Rauschtrinken

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Als Rauschtrinken (auch „Komasaufen“ genannt) wird eine Form des Alkoholmissbrauchs bezeichnet, wobei sehr viel Alkohol in kurzer Zeit getrunken wird, um einen veränderten Bewusstseinszustand (Rausch) herbeizuführen, um beschwipst oder angeheitert zu sein. Dabei wird in der Regel eine konsumierte Menge von 5 oder mehr Standardgläsern unterstellt, weil hier ein gewisser Grad an Alkoholvergiftung wahrscheinlich ist.[1] Diese Definition geht auf Wechsler et al.[2] aus dem Jahr 1994 zurück, die Binge Drinking als „Konsum von mindestens 5 Glas Alkohol pro Trinkgelegenheit“ definierten, wobei eine Glaseinheit mit 0,12 Liter Wein, 0,36 Liter Bier oder 0,04 Liter Spirituosen quantifiziert wurde, was dem Konsum von mindestens 0,6 Liter Wein, 1,8 Liter Bier oder 0,2 Liter Spirituosen pro Trinkgelegenheit entspricht. Seit 2004 gibt es in der Alkoholepidemiologie eine weitere Definition von binge drinking im Sinne von „Konsum jener Menge Alkohol, die eine Blutalkoholkonzentration von mindestens 0,8 Promille bewirkt“. Im öffentlichen Diskurs und in den Medien wird „Komasaufen“ meist mit „exzessivem Alkoholkonsum“, oft auch „mit dem erklärten Ziel, betrunken zu werden“, gleichgesetzt,[3] also mit „bewusstem Rauschtrinken“, „Wetttrinken“ oder „Kampftrinken“ und bezieht sich vor allem auf den Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen.

Akute Alkoholintoxikation in Deutschland[Bearbeiten]

Hauptartikel: Alkoholvergiftung

Suchtberichte und Studien[Bearbeiten]

Bei epidemiologischen Fragebogenuntersuchungen werden die Befragten in der Regel gefragt, wie oft sie in einem bestimmten Zeitraum einen Alkoholrausch erlebt haben.

Jüngere Studien sind in diesem Zusammenhang:

Epidemiologie[Bearbeiten]

Nach der letzten Erhebung der BZgA Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener 2012, die 2014 veröffentlicht wurde, liegt die Prävalenz des Binge Drinkings (= Rauschtrinken) in den letzten 4 Wochen der Befragung bei 12- bis 17-jährigen bei 17,4 %, bei den 18- bis 25-jährigen bei 44,1 %. Geschlechtsspezifisch gibt es Unterschiede dahingehend, dass Mädchen seltener Rauschtrinken betreiben. Die Prävalenz bei Mädchen liegt bei 16,1 % für die 12- bis 17-jährigen und bei 34,9 % für die 18- bis 25-jährigen (4 Drinks oder mehr zu einer Gelegenheit). Dagegen liegt die Prävalenz des Rauschtrinkens in den letzten 4 Wochen der Befragung bei Jungen (5 Drinks oder mehr zu einer Gelegenheit) bei 18,7% (12–17 Jahre) bzw. 52,9 % (18–25 Jahre). Es zeigen sich weiterhin deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen: So liegt die Häufigkeit des Rauschtrinkens (= Binge Drinking) bei 12- bis 15-jährigen bei 6,3 %, bei 16- bis 17-jährigen bei 39,7 % und bei 18- bis 21-jährigen bei 45,8 % sowie bei den 22- bis 25-jährigen bei 42,4 %[4].

In einer für Deutschland repräsentativen Studie von Donath et al. (2011)[5] mit mehr als 44.000 Jugendlichen zeigen sich Unterschiede in der Prävalenz sowohl bei Jugendlichen städtischer und ländlicher Herkunft als auch zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund: Während die Prävalenz des Rauschtrinkens bei 15-jährigen Jugendlichen, die in der Großstadt lebten (mehr als 100.000 Einwohner) bei 49,9 % lag, zeigte sich bei auf dem Land lebenden Jugendlichen eine Häufigkeit von 57,3 % von Binge Drinking (jeweils bezogen auf die letzten 4 Wochen der Befragung).

Sowohl bei Donath et al. (2011)[5] als auch in den Daten der BZgA[4] zeigte sich, dass Jugendliche mit türkischem Migrationshintergrund signifikant seltener Binge Drinking betreiben (23,6 % in den letzten 4 Wochen)[5]. Bei Donath et al. zeigte sich weiterhin, dass Jugendliche mit russischem Migrationshintergrund nicht signifikant häufiger Rauschtrinken als deutsche Jugendliche ohne Migrationshintergrund (56,2 % russischer Migrationshintergrund; 57,4 % Deutsche ohne Migrationshintergrund).

Schutz und Risikofaktoren[Bearbeiten]

In einer Analyse mit einer für Deutschland repräsentativen Stichprobe[6] zeigte sich, dass einerseits überzeugte und gelebte Religiosität und geringe sozioökonomische Ressourcen ein Schutzfaktor für Rauschtrinken bei Jugendlichen waren. Das heißt, religiös verwurzelte Jugendliche oder Jugendliche, die in Haushalten mit geringen ökonomischen Spielraum lebten, waren signifikant seltener mit Binge Drinking involviert. Weiterhin zeigte sich in der Studie von Donath (2012)[6], dass Schulschwänzen, akademisches Versagen (in Form von schlechten Noten bzw. „Sitzenbleiben“), erlebte verbale Aggressionen durch Lehrer in der Schule und aktuelle bzw. frühere suizidale Gedanken signifikante Risikofaktoren waren, die die Wahrscheinlichkeit des Binge Drinkings bei Jugendlichen relevant erhöhten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.kenn-dein-limit.info/rauschtrinken.html
  2. http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=383597
  3. 52 Gläser Tequila, zwei Wochen Koma. In: Wissenschaft. Spiegel Online, 7. März 2007, abgerufen am 8. April 2011.
  4. a b Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2014). Der Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2012. Ergebnisse einer aktuellen Repräsentativbefragung und Trends. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
  5. a b c Donath, C., Gräßel, E., Baier, D., Pfeiffer, C., Karagülle, D., Bleich, S. & Hillemacher, T. (2011). Alcohol consumption and binge drinking in adolescents: comparison of different migration backgrounds and rural vs. urban residence – a representative study. BMC Public Health 2011, 11: 84.
  6. a b Donath, C., Gräßel, E., Baier, D., Pfeiffer, C., Bleich, S. & Hillemacher, T. (2012). Predictors of binge drinking in adolescents: ultimate and distal factors – a representative study. BMC Public Health 2012, 12: 263. (Open Access; online only). Highly accessed.

Weblinks[Bearbeiten]

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