Raustieliger Ackerling

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Raustieliger Ackerling
2009-11-09 Agrocybe pediades 1 28180.jpg

Raustieliger Ackerling (Agrocybe pediades)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Träuschlingsverwandte (Strophariaceae)
Gattung: Ackerlinge (Agrocybe)
Art: Raustieliger Ackerling
Wissenschaftlicher Name
Agrocybe pediades
(Fr. : Fr.) Fayod

Der Raustielige, Halbkugelige oder Trockene Ackerling (Agrocybe pediades, Syn. A. semiorbicularis) ist eine Pilzart, die überwiegend Grasflächen besiedelt.[1]

Merkmale[Bearbeiten]

Makroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Der Fruchtkörper hat einen 1 bis 3,5 cm großen, halbkugeligen bis abgeflachten, selten schwach gebuckelten Hut, der bei jungen Exemplaren im feuchten Zustand eine klebrige, dunkelbraune Huthaut aufweist. Sie blasst bei Trockenheit ocker-gelb aus. Gelegentlich zeigen jüngere Pilze flüchtige Velumreste am Hutrand. Die Lamellen sind breit am Stiel angewachsen, dabei nur schwach abgerundet und stehen recht eng. Jung blass ocker, haben sie zuletzt eine dunkelbraune Farbe mit weißlichen Schneiden. Der Stiel ist 3 bis 6 cm lang, faserig und rau, im Alter hohl und besitzt oft eine kleinknollige Stielbasis mit bis zu 3 cm langen Myzelsträngen. Die ockerfarbene Oberfläche ist fein übersponnen bis deutlich raufaserig strukturiert. Das Fleisch riecht nach Mehl beziehungsweise Salatgurke.[2]

Mikroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Sporen des Raustieligen Ackerlings (A. pediades) unter dem Lichtmikroskop

An den Basidien reifen meist 2, aber auch 2 bis 4 oder fast ausschließlich 4 Sporen heran. Die elliptischen, meist recht breiten bis ovalen sowie dickwandigen Sporen sind seitlich leicht abgeflacht und besitzen eine dicke Wandung. Sie sind 10,5-20 µm lang und 7,5-12,5 µm breit – die Größe hängt von der Zahl der Sterigmen an den Basidien ab. Die Sporen zeigen einen bis zu 2 mm breiten, abgestutzten Keimporus. Die Lamellenschneiden sind dicht mit 20-45(54) µm langen Cheilozystiden besetzt. Sie sehen flaschenförmig aus, an der Spitze oft kopfig, seltener schlank utriform. Dagegen kommen auf den Lamellenflächen keine oder nur vereinzelt Zystiden vor. Sie haben meist einen utriformen Habitus beziehungsweise die gleiche Größe und Form wie die Cheilozystiden.[2]

Ökologie und Phänologie[Bearbeiten]

Der Raustielige Ackerling besiedelt Rasen, Weiden, Wiesen sowie Mager- und Trockenrasen. Er kann aber auch an Wald- und Wegrändern vorkommen. Der Pilz besiedelt sowohl nährstoffarme als auch stickstoffhaltige Habitate und macht auch vor menschenbeeinflussten, gestörten Plätzen wie beispielsweise Äckern, Heiden und Dünen nicht Halt. Die Art bevorzugt lehmige oder sandige Böden über Kalk- oder Silikatgestein.[2]

Die Fruchtkörper erscheinen hauptsächlich von Mai bis September[3], Nachzügler können bis in den November hinein gefunden werden.[2], in warmen Gegenden können sie beinahe das ganze Jahr erscheinen[4].

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Raustielige Ackerling ist in Europa von Skandinavien bis Italien und in Nordamerika (z.B. Kalifornien, Ontario, Quebec) weit verbreitet[5] und ist auch aus Australien und Neuseeland bekannt[6].

Systematik[Bearbeiten]

Das Taxon wurde 1821 vom schwedischen Mykologen Elias Magnus Fries zunächst als Agaricus pediades beschrieben.[7] 1889 ordnete Victor Fayod die Art der Gattung Agrocybe zu.[8]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Agrocybe pediades. In: GBIF Portal. Global Biodiversity Information Facility, abgerufen am 31. Juli 2011.
  2. a b c d  Erhard Ludwig: Beschreibungen. Die kleineren Gattungen der Makromyzeten mit lamelligem Hymenophor aus den Ordnungen Agaricales, Boletales und Polyporales. In: Pilzkompendium. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 978-3-930167-43-2 (758 Seiten, deutsch mit englischen Zusammenfassungen, 17 × 24 cm, enthält 20 neue Taxa und 13 Neukombinationen).
  3.  Bruno Hennig, Hans Kreisel, Edmund Michael: Blätterpilze – Dunkelblättler. In: Handbuch für Pilzfreunde. 2 Auflage. 4, VEB Gustav Fischer, Jena 1981.
  4. Michael Kuo: Agrocybe pediades. In: MushroomExpert.com. 2006, abgerufen am 26. August 2011.
  5. Agrocybe pediades. In: Rogers Mushrooms. Rogers Plants Ltd., abgerufen am 26. August 2011.
  6. Agrocybe pediades. In: GlobalTwitcher.com. Abgerufen am 26. August 2011.
  7.  Elias Magnus Fries: Agaricus pediades. In: Systema Mycologicum. 1, 1821, S. 290.
  8.  Victor Fayod: Prodrome d'une histoire naturelle des Agaricinés. In: Annales des Sciences Naturelles, Botanique. 9, 1889, S. 358.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Raustieliger Ackerling (Agrocybe pediades) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien