Jing

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Jing (Begriffsklärung) aufgeführt.

Jing (chinesisch Pinyin jīng, W.-G. ching1) ist ein Begriff des Daoismus und der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Es stellt mit Qi und Shen 神 (belebender Geist) im Daoismus die drei Elemente eines individuellen oder kollektiven Organismus dar und wird geistig mit Kreativität, materiell mit Sexualität in Verbindung gebracht. Jing, Qi und Shen werden auch mit den Dantian („Energiezentren“) assoziiert und werden den Regionen des Unterbauches, des Brustkorbes und dem Gehirn zugeordnet. In vielen daoistischen Praktiken spielen diese drei Prinzipien eine große Rolle, z. B. bei daoistischen Sexualpraktiken und in der inneren Alchemie (Quanzhen).

In der traditionellen chinesischen Medizin bezeichnet Jing die Lebensessenz, das Struktivpotential, den Samen des Lebens, wobei diese Essenz materiell verstanden und flüssigkeitsähnlich gedacht wird. Das Jing ist in der chinesischen Medizin neben Qi, Xue (Blut, chinesisch Pinyin xuè, W.-G. hsüeh4), den übrigen Körperflüssigkeiten und der "konstellierenden Kraft" shen 神 (entspricht in etwa dem Bewusstsein) eine der fünf Grundsubstanzen des Lebens. Es ist Teil des Yin des Funktionskreises Niere und bildet die energetische Grundlage des Lebens. Im lebendigen Organismus ist das Struktivpotential jing die Grundlage von Yin und Yang und hat deswegen beide Charakteristika in sich. Beispielsweise stellen die Erbanlagen einen Teil des Struktivpotentials jing dar.

Der als "echtes Struktivpotential" (zhenjing) bezeichnete leichte, klare Anteil des Struktivpotentials steigt zu den Augen auf und nährt sie. Dies ist für die chinesische Augenheilkunde von Bedeutung.[1]

Die Menge und die Qualität des Struktivpotentials jing soll nach Ansicht der TCM die Anpassungsfähigkeit an die Umgebung regulieren, wobei eine große Menge an Jing die Abwehrkräfte stärken soll. Durch geeignete Nahrung soll man das Struktivpotential jing wieder ergänzen können.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Agnes Fatrai, Stefan Uhrig (Hrsg.): Chinesische Medizin in der Augenheilkunde – Akupunktur, Arzneimitteltherapie, Diätetik, Tuina und Qigong, 2. Auflage. Tipani-Verlag, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-9815471-0-8, S. 26.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hoang Ti Nei King So Quenn. Kap. 1-30, Van Ghi MLV, ISBN 3-88136-051-4.
  • Thomas Cleary (Hrsg.): Die drei Schätze des Dao. Über die Harmonie von Körper, Geist und Seele. (Basistexte der inneren Alchimie). Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-596-12899-4 (Fischer 12899 Spirit).
  • Manfred Porkert: Die Theoretischen Grundlagen der chinesischen Medizin (3. Auflage). Dinkelscherben: Phainon, 1991, ISBN 3-85597-006-8.