Microdrive (Bandlaufwerk)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
ZX Microdrive
ZX Microdrive-Steckmodul
QL Microdrive-Steckmodule
Geöffnetes Microdrive Cartridge im Größenvergleich zu einer Compact-Cassette

Der ZX Microdrive ist ein Bandgerät zur magnetischen Massenspeicherung von Daten, das von der Firma Sinclair Research im Juli 1983 für den Heimcomputer ZX Spectrum auf den Markt gebracht wurde und als kostengünstigere Alternative zu Diskettenlaufwerken angepriesen wurde. Der Microdrive speichert die Daten auf einzelnen austauschbaren Steckmodulen (etwa 5 cm × 3,5 cm × 0,5 cm). In dem Modul befindet sich, vergleichbar mit der 8-Spur-Kassette, ein zu einer Endlosschleife verbundenes Chromdioxidband, halb so breit wie das in den zu jener Zeit populären Audio-Compact Cassetten. Ein kompletter Durchlauf des Bandes dauert 7,5 Sekunden. Jedes Steckmodul hatte eine Speicherkapazität von 100 KB bei einer Transferrate von 16 KB pro Sekunde.[1] Aufgrund des Laufgeräusches und der unüblichen Konstruktionsweise wurde dieses Band damals im Jargon gerne als „rasender Schnürsenkel“ betitelt.[2] Die „Stringy floppy“ für den TRS-80 funktionierte nach einem ähnlichen Prinzip.

Im Laufwerk dient ein nur mechanisch (zur Bandführung) modifizierter Stereo-Tonkopf zum Lesen und Schreiben der Bits. Die Miniaturisierung der mechanischen Teile führt zum schnellen Verschleiß und die Spezialkassette wird schnell unzuverlässig und schließlich unbrauchbar. Die einzelnen Steckmodule waren vergleichsweise teuer. Technisch gesehen benötigt das ZX Microdrive als Controller das sogenannte ZX Interface 1 zum Anschluss an den ZX Spectrum. Diese Erweiterung, die auch noch serielle Schnittstellen und eine rudimentäre Netzwerk-Funktionalität bietet, wurde meist zusammen mit dem eigentlichen Microdrive verkauft.

Die Microdrive-Technologie wurde später auch für den Sinclair QL-Computer verwendet. Der Hauptentwickler des Microdrive war Ben Cheese. Dabei waren die Microdrives selbst folgender Weiterentwicklung unterworfen:

  • Der ZX Spectrum und die damals bei Heimcomputern üblichen Kassettenlaufwerke unterstützten die bei Bandlaufwerken übliche sequenzielle Speicherung. Der QL dagegen speichert jedoch genau die bei Diskettenlaufwerken bekannte Einteilung in Sektoren mit netto 512 Byte, ein dynamisch-flexibles Directory und eine der DOS-Clustertabelle vergleichbare sog. Sectormap (das Microdrive-Format benutzte 1 Sektor pro Cluster, das damit ansonsten identische Format auf den QL-Floppies mit 720 KB benutzte drei Sektoren pro Cluster).
  • Wegen dieses Unterschieds der extern verbauten unterschiedlichen Controller werden auf einem Steckmodul 85 kB (Spectrum) bzw. etwa 110 kB (QL) gespeichert.
  • Bei der Formatierung wurden schadhafte Sektoren im QL erkannt und automatisch durch Eintrag in der Sektormap aus dem Verkehr gezogen.
  • Die Speicherung beim QL ist dem MS-DOS-Format überlegen. Das Rootdirectory hat keine fixe, sondern eine flexible Länge.
  • Die Daten in der Sectormap sind für die speziellen Tricks des QL-Betriebssystems optimiert: anders als bei MSDOS-Rechnern wird bei einem größeren Leseauftrag jeder am Lesekopf gerade vorbeikommende Cluster, der zu diesem Auftrag gehört, in beliebiger Reihenfolge sofort eingelesen und im QL-Arbeitsspeicher passend eingefügt. So kann auch eine fragmentierte Datei in längstens einem einzigen Bandschleifendurchlauf (etwa 7,5 Sekunden) komplett vom Microdrive eingelesen werden. Defragmentierung unterstützen Spectrum und QL dagegen nicht.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tony Smith: Infinite loop: the Sinclair ZX Microdrive story – The rise and fall of a 'revolutionary' storage technology. theregister.co.uk, 13 März 2013
  2. Sinclair ZX Spectrum. Eintrag bei classiccomputer.de, abgerufen am 9. März 2014

Weblinks[Bearbeiten]