Republik China

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Dieser Artikel beschreibt die Republik China auf dem chinesischen Festland (bis September 1949). Zur heutigen Republik China (ab Oktober 1949) siehe Republik China (Taiwan).
中華民國
Zhōnghuá Mínguó
Republik China
Flagge der Republik China
Wappen der Republik China
Flagge Emblem
Amtssprache Hochchinesisch
Hauptstadt Nanjing
Staatsform Republik
Regierungssystem semipräsidentielle Demokratie
Staatsoberhaupt Staatspräsident
Regierungschef Premierminister
Fläche 1912: 11.077.380 km²
Einwohnerzahl jeweils geschätzt:
  • 1912: 432.375.000
  • Bevölkerungsdichte 39 /km²
  • 1920: 472.000.000
  • Bevölkerungsdichte 42,6 /km²
  • 1930: 489.000.000
  • Bevölkerungsdichte 44,1 /km²
  • 1948: 489.000.000
  • Bevölkerungsdichte 44,1 /km²
  • 1949: 541.670.000
  • Bevölkerungsdichte 48,9 /km²
Währung Chinesischer Yuan

Alter Taiwan-Dollar

Gründung 1. Januar 1912
Auflösung Das Territorium der Republik China ist heute hauptsächlich Teil folgender Staaten:

Kleine Teile sind heute außerdem Teil von:

Nationalhymne 1913-1915 provisorisch:

Lied an die vielversprechende Wolke (1. Version)

1915-1921:

China steht heroisch im Universum

1921-1928:

Lied an die vielversprechende Wolke (2. Version)

ab 1928: San Min Chu-i

seit 1930 inoffiziell auch: Flaggenlied
Nationalfeiertag 10. Oktober, Aufstand von Wuchang
Zeitzone UTC+8 = MEZ+7 (keine Sommerzeit)
Republic of China (orthographic projection, historical).svg

Die Republik China (chinesisch 中華民國Pinyin Zhōnghuá Mínguó, IPA (hochchinesisch) [ʈ͡ʂʊ́ŋxu̯ɑ̌ mǐnku̯ɔ̌]) ist ein Staat in Ostasien, der vom 1. Januar 1912 bis zum 30. September 1949 für ganz China stand. Am 1. Oktober 1949 wurde in Peking die Volksrepublik China ausgerufen, die heute von der großen Mehrzahl aller Staaten als Vertreterin Chinas anerkannt wird. Die Regierung der Republik China hatte sich zuvor auf die Insel Taiwan zurückgezogen. Seitdem erstreckt sich ihr Territorium nur noch auf Taiwan und einige weitere Inseln und Inselgruppen. Die Republik China nach dem 1. Oktober 1949 ist Gegenstand des Artikels Republik China (Taiwan).

Die Republik wurde am 1. Januar 1912 (開國紀念日kāiguó jìniàn rì) nach dem Sturz der Monarchie in China gegründet. Die Insel Taiwan, die bis 1945 japanische Kolonie war, gehörte damals nicht zu ihrem Territorium. Sie wurde erst 1945, nach der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg an die Republik China, eine der Siegermächte, zurückgegeben.

Geschichte[Bearbeiten]

Sturz der Qing-Dynastie und Gründerzeit[Bearbeiten]

Chinesische Mutter, 1917

Seit Ende des 19. Jahrhunderts gab es in China Bestrebungen, die Mandschudynastie zu stürzen. Die treibende Kraft kam vor allem aus den westlich erzogenen Intellektuellenschichten, aber auch aus einer nationalistischen Strömung, die die Qing-Dynastie als Fremdherrschaft ansah und eine von Han-Chinesen etablierte Herrschaftsform sehen wollte. Der Sturz der Qing-Dynastie erfolgte, als am 10. Oktober 1911 in Wuchang (Wuhan) die dort stationierten Armeen revoltierten (Xinhai-Revolution). Die Beiyang-Armee Yuan Shikais war die einzige Armee, auf die sich die Qing-Regierung noch stützen konnte. Am 1. Januar 1912 wurde unter Sun Yat-sen die Republik China mit der Hauptstadt Nanjing ausgerufen. Um einen Bürgerkrieg zu vermeiden, kam es zu einer Verständigung zwischen Sun und Yuan, wonach letzterer am 14. Februar Präsident der Republik wurde.

Flagge der Republik China 1912–1928. Siehe Liste der chinesischen Flaggen.

Nach seinem Amtsantritt ließ Yuan seine Beiyang-Armee in Peking revoltieren und begann seine Abmachung mit Sun Yat-sen zu revidieren. Sun gründete daraufhin Mitte 1913 die Chinesische Revolutionspartei (1919 in Kuomintang umbenannt). Yuan eroberte bis auf wenige Provinzen im Süden fast ganz China. Sun Yat-sen musste ins Exil gehen. Yuan ließ sich am 11. Dezember 1915 zum Kaiser einer konstitutionellen Monarchie proklamieren. Sofort rebellierten die Südprovinzen, aber auch seine eigene Armee. Im März 1916 musste Yuan abdanken, im Juni starb er.

Nach Yuans Tod brach ein Machtkampf innerhalb der Beiyang-Armee aus. Zugleich versuchte Sun Yat-sen in Guangdong eine Basis für eine demokratische Republik aufzubauen. Nach Suns Tod (1925) begann Chiang Kai-shek im Sommer 1926 den Nordfeldzug gegen die Beiyang-Warlords, auf dem er mehrere Beiyang-Truppen zerschlug. Der 1923 gegründeten Kommunistischen Partei Chinas stand Chiang ablehnend gegenüber. Am 20. März 1926 entmachtete er die Kommunisten in Kanton. Als Reaktion darauf richteten die Kommunisten Widerstandsbasen in ländlichen Gebieten ein.

Krieg mit Japan und Bürgerkrieg[Bearbeiten]

Am 7. Juli 1937 provozierte die japanische Armee vor Peking den Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke, der den Japanisch-Chinesischen Krieg auslöste. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und vor allem nach dem Angriff auf Pearl Harbor erhielt die Nationalregierung materielle und militärische Hilfe aus den USA. Der Krieg forderte in China über 19 Millionen Tote und endete am 14. August 1945 mit der Kapitulation Japans.

Trotz mehrfacher Versuche der USA, einen Waffenstillstand in China zu verwirklichen, brach der Bürgerkrieg zwischen der Kuomintang und den Kommunisten erneut aus. Der Bürgerkrieg endete mit der Niederlage Chiang Kai-sheks und dem Rückzug der Kuomintang-Regierung auf die Insel Taiwan. Taiwan wurde neben einigen kleineren Inseln anderer Provinzen zum alleinigen Hoheitsgebiet der Republik China.

Die Republik China wird als Folge der Resolution 2758 der UN-Generalversammlung international nur noch von wenigen Staaten anerkannt.

Verfassung[Bearbeiten]

Die auf Taiwan bis heute gültige Verfassung der Republik China basiert auf den politischen Lehren Sun Yat-sens und wurde 1946 auf dem Festland entwickelt. Sie trat am 25. Dezember 1947 in Kraft und verlangt eine Teilung in fünf Gewalten, die von je einem Yuan (Staatsrat) ausgeübt werden: Legislative, Exekutive, Judikative, Prüfung und Kontrolle. Staatsoberhaupt ist der auf vier Jahre direkt gewählte Staatspräsident, der ebenfalls Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist und nur einmal wiedergewählt werden darf.

Militär[Bearbeiten]

Ehrenwache am Märtyrerschrein

Verschiedene Armeen werden mit dieser Epoche assoziiert. Die Gründung der Republik wurde durch die Meuterei der „Neuen Armee“ der Qing unter Yuan Shikai ermöglicht. Nach seinem Tod zerbrach diese Armee in verschiedene Fraktionen. Sun Yat-sen reorganisierte 1925 die Nationalrevolutionäre Armee mit dem Ziel einer Wiedervereinigung Chinas. Diese Armee kämpfte auch im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg. Nach ihrer Niederlage im Chinesischen Bürgerkrieg flüchteten große Teile der Armee mit der Kuomintang nach Taiwan. Sie wurde später auf Taiwan zur „Armee der Republik China“ reformiert.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Wirtschaft der Republik China, also ganz Chinas, kapitalistisch mit großer internationaler Interaktion. Eine Entwicklung wurde jedoch durch konstante Kriege und interne sowie externe Kämpfe behindert. Der Hauptwirtschaftssektor Chinas war nach wie vor die Agrarwirtschaft. Das meiste Land gehörte wenigen, wohlhabenden Grundbesitzern. Viele der wohlhabenden Grundbesitzer wurden ebenfalls Minister und Amtsträger der Regierung. Die Bevölkerung bestand größtenteils aus Pächtern ohne eigenen Grundbesitz. Die „Hungersnot von Henan“ in den Jahren 1943 bis 1944 förderte den Zusammenbruch der Kuomintgang-Regierung.

Kultur[Bearbeiten]

Hauptartikel: Chinesische Kultur

Die in der ersten Dynastie Chinas vorherrschende Religion war schamanistisch geprägt (siehe auch Fangshi) und Vorstellungen dieser Religion übten auch auf spätere Erscheinungen der chinesischen Kultur Einfluss aus, beispielsweise auf Ahnenverehrung und Naturphilosophie. Stärker mit den menschlichen Beziehungen befasste sich der im 5. Jahrhundert v. Chr. entstandene Konfuzianismus, der vielfach als Inbegriff der chinesischen Kultur überhaupt angesehen wird. Der von Laozi etwa zur selben Zeit begründete Daoismus stellt indes das Leben im Einklang mit der Natur in den Vordergrund. Han Feizi propagierte kurz vor der Zeitenwende den weitaus weniger folgenreichen Legalismus, nach dem ein geordnetes Zusammenleben der Mensch in erster Linie durch Kontrolle und Strafen zu erreichen sei. Wenig später wurde mit dem in Indien entstanden Buddhismus erstmals ein fremdes Element in den chinesischen Kulturkreis integriert, sehr bald den lokalen Verhältnissen angepasst („sinisiert“).

Im Anschluss kamen fast 2000 Jahre lang keine wesentlich neuen Impulse mehr hinzu. Vielmehr wurden die vorhandenen, zeitweise heftig miteinander konkurrierenden Schulen ständig neu interpretiert. Insbesondere sind die seit dem 16. Jahrhundert zu verzeichnenden Bemühungen christlicher Missionare um Etablierung ihrer Religion im Reich der Mitte weitgehend im Sande verlaufen und gewannen keinen nachhaltigen Einfluss auf die chinesische Kultur.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Mathias Neukirchen: Die Vertretung Chinas und der Status Taiwans im Völkerrecht. ISBN 3-8329-0459-X.
  • Thomas Weyrauch: Völkerrechtliche Betrachtungen zur Existenz der Republik China. Analysen, Bewertungen und Empfehlungen. Longtai 2011, ISBN 978-3-938946-19-0.
  • Thomas Weyrauch: Chinas unbeachtete Republik. 100 Jahre im Schatten der Weltgeschichte. Band 1: 1911–1949. Longtai 2009, ISBN 978-3-938946-14-5.
  • Thomas Weyrauch: Chinas demokratische Traditionen vom 19. Jahrhundert bis in Taiwans Gegenwart. Heuchelheim: Longtai 2014, ISBN 978-3-938946-24-4.
  • Deutsch-Chinesische Gesellschaft e.V. Freunde Taiwans (Hg.): Taiwan in Bewegung. 100 Jahre Republik China Berlin: Deutsch-Chinesische Gesellschaft e.V. Freunde Taiwans 2014, ISBN 978-3924171759.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Republik China – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Republik China – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]


Vorige Epoche
Qing-Dynastie
Zeittafel der chinesischen Geschichte Nachfolgende Epoche
Volksrepublik China
(auf dem Festland)
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Dieser Artikel wurde am 24. Dezember 2007 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.