Monogamie

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Bei Höckerschwänen kommt es zu einer lebenslangen Paarbindung.

Monogamie (von altgr. μόνος mónos „allein, einzig“ und γάμος gamos „Ehe“) bezeichnet die lebenslange exklusive Fortpflanzungsgemeinschaft zwischen zwei Individuen einer Art. Im Gegensatz dazu stehen Verhaltensmuster der Vielehe wie z. B. der Vielweiberei, -männerei oder Gruppenehe. Bei der Polyandrie oder Polygynie kann auch einer der Partner weitere Sexualpartner haben, während sich der andere Partner monogam verhält.

Biologische Betrachtungen zur Monogamie[Bearbeiten]

In der Biologie wird zwischen sozialer und sexueller Monogamie unterschieden. Bei sozialer Monogamie ziehen die Individuen als Paar die Jungtiere auf, können aber zusätzliche Sexualkontakte haben. Nur wenige Säugerarten leben zumindest in Phasen der Jungenaufzucht sozial monogam, aber mehr als 90 Prozent aller Vögel.[1] Genetisch monogam sind 14 % der Vögel.[2] Bei manchen Arten wie z. B. dem Grevyzebra wechseln Weibchen nach dem Wurf für eine begrenzte Zeit von polyandrischen zu monogamen Verhalten zu einem Männchen mit einem Territorium.[3] Genetische Untersuchungen legen die Vermutung nahe, dass der Quastenflosser ein monogames Paarungsverhalten hat.[4]

Sexuelle Konflikte können zu monogamen Verhalten führen, wenn es einem der Geschlechter gelingt, das Sexualverhalten des anderen Geschlechts einzuschränken und ein monoandrisches bzw. monogynes Verhalten zu erzwingen.[5]

Die Größe der Hoden und Menge erzeugten Spermas wird oft in Verbindung mit Paarungssystemen gebracht. Z. B. bei Vogelarten, die in Kolonien brüten oder bei denen sich das Männchen nicht an der Jungenaufzucht beteiligt, sind die Hoden größer als bei solitär brütenden Arten.[6] Untersuchungen an z. B. Onthophagus taurus und Drosophila melanogaster zeigen, dass durch Monogamie Hoden bzw. Spermatogenese in der Generationsfolge verkleinert wird.[7][8] Auch Primatenarten, die durch polyandrisches Verhalten der Spermienkonkurrenz unterliegen, produzieren größere Mengen Spermien und besitzen relativ zur Körpermasse größere Hoden als polygyne Arten.[9]

Nach einer Hypothese verhindert bei Säugetieren und Vögeln der weibliche Fortpflanzungstrakt u. a. durch den vaginalen pH-Wert die Befruchtung durch nicht ausreichend fitte Männchen.[10]

Ressourcen[Bearbeiten]

In Neuseeland untersuchte Weibchen der Rotschnabelmöwe verhalten sich monogam, wenn sie während der Werbung vom Männchen gut mit Futter versorgt wurden und verpaaren sich im folgenden Jahr dann auch wieder mit dem gleichen Männchen. Schlecht versorgte Weibchen verlassen das Männchen bzw. akzeptieren oder bieten sich für "Extra-Pair"-Kopulationen (EPC) an.[11] Bei Murmeltieren verhält sich das Männchen monogam und investiert in den Nachwuchs, wenn das Territorium klein und isoliert ist. Andernfalls investieren Männchen mehr in EPCs und Partnerbewachung.[12] Unter den Paradiesvögeln ist der Manucodia keraudrenii wegen seiner Spezialisierung auf wenig nahrhafte Früchte monogam und beide Eltern beteiligen sich an der Jungenaufzucht.[13] Der Fortpflanzungserfolg bei in Nord-England untersuchten Kiebitzen korreliert für die Männchen mit dem Territorium. Polygyne Männchen zeugen durchschnittlich 58 % bis 100 % mehr Junge als monogame Männchen während sich der Fortpflanzungserfolg zwischen polygynen und monogamen Weibchen nicht wesentlich unterscheidet.[14]

Gemeinsame Jungenaufzucht[Bearbeiten]

Verhaltensbiologen postulieren eine Korrelation zwischen dem Aufwand an elterlicher Fürsorge für den Nachwuchs und der Intensität der Partnerbindung. Danach steigt die Wahrscheinlichkeit für sozial monogames Verhalten mit dem notwendigen zu erbringenden elterlichen Aufwand für die Jungenaufzucht. Unter Nestflüchtern sollte daher Monogamie weniger verbreitet sein als unter Nesthockern. Genetische Studien über sozial monogam lebende Vögel zeigen, dass ein erheblicher Teil der Jungtiere nicht vom Männchen gezeugt wurde, das sich in scheinbar fester Paarbindung um „seinen“ Nachwuchs kümmert.[15][16] Gemeinsame Jungenaufzucht bedeutet daher nicht, dass ein Paar ausschließlich miteinander Sexualkontakte hat. Ein Zusammenhang zwischen Monogamie und einer gemeinsamen Aufzucht des Nachwuchses ist auch empirisch nicht belegt.[17]

Nach einigen Evolutionsbiologen wird die Partnerwahl durch die gesamte Investitionen der Eltern in Zeugung, Geburt und Pflege des Nachwuchs bestimmt. Danach verhält sich das Geschlecht mit der größeren Investition bei der Partnerwahl wählerischer, ist aber in dieser Wahl auch eingeschränkter.[18] Nach der „Differential Allocation“ Hypothese sollte die Investition der Eltern in die Nachkommen von der wahrgenommenen Attraktivität des Partners abhängen.[19][20] Nach einer weiteren Hypothese sollten attraktive Männchen mit vielen "Extra-Pair"-Kopulationen (EPC) weniger in die Jungenaufzucht investieren.[19] Danach wären Weibchen mit unattraktiven Männchen für EPCs empfänglich, was bei Vögeln empirisch gestützt wird.[21][22] Bei z. B. der Blaumeise ist die väterliche Investition in die Jungenaufzucht vom Körperschmuck des Weibchens abhängig,[23] und vor allem junge Weibchen investieren mehr in die Aufzucht, wenn die Jungen von einem attraktiven Männchen abstammen.[24] Bei Blaumeisen[24] und Zebrafinken[25] investieren unattraktive Männchen mehr in die Jungenaufzucht als attraktive. Insgesamt fand sich, dass attraktive Männchen eine weniger wichtige Rolle bei der Jungenaufzucht bei Vögeln spielen, wenn EPCs verbreitet sind.[19] Andererseits leisten attraktive Männchen bei z. B. Turmfalken als bessere Jäger einen größeren direkten Beitrag zur Jungenaufzucht als unattraktive Männchen.[26]

Die Männchen der Heckenbraunelle beteiligen sich an der Aufzucht der Jungen eines Weibchens in Abhängigkeit ihrer möglichen Vaterschaft.[27]

„Mate-Guarding“-Hypothese[Bearbeiten]

Nach der „Mate-Guarding“-Hypothese können sich Risiken und der Aufwand einer Partner-Bewachung als Gewinn in der Reproduktion auswirken. Durch unterschiedliche Ziele der Geschlechter bei der Fortpflanzung ergeben sich unterschiedliche Strategien der Partner-Bewachung.[28]

Weibliche Strategien[Bearbeiten]

Der Interessenskonflikt der Geschlechter bei der Paarung führt nach Studien zu verschiedenen Strategien der Weibchen zum Erhalt des Paarungsstatus.

Aggressivität[Bearbeiten]

Die innerartliche Aggressivität von Weibchen während der Brutzeit kann verschiedene Funktionen haben, wie z. B. Monopolisierung vorhandener Ressourcen, Abwehr eines innerartlichen Brutparasitismus oder Verteidigung des Paarungsstatus.[29] Untersuchungen zeigen, dass die Monogamie bei manchen Vogelarten auch durch Aggressivität der Weibchen gegenüber anderen Weibchen verursacht wird.[30] So vertreiben die Weibchen des europäischen Stars[31], des Haussperlings[32] und des Fliegenschnäppers[33] aggressiv andere Weibchen aus ihrer Nähe, die sich noch nicht verpaart haben. Dabei sind die Weibchen des europäischen Stars in der Zeit der Werbung aggressiver, aber auch wenn das Männchen Zugang zu einem weiteren Nest hat, mit dem es ein zweites Weibchen zur Paarung anlocken kann.[29] Mit diesem Verhalten scheinen sich die Weibchen den ungeteilten Beitrag des Männchens zur Jungenaufzucht zu sichern. Bei anderen Arten wie z. B. dem Moorschneehuhn oder Raufußhuhn, bei denen die Männchen keinen Beitrag zur Jungenaufzucht leisten, scheinen sich damit die Weibchen begrenzte Nahrungsressourcen für ihren Nachwuchs zu sichern.[34]

Auch beim Gemeinen Seitenfleckleguan verhindert die Aggressivität der Weibchen in ihrem Revier, dass ein Männchen mehr als ein Weibchen monopolisieren kann.[35] Bei Säugetieren verhalten sich z. B. die Weibchen der Paviane aggressiv gegenüber den Weibchen, die Interesse an ihrem Männchen zeigen oder an denen das Männchen Interesse zeigt.[36] Bei anderen sozial organisierten Säugetieren wie den Afrikanischen Wildhunden, Wölfen und Schakalen verhindert weibliche Aggressivität die Schwangerschaft von rangniederen Weibchen. Das Alpha-Männchen dieser Tiere lebt daher sozial polygyn, aber monogam bezüglich der Fortpflanzung.[37][38][39]

Die Weibchen des Totengräbers Nicrophorus defodiens, eines Käfers, verhalten sich aggressiv gegenüber ihrem Männchen und attackieren es z. B. mit Bissen, sobald es mit Pheromonen weitere Weibchen zur Kopulation anlockt, deren Eier dann im gleichen Leichnam platziert würden.[40]

Partner-Bewachung[Bearbeiten]

Nach der „Mate-Guarding“-Hypothese sollten Weibchen Sex-Dienste zur Kontrolle über das Paarungsverhaltens des Männchens anbieten, wenn die Gefahr besteht, dass es sich mit einem anderen Weibchen verpaaren möchte. Diese Form der Bewachung findet sich allerdings kaum bei sozial monogamen Arten.[41]

Beim europäischen Star bieten sich manche Weibchen ihrem Männchen pro Stunde wiederholt zur Kopulation an, z. B. wenn das Männchen versucht mit seinem Gesang ein weiteres Weibchen anzulocken. Diese Verhalten praktizieren Weibchen bis zu vier Tage nachdem die Jungen geschlüpft sind, was als weibliche Kontrolle über das Paarungsverhalten des Männchens interpretiert werden kann.[42][43] Bei der Blaumeise bewachen Weibchen ein Männchen in Abhängigkeit seiner Attraktivität.[44] Auch bei manchen Säugetieren, wie z. B. den Dikdiks, scheint sich Monogamie aus der Partner-Bewachung entwickelt zu haben.[45]

Übermäßig häufige Kopulationen z. B. bei Löwen, Turmfalken oder bei den monogamen Stachelschweinen werden vom Weibchen initiiert. Als klassische Erklärung für dieses Verhalten wird eine Stärkung der Paar-Bindung gesehen.[46] In einer neueren Sicht scheinen Weibchen über die sexuelle Leistung auch die Vitalität und Gesundheit des Männchens zu beurteilen.[47]

Männliche Strategien[Bearbeiten]

Aggressivität[Bearbeiten]

Die Männchen z. B. des Berghüttensängers verhalten sich aggressiv gegen Nebenbuhler und wenden sich dann auch gegen das Weibchen, mitunter bis es das Nest verlässt.[48] Bei Stockenten kann es zu erzwungener Paarung durch ein oder mehrere Männchen kommen. In diesem Fall reagiert der Partner der Stockente aggressiv gegen den oder die „Vergewaltiger“ und versucht unmittelbar danach mit seiner Partnerin zu kopulieren.[49]

Partner-Bewachung[Bearbeiten]

Nach der „Mate-Guarding Hypothesis“ sollten Männchen ihre Weibchen besonders in der Zeit der Fruchtbarkeit bewachen um die Wahrscheinlichkeit ihrer Vaterschaft zu erhöhen.[28] Eine erfolgreiche Partner-Bewachung reduziert die Kosten für die Produktion von Ejakulat, die limitiert und im Gegensatz zur früheren Sichtweise[18] nicht kostenlos ist.[50][51]

Unattraktive Männchen z. B. der Blaukehlchen investieren mehr in die Partner-Bewachung und umwerben weniger andere Weibchen als attraktive Männchen.[52]

Die Männchen von z. B. Nagetieren, Mangusten, Huftieren und Primaten bewachen das Weibchen nach der Kopulation und hindern andere Männchen durch Anzeige des Besitzanspruchs oder mit Gewalt an der Kopulation mit dem Weibchen.[53] Bei manchen Arten paart sich das Männchen wiederholt mit dem Weibchen und erhöht damit die Wahrscheinlichkeit seiner Vaterschaft.[54][55][3] Bei den Rauchschwalben bewacht ein Männchen das Weibchen besonders in der Zeit ihrer Fruchtbarkeit.[56] Wenn eine weibliche Rauchschwalbe das Nest während der Eiablage alleine verlässt, gibt das Männchen häufig einen Warnruf, wodurch die Schwalben in der Nähe die Flucht ergreifen und oft eine "Extra-Pair"-Kopulation verhindert wird.[57] Das Weibchen der Spinne Linyphia litigiosa lockt Männchen mit Pheromonen an, die von ihrem Netz verströmt werden. Nach der Paarung zerstört das Männchen das Netz und reduziert so die Wahrscheinlichkeit für Rivalen den Weg zum Weibchen zu finden.[58]

Bei einigen Arten, wie z. B. Tölpeln, werfen die Männchen das erste Ei aus dem Nest, wenn die Vaterschaft zweifelhaft ist.[59]

Mating Plug[Bearbeiten]

Mit einem „Mating Plug“ (auch „Copulation Plug“, „Sperm Plug“, „Vaginal Plug“ oder Sphragis) verschließen die Männchen z. B. einiger Insekten, Eidechsen, Spinnen- und Säugetiere nach der Kopulation die weibliche Kloake bzw. Vagina, um weitere Kopulationen des Weibchens zu verhindern.[60][61] Z. B. bei den Strumpfbandnattern[62], Skorpionen[63] und Dörrobstmotten[64] verschließt das Männchen nach der Kopulation die weibliche Kloake mit einem gallertartigen Pfropfen. Bei Hummeln enthält der Propfen zudem Linolsäure, die die Weibchen tendenziell von weiteren Kopulationen abhält.[65]

Genetische Grundlagen von monogamen Verhalten[Bearbeiten]

Eine Gruppe von US-amerikanischen Neurobiologen untersuchte die genetischen Grundlagen von monogamem Verhalten und publizierte 2004 die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature.[66] Die Forscher hatten zwei nahe verwandte Arten der Wühlmaus untersucht, die Wiesenwühlmaus (Microtus pennsylvanicus) und die Präriewühlmaus (Microtus ochrogaster). Die Männchen der Wiesenwühlmaus leben einzelgängerisch und polygam, während die Männchen der Präriewühlmaus in der Natur in einer lebenslangen Brutpflegegemeinschaft leben, die jedoch nicht immer sexuell exklusiv ist. Die Forscher fanden einen neurophysiologischen Unterschied bei den Männchen beider Arten. Die monogam lebenden Präriewühlmäuse hatten deutlich mehr Rezeptoren für Vasopressin als die Wiesenwühlmäuse. Die Forscher isolierten das Gen, das für die Herstellung des Vasopressin-Rezeptors verantwortlich ist und schleusten dieses Gen ins Vorderhirn von Männchen der polygamen Art ein. Das Ergebnis beschrieben die Autoren als „we substantially increase partner preference formation“ („wir erhöhen wesentlich die Ausbildung einer Paarbildungsverhaltens“). Ein einziges Gen könne also komplexes Sozialverhalten beeinflussen und daher eine Erklärung dafür sein, dass sich das Sozialverhalten im Verlauf der Stammesgeschichte gelegentlich relativ rasch zu ändern scheint. Larry Young, einer der Autoren der Studie, wies darauf hin, dass eine Übertragung der Ergebnisse auf menschliches Verhalten nicht möglich ist, weil die Anordnung der Vasopressin-Rezeptoren im Gehirn von Menschen nicht mit der bei Wühlmäusen vergleichbar ist.[67]

Der Populationsgenetiker Dr. Gerald Heckel vom Zoologischen Institut der Universität Bern wies im Juli 2006 nach, dass keineswegs allein das von den US-Forschern identifizierte Gen für das monogame Verhalten der Mäuse verantwortlich sein kann.[68] Der Berner Forscher analysierte die DNA von 25 Mausarten und entdeckte die monogame Variante des so genannten „Treue-Gens“ in allen untersuchten Tierarten, außer in der erwähnten polygamen Mausart sowie in einer weiteren, gleichfalls polygamen Mausart. Gleichwohl leben fast alle der untersuchten Arten trotz vorhandenem „Treue-Gen“ polygam. Demnach kann kein allgemeiner Zusammenhang zwischen genetischen und sozialen Verhaltensmustern und dem Fehlen oder Vorhandensein bestimmter, natürlicher Varianten des „Treue-Gens" existieren. In einer Pressemitteilung der Universität Bern[69] erläuterte Dr. Heckel, dass die Ergebnisse seiner Studie zeigten, „dass Monogamie bei Säugetieren unabhängig von der geringfügigen Veränderung nur dieses einzigen Gens entstand: Die simple genetische Programmierung eines so komplexen und wichtigen Verhaltens wie des Paarungsverhaltens ist sehr unwahrscheinlich.“ Ein genetisch starr programmiertes Paarungsverhalten wäre zudem „sicherlich von Nachteil für Organismen wie Nagetiere, die stark variierende Populationsdichten aufweisen und ihre Fortpflanzungsstrategie ständig an wechselnde Bedingungen anpassen müssen.“

Sexualhormone[Bearbeiten]

Bei der Paarbindung wirkt das Sexualhormon Oxytocin, das beim Menschen wichtige Funktionen bei der Geburt hat und einigen Studien zufolge nach Verabreichung in die Nase einen kurzfristigen Vertrauensanstieg bewirkt[70][71] und auf die soziale Distanz eines Mannes zu fremden Frauen Einfluss zu nehmen scheint.[72][73]

Monogamie bei Säugetieren[Bearbeiten]

Monogamie ist unter Säugerarten mit zirka 3 % bis 5 %[74][75] wenig verbreitet. Zu den monogamen Säugetieren zählen u. a. einige Fledermaus-Arten, wenige Maus- und Ratten-Arten, mehrere Nagetiere in Südamerika (z. B. Agutis, Pakas, Acouchis und Pampashasen), einige Seehund-Arten, der Riesenotter, der Kanadische Biber, einige afrikanische Antilopen-Arten (z. B. Ducker, Dikdiks oder Klippspringer) sowie einige Primaten, darunter einige Neuweltaffen (z. B. Marmosetten und Tamarinen).

Monogamie wurde ca. 14 der rund 200 bzw. 10 % bis 15 %[76] der Primatenarten zugeschrieben. Nach jüngeren Untersuchungen findet sich monogames Verhalten bei sieben Primatenarten und ist daher mit 3 % ebenso wenig verbreitet wie unter anderen Säugerarten.[77] Man unterscheidet dabei zwei Arten von monogamem Verhalten; bei dem sich das Männchen direkt an der Betreuung der Jungen oder indirekt durch die Verteidigung des Territoriums beteiligt.[78] Jedoch sind Primaten der ersten Gruppe gelegentlich polyandrisch und Primaten der zweiten Gruppe gelegentlich polygyn.[79][80][81] Über den Südlichen Rotkehl-Nachtaffen (Aotus azarae) wurde im Jahr 2014 berichtet, dass er „tatsächlich hundertprozentig treu zu sein scheint“: „Biologen konnten zeigen, dass alle 35 untersuchten Jungtiere tatsächlich von den Eltern abstammen, die sie auch aufziehen.“[82]

Monogamie beim Menschen[Bearbeiten]

Polygamie ist in rot und gelb markierten Ländern illegal.

Anthropologen und Sozialwissenschaftler verwenden die Bezeichnung „Monogamie“ beim Menschen oft als „soziale Monogamie“, die in menschlichen Gesellschaften häufig als monogame Ehe definiert wird.[83]

Da es über das soziale Leben der stammesgeschichtlich unmittelbaren Vorfahren des Menschen keine Daten gibt, untersucht man stattdessen „ursprünglich“ lebende menschliche Gesellschaften.[84] Der Anthropologe George P. Murdock veröffentlichte 1949 Untersuchungen zur Sozialstruktur von 238 verschiedenen menschlichen Gemeinschaften auf der ganzen Welt. Dabei war das System der monogamen Ehe in 43 Gemeinschaften vorhanden.[85] Daraus wurde geschlossen, dass vor dem Kontakt mit der westlichen Welt 80 % der menschlichen Gemeinschaften polygyn lebten.[86] Da ein Harem Männern mit Macht und sozialem Status vorbehalten war, lebten aber die meisten Männer mit einer Frau zusammen.[87]

Andere Schätzungen von Anthropologen über die Häufigkeit monogamer menschlicher Gesellschaften bewegen sich zwischen zirka 20 und 50 Prozent, haben aber den Mangel, dass sie nur die offiziellen Verhältnisse widerspiegeln, nicht aber die tatsächlich gelebte Praxis. Gleichwohl lassen sich diese Schätzungen so interpretieren, dass streng eingehaltene Monogamie eine eher seltene Verhaltensweise in menschlichen Gesellschaften ist.[88] Neuere anthropologische Untersuchungen, wie z. B. von Helen Fisher, zeigen Verhaltensmuster wie Seitensprünge und den Wechsel von Lebenspartnern als in allen Epochen bis zur Frühgeschichte wiederkehrende Merkmale des menschlichen Paarungsverhaltens auf.[89]

Beim Menschen ist das weibliche und männliche Paarungsverhalten sehr variabel und hat sich abhängig von Umwelt- und erlernten Faktoren entwickelt.[90] Durch genetische Untersuchungen am X-Chromosom und Autosomen wurden Argumente für Polygynie (z. B. bei den Aka in Zentralafrikanische Republik, Mandinka in Senegal, San in Namibia, Basken, Han und Melanesier auf Papua-Neuguinea) über lange Zeiträume der menschlichen Evolution gefunden, wobei sich die Ergebnisse geographisch unterscheiden.[91][92] Für die Zeit der menschlichen Expansion von Afrika vor 80.000 bis 100.000 Jahren, zeigen Untersuchungen der mitochondrialen DNA eine Zunahme der weiblichen, aber keine wesentliche Zunahme der männlichen Population der Frühmenschen. Die Abstammung heutiger Menschen von wenigen Männern wird u. a. als Ergebnis sexueller Selektion gedeutet.[93] Erst vor 18.000 Jahren nahm auch die männliche Population der Menschen zu, was mit dem Aufkommen des Ackerbaus zusammenfällt.[94][95] Aus den Ergebnissen wurde z. B. geschlossen, dass polygynes Verhalten menschlicher Gemeinschaften durch unterschiedliche Anforderungen der Umwelt verschieden ausgeprägt war und mit dem Aufkommen des Ackerbaus eine Veränderung hin zur Monogamie stattfand.[94][96] Für den heutigen Menschen zeigen Untersuchungen rezessiver Erbanlagen (z. B. Blutgruppen) von Eltern und Kindern, je nach Land und Region, einen Anteil der nicht mit dem Lebenspartner gezeugten Kindern zwischen 5 % und 30 %.[97][98][99] Nach verschiedenen Studien seit den 1950er Jahren haben z. B. in den USA 20 bis 40 % der Frauen und 30 bis 50 % der Männer mindestens eine Affäre während der Ehe.[100][101][102][103][104] Dabei tendieren Männer dazu ihre Kontakte zu übertreiben, während Frauen sie verheimlichen.[105]

Kulturgeschichte[Bearbeiten]

Friedrich Engels vertrat in Family, Private Property and the State die Ansicht, dass omnigame Frühmenschen ohne exklusive soziale oder sexuelle Bindung lebten und Kinder daher keinem Vater zugeordnet werden konnten. Mit dem Aufkommen des Privateigentums etablierten nach Engels Männer die Monogamie zur Kontrolle der weiblichen Sexualität und damit ihrer Vaterschaft, um ihr Vermögen an ihre Kinder vererben zu können.

Monogamie und Ehe[Bearbeiten]

Die Bezeichnung Monogamie wird für die „Einehe“ benutzt, bei der das Rechtsinstitut der Ehe nur für eine Paarbeziehung offensteht und Bigamie, Mehrehe oder Harembildung ausgeschlossen sind. Manche Rechtssysteme sanktionieren sowohl das Eingehen einer Mehrehe als auch den Ehebruch. Bis ins Jahr 2011 gab es zum Beispiel in Malta keine Möglichkeit der Scheidung.[106] Die Erwartung der ehelichen Treue besteht in einigen Kulturen sogar über den Tod eines Ehepartners hinaus.

Die Koppelung von Monogamie und Ehe ist heute in der westlichen Welt eher unüblich; stattdessen wird die Bezeichnung Monogamie häufig für die Art des Zusammenlebens in einer Lebenspartnerschaft verwendet – unabhängig von der Rechtsform.

Serielle Monogamie[Bearbeiten]

Die heutige sexuelle Praxis und die Freiheit in der Partnerwahl in der Kultur der westlichen Neuzeit sowie die Einfachheit von Scheidung und Wiederverheiratung innerhalb des gleichen nationalen Rechtssystems haben zu einem Anstieg der sogenannten „seriellen Monogamie“ geführt. Bei der seriellen Monogamie haben Personen mehrere aufeinanderfolgende monogame Beziehungen, die sie nach einer gewissen Zeit beenden.[107] Dieses Verhalten hat durch den damit verbundenen Wechsel der Sexualpartner einen fließenden Übergang zur Promiskuität.

Serielle Monogamie kann aus patriarchaler Sicht als eingeschränkte Polygynie aufgefasst werden, die einer Befriedung der breiten Masse von Männern und damit den Interessen der Elite einer Gemeinschaft dient.[108][109]

Durch die zunehmende Emanzipation der Frau gibt es aber auch immer mehr Frauen, die sich aus für sie unbefriedigenden Lebensbeziehungen lösen und sich einen neuen Partner suchen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Monogamie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  John Alcock: Animal Behavior: An Evolutionary Approach. 7 Auflage. Sinauer Associates, 2001, ISBN 978-0878930111, S. 366.
  2.  A. F. de Souza Dias, R. Maia, R. I. Dias: Breeding Strategies of Tropical Birds. In: P. S. Oliveira, V. Rico-Gray (Hrsg.): Tropical Biology and Conservation Management Vol. 3. EOLSS Publishers Co Ltd, 2009, ISBN 978-1848267244 (http://www.eolss.net/Sample-Chapters/C20/E6-142-TZ-15.pdf).
  3. a b J. R. Ginsberg, D. I. Rubenstein: Sperm competition and variation in zebra mating behavior. In: Behavioral Ecology and Sociobiology. 26, Nr. 6, Juni 1990, S. 427-434. doi:10.1007/BF00170901. Abgerufen am 5. November 2012.
  4. K. P. Lampert, K. Blassmann, K Hissmann, J. Schauer, P. Shunula, Z. el Kharousy, B. P. Ngatunga, H. Fricke, M. Schartl: Single-male paternity in coelacanths. In: Nature Communications. 4, Nr. 2488, September 2013. doi:10.1038/ncomms3488. Abgerufen am 30. September 2013.
  5. D. J. Hosken, P. Stockley, T. Tregenza, N. Wedell: Monogamy and the Battle of the Sexes. In: Annual Review of Entomology. 54, Sept. 2009, S. 361–378. doi:10.1146/annurev.ento.54.110807.090608. PMID 18793102. Abgerufen am 15. November 2012.
  6. T. E. Pitcher, P. O. Dunn, L. A. Whittingham: Sperm competition and the evolution of testes size in birds. In: Journal of Evolutionary Biology. 18, Nr. 3, Mai 2005, S. 557–567. PMID 15842485. Abgerufen am 14. November 2012.
  7. L. W. Simmons, F. García-González: Evolutionary reduction in testes size and competitive fertilization success in response to the experimental removal of sexual selection in dung beetles. In: Evolution. 62, Nr. 10, Oktober 2008, S. 2580-2891. doi:10.1111/j.1558-5646.2008.00479.x. PMID 18691259. Abgerufen am 16. November 2012.
  8. S. Pitnick, G. T. Miller, J. Reagan, B. Holland: Males’ evolutionary responses to experimental removal of sexual selection. In: Proceedings of the Royal Society Biological Science. 268, Nr. 1471, Mai 2001, S. 11071-11080. doi:10.1098/rspb.2001.1621. PMID 11375092. Abgerufen am 16. November 2012.
  9. A. H. Harcourt, P. H. Harvey, A. G. Larson, R. V. Short: Testis weight, body weight and breeding system in primates. In: Nature. 293, Nr. 5827, September 1981, S. 55-57. doi:10.1038/293055a0. PMID 7266658. Abgerufen am 17. November 2012.
  10. T. R. Birkhead, A. P. Møller, W.J. Sutherland: Why do Females Make it so Difficult for Males to Fertilize their Eggs?. In: Journal of Theoretical Biology. 161, Nr. 1, März 1993, S. 51–60. doi:10.1006/jtbi.1993.1039. Abgerufen am 14. November 2012.
  11. J. A. Mills: Extra-Pair Copulations in the Red-Billed Gull: Females with High-Quality, Attentive Males Resist. In: Behaviour. 128, Nr. 1/2, Februar 1994, S. 41-64. doi:10.1163/156853994X00046. Abgerufen am 21. November 2012.
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  13. B. Beehler: Adaptive Significance of Monogamy in the Trumpet Manucode Manucodia keraudrenii (Aves: Paradisaeidae). In: Ornithological Monographs. 37, 1985, S. 83-99. Abgerufen am 4. Dezember 2012.
  14. D. M. Parish, J. C. Coulson: Parental investment, reproductive success and polygyny in the lapwing, Vanellus vanellus. In: Animal Behaviour. 56, Nr. 5, November 1998, S. 1161-1167. doi:10.1006/anbe.1998.0856. PMID 9819332. Abgerufen am 5. Dezember 2012.
  15. S. C. Griffith, I. P. F. Owens, K. A. Thuman: Extra pair paternity in birds: a review of interspecific variation and adaptive function. In: Molecular Ecology. 11, Nr. 11, November 2002, S. 2195–2212. doi:10.1046/j.1365-294X.2002.01613.x. Abgerufen am 6. September 2012.
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  17. P. E. Komers, P. N. M. Brotherton: Female space use is the best predictor of monogamy in mammals. In: Proceedings of the Royal Society London Seriers B. 264, Nr. 1386, September 1997, S. 1261-1270. Abgerufen am 3. September 2012.
  18. a b  R. L. Trivers, B. Campbell (Hrsg.): Parental investment and sexual selection Sammelwerk=Sexual selection and the descent of man, 1871–1971. Aldine Transaction, Dezember 1972, ISBN 978-0202020051, S. 136–179 (http://www4.nau.edu/shustercourses/BIO%20698/Literature/Trivers%201972.pdf, abgerufen am 4. November 2012).
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  22.  A. P. Møller: Sperm competition and sexual selection. In: T. R. Birkhead & A. P. Møller (Hrsg.): Sperm Competition and Sexual Selection. Academic Press, London 1998, ISBN 978-0121005436, S. 53–89 (http://www.sciencedirect.com/science/book/9780121005436).
  23. K. Mahr, M. Griggio, M. Granatiero, H. Hoi: Female attractiveness affects paternal investment: experimental evidence for male differential allocation in blue tits. In: Frontiers in Zoology. 9, Nr. 14, Juni 2012. doi:10.1186/1742-9994-9-14. Abgerufen am 7. November 2012.
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