OMON

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abzeichen mit dem OMON-Logo

Die OMON (russisch ОМОН für Отряд мобильный особого назначения/ Otrjad Mobilny Osobogo Nasnatschenija – „Mobile Einheit besonderer Bestimmung“) ist eine Einheit der russischen Polizei, die im Unterschied zu normalen Polizeieinheiten direkt dem Innenministerium untersteht. Sie wurde am 3. Oktober 1988 gegründet.

Die Abkürzung OMON stand ursprünglich für Отряд милиции особого назначения (Otrjad Milizii Osobogo Nasnatschenija – „Einheit der Miliz besonderer Bestimmung“). Die jetzige Bedeutung erhielt sie nach der Polizeireform bzw. dem Wegfall der Miliz im Jahr 2011.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Unter dem Eindruck der Geiselnahme von München während der Olympischen Spiele 1972 und im Hinblick auf die eigenen Olympischen Spiele 1980 in Moskau wurde im Jahre 1979 eine dem Innenministerium unterstellte Antiterroreinheit gegründet, die 1987 in der OMON aufging. Die Existenz der Einheit wurde 1993 bekannt. Ihre anfängliche Uniform war schlicht schwarz. Bis 1991 war die Stärke der OMON insgesamt nach unterschiedlichen Angaben auf etwa 5000 bis 9000 Mann in 20 über die gesamte Sowjetunion verteilten Abteilungen erhöht worden.

Da der Staat zu dieser Zeit im Verfall begriffen war, konzentrierte sich das Einsatzgebiet der OMON zunächst auf die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. OMON-Kräfte waren unter anderem auch an der Niederschlagung der Unruhen im Baltikum beteiligt. So wurden beim Angriff einer OMON-Einheit am 31. Juli 1991 auf eine neu errichtete Grenzstation 7 Litauer getötet.[2]

Nach der Auflösung der Sowjetunion wurden die OMON-Einheiten den jeweiligen Sicherheitsbehörden der Nachfolgestaaten unterstellt.

Russische OMON-Einheiten wurden in der jüngsten Zeit wiederholt von der Regierung Wladimir Putins zur Auflösung von Demonstrationen herangezogen, bei denen es zu Verhaftungen und auch zu unverhältnismäßigen Übergriffen kam.

Einsätze

  • In Litauen:
    In der Nacht vom 12. zum 13. Januar 1991 (Vilniusser Blutsonntag) besetzten die sowjetischen OMON-Truppen den Fernsehturm in Vilnius, das Gebäude des Komitees für Radio und Fernsehen. Während der Operation wurden insgesamt 14 Menschen getötet und über 1000 verletzt.
  • In Lettland:
    Am 20. Januar 1991 griffen OMON Einheiten das Innenministerium an.[3] Bei der Verteidigung kamen zwei Milizangehörige ums Leben und mehrere Zivilisten wurden verwundet. Außerdem starben ein Schüler, der versehentlich in die Schusszone kam, und zwei Fernsehreporter.
  • In Russland:

Auftrag[Bearbeiten]

Die OMON wird primär zu Massenveranstaltungen und Demonstrationen herangezogen sowie zu solchen kritischen Einsätzen, welche die reguläre Polizei allein überfordern. Dies sind beispielsweise Geiselnahmen, die Verfolgung organisierter Kriminalität, Einsätze im Rauschgiftmilieu, die Überführung gefährlicher Straftäter in Gerichte und Gefängnisse und der Objektschutz für sensible Einrichtungen.

Organisation[Bearbeiten]

OMON-Angehörige, Sankt Petersburg
Omon-Angehörige auf dem Roten Platz

Mitglieder der OMON tragen auffällige blau-weiß-grau gemusterte Kampfanzüge und ein schwarzes Barett, sie sind auch unter dem schlichten Namen „Schwarze Barette“ bekannt. Jeweils eine OMON-Einheit ist in allen Teilrepubliken der russischen Föderation stationiert, zudem verfügen die größten Städte in der Regel über eine eigene Abteilung. Zurzeit soll die OMON etwa 20.000 Beamte umfassen. Trotz ihrer Bedeutung erhalten die Beamten des OMON einen im Vergleich zu westlichen Beamten geringen Lohn. Meistens werden die Beamten schon mit 45 Jahren aus den Einsatzgruppen genommen.

Rekrutierung und Ausbildung[Bearbeiten]

Allen Männern, die mindestens ihr 22. und höchstens ihr 30. Lebensjahr vollendet sowie mindestens zwei Jahre bei den russischen Streitkräften gedient haben, wird die Bewerbung bei der OMON gestattet. Es werden medizinische, psychologische und Fitnesstests durchgeführt. Wie bei einer Spezialeinheit zu erwarten, gilt die viermonatige Grundausbildung als besonders hart. Am Ende der Ausbildung stehen letzte Belastungstests sowie eine Abschlussprüfung, bei der der Bewerber unter anderem mit Boxhandschuhen gegen 12 kampferprobte Männer antreten und für mindestens 10 Minuten durchhalten muss. Die Durchfallquote bis zur Aufnahme in die Einheit liegt bei durchschnittlich 80 %.

Ausrüstung[Bearbeiten]

Eine Besonderheit aller russischen Spezialeinheiten der Polizei ist, dass sie wie militärische Einheiten ausgerüstet sind, damit verfügen sie über schwere Waffen, Schützenpanzerwagen und Kampfhubschrauber:

Auswahl:

Kritik[Bearbeiten]

Beamte der OMON wurden in der Vergangenheit der Misshandlung und der Vergewaltigung von Zivilisten sowie der Schutzgelderpressung beschuldigt.

Während der Regierungszeit von Putin fiel die OMON internationalen Beobachtern immer wieder durch rigides Vorgehen gegen offensichtlich unbewaffnete und friedfertige Oppositionelle auf, als sie die zum Teil nach russischem Recht rechtswidrigen Demonstrationen gewaltsam auflöste.

In der lokalen (unabhängigen) Presse waren teils kuriose Bilder zu sehen: Während die Demonstranten der regierungsfreundlichen Parteien von Uniformierten in der Kälte mit Tee versorgt wurden, wurden die Oppositionskräfte von OMON-Einheiten willkürlich drangsaliert.

Über die Haltung der russischen Bevölkerung zu der OMON ist wenig bekannt, eine Sozialforschung zu diesem Thema ist nicht veröffentlicht. In Sicherheitskreisen jedoch genießt die Einheit einen exzellenten Ruf als professionelle Antiterroreinheit.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Lenta.ru, 11. Januar 2012
  2. Litauischer Grenzschutz // Fight for Independence 1990-1991 (Englisch)
  3. Seite der lettischen Polizeigewerkschaft

Weblinks[Bearbeiten]