Rötender Erd-Ritterling

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Rötender Erd-Ritterling
Rötender Erd-Ritterling in Molise, Italien

Rötender Erd-Ritterling in Molise, Italien

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Ritterlingsverwandte (Tricholomataceae)
Gattung: Ritterlinge (Tricholoma)
Art: Rötender Erd-Ritterling
Wissenschaftlicher Name
Tricholoma orirubens
Quél.

Der Rötende Erd-Ritterling (Tricholoma orirubens) ist eine Pilzart ais der Familie der Ritterlingsverwandten. Der essbare Blätterpilz stammt aus Europa. Die grauhütigen Fruchtkörper erscheinen einzeln oder in kleinen Gruppen im Herbst in Nadel- und Laubwäldern.

Merkmale[Bearbeiten]

Makroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Die Fruchtkörper haben zunächst konisch geformte, leicht gebuckelte Hüte, die sich dann öffnen und ausbreiten und schließlich entweder einen Buckel oder eine mittige Mulde haben. Der Durchmesser erreicht 4 bis 8, selten bis 10 Zentimeter. Der Rand ist eben oder gewellt. Die dunkelgraue oder graubraune Hutoberfläche ist mit dunkleren, schwärzlichen Schuppen besetzt und am Rand heller. Die dicken, grauen Lamellen sind angewachsen oder ausgebuchtet angewachsen und entfernt stehend und röten bei Verletzungen. Das Sporenpulver ist weiß. Der weiße oder blassgraue, ringlose Stiel wird 4–6(–8) cm hoch und 5–25 mm dick und hat einen charakteristisch blau gefärbten Fuß.[1] Das weißliche Fleisch riecht und schmeckt mehlartig und verfärbt sich an der Luft nach längerem Liegen rötlich.

Mikroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Die inamyloiden Sporen werden 5–6,5 x 4,5–5 µm groß.

Artabgrenzung[Bearbeiten]

Potenziell lebensgefährlich wären Verwechslungen mit dem Tiger-Ritterling (Tricholoma pardinum), dessen Fleisch sich nicht rot verfärbt. Es kommen weitere Ritterlinge mit braun- oder schwarz-grauen Fruchtkörpern für Verwechslungen in Frage, worunter auch weitere giftige sind wie der Brennendscharfe Ritterling (Tricholoma virgatum) und der Schärfliche Ritterling (Tricholoma sciodes).[2][3] Auch der eßbare Gemeiner Erd-Ritterling ist ihm sehr ähnlich, hat aber keine rötenden Lamellen.[4]

Verbreitung und Ökologie[Bearbeiten]

Der Rötende Erd-Ritterling ist in Europa zwar weitverbreitet aber nicht häufig. In den Niederlanden ist er selten. Er ist von September bis November einzeln oder in kleinen Gruppen in Nadel- oder Laubwäldern anzutreffen und bevorzugt lehmige oder kalkhaltige Böden. Es ist ein Ektomykorrhiza-Pilz, der gerne mit Rotbuchen (Fagus sylvatica) zusammenlebt.[1]

Der Rötende Erd-Ritterling kann auch Hexenringe bilden. Ein in Deutschland entdeckter hatte einen Durchmesser von um 80 Metern und bestand aus geschätzten 10.000 Pilzen.[5]

Bedeutung[Bearbeiten]

Mit seinem stark mehligen Geruch und Geschmack ist der Rötende Erd-Ritterling einer der appetitlicheren Mitglieder der Gattung. Er kann auch süß schmecken.[5]

Systematik und Taxonomie[Bearbeiten]

Der Rötende Erd-Ritterling wurde in dem 1873 erschienenen Werk „Les Champignons du Jura et des Vosges“ von dem französischen Mykologen Lucien Quélet offiziell das erste Mal wissenschaftlich beschrieben. Der Gattungs-Name leitet sich von dem griechischentrichos/τριχος“ („Haar“) und „loma/λωμα“ („Saum“, „Rand“ oder „Grenze“).[6] Er befindet sich in der Sektion terrea innerhalb der Untergattung Tricholoma innerhalb der Gattung der Ritterlinge (Tricholoma).[1]

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b c  Machiel E. Noordeloos, Thomas W. Kuyper, Else C. Vellinga: Critical Monographs on Families of Agaric and Boleti Occurring in the Netherlands. In: Flora Agaricina Neerlandica. 4, Taylor & Francis, 1999, ISBN 90-5410-493-7, S. 133.
  2.  Hans E. Laux: Der große Kosmos-Pilzführer. Alle Speisepilze mit ihren giftigen Doppelgängern. Kosmos, Stuttgart 2001, ISBN 3-440-08457-4, S. 158.
  3.  Hans E. Laux: Essbare Pilze und ihre giftigen Doppelgänger. Pilze sammeln – aber richtig. Kosmos Verlags-GmbH, Stuttgart 2005, ISBN 978-3440102404, S. 65.
  4.  Ewald Gerhardt: BLV-Handbuch Pilze. 4. Auflage. BLV, München 2006, ISBN 3-8354-0053-3, S. 100.
  5. a b  Hans Haas: The Young Specialist looks at Fungi. Burke, 1969, ISBN 0-222-79409-7, S. 142.
  6.  Sven Nilsson, Ole Persson: Gill-Fungi. In: Fungi of Northern Europe. 2, Penguin, 1977, ISBN 0-14-063006-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tricholoma orirubens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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