Kongresshalle (Berlin)

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Kongresshalle
Kongresshalle

Kongresshalle

Daten
Ort Berlin-Tiergarten
Architekt Hugh Stubbins
Baustil Neue Sachlichkeit
Baujahr 1956–1957
Koordinaten 52° 31′ 8″ N, 13° 21′ 55″ O52.51888888888913.365277777778Koordinaten: 52° 31′ 8″ N, 13° 21′ 55″ O

Die Kongresshalle ist ein Berliner Gebäude an der John-Foster-Dulles-Allee im Großen Tiergarten. Seit 1989 ist sie Sitz der Organisation Haus der Kulturen der Welt. Straßenseitig befindet sich eine Anlage aus mehreren Wasserbecken mit Springbrunnen und die Plastik Large Butterfly von Henry Moore, wasserseitig liegt ein Garten-Café am Ufer der Spree.

Geschichte[Bearbeiten]

Bau[Bearbeiten]

Kongresshalle mit Plastik von Henry Moore

Die Kongresshalle wurde 1956/1957 auf Initiative der damaligen Berlin-Verantwortlichen des amerikanischen Außenministeriums, Eleanor Dulles („Mutter Berlin“), als Beitrag der USA zur Internationalen Bauausstellung Interbau errichtet und am 26. April 1958 von der für den Bau eigens gegründeten Benjamin-Franklin-Stiftung als Geschenk an Berlin übergeben. Der Architekt Hugh Stubbins entwarf sie als eine Konstruktion aus zwei Bögen aus Stahlbeton mit gemeinsamem Fußpunkt, die schräg stehend auseinander geklappt sind und zwischen denen sich die Dachkonstruktion spannt. Sie sind auf einem flachen, rechteckigen Sockelgeschoss errichtet. Das Gebäude wurde seinerzeit auch als „Leuchtturm der Freiheit“ bezeichnet und sollte die Werte des Westens nach Osten hin ausstrahlen. Deswegen wurde die Kongresshalle auf einen künstlichen Hügel gesetzt, sodass ihre Konturen auch aus dem Ostteil Berlins sichtbar waren.

Einsturz der Dachkonstruktion[Bearbeiten]

Kongresshalle nach dem Einsturz

Am 21. Mai 1980 stürzte die Dachkonstruktion während einer Konferenz des Rings Deutscher Makler teilweise ein, wobei Hartmut Küster, Wirtschaftsredakteur des Senders Freies Berlin, tödlich verletzt wurde. Der Einsturz kann möglicherweise durch den Überschallknall von sowjetischen Düsenjägern ausgelöst worden sein, die regelmäßig zu Protesten gegen Tagungen von westdeutschen Institutionen in West-Berlin eingesetzt wurden. Die technische Ursache lag aber nicht in einem Statikfehler, sondern in einer fehlerhaften Konstruktion, und zwar in erster Linie in Ausführungsmängeln. Die ungenügende Verpressung der Hüllrohre der Spannglieder und die dadurch ausgelöste Korrosion des Spannstahls führten zu einem Versagen der Konstruktion. Das Gutachten zum Teileinsturz der Kongresshalle fasste das Geschehen wie folgt zusammen: „Der Einsturz des südlichen Außendaches und Randbogens der Kongresshalle in Berlin wurde durch konstruktive Mängel bei der Planung und Bauausführung der Außendächer und als Folge davon durch korrosionsbedingte Brüche ihrer den Randbogen tragenden Spannglieder verursacht.“

Wiederaufbau bis heute[Bearbeiten]

Nachtaufnahme

Die Kongresshalle wurde 1987 unter Leitung der Architekten Hans-Peter Störl und Wolf Rüdiger Borchardt wiederaufgebaut.[1]

Nach aufwendigen Renovierungsmaßnahmen wurde die Kongresshalle am 21. August 2007 – zum inzwischen dritten Mal in ihrer Geschichte – eröffnet. Der Innenraum wurde in gestalterischen Aspekten dem Originaldesign aus den 1950er Jahren nachempfunden.

Vorwiegend von Touristenführern und Journalisten wird die Kongresshalle aufgrund ihres muschelschalenähnlichen Aussehens auch mit ihrem vermeintlichen Berliner Spitznamen als Schwangere Auster bezeichnet. Aufgrund ihres futuristischen Aussehens wurde sie als Drehort für den Science-Fiction-Film Æon Flux und verschiedene andere Filme ausgewählt.

Vergleichbare Bauwerke[Bearbeiten]

Das 1954 erbaute Gebäude des Senders Europe 1 in Felsberg-Berus, der „Teepott“ in Warnemünde bei Rostock und die Inter hala Pasienky in Bratislava ähneln stark der Berliner Kongresshalle, besitzen aber im Unterschied zu dieser jeweils eine Glasfassade. Ein weiteres vergleichbares Gebäude, das „Feierabendhaus Knapsack“, befindet sich in Hürth.

Literatur[Bearbeiten]

  • Steffen de Rudder: Der Architekt Hugh Stubbins – Amerikanische Moderne der Fünfziger Jahre in Berlin. JOVIS Verlag, 2007, ISBN 978-3-939633-23-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kongresshalle Berlin – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Europas kühnster Bau hielt der Zeit nicht stand., Zum Einsturz des Daches. In: Der Tagesspiegel, 23. Mai 2005