James Somerset

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo der Anti-Sklaverei-Bewegung in einer Schrift von 1837

James Somerset (auch Somersett) war ein afrikanischer Sklave, der von einem gewissen Charles Stuart 1749 in jungen Jahren in Virginia (USA) erworben wurde. Stuart war englischer Regierungsangestellter und reiste in dieser Eigenschaft gemeinsam mit Somerset, der zu dieser Zeit noch keinen Vornamen hatte, 1769 nach England. Dort kam Somerset in Kontakt mit Mitgliedern der englischen Anti-Sklavereibewegung, darunter der bekannte Aktivist Granville Sharp. Weiterhin wurde er in dieser Zeit christlich getauft.

1771 floh Somerset. Sein Besitzer setzte eine Belohnung aus, und er wurde gefasst. Stuart brachte Somerset auf ein Schiff Richtung Jamaika, wo Somerset verkauft werden sollte. Seine Taufpaten erfuhren von seiner Lage, zogen unter Berufung auf die Habeas Corpus-Urkunde vor Gericht und erwirkten, dass der Kapitän des Jamaikafahrers Somerset selbigen übergeben musste.

Die öffentliche Meinung war überwiegend gegen die Sklaverei eingestellt und die Zeit war reif für eine Entscheidung, ob die Sklaverei in England zulässig sei oder nicht. Somerset klagte vor dem King’s Bench, dem höchsten Gericht Englands, gegen Stuart auf Freilassung. Unterstützt wurde er dabei von Anti-Sklaverei-Aktivisten. Stuart wiederum wurde unterstützt von Pflanzern aus Westindien, die ein Eigeninteresse am Fortbestehen der Sklaverei hatten.

Am 22. Juni 1772 verkündete Lord Mansfield das Urteil des Gerichtshofs: Freilassung des James Somerset, da die Institution der Sklaverei weder moralisch noch politisch zu rechtfertigen sei und auch nie per Gesetz erlaubt worden war:

"The state of slavery is of such a nature, that it is incapable of being introduced on any reasons, moral or political; but only positive law, which preserves its force long after the reasons, occasion, and time itself from whence it was created, is erased from memory: it’s so odious, that nothing can be suffered to support it, but positive law. Whatever inconveniences, therefore, may follow from a decision, I cannot say this case is allowed or approved by the law of England; and therefore the black must be discharged."[1]
"Der Stand der Sklaverei ist so beschaffen, daß er ungeeignet erscheint, aus irgendeinem moralischen oder politischen Grunde eingeführt zu werden; das kann nur durch das positive Gesetz geschehen, welches seine Wirkung noch lange behält, nachdem die Gründe, Veranlassung und Zeit selbst, die es geschaffen, aus dem Gedächtniß gerissen sind. Dieser Grund ist heute so gehässig, daß nichts als das positive Gesetz zu seiner Entschuldigung angeführt werden kann. Was immer für Nachtheile sich also aus der Entscheidung ergeben: ich kann nicht sagen, daß dieser Fall nach dem Gesetz von England erlaubt oder gerechtfertigt sei — der Schwarze muß somit befreit werden."[2]

Damit war Sklaverei in England selbst als ungesetzlich festgestellt. Deshalb wurde danach auch nie ein Gesetz zur Abschaffung der Sklaverei in Großbritannien erlassen. Die Sklaverei in anderen Teilen des britischen Weltreichs und die Beteiligung britischer Bürger am Sklavenhandel blieben davon jedoch unberührt und dauerten fort bis 1807, als das Britische Parlament die Bekämpfung des Sklavenhandels beschloss. Die Abschaffung der Sklaverei in sämtlichen Teilen des Empire erfolgte erst 1833.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alfred W. Blumrosen, Ruth G. Blumrosen: Slave nation - How Slavery United the Colonies and Sparked the American Revolution. Sourcebooks, 2005. books.google
  • Steven M. Wise: Though the Heavens May Fall - The Landmark Trial That Led to the End of Human Slavery. Perseus Books, Cambridge, MA, 2005.
  • Dominik Nagl: No Part of the Mother Country, but Distinct Dominions Rechtstransfer, Staatsbildung und Governance in England, Massachusetts und South Carolina, 1630–1769. LIT, Berlin 2013, S. 637ff., ISBN 978-3-643-11817-2.Online

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://books.google.de/books?id=1OYvAAAAIAAJ&pg=PT76
  2. Das Sklavenwesen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika; in: Unsere Zeit. Jahrbuch zum Conversations-Lexikon, Band 6. F.A. Brockhaus 1862, S. 39 books.google