Josip Šimunić

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Joe Šimunić

Josip Šimunić im Trikot der TSG 1899 Hoffenheim

Spielerinformationen
Voller Name Josip Šimunić
Geburtstag 18. Februar 1978
Geburtsort CanberraAustralien
Größe 195 cm
Position Abwehr
Vereine in der Jugend
1993–1995 Australian Institute of Sport
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1995–1997
1997
1998–2000
2000–2009
2009–2011
2011–
Melbourne Knights
Carlton SC
Hamburger SV
Hertha BSC
TSG 1899 Hoffenheim
Dinamo Zagreb
30 (3)

8 (0)
222 (3)
41 (1)
26 (1)
Nationalmannschaft2
2001– Kroatien 105 (3)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.
Stand: 2. Januar 2013
2 Stand: 19. November 2013

Josip „Joe“ Šimunić [ˈjɔsip ˈʃimunitɕ] (* 18. Februar 1978 in Canberra, Australien) ist ein kroatischer Fußballspieler. Er steht beim kroatischen Verein Dinamo Zagreb unter Vertrag.

Karriere[Bearbeiten]

Verein[Bearbeiten]

Šimunić absolvierte das Förderprogramm des Australian Institute of Sport und begann daraufhin seine Karriere bei den Melbourne Knights. 1996 wurde er als NSL Youth Player of the Year ausgezeichnet. Nach einem dreimonatigen Intermezzo beim Melbourner Klub Carlton S. C. wechselte er zum 1. November 1997 zum Hamburger SV. Dort debütierte er am 2. Mai 1998, als er beim 1:0-Auswärtssieg gegen Borussia Dortmund in der 84. Minute für Jacek Dembinski eingewechselt wurde. Šimunić blieb bis 2000 beim HSV, kam dort jedoch nie über die Rolle eines Reservisten hinaus und absolvierte so nur acht Bundesligaspiele für den Verein.

Zur Saison 2000/01 wechselte er zu Hertha BSC, wo er erstmals die ihm inzwischen angestammte Rückennummer 14 trug. Nach einer durchwachsenen ersten Saison erarbeitete sich Šimunić zu Beginn der Saison 2001/02 einen Stammplatz, den er, abgesehen von verletzungsbedingten Pausen, bis zum Ende seines Engagements bei der Hertha behauptete. Trotz seiner Kopfballstärke dauerte es bis zum 2. Dezember 2006, bis er im Auswärtsspiel gegen Werder Bremen sein erstes Bundesligator erzielte. Vom kicker wurden ihm "überragende Technik", "imposante Übersicht" und insgesamt "internationale Klasse" bescheinigt und er wurde in den Spielzeiten 2004/05 und 2008/09 zum besten Innenverteidiger der Bundesliga gekürt.[1] Šimunić absolvierte insgesamt 222 Bundesligaspiele für die Berliner, mit denen er auch mehrfach die internationalen Wettbewerbe erreichte.

Zur Saison 2009/10 wechselte er für eine Ablösesumme von 7 Millionen Euro zur TSG 1899 Hoffenheim.[2] Nachdem er in seiner ersten Saison unumstrittener Stammspieler war, kam er in der Saison 2010/11 nach einer Verletzung nur noch unregelmäßig zum Einsatz. Nachdem Šimunić öffentlich einen Wechsel in Erwägung gezogen und bekundet hatte, mit seiner Situation im Verein unzufrieden zu sein, suspendierte ihn der Verein im März 2011 vom Mannschaftstraining,[3] bis sich der Spieler kurze Zeit später geläutert zeigte.[4]

Am 31. August 2011 wechselte Šimunić nach Kroatien zu Dinamo Zagreb.[5]

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Obwohl Šimunić, dessen Eltern aus dem bosnischen Kiseljak nach Canberra in Australien emigriert waren, in Australien geboren und aufgewachsen ist, entschied er sich, für Kroatien zu spielen und debütierte am 10. November 2001 in einem Freundschaftsspiel gegen Südkorea für das Nationalteam Kroatiens. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall Igor Tudors wurde er in den kroatischen Kader zur Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea berufen. Obwohl er in keinem Qualifikationsspiel mitgewirkt hatte, stand er in allen drei Spielen Kroatiens auf dem Platz. Er gehörte in der Folge auch der kroatischen Mannschaft bei der EM 2004, WM 2006 und EM 2008 an.

Am 6. Februar 2013 machte er, sowie Stipe Pletikosa und Darijo Srna beim 4:0 gegen Südkorea sein 100. Länderspiel.

Skandal um die Ustascha-Parole[Bearbeiten]

Nach der geglückten Qualifikation zur WM 2014 am 19. November 2013 sorgte Šimunić für einen Eklat. Der Abwehrspieler nahm sich nach dem 2:0-Sieg im Rückspiel in Zagreb gegen Island das Stadion-Mikrofon und rief in Richtung der Fans im Wechselgesang mit dem Publikum fünfmal „Za Dom - Spremni!“, was auf Deutsch übersetzt „für die Heimat bereit“ bedeutet, die Grußformel der kroatisch-faschistischen Ustascha-Bewegung. Bereits während des Spiels hatten Fans von der Tribüne aus Sprüche wie „Auf geht’s, Ustaschas“ skandiert.

Die kroatische Öffentlichkeit zeigte sich entsetzt von Šimunićs Verhalten, Zeitungen schrieben von einer „Schande“ und dass Šimunić mit seinem Verhalten die Freude über das Erreichen der Endrunde in Brasilien zerstört habe. Šimunić selber verteidigte sein Verhalten damit, dass er „nichts Falsches gemacht“ habe und „seine Heimat“ liebe. Kroatische Medien zitierten ihn mit den Worten „Ich wollte das schon immer mal tun. Und mich kümmert es nicht, ob man mich dafür bestrafen kann.“[6][7] Zwei Tage später wurde von der kroatischen Justiz gegen den 36 Jahre alten Profi wegen Aufhetzung zu rassistischem Hass das höchstmögliche Bußgeld von umgerechnet 3270 Euro für dieses Vergehen bei sportlichen Wettbewerben verhängt. Laut Urteilsbegründung sei sich Šimunić der Bedeutung seiner Äußerungen bewusst gewesen.[8] Anschließend leitete der Fußball-Weltverband FIFA ein Disziplinarverfahren gegen Šimunić ein.

Am darauffolgenden Wochenende riefen mehrere tausend Anhänger von Hajduk Split, die Torcida Split, den Ustascha-Gruß beim Heimspiel gegen den NK Osijek im Poljud-Stadion, sowie „Auf geht’s Ustaschas!“. Der Sangesgruß war Šimunić gewidmet. Eine Facebook-Seite zur Unterstützung des Spielers verzeichnete innerhalb der ersten Tage rund 160.000 Anhänger.[9]

Am 12. Dezember 2013 wurde Šimunić von der FIFA-Disziplinarkommission für zehn offizielle Partien des kroatischen Fußballverbandes gesperrt, das Urteil wurde dem kroatischen Verband und dem Spieler vier Tage später mitgeteilt. Die Sperre wird erst mit dem Beginn der WM-Endrunde wirksam, so dass Šimunić bei dieser nicht spielberechtigt ist. Abhängig vom sportlichen Abschneiden Kroatiens bei der WM wird die restliche Sperre auf die nachfolgenden offiziellen Spiele der Verbandsmannschaft verteilt. Außerdem wurde ihm eine Geldstrafe von 30.000 Franken und ein Stadionverbot für die 10 Spiele, für die er gesperrt ist, auferlegt.

Die FIFA-Kommission kam zu dem Schluss, dass durch diese Handlung die Würde von Personen u.a. in Bezug auf Rasse, Religion oder Herkunft verletzt worden sei und somit ein klarer Verstoß gegen die Disziplinarregeln der FIFA vorliege. [10][11] Nachdem Šimunić mit einer Berufung vor der FIFA-Berufungskommission scheiterte, legte er Anfang April 2014 beim internationalen Sportgerichtshof (CAS) Beschwerde ein mit dem Ziel, doch noch an der Weltmeisterschaft teilnehmen zu können[12]. Der CAS wies allerdings die Beschwerde zurück und bekräftigte mit seinem Urteil vom 12. Mai 2014 in letzter Instanz die von der FIFA getroffenen Sanktionen vollumfänglich.[13]

Weiteres[Bearbeiten]

Im Vorrunden-Spiel der WM 2006 gegen Australien bekam er durch einen Irrtum des Schiedsrichters Graham Poll drei gelbe Karten in einem Spiel gezeigt. Der Schiedsrichter hätte Šimunić nach den Regeln schon bei der zweiten gelben Karte durch eine Gelb-Rote Karte des Spielfeldes verweisen müssen. Poll beendete daraufhin nach dem Turnier seine internationale Karriere. In seiner Autobiografie erklärt Poll den Vorfall damit, Šimunićs zweite Verwarnung aufgrund dessen australischen Akzents irrtümlicherweise dem australischen Spieler mit der Rückennummer 3, Craig Moore zugeordnet zu haben.

Am 11. Oktober 2009 wurde er gemeinsam mit Ivica Križanac vom kroatischen Nationaltrainer Slaven Bilić aus dem Nationalmannschaftskader entfernt, weil er sich mit seinem Mannschaftskameraden Ivica Križanac eine tätliche Auseinandersetzung geliefert haben soll.[14] Šimunić bestritt die Vorwürfe und stand schon am 14. November 2009 wieder in der Startelf Kroatiens im Länderspiel gegen Luxemburg.

Josip Šimunić hat auch einen Cousin desselben Namens, der als Handballer in Österreich beim UHC Stockerau spielt.

Erfolge[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joe Simunic: Eine Klasse für sich. kicker-online:, 8. Juni 2009
  2. Aussie Joe Simunic Signs for Hoffenheim (englisch), abgerufen am 22. Februar 2011
  3. Simunic nicht mehr im Mannschaftstraining auf kicker.de, abgerufen am 4. März 2011
  4. Simunic bekommt eine neue Chance auf kicker.de, abgerufen am 15. März 2011
  5. Josip Šimunić potpisao za Dinamo! auf gnkdinamo.hr, abgerufen am 31. August 2011
  6. Simunic jubelt mit faschistischer Ustascha-Parole auf Spiegel online, abgerufen am 20. November 2013
  7. Josip Šimunić sorgt für Empörung
  8. Simunic leistet sich verbale Aussetzer bei Kicker.de
  9. Osnabrücker Zeitung:Jubel von Fußballer Simunic wühlt Kroatien auf, noz.de.
  10. Längste vom Weltverband ausgesprochene Sperre bei NZZ.ch
  11. fifa.com: „Kroatischer Spieler wegen diskriminierenden Verhaltens bestraft“
  12. Šimunić zieht vor den internationalen Sportgerichtshof
  13. CAS stützt FIFA-Sanktionen wegen Diskriminierung im Šimunić-Fall
  14. Simunic fliegt aus Kroatiens Kader. newsticker.sueddeutsche.de, abgerufen am 11. Oktober 2009