Mehrfachsteckdose

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Mehrfachsteckdose mit Schalter und um 45° gedrehten Steckplätzen
Kabellose Mehrfachsteckdose mit zwei Anschlüssen für Eurostecker (Typ C) und einem Schukoanschluss (Typ F) in der Mitte
Schalter einer Mehrfachsteckdose

Eine Mehrfachsteckdose (fachlich richtig als „Mehrfachsteckdosenleiste“ bezeichnet) stellt mehreren elektrischen Geräten mit genormtem Steckeranschluss einen Anschluss an das Stromnetz bereit. Dazu wird sie an eine Steckdose angeschlossen und bedingt durch die interne Parallelschaltung werden alle Steckplätze mit Strom versorgt. Sie wirkt somit als Verteiler im Gegensatz zum reinen Verlängerungskabel, das in der Regel nur einen einzigen Anschluss bietet.

Sicherheit[Bearbeiten]

Es ist funktional möglich, mehrere Mehrfachsteckdosen zu koppeln und so eine nahezu unbegrenzte Anzahl von elektrischen Geräten mit Strom zur versorgen. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten, da Mehrfachsteckdosen nicht unbegrenzt belastbar sind und negative Auswirkungen auf die Sicherheit der Anlage entstehen.

Die Verwendung ortsveränderlicher Mehrfachsteckdosenleisten und Verlängerungsleitungen als Ersatz für eine unzureichende ortsfeste Elektroinstallation stellt bei unsachgemäßem Gebrauch im Sinne der DIN VDE 0100 Teil 420 Abs. 4.1 eine Brandgefahr in elektrischen Anlagen dar.[1]

Entscheidendes Kriterium ist die Gesamtschleifenimpedanz für den betreffenden Stromkreis, die sich durch Übergangswiderstände an zusätzlichen Steckverbindungen maßgeblich erhöhen kann. Dadurch ist unter Umständen der Kurzschlussschutz durch die vorgeschaltete Sicherung nicht mehr gewährleistet, oder die in der VDE 0100-410:2007-06 verlangte kurze Abschaltzeit von 0,4 s für das TN-System kann nicht eingehalten werden. Außerdem ist die abgenommene Leistung (gemessen in Watt) an die Belastbarkeit der Mehrfachsteckdosenleisten und des Stromkreises anzupassen.

Die Normung hat dieser Problematik Rechnung getragen und in der aktuell gültigen DlN VDE 0620-1:2010-02 ist seitens der Hersteller das Aufbringen von Warnhinweisen zwingend gefordert. Gemäß Abschnitt 8.9 dieser Norm müssen für ortsveränderliche Mehrfachsteckdosenleisten auf dem Produkt selber oder zumindest auf einem Beipackzettel mittels Text oder Piktogramm folgende Warnhinweise angegeben werden:

  • Nicht hintereinander stecken!
  • Nicht abgedeckt betreiben!

Für ortsveränderliche Mehrfachsteckdosenleisten mit Funktionsschalter zusätzlich:

  • Spannungsfrei nur bei gezogenem Stecker!

Es gibt unterschiedliche Typen von Mehrfachsteckdosen, von denen die meisten nicht für einen Einsatz in feuchten Räumen oder gar unter freiem Himmel konzipiert sind. Beim Einsatz einer solchen Mehrfachsteckdose entgegen der vom Hersteller festgelegten „bestimmungsgemäßen Verwendung“ kann es zu einem Kurzschluss oder sogar Schwelbrand kommen. Bei unsachgemäßer Anwendung kann zusätzlich ein Stromschlag verursacht werden und somit Lebensgefahr für Personen bestehen.

Geöffnete Mehrfachsteckdose mit typischen Fehlern

Ebenfalls Gefahr geht aus von minderwertigen Produkten, die teilweise über mangelhaft oder nicht verbundene Schutzleiterkontakte (PE) verfügen oder einen zu kleinen Querschnitt für die Anschlussleitung haben. Auch offizielle Prüfsiegel wie GS- oder TÜV-Siegel werden bei solchen Importen manchmal gefälscht. Gemäß VDE Entscheidungspapier EK1 393_08[2] und EK1 370-08[3] dürfen seit dem 23. Februar 2009 Steckdosenleisten mit einem Leitungsquerschnitt < 1,5 mm² nicht mehr mit dem VDE GS (Gütesiegel) ausgezeichnet werden. (Aufgrund der bisher an 1,0 mm²-Leitungen durchgeführten Prüfungen wurden die zulässigen Grenztemperaturen nach DIN VDE 0298-300 Tabellen 4A bzw. 4B immer überschritten)

Für Steckdosenleisten mit gegenständlichen Motiven in Darstellungen, die Kinder zum Spielen anregen[4], ist die Prüfung abzulehnen, diese können daher mit keinem VDE GS (Gütesiegel) ausgezeichnet werden.

Viele Mehrfachsteckdosenleisten enthalten eingebaute Kindersicherungen.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Mehrfachsteckdosen können folgende Eigenschaften und Funktionen haben:

  • Unterschiedliche Anzahl von Anschlüssen
  • Kabellos (Verteilung direkt an der Steckdose)
  • Um 45° oder 90° gedrehte Steckplätze, um mehrere Winkelstecker ohne gegenseitige Behinderung anzuordnen
  • Steckdose mit sechs Löchern, um entweder einen Schuko- oder bis zu zwei Eurostecker einzustecken
  • Eingebauter Überspannungsschutz
  • Eingebauter Schalter, um an einzelnen oder allen Steckplätzen den Strom ein- bzw. auszuschalten
  • Steuerung aller angeschlossenen Geräte über ein Hauptgerät (Master-Slave-Steckdose)

Je nach Ausführung kann eine Mehrfachsteckdose mehrere Eigenschaften kombinieren. So kann für eine PC-Anlage beispielsweise eine Mehrfachsteckdose mit um 45° gedrehten Steckplätzen, Überspannungsschutz, Master-Slave-Funktion und zusätzlichem Schalter sinnvoll sein. Spezielle Formen von Mehrfachsteckdosen, welche unter anderem in Rechenzentren zur Versorgung von Geräten wie Servern oder Switches verwendet werden und über verschiedenen Zusatzfunktionen wie Fernsteuerbarkeit über IP-Netze und Erfassung des Verbrauchs pro Abgang verfügen, werden als Power Distribution Unit (PDUs) bezeichnet.

Bis in die 1990er-Jahre hinein gab es überwiegend Leisten mit ungedrehten Dosen (siehe Abbildung Mehrfachsteckdose für Schuko- und Eurostecker), bei denen Platzprobleme mit Winkelsteckern und Steckernetzteilen auftraten. Alternativ gab es Ausführungen mit um 90° gedrehten Dosen, die teuer (weil aufwendiger in der Herstellung) waren. Erst später tauchten 45°-Dosen auf, die binnen kurzer Zeit die ungedrehten fast völlig vom Markt verdrängten. Sie sind mit ähnlichem Aufwand wie herkömmliche (nicht gedrehte) Dosen zu fertigen; lediglich die Kontaktbahnen im Inneren liegen etwas dichter beieinander.

Energie sparen[Bearbeiten]

Mehrfachsteckdosen mit Schalter können auch dazu dienen, Energie zu sparen. Durch den Schalter können alle Geräte vom Stromnetz getrennt werden und verbrauchen damit auch keine Energie im Standby-Betrieb. Im Gegensatz dazu verbraucht eine Master-Slave-Steckdose Energie für Hauptgerät und Steckdose selbst und ist in der Regel teurer. Eine Mehrfachsteckdose mit Schalter, die konsequent ein- und ausgeschaltet wird, kostet daher weniger Geld.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Benjamin Tolke: Die CE-Kennzeichnung einer Mehrfachsteckdose, Studienarbeit. 1. Auflage. GRIN Verlag, München 2007, ISBN 978-3-638-51428-6, S. 31.

Normen[Bearbeiten]

  • IEC 60364-4-42:2010 VDE 0100-420:2013-02 Errichten elektrischer Niederspannungsanlagen Teil 4-42: Schutzmaßnahmen - Schutz gegen thermische Auswirkungen
  • DIN VDE 0620-1:2013-03 Stecker und Steckdosen für den Hausgebrauch und ähnliche Anwendungen - Teil 1: Allgemeine Anforderungen an ortsfeste Steckdosen

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mehrfachsteckdose – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Holger Bluhm: Unzulässige Verwendung ortsveränderlicher Mehrfachsteckdosenleisten. Abgerufen am 25. April 2012 (PDF).
  2. Erfahrungsaustauschkreis im Rahmen des GPSG, Anfrage an den EK 1 – AD05. VDE, abgerufen am 25. April 2012 (PDF).
  3. Erfahrungsaustauschkreis im Rahmen des GPSG EK 1 - Anfrage an den EK 1, GS-Zeichen-Zuerkennungsverfahrens für das gesamte Produkt Steckdosenleiste. VDE, abgerufen am 26. April 2012 (PDF; 36 kB).
  4. Erfahrungsaustauschkreis im Rahmen des GPSG EK 1 Festlegung - Steckdosenleisten mit gegenständlichen Motiven. VDE, abgerufen am 26. April 2012 (PDF; 189 kB).