Rettungsdecke

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Rettungsdecke

Eine Rettungsdecke ist eine Folie, die in der Ersten Hilfe dazu verwendet wird, verunglückte Personen vor Unterkühlung, Nässe oder Wind zu schützen. Sie ist in Deutschland ein vorgeschriebener Bestandteil des Verbandkastens in Kraftfahrzeugen. Sie kommt ursprünglich aus der Raumfahrt (space blanket).

Aufbau[Bearbeiten]

In der einfachen Ausführung (MPET) handelt es sich um zwei fest miteinander verbundene Schichten:

  1. Eine 12 µm dünne, reißfeste, transparente und wasserdichte Polyester-Folie (PET).
  2. Eine extrem dünne, stark reflektierende (≈99%) Aluminium-Schicht.

Es entsteht so eine silberfarbene (Aluminium) und eine goldfarbene Seite (das metallische Schimmern des Aluminiums durch die gelbliche Folie). Um den Aufbau nachzuvollziehen kann die Aluminiumschicht in einer Natriumcarbonat-Lösung entfernt werden; die Folie wird transparent.

Die metallische Beschichtung kann auch beidseitig erfolgen (Metall-PET-Metall; beide Seiten schimmern dann silberfarben). Ebenso kann die Kunststoffschicht beidseitig angebracht werden (PET-Metall-PET; dann schimmern beide Seiten goldfarben), um einen Abrieb der metallischen Beschichtung zu verhindern.

Einsatz durch Ersthelfer[Bearbeiten]

Zum Wärmeerhalt per Wärmestrahlung der Person sollte man die silberne Seite zur Person drehen und die Person komplett in die Rettungsdecke einwickeln, so dass nur das Gesicht frei bleibt. Damit die Rettungsdecke ihre Funktion erfüllen kann, soll sie nicht eng aufliegen. Durch Kleidung oder lockeres Auflegen muss ein Luftpolster erhalten bleiben, das eine gute Isolation gewährleistet. Die beste Isolationswirkung ergibt sich erst im Zusammenwirken mit allseitigen Polstern stehender Luft zwischen Körper und Umgebung etwa rundum durch Kleidung, Decken, Schaumstoff, Luftmatratze. Nicht unwesentlich ist, dass die Rettungsdecke durch Verknoten und Verkleben möglichst dicht einschließt und auch nicht zu viel flattert. In Eis und Schnee ist die gold-farbene Seite der Folie besser zu sehen und wird auch üblicherweise als Hilferuf verstanden.

Bei hohen Außentemperaturen kann es manchmal sinnvoll sein eine Person vor Überhitzung zu schützen indem man sie gegen Wärmestrahlung (IR-Sonnenlicht) abschirmt. In diesem Fall sollte man die silber-farbene Seite nach außen drehen und die Rettungsdecke Sonnenschutzsegel-artig aufspannen, jedoch die Person nicht einwickeln.

Die Regel: Kälteschutz: Silberseite nach innen, Sonnenschutz: Silberseite nach außen wird auch von Herstellern angegeben.[1] Jedoch ist der Unterschied in der IR-Reflexion laut Untersuchungen vernachlässigbar und soll nur einen Unterschied von 1 °C bewirken können, wobei die silber-farbene Seite zu 99 % und die gold-farbene Seite zu 97 % IR-Wärmestrahlung reflektieren soll.

Die Wirkung der Rettungsdecke basiert auf Verminderung des Wärmetransports durch

  1. Reflexion: sie stoppt weitgehend die Wärmestrahlung
  2. Luftdichtes Abschließen: reduziert den Wärmeaustausch mit vorbei- und auch durch offenporige Kleidung strömendem Wind und vom Temperaturunterschied auch bei Windstille verursachter Konvektion (Aufsteigen warmer Luft)
  3. Wasserdampfsperre: reduziert Wärmeverlust durch Verdunstung (von Schweiß, Nässe, Blut).

Generell gilt, dass metallische, hochglanzpolierte, glatte Oberflächen die Wärmestrahlung (Infrarot) besonders gut reflektieren. Bei Rettungsdecken verwendet man eine dünne Schicht aus Aluminium.

Sonstige Verwendung[Bearbeiten]

Aufgrund ihrer Vielseitigkeit werden Rettungsdecken auch oft zweckentfremdet. Im Modellbau kann sie zum Bespannen von Tragflächen verwendet werden oder beim Camping zum Abdecken von Zelten und Fahrzeugen, um eine Erwärmung des Innenraums zu vermindern. Sogar Lenkdrachen lassen sich aus einer Rettungsdecke basteln. In der Photographie werden Rettungsdecken gelegentlich zum Bau von Reflektoren verwendet. Eine Rettungsdecke darf nicht als Löschdecke verwendet werden, da sie selbst leicht brennbar ist. Eine Verwendung als Schattenspender oder als Sichtschutz ist aber möglich. Auch wird das Mitführen einer Rettungsdecke für Bergwanderer im Hinblick auf mögliche Wetterstürze im Gebirge empfohlen. In schlecht gedämmten Räumen kann das Anbringen von Rettungsdecken an die Wände als IR-Reflektor Strahlungsverluste, nicht aber Konduktions- oder Konvektionsverluste reduzieren und so das Raumklima verbessern.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Produktbeilage Hans Hepp GmbH 04/05
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