Johann Duve

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Abbildung Johann Duves am 1916 eingeweihten Duve-Brunnen des Bildhauers Georg Herting.
Das von Johann Duve 1642 gestiftete "Armenhaus" in Hannover im Jahr 1835 im Gebäude der früheren "Londonschenke". Lithografie von Rudolf Wiegmann.

Johann Duve (* 8. März 1611 in Hannover; † 2. September 1679 in Hannover) war ein deutscher Kaufmann und Bankier.

Werdegang[Bearbeiten]

Johann Duve als Porträtmedaillon am Neuen Rathaus Hannover.

Als Nachkomme eines alten Patriziergeschlechts und Sohn eines Seidenhändlers in Hannover geboren absolvierte er eine Kaufmannslehre in Hamburg, um 1633 nach seiner Rückkehr nach Hannover eine Seidenhandlung zu gründen. Seine Nachfahren leben heute in Berlin und Merfeld bei Dülmen. Er trat der Kaufmannsgilde bei und baute ein Geschäft auf, das an Vielseitigkeit und Ausdehnung alle bisher in Hannover bekannten Unternehmen übertraf. Der Dreißigjährige Krieg begünstigte Duves Aufstieg. Über den Tuchhandel erhielt er Heereslieferungen, die er bald auf Korn, Blei und Pulver ausdehnte. 1643 wurde er zum Oberbergfaktor ernannt, die ihm das Privileg der Förderung aller Nichtmetalle im Harz (vor allem Blei) einräumte, ein Geschäft, das jährlich 100 000 Taler erzielte. Duve erwarb darüber hinaus Produktionsstätten seiner Handelsgüter sowie Mühlen und Gutsbetriebe seines Getreidehandels. Aufgrund der Kriegswirren herrschte in Hannover grosse Armut, verstärkt durch die zahlreichen Flüchtlinge vom Lande. Duve sah sich daher veranlasst ein Armen- und Waisenhaus gegen den Widerstand zu gründen, dass er „Herberge des Herrn“ nannte und für 40 alte und hilflose Männer und Frauen sowie für 60 Waisen beiderlei Geschlechts einrichtete. Sein Anliegen war, die Armen und Gebrechlichen von der Strasse zu holen, allerdings bestand er darauf, dass gesunde Arme ihre Kosten selbst verdienen mussten (diese setzte dann auch als Arbeitskraft in seinen Spinnereien und Webereien ein). 1646 erfolgte seine Wahl zum hannoverschen Ratsherr, die er zunächst ablehnen und stattdessen 500 Taler an das Armenhaus zahlen wollte. Schließlich gab er dem Drängen nach. In seiner Funktion als Ratsherr baute er durch Hochwasser zerstörte Mühlen wieder auf, spendete Mittel, um die häufigen Überschwemmungen der Leine abzuwenden. Darüber hinaus betätigte er sich als Bauunternehmer, auf Aufforderung des Herzogs Georg Wilhelm übernahm er die Vergrösserung der Neustadt, er erbaute Wohnhäuser, die nach ihrem roten bzw. blauen Anstrich „Rote Reihe bzw. Blaue Reihe“ genannt wurden, es folgte die „Kleine Duvenstrasse“ und der Bau der Neustädter Kirche. Zur notwendigen Versorgung der Neustadt mit Wasser errichtete er eine entsprechende Anlage. Unter der Leitung von Johann Duve entstand auf Veranlassung von Herzog Johann Friedrich der Parnass Brunnen auf dem Neustädter Markt. Diese kostspielige Anlage funktionierte jedoch nicht zufriedenstellend und wurde 1802 abgebaut. 1630 wurde durch ein Unwetter der Turm der Kreuzkirche zerstört, der durch die Mittel von Duve wieder aufgebaut wurde. 1655 fügte der Kirche eine Kapelle mit einer Familiengruft hinzugefügt. Dort wurden er und seine Familie sowie einige seiner Nachkommen begraben.1663 stiftete der einen neuen Altar und die neue Ausmalung der Marktkirche in Hannover, wo bei er sich und seine Frau als betendes Paar darstellen ließ. 1966 pachtete er die städtische Münzstätte Hannovers. 1974 entzog man ihm die Münzstätte wegen Prägung schlechter Münzen, eine Tatsache, wodurch der grosse finanzielle Verluste erlitt. 1972 musste Duve 50.000 Taler Konkursschulden für einen seiner Söhne begleichen.. Im Jahre 1975 stellte Duve dem dänischen König einen Kredit in Höhe von 180000 Talern zur Verfügung, wofür er seinen gesamten Grundbesitz verpfändet hatte. Das Schiff versank auf hoher See und der König verweigerte die Rückzahlung. Duve wurde mit einem Schlage zahlungsunfähig und stand von heute auf morgen vor dem Nichts. Die Ironie des Schicksals wollte es, dass er Unterkunft in dem von ihm gegründeten Armenhaus suchen musste und dort im Jahre 1679 verstarb.

Gedenken[Bearbeiten]

An Johann Duve erinnern in Hannover die noch immer nach ihm benannte Kapelle an der Kreuzkirche, ein Porträtmedaillon an der Gartenseite des Neuen Rathauses sowie der der Johann-Duve-Weg als Fuß- und Radweg, der den Stadtteil Döhren mit Hemmingen verbindet. 1916 schuf Georg Herting den Duve-Brunnen, der heute auf dem Mittelstreifen des Leibnizufers (Übergang zur Calenberger Straße) aufgestellt ist. Ursprünglich stand er am Neustädter Markt aufgestellt. Ihn ziert die Skulptur eines Sämanns. Am Sockel befindet sich auch ein Porträt Johann Duves.

Bedeutung Duve war einer der markantesten Gestalten des Frühkapitalismus. Sein bedeutender Beitrag zur Stadtentwicklung Hannovers und die Errichtung eines Armenhauses gaben ihm den Ruf eines Wohtäters. Entsprechend wird er auf dem Duve-Brunnen als Sämann dargestellt.

Literatur[Bearbeiten]

Veröffentlichungen zur niedersächsischen Geschichte Heft 7, von A. Altendorf Hannoverland, Monatsschrift für Geschichte, Landes- und Volkskunde, Sprache, Kunst und Literatur, Hrsg. E. Geibel, 5. Jahrgang dito, 7. Jahrgang Asphalt Archiv, Oktober 2001 Deutsche Biographie.de - Duve, Johann Unveröffentlichte Schulabschlussarbeit Monika Bode, 1959

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johann Duve – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]