Kleon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den athenischen Politiker, für den Anführer des Sklavenaufstandes in Sizilien siehe Kleon (Sizilien)

Kleon (griechisch Κλέων, † 422 v. Chr. bei Amphipolis) war ein athenischer Politiker und Heerführer während des Peloponnesischen Krieges.

Leben[Bearbeiten]

In den antiken Quellen aristokratischer Provenienz wird seine niedrige Herkunft herausgestellt. Sein Vater hieß Kleainetos.[1] Dem Verfasser der Athenaion Politeia zufolge sei Kleon der erste gewesen, der auf der Rednertribüne schrie und schimpfte und „durch seine unkontrollierte Impulsivität das Volk mehr als sonst jemand verdorben hat“.[2] Der Historiker Thukydides beschrieb ihn als einen Kriegsbefürworter, Demagogen und als vulgär.[3]

Allerdings genoss bereits sein Vater einiges Ansehen, wenn sich eine Erwähnung in einer Siegesliste bei den städtischen Dionysien auf ihn beziehen sollte.[4] Kleon war durch eine Gerberei zu einigem Wohlstand gekommen und hatte in eine der vornehmsten Familien Athens eingeheiratet. Er besaß ein außerordentliches Redetalent, das er nutzte, um das athenische Volk auf seine Seite zu bringen. Kleon war ein Befürworter einer aggressiven Politik gegenüber Sparta und somit ein Gegner des Nikias, der für eine Verständigung eintrat. Als spartanische Gesandte 425 v. Chr. wegen der heiklen Situation der Spartaner auf der Insel Sphakteria in Athen für einen Friedensschluss warben, wurden sie laut Thukydides von Kleon schroff zurückgewiesen und mussten daher unverrichterdinge wieder heimkehren.[5]

Wenngleich ohne militärische Erfahrung, errang er danach einen Erfolg als Heerführer in der Schlacht von Sphakteria 425 v. Chr., was sein Ansehen steigerte. Kleon fuhr 422 v. Chr. als Feldherr mit 30 Schiffen von Athen nach Thrakien, um die von Athen abgefallenen Städte zurückzuerobern. Sein Tod und der des Spartaners Brasidas in der Schlacht von Amphipolis machten den Weg frei für den Nikiasfrieden von 421 v. Chr.

Thukydides und Aristophanes haben eine negative Sichtweise Kleons geprägt, wobei aber persönliche Motive eine Rolle spielten. Thukydides' Darstellung des Wirkens Kleons ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass er seine 20-jährige Verbannung aus Athen zumindest teilweise diesem zu verdanken hatte.[6] Kleon war zudem einer der ersten athenischen Politiker, der nicht aus den alten angesehenen Familien stammte und daher ganz auf die Überzeugungskraft seiner politischen Redekünste angewiesen war. In der neueren Forschung wird er daher differenzierter betrachtet.

Literatur[Bearbeiten]

Für weiterführende Literatur siehe Peloponnesischer Krieg.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Thukydides, Peloponnesischer Krieg 3, 36.
  2. Aristoteles, Athenaion Politeia 28, 3.
  3. Vgl. Donald Kagan: The Peloponnesian War. Athens and Sparta in Savage Conflict 431-404 BC. HarperCollins, London 2003, ISBN 0-00-711505-9, S. 99.
  4. Christian Mann: Die Demagogen und das Volk. Akademie-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-05-004351-7, S. 136.
  5. Thukydides, Peloponnesischer Krieg 5, 22.
  6. Vgl. die Bemerkung in der Thukydidesvita des Marcellinus (Vita Thucydidis 46).