Retention (Wasserwirtschaft)

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Retention an einer Talsperre mit hohem Ausbaugrad (=Großer Stauraum bei kleinem Einzugsgebiet): Während im Zulauf (blau) die Hochwasserwelle in der Spitze 6 Kubikmeter pro Sekunde erreicht, wird im Ablauf (rot) des Sees die Spitze verzögert und um zwei Drittel gedämpft.

Retention (lat. retinere = zurückhalten) ist unter anderem ein Begriff aus der Wasserwirtschaft. Sie bewirkt eine Dämpfung von Hochwasserwellen. Sie kommt in natürlichen Seen und Talsperren vor, im kleineren Maßstab auch bei längeren Flüssen.

Inhaltsverzeichnis

Seeretention[Bearbeiten]

Die Retention funktioniert bei überlaufenden Talsperren wie auch bei natürlichen Seen wie folgt: Zu Beginn des Hochwassers hat der See/Stauraum einen bestimmten niedrigen Stand. Kommt es nun zu einer Erhöhung des Zulaufes, so steigt der Wasserspiegel im See an und erst dann kann eine erhöhte Wassermenge über den Überlauf/Ablauf ablaufen.[1] Die Menge des in dem erhöhten Wasserspiegel gespeicherten Wassers bildet den unbeherrschbaren Hochwasserschutzraum.[2] Nach dem Hochwasser sinkt der Wasserspiegel wieder; während dieses Zeitraumes gibt der See mehr Wasser ab, als ihm zugelaufen ist.

Neben einer deutlichen Dämpfung der Hochwasserwelle sorgt die Retention auch für eine Verzögerung der Abflusspitze. Aufgrund der Retention können Talsperren auch bei in Betrieb befindlicher Hochwasserentlastungsanlage (Überlauf) die Hochwasser noch stark dämpfen.[3]

Grundsätzlich gilt für die Seeretention:

  • Je größer die Oberfläche des Sees und je kleiner das Einzugsgebiet, umso größer die Retentionswirkung.
  • Je schmaler und höher der Ablauf/Überlauf, umso höher die Retentionswirkung.
  • Bei kleinen Seen mit großem Einzugsgebiet kann die Retention auch auf Null zurückgehen.

Retention an Flüssen[Bearbeiten]

Da ja bei erhöhten Pegelständen in Flüssen auch das erhöhte Wasservolumen ein Retentionspotential bietet, wird ein im Oberlauf ausgelöstes Hochwasser, je weiter es nach Stunden oder Tagen in den Unterlauf kommt, immer weiter abgeschwächt. Dieser Effekt ist um so stärker, je länger die Fließstrecke ist und je breiter ein eventuell vorhandener Überschwemmungsraum dem Fluss zur Verfügung steht.[4] Durch zunehmende Eindeichung von Flüssen sowie durch Flussbegradigungen in den vergangenen Jahrhunderten wurde das Retentionsvermögen vieler Flüsse herabgesetzt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Überparteiliche Initiative gegen die Überflutung der Düffel und angrenzender Gebiete e.V.: Hochwasser in der Düffel (2008, 78 Seiten; PDF; 9,0 MB)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bretschneider, Lecher, Schmidt: Taschenbuch der Wasserwirtschaft, 6. Auflage, Paul Parey Verlag, Hamburg und Berlin, 1982, Seite 305
  2. Bretschneider, Lecher, Schmidt: Taschenbuch der Wasserwirtschaft, 6. Auflage, Paul Parey Verlag, Hamburg und Berlin, 1982, Seite 613
  3. Peter Rißler: Talsperrenpraxis. R. Oldenbourg Verlag München Wien 1998, Seite 73
  4. Robert Rössert: Grundlagen der Wasserwirtschaft und Gewässerkunde, 3. Auflage, R. Oldenbourg Verlag München Wien 1984