Johann Rudolf Wettstein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Johann Rudolf Wettstein

Johann Rudolf Wettstein (* 27. Oktober 1594 in Basel; † 12. April 1666 ebenda) war ein Schweizer Diplomat und Bürgermeister von Basel.

Leben[Bearbeiten]

Wettstein war der Sohn eines aus Russikon im Zürcher Oberland zugewanderten Weinbauern, der im Spital als Kellermeister arbeitete und später zum Spitalmeister aufstieg. Von 1600 bis 1608 besuchte er die Schule auf Burg, das heutige Gymnasium am Münsterplatz. Danach machte er in Yverdon und Genf eine Kanzleilehre und heiratete 1611 die um fünf Jahre ältere Anna Maria Falkner. 1616 trat er vorübergehend in venezianische Dienste. Nach Basel zurückgekehrt, machte er Karriere in der Stadt und wurde 1620 in den Kleinen Rat gewählt. In den folgenden Jahren erlangte er weitere öffentliche Ämter. 1635 wurde er zum Oberstzunftmeister und 1645 zum Bürgermeister der Stadt Basel gewählt.

An den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden in Münster und Osnabrück nahm Wettstein 1646/47 als Gesandter der Schweizerischen Eidgenossenschaft teil, ohne zuvor eingeladen worden zu sein und anfänglich auch ohne Legitimation durch die Eidgenossenschaft. Nach langem, zähem und geschicktem Verhandeln erreichte er im Jahre 1648 die Loslösung der Eidgenossenschaft vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Im Bauernkrieg von 1653 war er massgeblich dafür verantwortlich, dass die sieben Anführer in der Basler Landschaft öffentlich hingerichtet wurden.

Wettstein starb in seiner Heimatstadt im Jahre 1666. Er gilt als einer der fähigsten Politiker seiner Zeit, jedoch auch als ein wichtiger Exponent der absolutistischen Tendenzen innerhalb der Eidgenossenschaft.

Ehrende Namensgebungen[Bearbeiten]

Bronzetafel zu Ehren J. R. Wettsteins am Wettsteinhaus in Riehen

1879 wurde in Basel eine neue Brücke über den Rhein errichtet, die 1881 den Namen Wettsteinbrücke erhielt. Auf der Kleinbasler Seite dieser Brücke befindet sich heute der Wettsteinplatz, die Wettsteinstrasse und die Wettsteinallee. Im historischen Wettsteinhaus in Riehen, seinem ehemaligen Wohnhaus, ist seit 1972 das Spielzeugmuseum, Dorf- und Rebbaumuseum eingerichtet. An der Fassade befindet sich eine Gedenktafel aus Bronze mit einem Reliefporträt Wettsteins.

Schriften[Bearbeiten]

  • Acta und Handlungen, betreffend gemeiner Eydgnosschafft Exemption, und was deren, durch die Cammer zu Speyr, darwider vorgenommener Turbationen halb, so wol bey den Westphälischen Fridens-Tractaten, alss am Kayserl. Hoof und anderstwo negocirt und verrichtet worden, Basel 1651.
  • Johann Rudolf Wettsteins Diarium 1646/47, hrsg. von Julia Gauss, Bern 1962.

Forschungsliteratur[Bearbeiten]

  • Franz Fäh: Johann Rudolf Wettstein. Ein Zeit- und Lebensbild, 2 Bde., Basel 1894–1895.
  • Julia Gauss/Alfred Stoecklin: Bürgermeister Wettstein. Der Mann, das Werk, die Zeit, Basel 1953.
  • Historisches Museum Basel (Hg.): Wettstein – Die Schweiz und Europa 1648, Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung, Basel 1998.
  • Stefan Hess: Der Weinberg des Herrn Burgermeister. Johann Rudolf Wettstein als Weinproduzent, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 98 (1998), S. 35–47.

Belletristik[Bearbeiten]

  • Mary Lavater-Sloman: Der Schweizerkönig: Historischer Roman aus der Zeit des westfälischen Friedens. Rascher, Zürich 1935. Neuausgabe als Der Schweizerkönig: Johann Rudolf Wettstein. Römerhof Verlag, Zürich 2011, ISBN 978-3-905894-08-0.

Weblinks[Bearbeiten]