Neuritis vestibularis

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Klassifikation nach ICD-10
H81.2 Neuropathia vestibularis
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Die Neuritis vestibularis oder Neuropathia vestibularis ist eine akute oder chronische Funktionsstörung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Inzidenz beträgt 3,5 pro 100.000 pro Jahr. Nach dem gutartigen Lagerungsschwindel und dem Morbus Menière ist sie die dritthäufigste peripher-vestibuläre Schwindelform. Das Erkrankungsmaximum liegt zwischen der 3. und 6. Lebensdekade.

Pathogenese[Bearbeiten]

Als Ursache der Erkrankung wird ein entzündlicher Prozess des Nervus vestibularis z.B. durch eine Virusinfektion oder -reaktivierung ("Neuritis") oder eine Durchblutungsstörung vermutet. Die genauen Krankheitsursachen sind noch unklar.

Symptome[Bearbeiten]

Bei akutem einseitigem Ausfall des Gleichgewichtsorgans kommt es zu Drehschwindel, Übelkeit und Erbrechen, Schweißausbrüchen und unwillkürlichen pendelnden Augenbewegungen. Häufig wird auch ein horizontal rotierender Spontannystagmus mit der schnellen Komponente zum gesunden Ohr hin beobachtet (Ausfallnystagmus). Typisch ist auch eine Fallneigung im Sitzen oder Stehen zur kranken Seite (Rumpfataxie). Eine Störung des Hörsinns liegt nicht vor.

Klinische Untersuchung[Bearbeiten]

Bei der klinischen Untersuchung besteht ein Seitabweichen zur betroffenen Seite bei Durchführung des Unterberger-Tretversuchs. Der vestibulookuläre Reflex ist ausgefallen. Der Spontannystagmus nimmt beim Blick zur nicht betroffenen Seite zu. Die Diagnosesicherung erfolgt durch eine Kalorikprüfung des Innenohrs durch einen Hals-Nasen-Ohrenarzt. Hier findet sich eine thermische Untererregbarkeit des Gleichgewichtorgans bei Prüfung mit kaltem bzw. warmem Wasser oder Luft.

Therapie[Bearbeiten]

In der Akutsituation sollte Bettruhe eingehalten werden, da der Schwindel bei Kopfbewegungen zunimmt. Symptomatisch kann man kurzfristig Medikamente gegen den Schwindel einsetzen.

Das Glucocorticoid Methylprednisolon hat sich in der Behandlung bewährt. Die Therapie sollte über etwa eine Woche mit anschließender langsamer Dosisreduktion durchgeführt werden (Ausschleichung). Hierdurch wird eine bessere Wiederherstellung des Gleichgewichtsnervs erreicht.[1]

Wissenschaftlich unbegründet sind Infusionen mit Vasodilatoren (gefäßerweiternde Medikamente) oder mit rheologischen Medikamenten, die gerne bei anderen vestibulocochleären Störungen eingesetzt werden. Sobald sich die Akutsymptomatik gelegt hat, sollte immer eine spezielle Physiotherapie die medikamentöse ergänzen, um das Gleichgewichtsorgan zu trainieren.

Prognose[Bearbeiten]

Der Verlauf ist günstig. Nach Tagen, spätestens nach Wochen liegt in der Regel Beschwerdefreiheit durch zentrale Kompensation vor.

In bis zu 15 % der Fälle kommt es jedoch zusätzlich zu einem benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel des betroffenen Ohres. Auch kann sich durch das traumatische Erlebnis eines anhaltenden organischen Drehschwindels ein phobischer Schwankschwindel einstellen. Rezidive sind selten, diese betreffen dann das andere Ohr.

Sonderfall beidseitiger Labyrinthausfall[Bearbeiten]

Bei chronischem beidseitigem Ausfall kommt es zu Störungen der Steh- und Gehmotorik bei geschlossenen Augen oder im Dunkeln. Das kann zu Verlust der Raumorientierung führen (Risikosportarten oder Gefahrberufe können nicht mehr ausgeübt werden). Ein beidseitiger Labyrinthausfall ist sehr selten.

Differentialdiagnosen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Klaus Poeck und Werner Hacke: Neurologie. 12., aktualisierte und erweiterte Auflage. Springer, Heidelberg 2006, ISBN 3-540-29997-1, S. 419, 420.
  •  Brandt/Dieterich/Strupp: Vertigo - Leitsymptom Schwindel. 2. Aufl. Auflage. Springer, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-24963-1, S. 143, Mit DVD..

Weblinks[Bearbeiten]

Quellenangaben[Bearbeiten]

  1. Strupp M., Zingler V.C, Arbusow V.: Methylprednisolone, valacyclovir, or the combination for vestibular neuritis In: The New England Journal of Medicine 2004; 351(4):354–361.
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