Social Trading

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Social Trading (dt. etwa „gemeinschaftlicher (Börsen-)Handel“) bezeichnet eine Form der unregulierten Anlageberatung und Vermögensverwaltung für Privatanleger. Dabei veröffentlichen Anleger ihre Meinungen zu Wertpapieren oder ihr gesamtes Portfolio in sozialen Netzwerken oder auf speziellen Plattformen, damit andere Anleger diese einsehen, kommentieren oder mit ihrem eigenen Vermögen nachbilden können.

Der Anlageprozess soll dadurch – z. B. gegenüber Investmentfonds oder Vermögensverwaltern – transparenter werden, da Anlageentscheidungen unmittelbar veröffentlicht werden und auch kommentiert werden können.

In einem weiter gefassten Sinn bezeichnet Social Trading allgemein den Austausch von Meinungen und Informationen auf sozialen Netzwerken oder darauf spezialisierten Plattformen unter Privatanlegern zum Zweck der Anlageentscheidung.

Systematische Untersuchungen zur Profitabilität von Social Trading gegenüber anderen Anlagestilen existieren bisher nicht. Ein Versuch von Yaniv Altshouler vom MIT Media Lab mit 500 Benutzern der Plattform eToro ergab eine Steigerung der Rendite von über 10 % unter den Nutzern, die mit Hilfe des sozialen Netzwerks handelten.[1]

Führende Anbieter im deutschen Markt sind derzeit ayondo, Zulutrade, Wikifolio sowie eToro.

Nachbildung von Portfolios[Bearbeiten]

Inzwischen existieren zahlreiche Plattformen, auf denen man automatisch das Portfolio bzw. die Käufe und Verkäufe von anderen Anlegern nachbilden kann. Dieser Vorgang wird, ähnlich wie bei anderen sozialen Plattformen, „[einem Trader] folgen“ genannt. Dazu zahlt man den gewünschten Betrag bei der Plattform ein und legt den Betrag fest, mit dem man einem bestimmten „Trader“ folgen möchte. Diese automatische Replikation von Käufen und Verkäufen wird auch als Copy Trading oder Mirror Trading bezeichnet.

Einige Anbieter arbeiten mit unabhängigen Brokern zusammen, während andere selbst Broker sind, bei denen man ein Konto eröffnen muss. Wieder andere verbriefen die Portfolios in eigenen Zertifikaten, die dann ihrerseits gehandelt werden können.

Chancen und Risiken[Bearbeiten]

Das Konzept des Social Trading bildet eine Art „Web-2.0-Gegenpol“ zur klassischen Geldanlage in aktiv verwaltete Produkte wie Investmentfonds. Typischerweise erfolgt die Anlage bei einer automatischen Abbildung von Muster-Portfolios ausschließlich in börsengehandelte und teils auch regulierte Produkte wie Aktien, ETFs, Rohstoffe oder Währungen. Keiner Aufsicht hingegen unterliegen die Verwalter dieser Portfolios oder deren Anlageentscheidungen. Es existieren keine gesetzlichen Vorschriften, die eine einschlägige Ausbildung oder berufliche Erfahrung im Investmentbereich verlangen. Jeder kann Portfolios publizieren und von anderen folgen lassen. Auch gibt es keine Vorschriften, was die Allokation des Vermögens betrifft. Meist haben die Plattformen eine gewisse Form der Selbstkontrolle implementiert, sodass nur Anlegern gefolgt werden kann, deren Portfolio bereits seit einigen Monaten publiziert wird und deren Identität verifiziert wurde.

Da eine Aufsicht bzw. Regulierung entfällt, ist es einfach und schnell möglich, ein Produkt anzubieten, das eine bestimmte Anlagestrategie – sei es von (profitablen) Privatanlegern oder von professionellen Vermögensverwaltern – verbrieft, etwa in Form eines Zertifikats.[2] Allerdings sind Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen und dem Kreditrisiko des Emittenten ausgesetzt. Im Gegensatz dazu ist das Anlagevermögen bei Fonds Sondervermögen, das auch bei Insolvenz der Fondsgesellschaft weiter den Anlegern gehört.

Siehe auch[Bearbeiten]

Referenzen[Bearbeiten]

  1. http://www.media.mit.edu/research/highlights/tuning-social-networks-gain-wisdom-crowd, abgerufen am 9. November 2014
  2. http://boerse.ard.de/anlagestrategie/social-trading/wikifolio-zuendet-die-naechste-stufe100.html