoliens. Unter ihnen waren Händler, Grundbesitzer, Schmiede und einfache Leute. In Anlehnung an die Sitten der Dönme feierte Frank mit seinen Anhängern Heilige Hochzeit [11] zwischen der irdischen und kosmischen Sphäre. Diese Feiern wurden beobachtet und angezeigt. Sie führten zu einer breiten Verfolgung der Frankisten. Wo immer man sie als solche erkannte, misshandelte man sie oder nahm sie gefangen. So musste Frank nach Jezierzany und mit seinen Anhängern weiter nach Kopyczyńce fliehen. Das Rabbinatsgericht des Judentums in Polen sah in den Frankisten Sabbatianer und ließ sie erneut verhaften. Doch Mikołaj Dembowski, Bischof von Kamieniec-Podolski erwirkte kraft seines Amtes deren Freilassung, um sie zu einem Kirchlichen Verhör am 31. März 1756 nach Kamieniec-Podolski einzuladen, da im Land Gerüchte kursierten, sie würden auch christliche Lehren beleidigen. Frank instruierte seine Anhänger, mit dem Bischof so zu verhandeln, dass mit Hilfe des Klerus eine baldige Disputation mit Rabbinern bezüglich der von Frank verfassten ersten Dogmen ermöglicht wird und sie einen Schutzbrief zum Dank für eine in Aussicht gestellte Konversion zum Christentum erhalten. Da Dembowski in den Frankisten potentielle Konvertiten sah, mit deren Hilfe man möglicherweise noch mehr Juden zum Christentum bringen könnte, ließ er sich darauf ein. Vor allem aber sah er im Angebot der Frankisten eine Möglichkeit, den fragwürdigen Talmud durch glaubwürdige Zeugen offiziell zu verdammen. Er erklärte sich bereit, den Schutzbrief auszustellen, wenn die Frankisten den Talmud widerrufen würden. So kam es am 2. August 1756 vor dem Konsistorium mit 9 Thesen[12] des Manifests der Kontra-Talmudisten zum ersten Glaubensbekenntnis der Frankisten, die sich hiermit an christliche Glaubensinhalte anzulehnen versuchten ohne ihre eigene zu verleugnen. Dembowski erkannte zwar den sektenhaften Charakter der Frankisten und die Doppelbödigkeit ihrer Thesen, wollte sie aber zur Taufe bringen, um eine publikumswirksame Talmudverdammung und Judenbekehrung zu inszenieren.

Disputation I und Konversion zum Islam[Bearbeiten]

In Brody wurde am 18. Juni 1756 durch das Rabbinat Podolien der jüdische Bann über die Frankisten verhängt, die durch Ausschluss ihrer Gemeinden fortan die meisten Möglichkeiten verloren ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Frankistische Frauen galten als Prostituierte und deren Kinder als uneheliche Bastarde. Der Kontakt und der Handel mit Frankisten war strengstens verboten und jeder Jude war dazu aufgefordert "verdächtige Sektierer" anzuzeigen. Am 27. August 1756 erhielten die Frankisten den vom Bischof Dembrowski zugesicherten Schutzbrief der Römisch-katholischen Kirche. Trotzdem wiederholte sich die jüdische Verbannung in Lwów, Dubno und Konstantinów. Die Juden ignorierten den Schutzbrief sowie bischöfliche Vorladungen und verfolgten die Frankisten weiter. Schließlich kam es am 20. Juni 1757 zur Ersten Disputation in Kamieniec-Podolski und dauerte acht Tage lang[13] . Kern der Disputation war der Versuch, jene These zu beweisen, in der es darum ging, der Talmud enthalte nur "Märchen, Lügen und Blasphemien". Doch ohne endgültiges Ergebnis beendete man die Disputation. Am 9. November 1757 starb Bischof Dembowski und sein Schutzbrief über die Frankisten verlor seine Wirkung. Angestachelt durch die antitalmudistische Disputation begann nun eine regelrechte Hetzjagd auf die Frankisten. In Warschau beschäftigte sich inzwischen der Apostolischer Nuntius Nicolo Serra mit dem Fall. Er wusste, dass die Frankisten nicht wirklich zum Christentum übertreten wollten, sondern Religionsfreiheit und Autonomie anstrebten und meldete dies der päpstlichen Kurie. Sie seien nichts anderes als eine neue Sekte.

Jakob Frank, der sich seit Proklamierung seiner 9 Thesen im Osmanischen Reich aufhielt, zunächst in Giurgiu, dem Zentrum des Islam in der Walachei, danach in Istanbul, befand sich nun in einer misslichen Lage, denn der Weg zurück nach Polen-Litauen schien aufgrund der Ereignisse dort versperrt. Um einen Schutzbrief des Sultans zu erhalten, sah er keinen Ausweg und konvertierte in Istanbul mit zehn seiner Anhänger unter Beobachtung der Behörden zum Islam, während in Polen-Litauen seine Anhänger weiter verfolgt wurden. Daraufhin bot der Wesir ihm und seinen Konvertiten eine großartige Karriere in Giurgiu an als Teil der Osmanischen Armee bzw. in Istanbul ein großes Gut mit Stallungen für über 40.000 Pferde. Frank aber schlug all dies aus, weil er seine Mission in Polen-Litauen nicht aufgeben wollte. Er wollte damit verdeutlichen, auf welche glänzende Zukunft er verzichtet, um seine doch recht ungewisse göttliche Sendung in Polen-Litauen fortzuführen. Doch die dort verbliebenen Frankisten sahen ihr Heil nur noch in der Flucht und in einer Konversion zum Islam, um sich möglicherweise der Dönme anzuschließen. Frank lehnte ab. Einige wenige trennten sich hier von Frank und wurden gegen seinen Willen Teil der Dönme im Osmanischen Reich.

Frank war klar, dass seine Mission in Polen-Litauen nie gelingen wird, wenn er dort nicht die Unterstützung König August III., des polnischen Adels und des polnischen Klerus sicher weiß.

Disputation II und Konversion zum Christentum[Bearbeiten]

In einem "eisernen Brief" vom 11. Juni 1758 bestätigte König August III. das Dekret Bischof Dembowskis, das Frank mit seinen Anhängern unter königlichen Schutz stellte. Frank kehrte daraufhin am 7. Dezember 1758 wieder nach Polen-Litauen zurück und errichtete in Iwanie (entweder Iwanie-Puste oder Iwanie-Zolot) seinen ersten chassidistischen Hofstaat. Dort wählte er einen besonderen, internen Schwestern- und Brüderkreis als spezielle Vertraute zwischen ihm und der großen äußeren Gruppe der Frankisten, der militärisch organisierten Kompanie. In Iwanie bildete diese Kompanie eine Gruppe aus gebannten Juden, von der einige bereits Moslems geworden waren. Frank gelang mit Charisma, Despotismus und viel Bühnenzauber, seine Anhänger halbwegs zum Gehorsam zu bringen und genoss dabei von der "Macht zu kosten" und als "heiliger Herr" aufzutreten.

Die zwei Bittschriften Franks an den Erzbischof von Lwów (die zweite auch an König August III.) vom 20. Februar und 16. Mai 1759, in der die Frankisten ihre Situation als desolat bezeichnen und sich zur Taufe bereit erklären, wenn sie nur ihre zweite Disputation mit den Rabbinern Polen-Litauens bekämen, blieben unbeantwortet[14] . Am 25. Mai 1759 reichten zwei Frankisten das neue Manifest der Kontra-Talmudisten im Konsistorium von Lwów ein, das mit 7 Thesen[15] Grundlage der zweiten Disputation und späteren Konversion zum Christentum wurde. Der Lwówer Erzbischof war aber zum Primas von Polen ernannt worden und Sztepan Mikulski, Diözesanadministrator der Diözese Lwów, entschied, dass es eine zweite Disputation geben wird. Er stellte den Frankisten sogar ausgebildete Theologen zur Seite. Mikulski verknüpfte seine Entscheidung eng mit zwei gerade verübten Morden in Żytomierz und Jampol, hinter denen die Kirche wieder zwei gefürchtete jüdische Ritualmorde vermutete. Die angeklagten Juden aus Jampol, die gesamte Judenschaft und die Frankisten waren bei der Disputation nun Spielball einer Affäre der Kirche, bei der es Mikulski und verschiedenen Geistlichen in erster Linie darum ging, die gefürchtete Ritualmordlegende endlich zu beweisen. Der Apostolische Nuntius in Polen Nicolo Serra stimmte der Disputation ebenfalls zu, solange die Frankisten danach geschlossen zur Taufe schreiten. Frank schwor nun durch beeindruckende Rituale seine Anhänger auf die nach der Disputation folgenden Konversion zum Christentum ein. Klaus Davidowicz schreibt in seinem Buch Zwischen Prophetie und Häresie, dass Frank in seiner Lehre versuchte, das Christentum nicht als "Schein-Christentum" aufzunehmen, sondern ihm Teile zu entnehmen, die sich mit seiner Lehre verbinden ließen. Die Taufe sollte nicht einfach eine Hülle sein, wie der Islam bei der Dönme. Frank begründete sie als eine notwendige Stufe, von der aus man weitergehen müsse.

Am 17. Juli 1759 startete in der Lateinischen Kathedrale zu Lwów die Zweite Disputation mit Vertretern der Kirche, der Szlachta und der polnischen Behörden; 10 Frankisten standen (bis 25. August ohne Jakob Frank) drei des rabbinischen Judentums gegenüber: Chajim Kohen Rappoport, Nathan ben Mosche und David ben Abraham. Das Eintrittsgeld ging an die Frankisten. Im Wesentlichen stritt man über die frankistische These 7, die besagt, dass, wer an den Talmud glaubt, Christenblut benötige und deshalb Ritualmorde verübe. Mikulski beendete die Disputation im September 1759 und erklärte die traditionellen Juden in den ersten sechs frankistischen Thesen für besiegt. Die Blutbeschuldigung konnten die Frankisten natürlich nicht beweisen, daher überließ Mikulski These 7 dem Konsistorialgericht. Er forderte von den Frankisten ihr Versprechen einzuhalten und sich taufen zu lassen. In Polen-Litauens Kirchen der Jesuiten, Dominikaner, Franziskaner, Bernhardiner, Karmeliter wurden die Frankisten mit christlichen Lehren vertraut gemacht und auf ihre Taufe vorbereitet.

August III., König Polen-Litauens, Kurfürst von Sachsen

Nach den von Aleksander Kraushar aus dem Archiv von Lwów veröffentlichten Taufakten [16] ließen sich innerhalb eines Jahres von September 1759 an mit polnischen Adligen als Taufpaten auf den römisch-katholischen Glauben taufen:

3.000 Frankisten waren es 1764, 29.000 Frankisten im Jahre 1790.[17] Die Neophyten adoptierten mit der Taufe die Familiennamen ihrer (adligen) Taufpaten und erhielten deren Status. Jakob Frank hatte bei seiner Taufe am 17. September 1759 in der Johanneskathedrale (Warschau) keinen Geringeren als König August III. von Polen-Litauen zum Taufpaten (vertreten durch den Starost Bratkowski) und begann sein Leben als Judenchrist im Rahmen einer großen kirchlichen Zeremonie, nachdem es in Lwów bereits einleitende Taufzeremonien gegeben hatte. Zum Dank für seine Konversion und die Leistung, als erster in Polen-Litauen eine Massenkonversion zum Katholizismus ermöglicht zu haben, wurde Frank vom König persönlich als Józef Dobrucki (zu deutsch: Josef der Gute) in die polnische Szlachta geadelt. Franks vollständiger Name als Judenchrist war fortan Jakób Józef Frank-Dobrucki. Seine Frau Chana Frank wurde mit seiner Tochter Eva im Jahre 1760 getauft und hieß nun Anna Frank-Dobrucki.

In Polnisch-Livland gab es zeitgleich ebenfalls Bekehrungen vieler Ostjuden, die aber im Zusammenhang mit der karitativen Arbeit des röm.-katholischen Mariawitek-Ordens und seines Begründers Józef Stefan Turczynowicz, Pfarrer St. Stephan (Vilnius) stehen. An der Zahl eigentlich überwiegend weibliche Neophyten, gibt es auch einen gewissen Teil männlicher "Kinder" des Mariawitek-Ordens, die in den Jahren 1764 bzw. 1765 durch den letzten König Polen-Litauens Stanisław II. August Poniatowski in die Szlachta geadelt wurden [18] und in der Verfassung des Großfürstentum Litauens als "distinguierte Neophyten" benannt sind.[19] Unter ihnen vermutete 1895 Aleksander Kraushar einige Frankisten [20], was Choiński 1904 aber ablehnte.[21]

Inquisition und lebenslange Verbannung[Bearbeiten]

Nach der Taufe der ersten Frankisten 1759 wurde in deren Beichtgesprächen schnell offensichtlich, welch sektenhafter Charakter der frankistischen Bewegung wirklich zukam. Erschüttert von der Einfachheit, Naivität und Leichtgläubigkeit der Menschen, die die Kirche da zu sich geholt hat, erahnten die katholischen Geistlichen zunehmend das eigentliche Ausmaß dieser Angelegenheit. Die Neophyten sprachen mit ihnen offen über alles, was ihr reines Herz bewegte: von wundersamen Taten und Lehren ihres Meisters und sogar, dass Frank die christliche Religion nur annahm, um in Polen-Litauen Ländereien zur gemeinsamen Ansiedlung mit seinen Anhängern zu erhalten. Schnell wurde der Kirche ihr großer Bildungsauftrag bewusst und hoffte, dass es vielleicht möglich sei, ihre frisch Bekehrten doch noch zum tatsächlichen Christentum zu bringen, wenn man sie von Frank isoliert. So führten die frankistischen Beichtgespräche über den Apostolischen Nuntius Polen-Litauens schließlich zur Verhaftung Franks in der Kirche des Warschauer Bernhardinerklosters am 7. Februar 1760, danach zu dessen Verwahrung im Kloster der Kamaldulenser und schließlich am 13. Februar 1760 unter Anklage der Häresie zur Inquisition. Die Beweislast war erdrückend. Die Kirche stellte Fragen zu Leben, Glauben und Riten. Frank antwortete auf Osmanisch-Türkisch, verfing sich jedoch in Widersprüche, wich Fragen aus, gab an, sich an Dinge nicht mehr zu erinnern. In den Augen der Inquisition war er ein Sektierer, der ungebildete Menschen betrog und Religionen nur zum Schein benutzte, um Geld und Privilegien wie Ländereien zu erhalten.[22] Ihr war sein erfolgloser Übertritt zum Islam bekannt. Daher konfrontierte sie ihn mit der Unterstellung, ein ähnlich falsches Spiel mit dem Christentum wie vorher mit dem Islam zu treiben. Doch Frank reagierte wieder mit religiösen Visionen, in denen seine besondere Auserwähltheit verkündet worden wäre nach Polen zu gehen und alle Juden zum Christentum zu bekehren. Frank als Missionar des Christentums, der selbst noch gar kein Christ war und kaum Kenntnisse der christlichen Religion hatte, überzeugte die Inquisition vor dem Hintergrund ihrer weiteren Quellen nicht und übergab das Problem dem Vatikan bzw. Frank zur Bewachung ins Kloster Jasna Góra (Częstochowa).

Dort traf Frank am 26. Februar 1760 ein. Ein Jahr später, am 6. Juni 1761 beschloss die Kurie seine lebenslange Verbannung im Kloster Częstochowa als mildere Strafe für seine religiösen Verbrechen, da er leidend sei [23] . Von der Außenwelt völlig isoliert, begann er hier Polnisch zu lernen. Ab 1762 durfte seine Frau bei ihm wohnen. Man erlaubte ihm fortan den Empfang von Gästen, was bis 1768 zu verstärkten Aktivitäten führte: Frankisten aus ganz Osteuropa pilgerten nun zu ihrem Heiligen Herrn nach Częstochowa. Da 1764 Polen-Litauens letzter König Stanisław II. August Poniatowski das Amt des Wahlmonarchen bekleidete und sich bereits das Ende Polens abzuzeichnen begann, schickte Frank Boten nach Russland, Böhmen, Mähren und Deutschland, die den Befehl weitergaben, dass alle polnischen Frankisten, dem Katholizismus beigetreten, nach Częstochowa kommen bzw. alle aus Ungarn nach Warschau zu ziehen hätten. Nachdem sich 1768 eine aus Kleinadeligen gebildete Konföderation von Bar in der Ukraine zusammenfand die Russen aus Polen zu vertreiben, den prorussischen König abzusetzen und die uneingeschränkte Herrschaft der römisch-katholischen Kirche sicherzustellen (weil man sich als Verteidiger des katholischen Glaubens und der Goldenen Freiheit verstand) und mehrere jüdische Gemeinden während einer Hajdamaken-Revolte ermordet wurden mit dem Ziel alle Polen und Juden abzuschlachten, endete ein blutiger, vierjähriger Bürgerkrieg 1772 mit der Ersten Teilung Polens. Anna Frank war im Kloster Częstochowa zwei Jahre zuvor verstorben und im weit verzweigten Höhlensystem bei Olsztyn beerdigt worden. Jakob Frank, der bis auf zwei seiner engsten Anhänger alle Frankisten nach Warschau hatte bringen lassen, sah nun einen Kommandanten vor seinen Augen die letzte polnische Festung räumen. Die Russen, die Częstochowa erobert hatten, ließen Jakob Frank mit seiner Tochter Eva am 21. Januar 1773 frei. Er wurde während seiner 12 Jahre im Kloster nochmals vierfacher Vater.

Seine im Kloster Jasna Góra (Częstochowa) geborenen Kinder sind:

  • 1763: Jakób († 1769 ebenda)
  • 1765: Roch († 1813 Offenbach)
  • 1767: Józef († 1807 Offenbach)
  • 1769: Józefa Franciszka (verschollen)

Jakob Frank kehrte Polen für immer den Rücken. Für ihn war es das messianische Verwirklichungsland, dem er lebenslang verbunden blieb, auch wenn er es nie wieder sah. [24]

Zwischen Brünn und Wien[Bearbeiten]

Franks Cousine Schöndl (Katharina) Dobruška (*1735 Breslau) lebte im mährischen Brünn und unterstützte mit offenem Herzen Sabbatianer, u.a. den Sohn des in Altona lebenden Jonathan Eybeschütz. [25] Da es seit der Vertreibung der Juden im Jahre 1454 in Brünn keine größere jüdische Ansiedlung mehr gegeben hatte, musste dort mit keiner starken traditionellen Opposition gerechnet werden und Frank entschied, hier in der Stadt seine neue, militärisch organisierte Kompanie aufzubauen und bezog ein Wohnhaus in der Brünner Neugasse (später: Giskragasse). Die Jahre 1772 bis 1789 waren eine Zeit extremer politischer Umwälzungen in Europa. Vor diesem Hintergrund sind Franks apokalyptische Phantasien und die Hoffnung auf ein eigenes Reich zu betrachten. Es lässt sich heute nicht mehr sagen, wie er seine Kompanie aufbaute und seinen frankistischen Hofstaat finanzierte, doch hier in Brünn lebte Frank seinen Hang zum Militarismus erstmals richtig aus: Er ließ seine Rekruten in bunte Uniformen einkleiden (die sabbatianisch belegte Farbe Grün spielte dabei eine zentrale Rolle) und bildete sie aus, ließ sie hart trainieren. Später bot er seine Armee Joseph II., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation (ebenfalls König von Böhmen, Kroatien und Slawonien sowie Ungarn) zur Unterstützung an in der Hoffnung, dafür ein eigenes Reich zu erhalten.

Mehrmals besuchte er jetzt Wien. Seine Audienzen bei Hof und seine Beziehung zu Joseph II. und dem späteren Zar Paul I. (Russland) gehören zu den undurchsichtigen Episoden seines Lebens. Mit seiner Tochter Eva ging er am Wiener Prater spazieren, schwamm in der Donau. Sie beteten im Stephansdom und in der Schottenkirche. Vermutlich hoffte Frank mithilfe seiner Tochter Kontakt zu Adel und Hof herstellen zu können. In Brünn ließ er für seine Kompanie in kühner Anlehnung an die Czarna Madonna Częstochowa zahlreiche Portrait Evas anfertigen, die das Bild der ,Jungfrau' fortan auf der Brust trugen. Es ist gut möglich, dass adelige Herren - ganz gleich ob Joseph II. darunter oder nicht - die zugeführte Eva gern in ihre Kammer ließen und Frank dafür mit vagen Versprechungen abspeisten.

Als Frank 1784 in Finanznot geriet, hielt er sich als eine Art "Heilkundiger" über Wasser. Bald nannte man ihn Doktor. Er versuchte sich in alchemistischen Experimenten, und Boten der Warschauer Kompanie kamen, sich die Medizin des "heiligen Herrn" zu holen. Allerdings starb einer, als er sie nahm.

Joseph II. verlor im Laufe der Jahre sein Interesse an den Franks. Bitten um kaiserliche Hilfe scheiterten. Stattdessen erließ der 1785 ein Verbot, kabbalistische Bücher drucken zu lassen. [26] Frank solle alle Schulden begleichen und seine Bediensteten entlassen. In letzter Minute retteten Gelder der Warschauer Kompanie Frank aus der Not und der Heilige Herr verließ Brünn gezeichnet von tiefer Melancholie und verlorener Hoffnungen am 10. Februar 1786 und verabschiedete sich von der großen Politik für immer.

Frankistenhof in Offenbach am Main und Tod[Bearbeiten]

Isenburger Schloss im Dezember, Südseite
Jakob Frank im Sterbebett
Isenburger Schloss, Dezember 1791

Am 3. März 1787 erreichte Frank das Isenburger Schloss am Mainufer, nach dem eine Art Vorhut nach Offenbach gezogen war, um die Übersiedlung zu organisieren. Die Wahl fiel auf dieses Schloss, weil der Besitzer und regierende Fürst Wolfgang Ernst II. zu Isenburg und Büdingen bekannt dafür war, ein offenes Herz für "religiöse Schwärmer" zu haben sowie gerade aus dem Schloss ausgezogen war. Das Schloss, es suchte also einen Bewohner und bot unter protestantischer Herrschaft der Isenburger religiösen Schutz, nun primär vor der katholischen Inquisition. Im Schloss verlebte Frank seine letzten vier Lebensjahre zurückgezogen und residierte prächtig in großem Luxus als Baron von Offenbach, eine Art unabhängiger Souverän, wobei die 400 Polen in Offenbach nach außen hin wie eine Gruppe emigrierter katholischer Adeliger erschienen. [27] Taufe und Adelsstand waren erreicht, und nun konnte er auf kleinem Territorium endlich ungestört regieren. Doch große Macht und Privilegien blieben auch in Offenbach aus. Sein messianisches Reich und sein prophezeiter Sieg Esaus über Edom war in weite Ferne gerückt. Keinerlei Verfolgungen sind während seiner letzten Jahre in Offenbach bekannt. Er hatte sich von der offenen Missionstätigkeit unter den Juden zurückgezogen. Nach dem Offenbacher Memorbuch bestand kein Kontakt zwischen "der verfluchten Sekte" und der jüdischen Gemeinde. [28] Ebenso wusste die Obrigkeit sehr gut über Frank bescheid.[29] Und da durch seine graziöse Inszenierung eines Hofstaates sowie durch zahlreiche ihn besuchende Pilger der Stadt Offenbach unzählige Geldsummen zuflossen, duldete man ihn gern. Sogar Johann Wolfgang von Goethe ließ sich gern von der frankistischen Pianistin Maria Szymanowska, der Schwiegermutter des polnischen Nationaldichters Adam Mickiewicz, bezaubern, urteilte aber über Frank: Wie leicht hilfsbedürftige Menschen sich immer wieder von geschickten Schwindlern betören lassen, die ihr Übel mit Hoffnung zu lindern verstehen. [30] Die bedeutendste Autorin, die sich von den Geschehnissen in Offenbach hat inspirieren lassen, war Bettina von Arnim. [31] Jakob Frank beendete auf dem Isenburger Schloss in Offenbach sein Buch der Worte des Herrn, das er in Brünn bereits begonnen hatte und fortan nur handschriftlich unter seinen Anhängern verbreitet wurde.

Frank starb am 10. Dezember 1791 auf seinem Schloss an einem Schlaganfall und wurde zwei Tage später unter Anwesenheit von 800 Frankisten und einer imposanten Zeremonie auf dem Offenbacher Stadtfriedhof (heute: Wilhelmsplatz) in einem aufwendigen Grab beerdigt. Bis zur Einebnung des Friedhofs 1866, bei der die Gräber von Jakob und Eva Frank geöffnet wurden, pilgerten seine Anhänger zu diesem Grab und denen der Frankistenhäupter. Der Schädel Jakob Franks wurde vom Heimatforscher Emil Pirazzi an sich genommen. Auf dessen Bücherschrank stand er noch einige Jahre und Aleksander Kraushar, der bei seinen Recherchen 1894 Offenbach besuchte, machte ein Foto davon.

Nachwirkung[Bearbeiten]

Nach Franks Tod leitete seine Tochter Ewa bzw. Eva die Sekte, bis sie 1817 hochverschuldet verstarb. Das Gros seiner Anhänger ging völlig im Katholizismus ihrer Umgebung auf. Franks Großneffe endete in der Revolutionszeit unter dem Namen Junius Frey in Paris unter der Guillotine.

Verfilmungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus S. Davidowicz: Zwischen Prophetie und Häresie. Jakob Franks Leben und Lehren. 170 Seiten. Böhlau, Wien-Köln-Weimar 2004, ISBN 3-205-77273-3.
  • Winfried B. Sahm, Christina Uslular-Thiele: Offenbach was für eine Stadt. Herausgegeben von der Volkshochschule der Stadt Offenbach. 2. erweiterte und aktualisierte Auflage. Verlag CoCon, Hanau 2004, ISBN 3-937774-05-X.
  • Stefan Schreiner: Der Messias kommt zuerst nach Polen. Jakob Franks Idee von Polen als gelobtem Land und ihre Vorgeschichte. Judaica 57/4 (2001), S. 242-268
  • Harris Lenowitz: The Charlatan at the Gottes Haus in Offenbach. Jewish Messianism in the early modern world, hrsg. von Matt D. Goldish und Richard H. Popkin, Dordrecht-Verlag 2001, S. 189-203
  • Jakob Frank: The End to the Sabbataian Heresy. Translated from Polish "Frank i frankiści polscy" by A. Kraushar, hrsg. von Herbert Levy, Lanham/New York/Oxford, 2001
  • Ekaterina Elneliantseva: Zwischen jüdischer Tradition und frankistischer Mystik. Zur Geschichte der Prager Frankistenfamilie Wehle, Kwartalnik Historii żydów 200 (2001), S.549-565
  • Kurt Schubert: Jüdische Geschichte. 5. Auflage. Beck, München 2002, ISBN 3-406-44918-2, S. 83ff. (Beck'sche Reihe – C. H. Beck Wissen 2018).
  • Jan Doktór: Erlösung durch Sünde oder Taufe. Judaica 55,1 (1999), S. 18-29
  • Klaus S. Davidowicz: Jakob Frank, der Messias aus dem Ghetto. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1998, ISBN 3-631-32871-0.
  • Jan Doktór: Księga Słów Pańskich. Buch der Worte des Herrn, 2 Bde., §§ 1-2286, Warszawa 1997
  • Jan Doktór: Rozmaite, Adnotacje, Przypadki, Czynoście i Anekdoty Pańskie. Chronik des Leben Franks, Warszawa 1996
  • Jörg K. Hoensch: Der Polackenfürst in Offenbach. Jacób Jozef Frank und seine Sekte der Frankisten. ZRG 42 (1990), S.229-244
  • Klaus Werner: Die Sekte der Frankisten. Zur Geschichte der Juden in Offenbach am Main, hrsg. vom Magistrat der Stadt Offenbach am Main, 1990, 2 Bde. S.106-115
  • Hillel Levine: The Kronika - On Jacob Frank and the Frankist Movement, Jerusalem 1984
  • Ders., Die getauften Juden in Polen-Litauen im 16.-18.Jahrhundert. Taufe, soziale Umschichtung und Integration. Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 30 (1982), S.54-99
  • Bernhard D. Weinryb: The Jewish of Poland. A Social and Economic History of the Jewish Community in Poland from 1100-1800, Philadelphia 1982
  • Paul Arnsberg: Von Podolien nach Offenbach. Offenbach a. Main, 1965
  • J.L. Talmon: Political Messianism. New York, 1960
  • Simon Dubnow: Geschichte des Chassidismus, 2Bde., Berlin 1931
  • Teodor Jeske Choiński: Neofici Polscy. Materiały historiczne, Warzawa: Laskauer 1904, 289 XX S.
  • Aleksander Kraushar: Frank i frankiści polscy, 2 Bde., Kraków 1895
  • Zygmunt Lucyan Sulima: Historya Franka i frankistów. Kraków/Warszawa/Petersburg 1893
  • Eduard Jellinek: Nachrichten von Frankisten in Warschau. Das Jüdische Literaturblatt 11 (1882), S.107
  • Samuel Back: Aufgefundene Aktenstücke zur Geschichte der Frankisten in Offenbach. MGWJ 26 (1877), S.189-192, S.232-240, S.410-420
  • Heinrich Graetz: Frank und die Frankisten. Eine Sekten-Geschichte aus der letzten Hälfte des vorigen Jahrhundertes. Grass, Barth u. Comp., Breslau 1868 (Jahresbericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung 1868, ZDB-ID 520377-6), online (PDF; 8,12 MB).
  • Heinrich Graetz: Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Band 10: Geschichte der Juden von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginn der Mendelssohnischen Zeit (1760). Leiner, Leipzig 1868, S. 418ff.
  • Heinrich Graetz: Frank und die Frankisten. Breslau 1868
  • F.Hip. Skimborowicz: żywot, skon i nauka Jakóba Józefa Franka ze spółczesnych i dawnych z'ródeł, oraz z 2 r'kopismów. Warszawa, 1866
  • Georg Eduard SteitzFrank, Jacob. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 7, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 250–252.
  • Jakob Frank: Księga Słów Pańskich. Buch der Worte des Herrn, §§ 1-2286, Autograph 1755-91, Biblioteka Jagiellońska, Kraków
  • Jakob Frank: Rozmaite, Adnotacje, Przypadki, Czynoście i Anekdoty Pańskie. Chronik des Leben Franks, Autograph 1755-91, Wojewódzka Biblioteka Publiczna im. Hieronima Łopacińskiego, Lublin

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Beer nennt in seinem Buch Geschichte, Lehren und Meinungen aller bestandenen und noch bestehenden religiösen Sekten der Juden und der Geheimlehre oder Kabbalah. Brünn 1822/23, Bd.II, S.309 als Geburtsjahr 1712
  2. In seiner Chronik des Lebens nennt er Buczacz als Geburtsort, wahrscheinlicher ist allerdings Franks Aussage bei der röm.-kath. Inquisition: Korolówka
  3. polnisch Jakób Józef Frank
  4. Klaus S. Davidowicz: Zwischen Prophetie und Häresie. Jakob Franks Leben und Lehren. S.7,155
  5. Der polnischen Adelsnation gehörte auch deutscher, litauischer und ruthenischer Adel an.
  6. A.M. Cardozo: Selected writings. translated and introduced by David J. Halperin, New York 2001, S. 137
  7. prostak, poln. einfacher, ungebildeter Mensch
  8. lt. Franks Aussagen bei der Inquisition vor der röm.-katholischen Kirche
  9. Klaus S. Davidowicz: Zwischen Prophetie und Häresie. Jakob Franks Leben und Lehren, Böhlau-Verlag 2004, S. 27
  10. Klaus S. Davidowicz: Zwischen Prophetie und Häresie. Franks Leben und Lehren, Böhlau-Verlag, S. 32
  11. Heilige Hochzeit ist ein Begriff aus dem Zohar, der eine kabbalistisch-rituelle Wiedervereinigung der Sefira Jesod (u.a. männlicher Phallus, Zaddik) mit der Sefira Schechina (u.a. Königreich, Garten, Königin) im Rahmen einer Schabbatfeier meint, die auf irdischer Sphäre zum Da'at führen sollte. Entstanden nach den Sitten der Dönme kam es dabei zum vorschriftsmäßig vollzogenen geschlechtlichen "Erkennen", was die Harmonie und Vereinigung der kosmischen Kräfte in der Welt der Sefira bewirkte. Dabei symbolisierte eine mit Thora-Ornamenten beschmückte, kaum bekleidete Frau in der Mitte des Raumes die Schechina, die danach strebte sich mit dem fleischgewordenen Jesod Jakob Frank zu vereinigen. Um sie herum wurde getanzt. Am Ende floss durch Jesod der göttliche Samen schefa in die Schechina hinein. Zum Begriff vgl. Zohar I 21b-22a, 162a/b, II 128b-129a, 214b, III 5a/b, 21a, 26a, 247a-b, 296a/b
  12. Die 9 Glaubensthesen: 1. Wir glauben, was immer Gott im Alten Testament zu glauben vorschrieb und lehrte. 2. Die Heilige Schrift kann vom Menschen nicht ohne göttliche Gnade erklärt werden. 3. Der Talmud ist abzulehnen, da er voll unerhörter Blasphemieen gegen Gott ist. 4. Gott ist einer und der einzige Schöpfer aller Dinge. 5. Derselbe Gott ist dreifach in Personen, diese Personen sind hinsichtlich der Göttlichkeit unteilbar. 6. Es ist möglich, dass Gott einen menschlichen Körper annimmt und die Leidenschaften außer der Sünde auf sich nimmt. 7. Jerusalem wird nach den Prophetien nicht wieder erbaut werden. 8. Der in den Schriften verheißene Messias wird nun nicht mehr kommen. 9. Gott allein wird den Fluch der ersten Eltern und ihrer Nachkommen tilgen, und dieser ist der inkarnierte Messias.
  13. Klaus Davidowicz: Zwischen Prophetie und Häresie. Franks Leben und Lehren, Böhlau-Verlag 2004, S. 46
  14. Peter Gaudentius Pikulski: Złość źydowska przeciwko Bogu… (Die jüdische Bosheit gegen Gott…), Lwów 1760, S. 146
  15. 1. Alle Prophezeiungen der Propheten über den Messias haben sich bereits erfüllt. 2. Der Messias war der wahre Gott mit dem Namen ADONAI. Er hatte unsere Gestalt angenommen und erlitt daher zum Heil und der Erlösung der Menschen das Martyrium. 3. Durch das Kommen des wahren Messias haben die Opfer und Zeremonien des Judentums aufgehört. 4. Das heilige Kreuz ist der Ausdruck der Dreieinigkeit, es ist das Allerheiligste und das Siegel des Messias. 5. Jeder Mensch soll der Lehre des Messias gehorchen, denn nur in ihr ist die Erlösung. 6. Zum Glauben an den König Messias kann man nur durch die Taufe kommen. 7. Der Talmud lehrt, dass Christenblut notwendig sei, und wer an den Talmud glaubt, benötigt es deswegen. Quelle: Pikulski: Jüdische Bosheit, S. 167ff.
  16. A. Kraushar: Frank i frankiśći polscy, polnische Ausgabe, Bd. I, S. 327-377
  17. Mateusz Mieses: Polacy–Chrześcijanie pochodzenia żydowskiego. Warszawa Wydawn. 1938
  18. Akta kanclers. ks. 42, 45, 46
  19. T.-J. Choiński: Neofici Polscy. Materialne historiczne, Warszawa 1904, S.20-21 / Zbigniew Belina-Prażmowski: Herby uszlachzonych neofitów w inflantach polskich (Die Wappen geadelter Neophyten in Polnisch-Livland), "Herold" 1931, nr.2 / Adam Heymowski: Herbarz inflant polskich z roku 1778. bearbeitet sowie mit Vorwort und Kommentaren versehen, Buenos Aires - Paris, 1964
  20. Aleksander Kraushar: Frank i frankiśći polscy. 2 Bde., Kraków 1895; englische Übersetzung: Jacob Frank, The End to the Sabbataian Heresy.hrsg. Herbert Levy, Lanham/New York/Oxford 2001
  21. T.-J. Choiński: Neofici Polscy. Materialne historiczne, Warszawa 1904, S.24
  22. Das verschollene Originalprotokoll umfasste ca. 60 Seiten, der Hauptteil des Verhörs bei Kraushar, Frank, S. 162-174; verschiedene Antworten Franks sind allerdings im Buch verstreut, eine lateinische Zusammenfassung des Verhörs befindet sich innerhalb der Vatikanischen Ms. 94 Collecta und trägt den Titel "Factum", Blatt 148a
  23. AV, Arch. Nunz. die Varsavia, Ms. 94 Collecta: Velazione della causa e processo di Frenk, Beschluss der päpstlichen Kurie vom 6. Juni 1761, Blatt 161a
  24. Klaus Davidowicz: Zwischen Prophetie und Häresie. Jakob Franks Leben und Lehren, Böhlau-Verlag 2004, S. 85
  25. S. Krauss: Schöndl Dobruschka. Festschrift für Armand Kaminka, Wien 1937, S.143-148
  26. A.F.Pribram: Urkunden und Akten zur Geschichte des Judentums in Wien, Wien 1918, Bd.1, Nr.234, S. 554
  27. Klaus Werner: Ein neues Frankisten-Dokument. FJB 16 (1988), S.203
  28. Gedenkbücher von Offenbach am Main und anderen deutschen Gemeinden, hrsg. von C. Duschinsky, Frankfurt a.M. 1924, S.82
  29. Die gegenwärtig in Offenbach wohnenden Pohlen sind Mitglieder dieser Gemeinde, und sie ist in Pohlen und (...) in Mähren ziemlich zahlreich. Nach ihrer Meinung sind die Mosaischen Gesetze zwar nicht ganz aufgehoben, haben aber doch die Heiligkeit und Verbindlichkeit, die ihnen die übrigen Juden beilegen, nicht mehr. Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Abt. E8A Nr. 323/2: Blatt 6
  30. 14.Jahrbuch der Goethegesellschaft, S.88
  31. Seitdem hat sich die Gegend wie die Lebensweise und auch die Bevölkerung ins Wunderbare gespielt, und keiner würde es glauben, der's nicht gesehen hat, und jeder, der mit seinem Reisejournal in der Tasche von einer Reise um die Welt hier durchkäm', würde glauben, in die Stadt der Märchen versetzt zu sein; eine mystische Nation wandelt in bunter, wunderbarer Kleidung zwischen den andern durch. [...] denke Dir den Fürsten jenes Volkes mit silbernem Bart, weißem Gewand, der vor dem Tor seines Palastes auf öffentlicher Straße auf prächtigen Teppichen und Polstern lagert, umgeben von seinem Hofstaat, wo jeder einzelne ein absonderliches Zeichen seines Amtes und Würde an seiner fabelhaften Kleidung hat. Da speist er unter freiem Himmel gegenüber den lustigen Gärten, hinter deren zierlichen Gittern hohe Pyramiden blühender Gewächse aufgestellt sind und mit feinem Drahtflor umzogene Volieren [...] die kleinen Singvögel jubeln, alles von zartem, grünem Rasen umschlossen, wo mancher Wasserstrahl empor schießt; die Knaben in verbrämten Kleidern goldne Schüsseln bringen, in dessen aus den offnen Fenstern des Palastes Musik erschallt. Quelle: Goethes Briefwechsel mit einem Kinde, Dritter Teil, Tagebuch 1807, S.641

Weblinks[Bearbeiten]