John Nunn

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John Nunn

John Denis Martin Nunn (* 25. April 1955 in London) ist ein englischer Schachspieler und Schachtheoretiker.

Turnierspieler[Bearbeiten]

John Nunn wurde 1975/1976 Jugendeuropameister und bekam 1978 den Großmeistertitel verliehen.[1] 1980 wurde er Britischer Meister.

Seine stärkste Zeit hatte er in den 1980er und frühen 1990er Jahren, als er über lange Zeit zur erweiterten Weltspitze zählte. So gewann er in den Jahren 1982, 1990 und 1991 jeweils das Traditionsturnier von Wijk aan Zee (Niederlande).

Seit dem NH Hotel-Turnier im August 2006 hat Nunn keine gewertete Partie mehr gespielt, so dass seine Elo-Zahl seit Oktober 2006 unverändert 2602 beträgt. Er läge damit auf dem achten Platz der englischen Rangliste (Stand: März 2014), gilt aber als inaktiv. Seine bisher beste Elo-Zahl war 2630 im Januar 1995.

Mannschaftsschach[Bearbeiten]

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

John Nunn nahm in den Jahren 1976 bis 1994 an sämtlichen Schacholympiaden für England teil. In dieser Zeit gewann das englische Team zweimal die Bronze- und dreimal die Silbermedaille. Er selbst erhielt Gold für sein Einzelergebnis bei der Schacholympiade 1984 in Thessaloniki und 1988 eine Silbermedaille. 1984 erreichte er außerdem die beste Elo-Leistung aller Teilnehmer.[2] Bei den Mannschaftseuropameisterschaften 1977, 1980, 1983, 1989 und 1992 gehörte Nunn zur englischen Mannschaft. 1980 und 1992 erreichte die Mannschaft den dritten Platz, 1980 gelang Nunn außerdem das beste Einzelergebnis am dritten Brett.[3] Nunn nahm mit der englischen Auswahl an den Mannschaftsweltmeisterschaften 1985, 1989 und 1997 teil.[4] Beim zweiten Wettkampf UdSSR gegen den Rest der Welt, der 1984 in London stattfand, gehörte Nunn zur Weltauswahl. Bei seinen drei Partien erreichte er je ein Remis gegen Michail Tal und Oleh Romanischin, eine zweite Partie gegen Tal verlor er.

Vereinsschach[Bearbeiten]

In der britischen Four Nations Chess League spielte Nunn von 1996 bis 1999 für die Invicta Knights Maidstone, in der Saison 1999/2000 für Index-IT, die durch den Zusammenschluss der Invicta Knights Maidstone mit Home House entstanden, und von 2000 bis 2002 für Beeson Gregory, die durch den Zusammenschluss von Index-IT mit The ADs entstanden. Er gewann den Wettbewerb 2001 und 2002.

In der deutschen Schachbundesliga spielte Nunn von 1983 bis 1988 und erneut in der Saison 1993/94 für den Hamburger SK, von 1988 bis 1992 für die Solinger SG 1868, in der Saison 1992/93 für den Münchener SC 1836, von 1994 bis 1997 für den PSV Duisburg und von 1999 bis 2003 für den Lübecker Schachverein von 1873, mit dem er 2001, 2002 und 2003 deutscher Mannschaftsmeister wurde.

Partiebeispiel[Bearbeiten]

Nunn bezeichnet seinen Sieg mit Schwarz gegen Alexander Beliavsky aus der zweiten Runde von Wijk aan Zee 1985 als eine der besten Partien, die er je gespielt habe.[5] Sie wurde von der Jury des Schachinformators zur besten Partie des ersten Halbjahres 1985 gewählt.

Beliavsky - Nunn, Königsindisch (ECO-Code E81)

1. d2-d4 Sg8-f6 2. c2-c4 g7-g6 3. Sb1-c3 Lf8-g7 4. e2-e4 d7-d6 5. f2-f3 0-0 6. Lc1-e3 Sb8-d7 7. Dd1-d2 c7-c5 8. d4-d5 Sd7-e5 9. h2-h3 Sf6-h5 10. Le3-f2 f7-f5 11. e4xf5 Tf8xf5 12. g2-g4 Tf5xf3 13. g4xh5 Dd8-f8 14. Sc3-e4 Lg7-h6 15. Dd2-c2 Df8-f4 16. Sg1-e2 Tf3xf2 17. Se4xf2 Se5-f3+ 18. Ke1-d1 Df4-h4 19. Sf2-d3 Lc8-f5 20. Se2-c1 Sf3-d2 21. h5xg6 h7xg6 22. Lf1-g2 Sd2xc4 23. Dc2-f2 Sc4-e3+ 24. Kd1-e2 Dh4-c4 25. Lg2-f3 Ta8-f8 26. Th1-g1 Se3-c2 27. Ke2-d1 Lf5xd3 Weiß gab auf, 0:1.

Schachkomposition[Bearbeiten]

Im Jahr 2004 gewann Nunn in Chalkidiki die 28. Weltmeisterschaft im Lösen von Schachproblemen und Studien. Gleichzeitig erfüllte er die letzte Norm für den Titel eines Großmeisters im Lösen von Schachkompositionen. Er wiederholte diesen Erfolg bei der 31. Löseweltmeisterschaft 2007 auf Rhodos und der 34. Löseweltmeisterschaft 2010 auf Kreta.

Er ist der dritte Mensch, dem sowohl ein Turnierschach-Großmeistertitel als auch ein Großmeistertitel im Lösen verliehen wurde. Vor ihm gelang dies seinem britischen Landsmann Jonathan Mestel und dem Israeli Ram Soffer.

John Nunn
Due Alfieri, 1983
Solid white.svg a b c d e f g h Solid white.svg
8 a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8 8
7 a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7 7
6 a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6 6
5 a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5 5
4 a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4 4
3 a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3 3
2 a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2 2
1 a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1 1
a b c d e f g h
Weiß am Zug erzwingt Remis



Verführung:

Sofortiger Figurenfang 1. Kf6? b3 2. Kg7 b2 3. Kxh8 b1D 4.Kg7 führt zum Verlust, weil nach Dg1+ 5. Kf7 Dd4 6. Kg8 Dg4+ 7. Kf7 Df5+ 8. Kg7 Dg5+ 9.Kf7 Dh6 10. Kg8 Dg6+ 11. Kh8 Schwarz das Patt aufhebt, z. B. mit Kc5 12. b6 Df7 13. b7 Df8 matt.

Deshalb ist zuerst die überflüssige weiße Masse zu beseitigen. Das geschieht durch Eindringen in das Quadrat des schwarzen Bauers mit der Drohung seiner Eroberung.

Lösung:

1. Kd4! Kxb5 nun die Rückkehr
2. Ke5! b3 und jetzt steht dem Hauptplan nichts mehr im Wege.
3. Kf6 b2
4. Kg7 b1D
5. Kxh8 mit theoretischem Remis, denn nun kann nach Erscheinen der schwarzen Dame auf g6 das Patt nicht mehr wie in der Verführung aufgehoben werden.

Autor[Bearbeiten]

Nunn ist ein produktiver Schachbuchautor. Er hat sich durch zahlreiche Publikationen beim Einsatz neuer Erkenntnisse der Endspiel-Datenbanken in der Endspieltheorie und in der Schachkomposition verdient gemacht.

Privat[Bearbeiten]

Nunn studierte ab 1970 an der Universität Oxford Mathematik und war mit nur 15 Jahren der jüngste „Undergraduate“, der in Oxford seit etwa 500 Jahren akzeptiert wurde. 1978 promovierte er in algebraischer Topologie, im gleichen Jahr, in dem er Großmeister wurde.[6]

Seit Oktober 1995 ist Nunn verheiratet mit der deutschen FIDE-Meisterin Petra Fink, die vorher in der 2. Damenbundesliga spielte.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Taktische Schachendspiele. Niedernhausen 1985, ISBN 3-8068-0752-3, (orig. Tactical chess endings)
  • Solving in Style. George Allen and Unwin 1985/Gambit 2002, ISBN 1-901983-66-8
  • Najdorf für Turnierspieler. Niedernhausen 1990, ISBN 3-8068-1121-0, (orig. The Najdorf for the tournament player).
  • Secrets of Rook Endings. B. T. Batsford Ltd, London 1992, ISBN 0-7134-7164-6
  • Secrets of Pawnless Endings. B. T. Batsford Ltd, London 1994, ISBN 0-7134-7508-0
  • Secrets of Minor Piece Endings. B. T. Batsford Ltd, London 1995, ISBN 0-7134-7727-X
  • Secrets of Practical Chess, Gambit Publications, 1998. ISBN 1-901983-01-3. (deutscher Titel: Schachgeheimnisse)
  • Geheimnisse des Großmeisterschachs. Hollfeld 2001, ISBN 3-88805-269-6, (orig. Secrets of Grandmaster Chess)
  • Endgame challenge, Gambit Publications 2002, ISBN 1-901983-83-8
  • Schach verstehen Zug um Zug, Gambit Publications 2002, ISBN 1-901983-76-5, (orig. Understanding chess move by move)
  • Einführung in die Schachtaktik, Gambit Publications 2004, ISBN 1-904600-11-5, (orig. Learn chess tactics)
  • Grossmeisterschach Zug um Zug, Gambit Publications 2006, ISBN 978-1-904600-51-0, (orig. Grandmaster chess move by move)
  • Grandmaster secrets: winning quickly at chess, Gambit Publications 2007, ISBN 978-1-904600-89-3
  • Understanding chess endgames, Gambit Publications 2009, ISBN 978-1-906454-11-1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Willy Iclicki: FIDE Golden book 1924-2002. Euroadria, Slovenia, 2002, S. 77
  2. MEN'S CHESS OLYMPIADS - Nunn, John Denis Martin (England) auf OlimpBase (englisch)
  3. John Nunns Ergebnisse bei Mannschaftseuropameisterschaften auf olimpbase.org (englisch)
  4. John Nunns Ergebnisse bei Mannschaftsweltmeisterschaften auf olimpbase.org (englisch)
  5. Steve Giddins (Hrsg.): New In Chess, the first 25 years. Alkmaar 2009. ISBN 978-90-5691-296-3. S. 26-29
  6. spiegel.de: SPIEGEL-Gespräch: "Ich bin chaotisch und faul". Interview mit Magnus Carlsen. 19. März 2010. Abgerufen am 8. Juli 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: John Nunn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien