Südlicher Rotkehl-Nachtaffe

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Südlicher Rotkehl-Nachtaffe
Systematik
Unterordnung: Trockennasenprimaten (Haplorrhini)
Teilordnung: Affen (Anthropoidea)
Neuweltaffen (Platyrrhini)
Familie: Aotidae
Gattung: Nachtaffen (Aotus)
Art: Südlicher Rotkehl-Nachtaffe
Wissenschaftlicher Name
Aotus azarae
Humboldt, 1811

Der Südliche Rotkehl-Nachtaffe oder Azara-Nachtaffe (Aotus azarae), benannt nach Félix de Azara, ist eine Primatenart aus der Gruppe der Nachtaffen (Aotidae), innerhalb derer er zur Rotkehl-Gruppe gezählt wird.

Merkmale[Bearbeiten]

Südliche Rotkehl-Nachtaffen zählen mit einer Kopfrumpflänge von bis zu 37 Zentimeter und einem Gewicht von etwa 1,2 Kilogramm zu den größten Vertretern der Nachtaffen. Ihr Schwanz ist lang und buschig und ebenso lang oder länger wie der Körper. Ihr Fell ist an der Oberseite graubraun gefärbt, der Bauch ist rötlichbraun. Der Kopf ist rundlich, die Ohren sind klein und im Fell verborgen. Wie bei allen Nachtaffen sind die Augen groß und braun, über und unter den Augen sind weiße Flecken vorhanden. Entlang des Gesichtes ziehen sich drei dunkle Streifen, einer über die Stirn bis zur Nase und jeweils einer außerhalb eines jeden Auges.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Südliche Rotkehl-Nachtaffen haben das südlichste und eines der größten Verbreitungsgebiete aller Nachtaffen. In Brasilien sind sie südlich des Amazonas von der nordöstlichen Atlantikküste bis zur bolivianischen Grenze verbreitet, daneben leben sie im mittleren und östlichen Bolivien, im äußersten Osten Perus, in den westlichen Teilen Paraguays sowie im nördlichen Argentinien. Ihr Lebensraum sind Wälder, wobei sie in unterschiedlichsten Waldtypen vorkommen können.

Lebensweise[Bearbeiten]

Südliche Rotkehl-Nachtaffen sind im Gegensatz zu den übrigen Nachtaffen nicht ausschließlich nachtaktiv, sondern führen im Süden ihres Verbreitungsgebietes eine kathemerale Lebensweise, das heißt sie haben keinen ausgeprägten Tag-Nacht-Rhythmus. Das stellt möglicherweise eine Anpassung an die kalten Temperaturen in ihrem Lebensraum dar.

Sie sind Baumbewohner und bewegen sich entweder auf allen vieren oder springend fort. In den Ruhezeiten ziehen sie sich in Baumhöhlen oder ins Pflanzendickicht zurück. Sie sind territorial und verteidigen ihr Revier vehement gegen Artgenossen. Sie leben in kleinen Familiengruppen, die aus einem Männchen, einem Weibchen und dem gemeinsamen Nachwuchs bestehen. Sie sind monogam, das heißt die Partner bleiben oft lebenslang zusammen.[1]

Ihre Nahrung besteht vorwiegend aus Früchten, daneben fressen sie Blätter, Samen und andere Pflanzenteile sowie Insekten, Spinnen und andere Kleintiere.

Nach einer rund 130-tägigen Tragzeit bringt das Weibchen ein einzelnes Jungtier zur Welt, Zwillinge sind selten. Nach den ersten Lebenstagen übernimmt der Vater die Hauptverantwortung für das Junge, er trägt es herum und schläft bei ihm und übergibt es der Mutter nur zum Säugen. Nach mehreren Monaten wird das Junge entwöhnt, nach rund zwei Jahren geschlechtsreif. Zu diesem Zeitpunkt verlässt es seine Geburtsgruppe.

Gefährdung[Bearbeiten]

Hauptgefährdung für den Südlichen Rotkehl-Nachtaffen stellt die Zerstörung ihres Lebensraums durch Waldrodungen dar, einen kleinen Anteil macht auch die Bejagung aus. Aufgrund ihres großen Verbreitungsgebietes gilt die Art laut IUCN aber als „nicht gefährdet“ (least concern).

Systematik[Bearbeiten]

Der Südliche-Rotkehl-Nachtaffe ist eine von vier Arten, die derzeit in der Rotkehl-Gruppe der Nachtaffen anerkannt werden. Die Arten dieser Gruppe leben südlich des Amazonas und sind durch den namensgebenden roten Nacken charakterisiert. Es werden drei Unterarten unterschieden: Aotus azarae azarae in Paraguay und Nordargentinien, A. a. boliviensis in Bolivien und Ostperu und A. a. infulatus in Brasilien. Manchmal werden eine oder beide Unterarten als eigene Arten abgetrennt, in jüngerer Zeit aber aufgrund von Übereinstimmungen im Karyotyp zusammengefasst.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Südlicher Rotkehl-Nachtaffe (Aotus azarae) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Maren Huck et al.: Correlates of genetic monogamy in socially monogamous mammals: insights from Azara's owl monkeys. In: Proceedings of the Royal Society B. Band 281, Nr. 1782, 2014, doi:10.1098/rspb.2014.0195