Seelenschlaf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Seelenschlaf ist eine Bezeichnung für den Glauben, dass die Toten schlafen bis zur Auferstehung.

Calvins Nachtwache der Seele 1534[Bearbeiten]

Calvins erste Schrift theologischen Inhaltes war Psychopannychia („Nachtwache der Seele“) (Orléans, 1534), in der er die Lehre vom Seelenschlaf zwischen Tod und Jüngstem Gericht verurteilte.[1][2] Später folgte eine französische Fassung; Psychopannychie – La nuit ou le sommeil de l'âme (Genf, 1558).[3][4]

Streitschriften über den Seelenschlaf Luthers[Bearbeiten]

Martin Luther beschrieb häufig den Tod als eine Art Schlaf.[5][6] Im 18. und 19. Jahrhundert war es umstritten, ob Luther Seelenschlaf gelehrt hatte.[7][8] Der lutherische Historiker Gottfried Fritschel (1867) meinte, dass diese Lehre in Luthers Werken zu finden sei.[9][10]

Der Mortalismus von Milton, Hobbes, Locke und Newton[Bearbeiten]

In England bekämpfte Thomas More mit denselben Argumenten wie Calvin die Lehre vom Seelenschlaf, [11] trotzdem war Mortalismus im England der Aufklärung weit verbreitet.[12] Führende Persönlichkeiten der frühen Aufklärung wie Milton,[13] Locke,[14] Hobbes und Newton[15] lehnten die Unsterblichkeit der Seele ab.[16][17][18]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Opitz Leben und Werk Johannes Calvins 2009, S. 31: „Calvins erste Schrift theologischen Inhaltes stammt aus dieser nur sehr unzulänglich zu erhellenden Zeit zwischen der Coprede und seinem Gang ins Exil. Ihre Vorrede gibt als Entstehungsort Orléans und als Jahr 1534 an“.
  2. Archiv für Reformationsgeschichte: Beiheft, Literaturbericht: 36 Verein für Reformationsgeschichte, American Society for Reformation Research – 2007 „Hinzu kommt sodann eine französische Fassung von Calvins Psychopannychia, in der er zu der Lehre vom Seelenschlaf zwischen Tod und Jüngstem Gericht Stellung genommen hatte.“
  3. Jean Henri Merle d'Aubigné. Histoire de la réformation en Europe au temps de Calvin.
  4. Ernst Staehelin Johannes Calvin: Leben und ausgewählte Schriften, Bd. 1 (1863), S. 36
  5. Luther Enarrationes in Genesin 1535–1545 „sic anima post mortem intrat suum cubiculum et pacem et dormiens non sentit suum somnum“ Exegetica opera Latina Bd. 5&6 S. 120, Elsberger 1830.
  6. Hans-Georg Kemper Konfessionalismus 1987 S. 326 „Der Tod erschien Luther als ein bloßer Schlaf, der Zwischenzustand zwischen Tod und Auferstehung als eine kurze Zeit der »Geborgenheit in Christus«, bis dieser sich »leibhaftig offenbar macht«“ (ebda., S. 99).
  7. Aurelie Horovitz Beiträge zu Lessings Philosophie 1907 S. 89 „August 1755 über eine Streitschrift, ob Luther an den Seelenschlaf nach dem Tode geglaubt, sagt Lessing, dass da mit Luthers Ansehen nichts zu gewinnen sei.“
  8. Gotthold Ephraim Lessing Sämtliche Schriften: Bd. 7 Karl Lachmann, Franz Muncker – 1891 „Er führet eine ziemliche Menge Stellen aus Luthers Schriften an, in welchen allen der Seelenschlaf, den Worten nach, ... Sie werden sagen, daß Luther mit dem Worte Schlaf gar die Begriffe nicht verbinde, welche Herr R. damit verbindet.“
  9. G. Fritschel: Denn dass Luther mit den Worten „anima non sic dormit, sed vigilat et patitur visiones, loquelas Angelorum et Dei“ nicht dasjenige leugnen will, was er an allen andern Stellen seiner Schriften vortragt. Luther und offene Fragen, Zeitschrift für die gesammte lutherische Theologie und Kirche 1867 S. 657 – „Differunt tamen somnus sive quies hujus vitae et futurae. Homon enim in hac vita defatigatus diurno labore, sub noctem intrat in cubiculum suum tanquam in pace, ut ibi dormiat, et ea nocte fruitur quiete, neque quicquam scit de ullo malo sive incendii, sive caedis. Anima autem non sic dormit, sed vigilat, et patitur visiones loquelas Angelorum et Dei. Ideo somnus in futura vita profundior est quam in hac vita et tamen anima coram Deo vivit. Hac similitudine, quam habeo a somno viventia.“
  10. Irmgard Wilhelm-Schaffer Gottes Beamter und Spielmann des Teufels - Der Tod in Spätmittelalter (1999) "Aufgrund biblischer Aussagen räumt Luther die Existenz einiger weniger Ausnahmen vom Seelenschlaf ein. Es handelt sich dabei um Personen wie Moses und Elias, die Jesus erschienen waren; grundsätzlich kommt der Schlaf als Zwischenzustand ..."
  11. Judaica: 22–24 1965 „Gegen Bacon, Gassendi und Hobbes versichert er immer wieder: Die Seele ist keine tabula rasa (II, 33)17. [...] Die Lehre vom Seelenschlaf bekämpft More mit denselben Argumenten wie Calvin (III, 61–78) durch die These: animam post mortem non dormire. Er bestreitet es energisch, daß die Lehre von der Unsterblichkeit unbiblisch und vom Platonismus in die Kirchenlehre...“
  12. Gerhard Krause, Gerhard Müller Theologische Realenzyklopädie: Bd. 22 S. 758 1992 „Mortalismus war in England weit verbreitet und Sir Thomas Browne bekannte sich zu dieser Auffassung in Religio Medici als der ersten seiner jugendlichen 20 Häresien. Milton stand keinesfalls allein mit der Auffassung, daß der Mensch aufgrund der Untrennbarkeit von Leib und Seele gänzlich sterblich sei.“
  13. Jürgen Klein Radikales Denken in England: Neuzeit 1984 S. 406: „... selben Atemzug gesagt werden muß, wie eigenwillig Milton der orthodox-protestantischen Theologie gegenübergestanden hat, etwa mit seiner These des Mortalismus.“
  14. Nuvo (ed.), John Locke: Writings on Religion'’, S. xxxiii (2002)
  15. Wood, Science and dissent in England, 1688–1945, S. 50 (2004)
  16. Bryan W. Ball The Soul Sleepers: Christian Mortalism from Wycliffe to Priestley, Lutterworth 2008
  17. Norman T. Burns Christian Mortalism from Tyndale to Milton, Harvard University Press 1972
  18. Philip C. Almond Heaven and Hell in Enlightenment England, Cambridge University Press 2009