Hauptwerk (Software)

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Hauptwerk
Entwickler Crumhorn Labs Ltd.
Aktuelle Version 4.1
(August 2014)
Betriebssystem Windows XP Pro / Windows XP 64 / Windows Vista / Windows 7 / Mac OS X
Kategorie Musiksoftware
Lizenz proprietär
Deutschsprachig nein
www.hauptwerk.com

Hauptwerk ist ein Softwaresampler für Pfeifenorgeln, benannt nach deren Teilwerk, dem „Hauptwerk“.

Die Ansteuerung der Software erfolgt über MIDI. Eine fotorealistische Umsetzung eines Spieltisches ermöglicht die Bedienung der Register am Bildschirm oder über einen Touchscreen; auch eine Steuerung per MIDI ist möglich. Die Software arbeitet mit Aufnahmen (Samples) echter Orgelpfeifen.

Geschichte[Bearbeiten]

Sie wurde bis 2008 von der Firma Crumhorn-Labs Ltd. in Birmingham hergestellt und vertrieben; danach wurde Hauptwerk vom amerikanischen Unternehmen Milan Digital Audio übernommen. Crumhorn Labs war 2006 mit dem Erscheinen der Programmversion 2 von dem Programmierer Martin Dyde gegründet worden. Schon Anfang 2004 war die Version 1.00 herausgekommen. Es gibt eine kostenfreie, im Funktionsumfang und Leistung eingeschränkte Version.

Inzwischen sind zahlreiche Samplesets für Hauptwerk erhältlich, darunter bedeutende Instrumente von Arp Schnitger, Gottfried Silbermann, Andreas Silbermann, Wilhelm Sauer, Henry Willis, Jonathan Bätz und Cavaillé-Coll. Einige Hersteller von Samplesets unterstützen auch die 4-kanalige-Audioausgabe, ähnlich dem Surround-Effekt. Hier werden die hinteren Raumlautsprecher (rear) mit einem halligerem Signal (wet) gespeist, als die vorderen (front) Lautsprecher. Der Hardwareaufwand für eine solche Installation kann bis zu 64 GB Arbeitsspeicher erfordern.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Hauptwerk ahmt verschiedene Eigenschaften einer realen Pfeifenorgel nach. Dies betrifft zum Beispiel Windschwankungen einer Pfeifenorgel, die sich je nach Register, Anzahl und Geschwindigkeit der gespielten Töne auf die Lebendigkeit des Klangs auswirken. Aus patentrechtlichen Gründen ist diese wesentliche Programmfunktion in den USA jedoch nicht verfügbar. Die Verwendung von Release-Trigger-Samples, die mit dem Loslassen jeder Taste die Originalakustik des Raumes hinzufügt, erzeugt eine hohe Authentizität. Ab Version 2.21 ist die Verwendung von bis zu drei Release-Trigger-Samples, in direkter Abhängigkeit der vorhergegangenen Tonlänge oder der MIDI-Dynamik von diesen Triggern, möglich. Auch verwendet die Version mehrfache und variierende Multiloops, um eine noch höhere Lebendigkeit des Klanges zu erzeugen.

Zur Einrichtung und zum Anschluss an einen MIDI-fähigen Orgelspieltisch sind seit Version 4.0 keine speziellen MIDI-Kenntnisse mehr notwendig.

Anmerkungen[Bearbeiten]

Die große Verbreitung der Software beruhte auf der Version 1 (HW1) (ohne ASIO), mit der sich selbst auf relativ preiswerten, älteren PC-Konfigurationen eine gute und preiswerte Alternative zu einem Hardwaresampler realisieren ließ. Die Version 1 wird nicht mehr gepflegt und unterstützt. Während in der ersten Version Orgelsets in Form von Organ-Dateien (im ASCII-Format) vom kundigen Anwender erstellt und individualisiert werden konnten, ist dieses ab der Version 2 ohne fundierte XML-Kenntnisse kaum noch möglich.

Die Version 3 benötigte dagegen mehr Hardwareressourcen. Ab ca. 18 Registern wird ein Doppelkernprozessor mit 2,66 GHz und 8 MB L2-Cache empfohlen, um auch große Samplesets mit annehmbarer Latenz spielen zu können. Sample-Sets von zwei-manualigen Instrumenten lassen sich ohne Einschränkungen auch noch mit Pentium-IV-Prozessoren der letzten Generation bespielen. Für ältere PC-Systeme gibt es zahlreiche Einstellmöglichkeiten, die den Betrieb auch mit solchen ermöglicht. Hauptwerk 3 bietet die Option, alte Samplesets zu importieren und somit weiterzuverwenden. Bei der Hardwaredimensionierung kommt der Größe des zur Verfügung stehenden Hauptspeichers eine wichtige Bedeutung zu. Hauptwerk 4 macht die Erkennung und Einrichtung von MIDI-Befehlen, wie sie von der Registersteuerung eines MIDI-fähigen Orgelspieltisches gesendet werden, mit einer "Lern-Funktion" sehr schnell und leicht möglich. In den Niederlanden sind Installationen mit Hauptwerk inzwischen auch schon in zahlreichen Kirchen zu finden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Ein weiterer Orgelsampler, vergleichbar der Hauptwerk-Version 1.3, ist MyOrgan. Er ist Open-Source-Software und besitzt eine deutsche Benutzeroberfläche. Seit Juni 2006 wird der Quellcode jedoch nicht mehr gepflegt. Eine weitere, davon abgeleitete und erweiterte Version ist GrandOrgue für Windows, Linux und MacOS.

Aeolus bietet für GNU/Linux eine ähnliche Funktionalität und ist ebenfalls frei unter der GPL erhältlich. Es benutzt keine Samples, sondern mathematische Modelle zur Klangsynthese.

Weblinks[Bearbeiten]