Langstieliger Pfeffer-Milchling

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Langstieliger Pfeffer-Milchling
Der Langstielige Pfeffer-Milchling (Lactarius piperatus) ist die Typart der Gattung Lactarius.

Der Langstielige Pfeffer-Milchling (Lactarius piperatus) ist die Typart der Gattung Lactarius.

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: unsichere Stellung (incertae sedis)
Ordnung: Täublingsartige (Russulales)
Familie: Täublingsverwandte (Russulaceae)
Gattung: Milchlinge (Lactarius)
Art: Langstieliger Pfeffer-Milchling
Wissenschaftlicher Name
Lactarius piperatus
(L.) Pers.

Der Langstielige Pfeffer-Milchling (Lactarius piperatus)[1] ist eine Pilzart aus der Familie der Täublingsverwandten (Russulaceae). Andere Namen für diesen Milchling sind Schlanker Pfeffer-Milchling und Echter Pfeffermilchling. Er ist ein großer weißlicher Milchling mit einem glatten Hut, sehr dicht stehenden Lamellen und einer sehr scharfen, weißen Milch, die sich weder beim Eintrocknen noch mit KOH verfärbt. Besonders in Österreich und der Schweiz ist er ein häufiger Pilz, den man in verschiedenen Laubmischwäldern finden kann. Der Milchling gilt in Mitteleuropa meist als ungenießbar, während er besonders in Südosteuropa als Speisepilz geschätzt wird.[2]

Merkmale[Bearbeiten]

Makroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Der Hut ist 4–13 (–16) cm breit, zuerst flach gewölbt, dann leicht niedergedrückt und später mitunter trichterförmig vertieft. Die Hutoberfläche ist jung glatt und matt, aber bei älteren Fruchtkörpern zum Rand hin mehr oder weniger konzentrisch gerunzelt und in der Mitte oft unregelmäßig klumpig oder gekröseartig aufgeworfen. Der Rand ist lange Zeit einwärts gebogen und bisweilen lappig verbogen. Der junge Hut ist elfenbeinweiß, später hell cremegelb und im Alter nicht selten gelbbräunlich oder ockergelb gefleckt.

Die sehr dicht stehenden Lamellen sind zuerst breit am Stiel angewachsen und laufen dann leicht daran herab. Sie sind sehr schmal (oft nur 1,5 mm breit) und weisen einige gleichmäßig verteilte Gabelungen auf. Sie sind weißlich bis cremefarben und später blass fleischfarben oder haben einen cremeorangen Schimmer. An verletzten Stellen werden sie braunfleckig. Die Lamellenschneiden sind glatt und das Sporenpulver ist weiß.

Der zylindrische bis flach gedrückte Stiel ist 3–8 (–10) cm lang und 1,2–3 (–4) cm breit. Zur Basis hin ist er verjüngt. Die Oberfläche ist weiß, gelblich weiß oder blass cremefarben. Sie ist trocken, matt und glatt oder mehr oder weniger aderig gefurcht. Im Alter verfärbt sich der Stiel von der Basis her ockerlich oder bräunlich.

Das harte, feste Fleisch ist weiß und läuft an der Luft hell cremegelb an. Es riecht schwach obstartig und beim Trocknen deutlich honig- oder apfelartig. Nach kurzer Zeit schmeckt es sehr scharf. Die weiße Milch fließt nur anfangs reichlich. Sie trocknet weißlich ein und verfärbt sich auch nicht bei der Zugabe von KOH. Mit Formol verfärbt sich das Fleisch nach einigen Stunden violett.[2][3][4]

Mikroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Die breitelliptischen Sporen sind durchschnittlich 8,0–8,5 µm lang und 5,9–6,3 µm breit. Der Q-Wert (Quotient aus Sporenlänge und -breite) ist 1,3–1,6. Das Sporenornament wird meist 0,2 (0,5) µm hoch und besteht aus dünnen, gratigen Rippen sowie überwiegend aus unregelmäßig gerundeten bis gratig verlängerten Warzen, die teilweise aufgereiht und durch niedrige Linien miteinander verbunden sind und so ein unvollständiges Netzwerk bilden. Der Hilarfleck ist inamyloid.

Die zylindrischen bis keuligen Basidien messen 35–55 × 5–10 µm. Sie tragen mitunter nur zwei, meist aber vier Sporen. Die Lamellenschneiden sind heterogen, neben den Basidien tragen sie zahlreiche, zylindrische bis keulige und 25–65 µm lange und 6–10 µm breite Cheilomakrozystiden. Auch die Pleuromakrozystiden sind zahlreich und keulig und messen 50–70 (–90) × (–8) 10–15 µm.

Die Huthaut (Pileipellis) ist ein Hyphoepithelium aus mehr oder weniger rundlichen Zellen, die 6–25 µm lang und 5–20 µm breit sind. Daraus entspringen hervorstehende Hyphen und zystidenartige, zylindrische bis keulenförmige und 2–6 µm breite Hyphenenden. Einige Autoren (z. B. Heilmann-Clausen) interpretieren diese verbreiterten Hyphenenden als echte Pileozystiden.[4][2]

Artabgrenzung[Bearbeiten]

Der Langstielige Pfeffermilchling lässt sich mit einer ganzen Reihe von weißhütigen Milchlingen verwechseln. Sehr ähnlich sind der Grünende Pfeffer-Milchling (L. glaucescens), der Wollige Milchling (L. vellereus) und der Rosascheckige Milchling (L. controversus). Während die beiden Ersteren an vergleichbaren Standorten wie die hier beschriebene Art vorkommen, wächst der Rosascheckige Milchling bevorzugt unter Pappeln und hat einen schmierig-schleimigen Hut mit rosa getönten Lamellen. Vom Langstieligen Pfeffer-Milchling unterscheidet sich der Grünende Pfeffer-Milchling durch die sich beim Eintrocknen langsam graugrün verfärbende Milch, während sich die frische Milch mit KOH orangegelb verfärbt. Der Wollige Milchling hat einen flaumig bereiften Hut und Stiel und seine Sporen sind deutlich größer. Seine Huthaut enthält lange, aufrechte und dickwandige, lamprozystidenartige Haare.[4]

Ökologie[Bearbeiten]

Der Langstielige Pfeffer-Milchling ist ein Mykorrhizapilz, der vorwiegend mit Rotbuchen und Eichen eine Symbiose eingeht. Mitunter können aber auch Fichten, seltener Tannen oder andere Laubbäume als Wirt dienen. Man findet den Milchling in verschiedenen Laubwäldern und Gebüschen. Er hat eine Vorliebe für nährstoffreichere, neutrale bis kalkhaltige Böden. Daher findet man ihn häufig in Waldmeister-Buchen- und Waldgersten-Buchenwäldern und in montanen Tannen-Buchenwäldern. Er kommt aber auch in anderen Waldgesellschaften wie Hainbuchen-Eichen- und in wärmeliebenden oder bodensauren Eichenmischwäldern, aber auch in verschiedenen Nadelwaldgesellschaften vor. Die Fruchtkörper erscheinen meist zwischen Juni und September. Der Milchling kommt bevorzugt im Hügel- und Bergland vor.[4][5][6]

Verbreitung[Bearbeiten]

Verbreitung des Langstieligen Pfeffer-Milchlings in Europa. Grün eingefärbt sind Länder, in denen der Milchling nachgewiesen wurde. Grau dargestellt sind Länder ohne Quellen oder Länder außerhalb Europas.[5][7][8][9][10][11][12][13][14][15]

Der Langstielige Pfeffer-Milchling ist weit verbreitet. Er wurde außer in Europa in Afrika (Marokko), Madagaskar, Südostasien (Thailand, Singapur), Nordasien (West-und Ostsibirien, Japan, Korea), Nordamerika (USA, Kanada) und auf Madeira nachgewiesen. In Europa kommt der Milchling in der submeridionalen bis temperaten Zone vor. In Südosteuropa ist der Pilz häufig und zugleich ein begehrter Speisepilz, ansonsten ist er locker, aber weit verbreitet, wobei Verdichtungs- und Auslichtungsgebiete immer wieder abwechseln. In Nordeuropa ist der Milchling seltener, hier kommt er auf den Hebriden, in Südwest-Norwegen, in Süd- und Mittelschweden und in Südfinnland vor. In Deutschland wurde er zwar in allen Bundesländern nachgewiesen, ist aber im nördlichen Tiefland (vor allem im Nordwesten) recht selten, während er in Baden-Württemberg und Bayern häufiger ist.[16] In Österreich[17] und der Schweiz[4] gehört der Langstielige Pfeffer-Milchling zu den häufigsten Milchlingen.

Systematik[Bearbeiten]

Der Langstielige Pfeffer-Milchling wurde von Carl von Linné 1753 in seinem Werk Species Plantarum erstmals als Agaricus piperatus beschrieben.[18] 1797 stellte ihn C. H. Persoon in die Gattung Lactarius und gab ihm damit seinen heutigen Namen.[19] Das lateinische Artattribut (Epitheton) "piperatus" bedeutet gepfeffert und im übertragenen Sinne beißend scharf. Der Milchling ist die Typusart der Gattung Lactarius.

Infragenerische Systematik[Bearbeiten]

Lactarius piperatus ist bei Bon und Singer die Typusart der Sektion Albati. Diese enthält große, weißliche Milchlinge, die mehr oder weniger scharf schmecken und einen nur schwachen Geruch haben. Die Milch ist zumindest anfangs weiß.[20] M. Basso und Heilmann-Clausen nehmen Lactarius piperatus aufgrund von mikroskopischen Merkmalen aus der Sektion Albati heraus und machen ihn zur Typusart der Untergattung und Sektion Lactarius.[2][21]

Bedeutung[Bearbeiten]

Der Milchling kann wegen seiner außerordentlichen Schärfe kaum verzehrt werden. Von manchen Pilzsammlern wird er jedoch getrocknet als Würzpilz oder gut gegrillt oder scharf gebraten gegessen.[20]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatSynonyme von Lactarius piperatus. In: speciesfungorum.org. Index Fungorum, abgerufen am 7 September 2011.
  2. a b c d  Jacob Heilmann-Clausen u. a., The Danish Mycological Society, (Hrsg.): The genus Lactarius. Fungi of Northern Europe. Vol. 2, 1998, ISBN 87-983581-4-6, S. 248.
  3.  Hans E. Laux: Der neue Kosmos PilzAtlas. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2002, ISBN 3-440-07229-0, S. 196.
  4. a b c d e  Fred Kränzlin: Pilze der Schweiz Band 6. Russulaceae. Verlag Mykologia, Luzern, ISBN 3-85604-060-9, S. 86.
  5. a b Lactarius piperatus in der PILZOEK-Datenbank. In: pilzoek.de. Abgerufen am 7. September 2011: „Lactarius piperatus“
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPilz-Verbreitungsatlas - Deutschland. In: Pilzkartierung 2000 Online / brd.pilzkartierung.de. Abgerufen am 19. Februar 2012.
  7. Weitweite Verbreitung von Lactarius piperatus. In: data.gbif.org. Abgerufen am 7. September 2011.
  8.  Jacob Heilmann-Clausen u. a., The Danish Mycological Society, (Hrsg.): The genus Lactarius. Fungi of Northern Europe. Vol. 2, 1998, ISBN 87-983581-4-6, S. 271–73.
  9.  Sulejman Redzic, Senka Barudanovic, Sasa Pilipovic: Wild Mushrooms and Lichens used as Human Food for Survival in War Conditions; Podrinje - Zepa Region (Bosnia and Herzegovina, W. Balkan). In: Human Ecology Review. Vol. 17, Nr. 2, 2010, S. 175-187, doi:10.1016/j.funeco.2009.06.002 (online (PDF; 260 kB)).
  10.  Denchev, Cvetomir M. & Boris Assyov: CHECKLIST OF THE MACROMYCETES OF CENTRAL BALKAN MOUNTAIN (BULGARIA). In: Mycotaxon. 111:, 2010, S. 279–282 (online (PDF; 592 kB)).
  11.  Z. Tkalcec & A. Mešic: Preliminary checklist of Agaricales from Croatia V:. Families Crepidotaceae, Russulaceae and Strophariaceae. In: Mycotaxon. 88, 2003, ISSN 0093-4666, S. 289 (http://www.cybertruffle.org.uk/cyberliber/59575/0088/0289.htm cybertruffle.org.uk, abgerufen am 9. Januar 2012).
  12.  D. M. Dimou, G. I. Zervakis & E. Polemis: Mycodiversity studies in selected ecosystems of Greece: I. Macrofungi from the southernmost Fagus forest in the Balkans (Oxya Mountain, central Greece). In: Mycotaxon. Vol: 82, 2002, S. 177–205 (online).
  13.  Petkovski S.: National Catalogue (Check List) of Species of the Republic of Macedonia. Skopje 2009 (PDF, 1,6MB, abgerufen am 9. Juli 2013).
  14.  Paula Baptista et al.: Diversity and fruiting pattern of macrofungi associated with chestnut (Castanea sativa) in the Tra´s-os-Montes region (Northeast Portugal). In: Fungal Ecology. Vol 3, 2010, S. 9-19, doi:10.1016/j.funeco.2009.06.002 (https://bibliotecadigital.ipb.pt/bitstream/10198/4467/1/31.pdf).
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatT.V. Andrianova et al.: Lactarius of the Ukraine. Fungi of Ukraine. In: www.cybertruffle.org.uk/ukrafung/eng. (2006), abgerufen am 20. Februar 2012 (englisch).
  16.  G. J. Krieglsteiner, A. Gminder, W. Winterhoff: Die Großpilze Baden-Württembergs. 2, Eugen Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3531-0, S. 360.
  17. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDatenbank der Pilze Österreichs. In: austria.mykodata.net. Österreichische Mykologischen Gesellschaft, abgerufen am 19. Februar 2012.
  18.  Carolus Linnaeus, Holmiae (Laurentii Salvii) (Hrsg.): Species Plantarum: Tomus II. 1173.
  19.  Christian Hendrik Persoon, Holmiae (Laurentii Salvii) (Hrsg.): Tentamen dispositionis methodicae Fungorum. 1797, S. 64.
  20. a b  Marcel Bon (Hrsg.): Pareys Buch der Pilze. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-09970-9, S. 94.
  21.  Maria Teresa Basso: Lactarius Persoon. Fungi Europaei. Vol. 7, 1999, ISBN 88-87740-00-3, S. 723.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lactarius piperatus – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien