Kielholen

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Der Ausdruck Kielholen wird in der Seefahrt einerseits für eine schwere Form der Bestrafung, andererseits für das Umlegen eines Schiffs benutzt.

Bestrafung[Bearbeiten]

Auf dem Schiff in der Bildmitte wird eine Person kielgeholt. Gemälde von Lieve Verschuier

In seiner üblicheren Bedeutung bezeichnet Kielholen – auch kielen – eine schwere, in der Seefahrt bis ins 19. Jahrhundert gebräuchliche Disziplinarstrafe, bei der der Bestrafte an einem Tau unter dem Rumpf des Schiffs durchgezogen wurde. Der zu Strafende wurde auf See entweder querschiffs (d. h. von einer Nock der Großrah zur anderen) oder längsschiffs (d. h. von Bug bis Achtern) unter dem Schiffskiel entlang gezogen. Kielholen endete angesichts der schweren Verletzungen, die durch raue Ablagerungen wie Seepocken und scharfschalige Entenmuscheln am Schiffsrumpf entstanden (siehe Fouling), oft tödlich. Entscheidend war unter anderem, wie schnell am Seil gezogen wurde und ob der zu Strafende selber schwimmen oder tauchen konnte, um ausreichend Abstand zum Rumpf zu halten.

Nach anderen Darstellungen wurde der Verurteilte mit Gewichten beschwert, um ebendieses Entlangscheuern am Rumpf zu vermeiden.

„So jemand auf seiner Wache schlafend befunden würde, der soll dreymahl gekiehlt werden.“

Johann Christian Lünig: Corpus iuris militaris, 1723

In der Seefahrt des 17., 18. und 19. Jahrhunderts galt das Kielholen neben dem Spießrutenlaufen als die schwerste aller Körperstrafen.

Umlegen eines Schiffes[Bearbeiten]

Ein Schiff (rechts im Bild) wird zum Kalfatern kielgeholt. Gemälde von Lieve Verschuier

Kielholen bezeichnet auch das seitliche Umlegen eines Schiffs an Land zur Untersuchung, Reinigung und Ausbesserung seiner Unterwasserteile an Orten, an denen Trockendocks nicht vorhanden sind. Ein Grund dafür waren die Entfernung von Muscheln vom Schiffsrumpf, da ein starker Muschelbewuchs die Geschwindigkeit eines Schiffes erheblich mindert, sowie Anbringung neuer Anstriche oder Beplankungen gegen den Befall durch den Schiffsbohrwurm. Die früher gebräuchlichen Holzrümpfe waren dafür besonders anfällig, heute werden Schiffsrümpfe in der Regel mit Antifouling-Farben gegen Anlagerungen und Befall durch den Schiffsbohrwurm behandelt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Einen Matrosen kielen oder kielholen. Eintrag in: Johann Hinrich Röding: Allgemeines Wörterbuch der Marine in allen Europæischen Seesprachen nebst vollstændigen Erklærungen. Nemnich, Hamburg & J.J. Gebauer, Halle, 1793-1798.