Rohrdommeln

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rohrdommeln
Nordamerikanische Rohrdommel

Nordamerikanische Rohrdommel

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Schreitvögel (Ciconiiformes)
Familie: Reiher (Ardeidae)
Unterfamilie: Dommeln (Botaurinae)
Gattung: Rohrdommeln
Wissenschaftlicher Name
Botaurus
(Stephens 1819)
Rohrdommel
Fliegende Rohrdommel

Die Rohrdommeln (Botaurus) sind eine Gattung der Reiher. Sie kommen in vier Arten fast weltweit vor.

Merkmale[Bearbeiten]

Alle vier Arten sind von gedrungener Gestalt mit kurzem, dickem Hals und kurzen Beinen und einem relativ kurzen, kräftigen grün-gelben bis bräunlichen Schnabel. Das Gefieder ist fein schwarz, gelbbraun und weiß gestreift. Kinn und Kehle sind bei allen Arten auffällig heller als das übrige Gefieder. Die Brust weist bei allen Arten bräunliche Längsstreifen auf. Die Beine sind olivgrün bis bräunlich. Die Iris sind gelblich. In der Gefiederfärbung weisen Rohrdommeln keinen auffälligen Geschlechtsdimorphismus auf. Die Weibchen sind allerdings häufig etwas weniger kontrastreich als die Männchen gezeichnet. Einen auffälligen Geschlechtsdimorphismus gibt es allerdings zumindest bei der Rohrdommel und der Australischen Rohrdommel, da die Männchen erheblich größer und schwerer als die Weibchen sind. Bei der eurasischen Rohrdommel wiegen Weibchen zwischen 817 und 1.150, die Männchen zwischen 966 und 1940 Gramm.[1]

Das Aussehen und Verhalten aller Rohrdommelarten ist unauffällig. Aus diesem Grund sind viele Details ihrer Brutbiologie und ihres Nahrungsspektrums bislang nicht abschließend untersucht. Mit ihrem in warmen Brauntönen gehaltenen, stark gescheckten Federkleid sind sie im Schilf und Ried gut getarnt. Das Federkleid aller Arten imitiert ein Muster aus Licht und Schatten, das die Konturen des Vogels auflöst. Diese Form der Tarnung wird als Somatolyse bezeichnet. Werden sie gestört, nehmen sie eine charakteristische Körperhaltung ein, bei dem der Schnabel steil nach oben gerichtet ist. Zumindest für die Rohrdommel ist belegt, dass sie sich mit dem umgebenden Schilf im Wind wiegt. Ihre Längsstreifen wirken dann wie einzelne Halme.[2]

Verbreitungsgebiet, Bestand und Lebensraum[Bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet der Rohrdommeln sind Nord- und Südamerika, Eurasien, Afrika sowie Australien und Neuseeland. In Nordamerika kommen zwei Arten vor, da sich das Verbreitungsgebiet der Südamerikanischen Rohrdommel vom Süden Mexikos bis in den Norden Argentiniens hinzieht. Das Verbreitungsgebiet der auch in Mitteleuropa vorkommenden Rohrdommel erstreckt sich von Großbritannien bis nach Japan. Eine Unterart brütet in den Provinzen Natal und Transval in Südafrika. Die Australische Rohrdommel kommt im äußersten Südwesten und Südosten Australiens, Tasmaniens sowie auf Neuseeland vor. Sie ist die seltenste Art der Gattung; ihr Bestand wird auf weniger als 2.500 Vögel geschätzt und die IUCN listet sie als stark gefährdet (endangered).[3]

Die Bestände der Rohrdommeln sind weltweit rückläufig. Sie sind auf große Schilfgürtel angewiesen, die bei Trockenlegungen oder der Umwandlung von Feuchtgebieten in Agrarland verloren gehen. Auch die nicht bedrohten Rohrdommelarten sind in ihrem Verbreitungsgebiet nirgendwo häufig.

Lebensweise[Bearbeiten]

Rohrdommeln fressen Fische, Frösche, Amphibien und Reptilien, kleine Säuger, Vögel und Insekten. Sie suchen ihre Nahrung meist in der Dämmerung in der Deckung der dichten Schilfgürtel und sind in der Lage, sehr geschickt durch die Schilfhalme zu klettern. Bei der Nahrungssuche bewegen sie sich sehr langsam. Charakteristisch für ihre Fortbewegungsweise ist, dass sie die Füße beim langsamen Fortschreiten sehr nahe an den Körper heranziehen.

Arten[Bearbeiten]

Die folgenden Arten werden zur Gattung der Rohrdommeln gezählt:

Belege[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Kushlan et al., S. 296
  2. Christopher McGowan: The Raptor and the Lamb – Predators and Prey in the Living World. Penguin Books, London 1998, S.100,101, ISBN 0-14-027264-X
  3. BirdLife Factsheet zur Australischen Rohrdommel, aufgerufen am 13. September 2009

Literatur[Bearbeiten]

  • James A. Kushlan & James A. Hancock: Herons. Oxford University Press, 2005, ISBN 0198549814

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Botaurus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien