Old Shatterhand

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel handelt von der Romanfigur Karl Mays. Für den gleichnamigen Film siehe Old Shatterhand (Film).

Old Shatterhand (englisch für „Alte Schmetterhand“) ist eine fiktive Gestalt, die der deutsche Schriftsteller Karl May für seine Wildwest-Romane schuf. Die Person ist mit Kara Ben Nemsi aus Mays Orient-Romanen identisch. Er verkörpert den unfehlbaren Helden. In mehreren Romanen werden die Geschehnisse aus Old Shatterhands Sicht in Ich-Form erzählt (Reiseerzählungen), in anderen aus Sicht eines allwissenden Erzählers (Jugendromane), wodurch auch Szenen erfasst werden, an denen Old Shatterhand nicht unmittelbar beteiligt ist.

Karl May und Old Shatterhand[Bearbeiten]

Durch die Ich-Erzählweise setzte bei den Lesern eine Identifizierung des Autors Karl May mit seiner Romanfigur ein, die von ihm über lange Zeit bestärkt wurde. ("Ich spreche und schreibe: Französisch, englisch, italienisch, spanisch, griechisch, lateinisch, hebräisch, rumänisch, arabisch 6 Dialekte, persisch, kurdisch 2 Dialekte, chinesisch 2 Dialekte, malayisch, Namaqua, einige Sunda-Idiome, Suaheli, Hindostanisch, türkisch und die Indianersprachen der Sioux, Apachen, Komantschen, Snakes, Utahs, Kiowas nebst dem Ketschumany 3 südamerikanische Dialekte. Lappländisch will ich nicht mitzählen."). Diese so genannte „Old-Shatterhand-Legende“ führte auch dazu, dass er 1896 Werbefotos in Wildwest- und Orientkostümierung anfertigen ließ.

Die Romanfigur[Bearbeiten]

Old Shatterhand (rechts) auf dem klassischen Buchdeckel der Erstausgabe (1893) von Winnetou I bis III

Im Band Winnetou I ist der Ich-Erzähler ein junger Deutscher, der als Hauslehrer in St. Louis arbeitet. Auf Vermittlung seiner Freunde reitet er als Landvermesser in den Westen, um mit weiteren Männern eine neue Eisenbahnstrecke zu vermessen. Seinen Namen erhält Shatterhand in dieser Erzählung durch den Oberingenieur eines benachbart arbeitenden Vermessungstrupps. Der Ingenieur führt den Namen ein, nachdem er gesehen hat, wie der Ich-Erzähler einen feindlich gesinnten Westmann von großer Körperkraft mit einem einzigen Hieb gegen die Schläfe bewusstlos schlägt. Sam Hawkens übernimmt diesen Kriegsnamen sofort, obwohl er den Erzähler stets als Greenhorn bezeichnet, und macht ihn im Wilden Westen bekannt. Nachdem Old Shatterhand den Apachenhäuptling Intschu-tschuna und dessen Sohn Winnetou unerkannt vor dem Marterpfahl der Kiowas gerettet hat, wird er kurz danach von Winnetou im Kampf schwer verletzt (Stich mit einem Messer in Mundhöhle und Zunge) und in das Lager der Mescalero-Apachen verschleppt. Während seiner Genesung wird er von Winnetous Schwester Nscho-tschi gepflegt, die sich dabei in ihn verliebt. In einem Schwimmwettkampf gegen Intschu-tschuna als Gottesurteil muss er um seine Freiheit kämpfen. Nachdem er gesiegt hat, wird er Winnetous Blutsbruder (Karl May – gesammelte Werke, Band 7: Winnetou 1. Teil). Winnetou nennt ihn seitdem oft „Scharlih“ („Charlie“ = „Karl“).

Winnetou I ist zwar innerhalb der Karl-May-Chronologie[1] der „erste“ Band, aber nicht der erste Text, den Karl May mit dem Helden „Old Shatterhand“ geschrieben hat. Tatsächlich macht die Figur eine ähnliche literarische Entwicklung durch wie Winnetou. Beim ersten Auftreten innerhalb der „Chronologie“ ist der Held daher schon zur Vollendung gereift.

Andere Namen[Bearbeiten]

Von den Utah-Indianern im Roman Der Schatz im Silbersee wird Shatterhand auch Pokai-mu (tötende Hand) genannt. Die Sioux nennen ihn Vauva-shala, die Apachen Selki-lata, die Shoshonen Nonpay-klama, die Komantschen Nina Nonton, die Yumas in Nordmexiko Tave-schala und die Upsarokas Nonpeh-tahan.

Standard-Ausstattung[Bearbeiten]

Bärentöter (Mitte) und Henrystutzen (rechts) im Karl-May-Museum Radebeul. Links Winnetous Silberbüchse.

Old Shatterhand besaß einen Rappen mit dem indianischen Namen Hatatitla (Blitz) und zwei markante Gewehre: den „Henrystutzen“ (ein Gewehr, mit dem man 25 Mal schießen konnte ohne nachzuladen) und den „Bärentöter“ (eine sehr schwere Büchse, die sogar einen Bären mit einem Schuss auf große Entfernung töten konnte). Beide Gewehre erhielt er von dem Büchsenmacher Henry aus St. Louis (Winnetou 1. Teil und 2. Teil). Das reale Vorbild dürfte der Büchsenmacher Benjamin Tyler Henry gewesen sein, dessen Henry-Gewehr ein 16-schüssiges Magazin aufwies.

Charakter, Fähigkeiten und Kenntnisse[Bearbeiten]

Old Shatterhand (links), Illustration von A. Hrdlicka zur Erzählung Mutterliebe (1898)
Old Shatterhand (links), Illustration (1897) von Oskar Herrfurth zur Buch-Ausgabe von Der Ölprinz
Old Shatterhand (links), Illustration (1899) von Oskar Herrfurth zur Buch-Ausgabe von Der schwarze Mustang (später Halbblut)

Old Shatterhand ist uneingeschränkt der „guten“ Seite zuzuordnen und kämpft zusammen mit Winnetou und/oder mit anderen Gefährten gegen die meist klar abgetrennte „böse“ Seite. Dabei ist er bemüht, sich Feinde zu Freunden zu machen. Er tötet Feinde nur, wenn es die Selbstverteidigung erfordert. Ansonsten macht er sie durch gezielte Schüsse in Gliedmaßen oder durch Fausthiebe kampfunfähig. Er ist ein perfekter Trapper, Schütze und Reiter sowie Meister in anderen nötigen Fertigkeiten des „Westens“ („Westmann“). Spezifische „West“-Fertigkeiten und -Kenntnisse wurden ihn erst von Sam Hawkens, später von Winnetou gelehrt; allgemeine auf Logik und Verstand, Kraft oder Ausdauer basierende Fertigkeiten hat er bereits zuvor.

Er bereist die Welt, um später daheim über Land und Leute Bücher zu schreiben.

Er beherrscht mindestens folgende Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Apache, Komantsche, Kiowa, Utah, Arabisch, Türkisch, Persisch und Chinesisch.
Ferner besitzt er umfassende Kenntnisse in folgenden Wissensgebieten: Mathematik, Physik, Astronomie, Meteorologie, Chemie, Botanik, Zoologie, Anatomie, Medizin, Mechanik, Literatur, Poesie/Lyrik, Musik, Geschichte, Völkerkunde, Geografie sowie Theologie aller Weltreligionen (er kennt die Bibel und den Koran auswendig). Er ist ein trainierter Läufer, Ringer und Schwimmer.

Zudem ist er ein bekennender (ursprünglicher) Christ. In dieser Eigenschaft distanziert er sich von „Alibi“-Christen, die zwar regelmäßig in die Kirche gehen, aber die eigentlichen christlichen Tugenden nicht aufweisen. Andere Religionen, besonders den Islam, sieht er als verfehlt an und spricht darüber auch offen mit deren Angehörigen.

Er betont mehrfach die grundsätzliche Gleichberechtigung zwischen menschlichen Rassen und Ethnien und verurteilt auch unmittelbaren Rassismus, fällt aber dennoch Werturteile sowohl gegenüber Rassen (Afrikaner seien gutmütig und sorglos; Chinesen seien verschlagen; Beduinen seien räuberisch usw.) als auch gegenüber einzelnen Personen, aus deren Gesichtszügen er Charaktereigenschaften ablesen zu können glaubt.

Obwohl er Winnetou stets als perfekten Meister aller Disziplinen im Westen beschreibt, ist er diesem doch noch etwas überlegen. Zudem veranlasst er Winnetou vereinzelt, Entscheidungen zu ändern. Schließlich ist er Winnetou auch durch zivilisatorische Kenntnisse, wie Schriften, Kalender oder Karten entziffern, überlegen. In spezifischen Orts-, Sprach- und Ethnienkenntnissen übertrifft Winnetou ihn vereinzelt.

Texte mit Old Shatterhand[Bearbeiten]

Reiseerzählungen[Bearbeiten]

Buchdeckel der ersten Buchausgabe von Der schwarze Mustang, erschienen 1899
  • Deadly Dust (1880, später bearbeitet in Winnetou III')
  • Ein Oelbrand (1882/83)
  • Im »wilden Westen« Nordamerika's (1882/83, später bearbeitet in Winnetou III)
  • Winnetou I (1893, zeitweilig auch Winnetou der Rote Gentleman I)
  • Winnetou II (1893, zeitweilig auch Winnetou der Rote Gentleman II)
  • Winnetou III (1893, zeitweilig auch Winnetou der Rote Gentleman III)
  • Old Surehand I (1894)
  • Old Surehand II (1895)
  • Old Surehand III (1896)
  • Satan und Ischariot I (1896)
  • Satan und Ischariot II (1897)
  • Satan und Ischariot III (1897)
  • Gott läßt sich nicht spotten (in Auf fremden Pfaden, 1897)
  • Ein Blizzard (in Auf fremden Pfaden, 1897)
  • Mutterliebe (1897/98)
  • „Weihnacht!“ (1897)
  • Im Reiche des silbernen Löwen I (1898)
  • Winnetou IV (1910)

Jugenderzählungen[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Einige frühere Erzählungen (Old Firehand (1875), Im fernen Westen (1879), Der Scout (1888/89)) enthalten einen anonymen Ich-Erzähler, der bei der Übernahme in Winnetou II zu Old Shatterhand umgeschrieben wurde.
  • In der Erzählung An der Tigerbrücke im Band Am Stillen Ocean (1894) weist der Ich-Erzähler auf seine Identität mit Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi hin.
  • Das zu Satan und Ischariot gehörende, gestrichene Kapitel In der Heimath ist in modernisierter Form in Karl May's Gesammelten Werken im Band „Old Shatterhand in der Heimat“ (1997) erschienen.
  • Im Roman Im Reiche des silbernen Löwen IV (1903) bestätigt Kara Ben Nemsi, dass er Old Shatterhand war.
  • Im Rahmen der Gesammelten Werke taucht Old Shatterhand in einem weiteren Band auf: „Zobeljäger und Kosak“ (1934), eine Bearbeitung des Kolportageromans Deutsche Herzen - Deutsche Helden (1885-87).

Film und Bühne[Bearbeiten]

Bereits 1938 verkörperte der Schauspieler Ernst Wilhelm Borchert den Old Shatterhand, neben Will Quadflieg als Winnetou, in dem Stück „Winnetou, der rote Gentleman“ an der Berliner Volksbühne unter der Regie von Ludwig Körner.[2]

In mehreren Karl-May-Filmen wurde die Figur des Old Shatterhand durch den amerikanischen Schauspieler Lex Barker verkörpert. Der niederländische Sänger und Schauspieler Bruce Low spielte den Old Shatterhand 1966 und 1968 in der Berliner Deutschlandhalle und 1975 in der Stadthalle Wien.

In der Fernsehserie Mein Freund Winnetou (1979) wurde er von Siegfried Rauch dargestellt. In dem Musical Winnetou (1982) von Ralph Siegel spielt ihn der deutsche Regisseur, Schauspieler und Synchronsprecher Rüdiger Bahr. Auf der Freilichtbühne in Elspe im Sauerland spielte der Schauspieler Jochen Bludau lange Jahre an der Seite von Pierre Brice als Winnetou die deutsche Heldengestalt. In den frühen 1950er Jahren spielte Hellmut Lange den Old Shatterhand auf einer Freilichtbühne in Stuttgart. Sein Partner, der den Indianerhäuptling verkörperte, war Sigurd Fitzek.

Das erste Auftreten von Old Shatterhand im Film erfolgte im deutschen Kinofilm Der Schatz im Silbersee (1962), dem größten deutschen Kinoerfolg der 1960er-Jahre. Die Verfilmungen halten sich bestenfalls lose an Mays Romanvorlagen, so war der Hauptdarsteller des Buches im „Kampf um Butlers Farm“ Old Firehand und nicht Old Shatterhand. Auch wurde in der Film-Version auf diverse Ausrüstungsgegenstände und Kleidungsstücke der Romanbeschreibung gänzlich verzichtet. Lex Barker rasiert sich in den ersten Szenen der Silbersee-Verfilmung den vorhandenen Vollbart ab und symbolisiert so die Wandlung der Figur vom literarisch-antiquierten zum „fortschrittlichen“ Film-Helden. Weitere Unterschiede der Darstellung durch diesen Schauspieler zur Romanvorlage sind das Fehlen des Hutes und die Fußbekleidung, die aus Mokassins statt aus knielangen Stiefeln besteht.

Der Kinofilm Old Shatterhand (1964) beruht auf keiner literarischen Vorlage von Karl May.

Karl-May-Filme mit Old Shatterhand

Im Hörspiel[Bearbeiten]

Das Hörspiel entdeckte schon viel früher die Wildwest-Erzählungen. Und hier gab es eine größere Anzahl verschiedener Old Shatterhands.

Eine Auswahl:

und viele mehr...

Kurioses[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Es gibt eigentlich keine Chronologie, da die Erzählungen und Romane nicht aufeinander abgestimmt sind. Versuche, die Texte durch äußere Faktoren (historische Ereignisse) oder interne Verweise (z.B. auf frühere Abenteuer/Bekanntschaften) zu sortieren, enden unweigerlich im Chaos.
  2. Will Quadflieg: Wir spielen immer: Erinnerungen, Fischer Verlag (1990) - ISBN 3-10-063101-3