Plasmazelle

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Plasmazelle
Differenzierung der B-Zelle in eine Plasmazelle

Plasmazellen, auch Effektorzellen genannt, sind Zellen des Immunsystems und dienen der Produktion und Sekretion von Antikörpern. Sie entsprechen dem letzten Stadium der Differenzierung der B-Zellreihe und erscheinen im Lichtmikroskop als große ovale Zellen mit exzentrisch gelegenem Zellkern. Die Bedeutung der Plasmazellen für die Bildung von Antikörpern wurde 1948 durch die schwedische Immunologin Astrid Fagraeus im Rahmen ihrer Doktorarbeit beschrieben.

Die Lebensdauer von Plasmazellen variiert von einigen Tagen oder Wochen bis zu äußerst langlebigen Plasmazellen. Durch Antigenkontakt werden B-Zellen aktiviert und differenzieren über das Stadium der sog. Plasmablasten zu Plasmazellen. Während Plasmablasten noch teilungsfähig sind, aber bereits Antikörper sezernieren, teilen sich terminal differenzierte Plasmazellen nicht mehr.

Wenn Antigen-präsentierende B-Zellen in der T-Zell-Zone der Lymphknoten auf spezifische T-Helferzellen stoßen, die das präsentierte Antigen erkennen, werden sie aktiviert. Daraufhin bilden sie einen primären Fokus und differenzieren zu Antikörper-produzierenden Plasmazellen. Einige der B-Zellen, die auf diese Weise durch T-Zell-Hilfe aktiviert wurden, wandern in Primäre Lymphfollikel und bilden ein so genanntes Keimzentrum. B-Zellen, die durch T-Zell-unabhängige Antigene aktiviert wurden, bleibt die Keimzentrumsbildung dagegen verwehrt. Es kommt bei diesen T – Zell – unabhängig aktivierten B-Zellen nicht zur Affinitätsreifung, auch der Isotypenwechsel wird nicht vollzogen. Die produzierten Antikörper sind immer vom IgM – Typ. Es kommt nicht zur Gedächtnisbildung.[1]

Im Keimzentrum machen die B-Zellen eine Affinitätsreifung und den Isotypenwechsel durch, um als Plasmazelle hochaffine Antikörper verschiedener Immunglobulin-Klassen zu produzieren. Ein Teil der B-Zellen entwickelt sich nicht zu Plasmazellen, sondern zu Gedächtnis-B-Zellen. Die Gedächtniszellen wiederum vermitteln das immunologische Gedächtnis für dieses Antigen. Die Bildung solcher Gedächtniszellen ist beispielsweise die notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Impfung. Gedächtniszellen können bei erneutem Zusammentreffen mit dem Antigen schneller aktiviert werden und zu Plasmazellen differenzieren, was zu einer beschleunigten und stärkeren zweiten Immunantwort führt. Außerdem sind sie durch ihre Mutationen im membrangebundenen Antikörper bereits sehr affin für das Antigen. Neben den Gedächtniszellen bilden sich im Keimzentrum auch Plasmazellen mit hochaffinen Antikörpern verschiedener Klassen. Diese wandern zum großen Teil in das Knochenmark, wo sie für lange Zeit von den Stromazellen des Knochenmarks Überlebenssignale erhalten und Antikörper sezernieren können.[2]

Plasmazellen lassen sich durch die Expression von Oberflächenmarkern wie CD19, CD38 und CD138 (Mensch) charakterisieren. Früher wurde angenommen, dass die Expression von CD19 nach Wanderung ins Knochenmark verlorengeht, jedoch stammen diese Hinweise aus Versuchen mit Plasmozytomen, also Krebs-Plasmazellen. Neuere Untersuchungen weisen jedoch auf eine CD19-Expression auch auf terminal differenzierten Plasmazellen hin.

Plasmazellen besitzen sehr viel Cytoplasma und viele Schichten des endoplasmatischen Retikulums, um große Antikörpermengen synthetisieren zu können. Sie exprimieren kein MHC-II mehr und können den T-Helferzellen somit kein Signal mehr präsentieren. Oberflächen-Immunglobuline werden noch in geringen Mengen exprimiert.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rink, Lothar, Kruse Andrea, Haase Hajo.: Immunologie für Einsteiger. Spektrum Akademischer Verlag GmbH, Heidelberg, 2012, ISBN 978-3-8274-2439-6.
  2. a b Charles A. Janeway jr. u. a.: Immunologie. 5. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag GmbH, Heidelberg, Berlin 2002, ISBN 3-8274-1078-9.