Kustode (Buchherstellung)

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Kustode, hier 'dos' an der unteren Seite des Blattes

Kustode (oder Blatthüter) ist die Bezeichnung für die in der rechten unteren Ecke der Seite angebrachte Angabe der Anfangssilbe oder des ersten Worts der Folgeseite. Primär stellt sie eine Hilfe beim Kollationieren vor dem Buchbinden dar und stellt so die richtige Reihenfolge der Seiten sicher.

Sie gehört damit wie die Bogensignatur, die Blatt- oder Seitenzahl zu den Ordnungshilfen von Büchern.

Die Kustode wurde vor Entstehung der industriellen Buchherstellung verwendet und ist im modernen Buchdruck nicht mehr gebräuchlich.

In Handschriften des Mittelalters bedeutet Kustode ebenso die Bezeichnung der Lagen durch Zahlen oder Buchstaben. Das Anfangswort des Folgeblatts wird unten auf das vorhergehende Blatt geschrieben und heißt auch Reklamante. Diese ermöglichten die Kontrolle über den richtigen Textanschluss. Reklamanten finden sich sehr häufig in Handschriften des arabisch-islamischen Kulturraums.

Literatur[Bearbeiten]

  • De Hamel, Christopher. Scribes and Illuminators. Toronto: University of Toronto Press, 1992. 41.
  • Theodore Low De Vinne: The Practice of Typography: Correct Composition: A Treatise on Spelling Abbreviations, the Compounding and Division of Words, the Proper Use of Figures and Numerals, Italic and Capital Letters, Notes, Etc., With Observations on Punctuation and Proof-Reading, Second, The Century Company, New York 1901.
  • Gaskell, Gaskell. A New Introduction to Bibliography. Oxford: Clarendon Press, 1972. 52-53.
  • McKerrow, Ronald B. An Introduction to Bibliography for Literary Students. Oxford: Clarendon Press, 1964. 82.
  • Roberts, Matt T., and Don Etherington, Bookbinding and the Conservation of books: A Dictionary of Descriptive Terminology